Kurz vor der in Berlin geplanten Verkaufsmesse Wish for a Baby, auf der Frauen als Leihmütter und Kinder als Handelsware präsentiert werden, fand am 6. März in der Bundespressekonferenz der ausverkaufte internationale Fachkongress „Kinder und Kommerz“ statt.
Fachleute aus Recht, Medizin, Politik und Ethik sowie Betroffene forderten ein konsequentes Vorgehen Deutschlands gegen jede Form der Leihmutterschaft. 
In ihren einleitenden Worten betonte Cornelia Kaminski (siehe Foto), Bundesvorsitzende der ALfA, dass die Sehnsucht nach einem Kind zutiefst menschlich und legitim sei. Menschen, die einen Ausweg aus dem Leid der Kinderlosigkeit suchen, dürften daher nicht verurteilt werden.
Wohl aber sei es geboten, die Auswege darauf hin zu überprüfen, ob sie nicht neues Leid schaffen. Dies, sowie die Frage nach Alternativen, sei Gegenstand des Kongresses.
Reem Alsalem: Gewalt gegen Frauen
Als hochrangige Expertin war die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, Reem Alsalem, zugeschaltet. Sie bezeichnet Leihmutterschaft klar als „Gewalt gegen Frauen“ sowie „Sklaverei“ und forderte einen internationalen Aktionsplan gegen den globalisierten Leihmutterschaftshandel: 
„Frauen und Mädchen werden bei Leihmutterschaft ausgenutzt. Leihmutterschaftsverträge sind unverständlich, diktieren Frauen, wie sie zu leben, zu essen und zu gebären haben. Die Normalisierung von Leihmutterschaft bedeutet Ausbeutung und Ausnutzung von Frauen als akzeptabel zu bezeichnen“.
Perspektive der Kinder beachten
Dass Leihmutterschaft isoliert die Interessen erwachsener, finanzstarker Personen vertritt, wurde mit einem Blick auf Betroffene deutlich: Die 34-jährige Olivia Maurel wurde selbst durch eine gekaufte Leihmutterschaft geboren:
“Meine erste lebenswichtige Bindung mit meiner Mutter war von Anfang an auf ein Ende ausgelegt. Leihmutterschaft vergisst immer die Kinder – ihr Wohl, ihre Beziehungen und ihre Identität. Ich bin ein solches vergessenes Kind“, sagte die durch Leihmutterschaft geborene Autorin Olivia Maurel unter Tränen. 
Eine konkrete anonymisierte Fallstudie der psychologischen Folgen für durch Leihmutterschaft produzierte Kinder, bot die internationale Expertin und Kinderpsychiaterin Dr. Anna Kováčová: Das Kind litt an mangelnder Konzentration, Sprachproblemen und mangelnder sozialer Kompetenz.
Die Gesetze auch durchsetzen
Den rechtlichen Rahmen für Leihmutterschaftsvereinbarungen beleuchteten Dr. Felix Böllmann (ADF International, Wien) und Eva Engelken (Frauenheldinnen e.V.). Sie machten klar, dass die notwendigen Gesetze zur Durchsetzung eines vollständigen Verbots in Deutschland durchaus vorhanden wären – aber der Wille fehle, dieses Verbot auch konsequent durchzusetzen. 
Wie schwierig dies ist, verdeutlichte vor allem Eva Engelken, deren Verein Frauenheldinnen juristisch gegen die Babywunschmessen vorgeht, auf denen Verträge zu Leihmutterschaftsvereinbarungen angebahnt werden.
Auch die sogenannte „altruistische Leihmutterschaft“ sei keine Option, hob die Bestsellerautorin Birgit Kelle (siehe Foto) hervor. Selbstverständlich verdienten bei dieser Form Agenturen, Ärzte und Rechtsanwälte – lediglich die Frau, die die gesundheitlichen Risiken trage und die Arbeit leiste, müsse dabei auf eine Entlohnung verzichten.
