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Abendmahlspraxis im Wandel der Zeiten

Erklärung der theologisch konservativen SELK (Selbständig Evangelisch Lutherische Kirche):

Am vergangenen Sonntag beging die Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf der SELK ihr 49. Kirchweihfest. Als Festprediger und Referent war der Propst der Kirchenregion Ost der SELK, Pfarrer Gert Kelter (Görlitz), eingeladen worden. In den beiden Beicht- und Abendmahlsgottesdiensten hielt er die Festpredigt.

Direkt im Anschluss referierte er jeweils in Form eines kurzen Impulsreferates zum Thema „Die Abendmahlspraxis im Wandel der Zeiten. Überlegungen zu Kriterien der Schrift- und Einsetzungsgemäßheit unterschiedlicher Kommunionpraktiken.“

Infolge von Corona seien innerhalb der SELK eine Vielfalt verschiedener Abendmahlspraktiken entstanden. Propst Kelter griff dabei auf noch nicht veröffentlichte Teilergebnisse einer Umfrage unter den Pfarrämtern zurück, die die Kirchenleitung und das Kollegium der Superintendenten der SELK initiiert hatte.

Er zeigte nach der Vorstellung der verschiedenen Varianten, die sich mittlerweile in der SELK finden, dass auch in der Kirchengeschichte schon immer unterschiedliche Kommunionpraktiken geübt worden seien und manches, was jetzt als neu, fremd und vielleicht auch suspekt erscheine, so neu gar nicht sei. Man müsse jeweils genau hinsehen, ob Darreichungsformen des Altarsakramentes als Notform nur fremd und gewöhnungsbedürftig, aber tolerabel seien oder ob wesentliche Bestandteile der evangeliums- und stiftungsgemäßen Abendmahlsfeier ausgeblendet würden und daher abgelehnt werden müssten.

Abschließend stellte Kelter fest, dass es in der Kirche immer schon unterschiedliche Formen der Darreichung und des Empfangs des Abendmahles (darunter auch die Intinktion) gegeben habe, die jedoch nicht notwendigerweise die Stiftungsgemäßheit der Sakramentsfeier berühren müssten.

Kelter betonte, dass bei allen neuen oder eben auch gar nicht so neuen Darreichungsformen des Abendmahles immer auch darauf zu achten sei, dass die Behandlung der Relicta, also der Übrigbleibsel an konsekriertem Brot und Wein, so zu erfolgen habe, dass kein Zweifel daran bleibe, dass es sich´dabei um Leib und Blut Christ handele und das Bekenntnis zur Realpräsenz nicht im Nachhinein durch die Praxis wieder verleugnet würde.

Die Relicta sollten daher sofort verzehrt und nicht etwa als Weinreste in Plastikeinwegbecherchen dem Ausguss oder Plastikmüll übergeben werden oder wie unkonsekrierte Elemente behandelt und in Weinflasche und Hostiendose zurückgegeben werden.

Die Verwendung des so genannten „Ziboriums beiderlei Gestalt“, bei dem der Kommunikant die in Wein getauchte Hostie durch die Hand des Pfarrers mit dem Mund empfängt, sei – so Kelter- die beste aller Notlösungen, bleibe jedoch eine Notlösung. „Christus sagte nicht „tinket“, sondern „trinket“, so der Propst. „Änderungen der Abendmahlspraxis sind immer Operationen am offenen Herzen der Kirche“, brachte Propst Kelter die Brisanz der Thematik auf den Punkt.

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Kommentare

5 Antworten

  1. Ich habe ihn gerade als katholisch wahrgenommen. Sonderbar. Er spricht von der Realpräsenz und den Resten. Da geht einiges nicht zusammen. Als ungeweihter Lutheraner hat er es nicht mit Realpräsenz zu tun. Es sei denn, er hätte sich weihen lassen. Das soll es auch geben und dann kommen vernünftige Worte.
    Abendmahlsreste entstehen nur, wenn man es nur einseitig genau nimmt. Selbst nach der Intinktion könnte der Rest des wenigen Weins noch konsumiert werden.

    1. Luther bejahte die Realpräsenz. Im Neuen Testament finde ich keine Weihevoraussetzung für die Realpräsenz. Sie etwa? Jesus hat dergleichen auch nie erwähnt. Im Gegnteil. Die Apostelgeschichte berichtet uns davon, dass die Gläubigen täglich in ihren Häusern das Brot brachen. Geweihte Priester im heutigen Sinn gab es damals auch nicht.

    1. In der SELK gibt es grob zwei Richtungen: Pfarrer und Gemeinden, die alles am Altar konsumieren, und solche die das nicht tun und in ihrer Tradition würdig mit den Elementen umgehen. Wie auch immer das im letzteren Fall aussieht, das hat nichts mit Verleugnung der Realpräsenz zu tun. Bei gleicher Lehre und Bekenntnis hatten wir SELKies seit jeher Unterschiede in der Praxis, was Propst Kelter ja auch betont – und ich füge hinzu: Was in der lutherischen Freiheit auch gut, richtig und wünschenswert ist. Erfahrungsgemäß kommen leider von der ersten Gruppe gelegentlich „Handlungsanweisungen“, in ihrem Sinne zu verfahren, wie im obigen Bericht erwähnt, die aber daran über die Jahrzehnte auch nichts geändert haben.

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