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Von Olga Karach
(Belarusische Bürgerrechtlerin aus Litauen)

Es gibt einen recht merkwürdigen und beunruhigenden Fall, der den Karmelitenmönch Grzegorz Gawel betrifft, der in Belarus der „nuklearen Spionage“ beschuldigt wird.

Am 4. September 2025 wurde er von Mitarbeitern des belarussischen Staatssicherheitskomitees (KGB) in der Stadt Lepel (Region Wizebsk) festgenommen. Die staatlichen belarussischen Medien behaupteten, man habe bei ihm eine Fotokopie eines als „geheim“ eingestuften Dokuments gefunden, das sich auf die Militärübungen „Sapad-2025“ und auf russische taktische Atomwaffen beziehe.

Gegen ihn wurde ein Strafverfahren nach Artikel 358 des Strafgesetzbuches der Republik Belarus – „Spionage“ – eingeleitet.

Wir betrachten diesen Fall als politisch motiviert. Höchstwahrscheinlich sind die Anschuldigungen vollständig von KGB-Beamten fabriziert worden, die sich in den letzten Jahren aktiv mit der kreativen Erzeugung von Mythen, Legenden und sogenannten „Enthüllungen“ beschäftigt haben (und übrigens sind sie damit nicht allein – fast alle Sicherheitsdienste in der Region leiden heute unter demselben Phänomen).

Wenn man hingegen der offiziellen Version Glauben schenken wollte, würde dies bedeuten, dass das belarussische Verteidigungsministerium aus völlig unfähigen Soldaten besteht: Es würde heißen, dass irgendein zufälliger Mönch im Habit ungehindert in bewachte militärische Einrichtungen eindringen, in aller Ruhe geheime Dokumente über Atomwaffen kopieren und dann mehr als hundert Kilometer nach Lepel fahren konnte – ohne von jemandem aufgehalten zu werden.

Doch selbst wenn man das Unwahrscheinliche annimmt – dass der Mönch tatsächlich Dokumente über russische taktische Atomübungen in Belarus beschafft hat –, dann hätten wir es hier nicht mit einem Verbrecher zu tun, sondern mit einem Helden, einem Mann, der Respekt und Unterstützung verdient.

Opfer von Verfolgung aufgrund seiner Nationalität

Eine weitaus plausiblere Erklärung ist unserer Ansicht nach, dass der Mönch Opfer von Verfolgung aufgrund seiner Nationalität und seines religiösen Status geworden ist. Er wurde nicht wegen „Spionage“ festgenommen, sondern weil er Pole und katholischer Geistlicher ist.

Es ist offensichtlich, dass die polnische Regierung mit diesem Fall absolut nichts zu tun hat. Die Vorstellung, Warschau habe angeblich einen Karmelitenmönch nach Belarus geschickt, um militärische Dokumente über Atomwaffen zu stehlen, ist eine absurde Konstruktion, die ausschließlich für den internen Gebrauch der belarussischen Propaganda geschaffen wurde.

Wenn Polen tatsächlich jemanden für eine solche Mission entsandt hätte, wäre es sicherlich eine wesentlich besser ausgebildete und unauffälligere Person gewesen. Ein Ordenshabit zieht im heutigen Belarus zwangsläufig Aufmerksamkeit auf sich – ein Mönch kann sich schlichtweg nicht unbemerkt bewegen, weder vor der „aufmerksamen“ Bevölkerung noch vor den Sicherheitsdiensten.

Eine solche Person eignet sich von Natur aus für keine geheime Tätigkeit, schon gar nicht für „Spionage“.

Steht dieser Mönch vor der Hinrichtung?

Der Mönch Grzegorz Gawel wird derzeit unter harten Bedingungen festgehalten, ohne angemessenen Zugang zu einem Anwalt oder zu konsularischen Vertretern, und er ist der Gefahr von Folter und psychischem Druck ausgesetzt. Ihm droht die Todesstrafe.

Artikel 358 des Strafgesetzbuches der Republik Belarus („Spionage“) sieht die Möglichkeit der Verhängung der Todesstrafe vor, wenn die Handlungen des Angeklagten als „schwerwiegende Folgen“ eingestuft werden oder die Weitergabe von Informationen betreffen, die ein Staatsgeheimnis im Bereich der Verteidigung oder Sicherheit darstellen – und Fragen, die sich auf Atomwaffen beziehen, fallen unmittelbar in diese Kategorie.

Dieser Fall ist eindeutig politischer Natur.

Die von mir gegründete Bürgerrechtsvereinigung „Unser Haus“ fordert die sofortige Freilassung von Mönch Grzegorz Gawel – ohne jegliche Vorbedingungen und ohne Verzögerung.

Kommentare

3 Kommentare

  1. Es gibt in Weißrussland eine römisch-katholische Minderheit, auch katholische Kirchen und Polen, die schon lange dort leben, weil Polen an Weißrussland grenzt @Münsterloewin.

  2. Das ist sehr tragisch. Nur: Was machte der polnische Mönch überhaupt in Belarus? Was wollte er da? Warum begab er sich in Gefahr?

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