Milliardengeschäft auf Kosten von Frauen
Aus philosophisch-theologischer Perspektive sprachen der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Peter Schallenberg (Paderborn) sowie der Theologe und Medizinethiker Prof. Dr. Dorian Winter (Freiburg). Winter betonte, dass Handel und Besitz von Menschen („Recht auf ein Kind“) Merkmale der Sklaverei sind.
Medizinische Fachexpertise boten Dr. Dr. Kai Witzel und Dr. Andreas Weber. Witzel sprach über die Gefahren der Kommerzialisierung in der Medizin, bei der der Leihmutterschaftsmarkt durch enorme Wachstumsraten und Renditen für Investoren hervorsteche, während Weber über medizinische Risiken und Folgen für die Leihmutter referierte, über die viel zu wenig geforscht und gesprochen werde. 
„Dass mitten in Deutschland trotz Verbot dieser Praxis auf Babywunschmessen Leihmutterschaftsgeschäfte angebahnt werden, ist skandalöses Unrecht. Die Expertise auf unserem Kongress zeigt: Deutschland muss handeln und sich an die Speerspitze einer internationalen Bewegung setzen, die dies auf höchster Ebene fordert“, erklärte Cornelia Kaminski, Veranstalterin des Kongresses und Bundesvorsitzende der ALfA.
Im abschließenden Podium mit Weber, Eva Demmerle (Stiftung Tagespost), Witzel und Roxane Köhler (Jugend für das Leben) wurde deutlich: Leihmutterschaft widerspricht dem Schutz von Frauen, Kindern und Familien – und gehört weltweit verboten und geächtet.
Zu diesem Podium eingeladen waren auch zwei Vertreter des Vereins zur Förderung der Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland, die ihre Teilnahme jedoch abgesagt hatten.
Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) tritt für das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen ein – ob geboren oder ungeboren, behindert oder nicht, krank oder gesund, alt oder jung. Die ALfA hat ca. 11.000 Mitglieder und ist Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL).





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5 Kommentare
„Leihmutter“, was für ein Begriff! Kann ich Mutterschaft „leihen“? Oder bin ich nicht DIE Mutter, wenn ich das Kind austrage? Sage das mal fiktiv für Betroffene, bin ja ein Mann…. Das oben Gesagte mal als erste Frage, mich bewegt allerdings in dem Zusammenhang noch eine zweite: Sagen wir nicht „Ja, Gott hat alle Kinder lieb?“ Obwohl das doch so nicht von Gott geplant ist….Ich weiß nicht, irgendwie ist mir nicht ganz wohl bei dem ganzen Komplex…
Das CDU-geführte Brüssel immer mitten dabei, wenn es um die Kultur des Todes geht.
Die Kinderkäuferinnen könnte auch einmal der Spruch treffen: „Du bist ja gar nicht meine Mutter!“
Auf der einen Seite die hohe Zahl der Abtreibenden, und auf der anderen Seite die Leihmutterschaft.
Ich meine, wenn die abtreibungswilligen Frauen ihre Kinder zur Adoption freigeben würden, wären so viele kinderlose Elternpaare mit einem Kind beschenkt.
Aber nein, es geht auch bei Leihmutterschaft darum, Kindern die bestmöglichen Gene mitzugeben. Auch das Aussehen wird mitbestellt. Für mich ist es moderne Sklaverei. Leider lassen sich zu viele arme Frauen auf dieses Geschäft ein.
Gott vergisst seine geliebten Kinder nicht!
Herzlichen Dank für den Artikel.
Der ganze Kongreß ist hier nachzuhören:
https://www.youtube.com/watch?v=HGKx2pLslW4&t=3s
Leihmutterschaft ist weltweit konsequent zu ächten, sonst werden findige Agenturen immer Schlupflöcher entdecken und nutzen, wie die perfiden „Baby – Wunsch – Messen“ beweisen, denn, wie u.a. Frau Kelle sagt, es geht um ein Milliardengeschäft. Übrigens geht selbst in der Ukraine das Geschäft mit den Leihmüttern auch jetzt weiter.