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Charismatisches Phänomen Hammersegen: Wie freiwillig ist das „Ruhen im Geist“?

Von Felizitas Küble

Seit Ende Ende der 80er Jahre befasse ich mich kritisch mit dem sogenannten „Ruhen im Geist“, einem Vorgang, den es auch in anderen Religionen und „Spiritualitäten“ gibt, der in der Neuzeit und innerhalb des Christentums aber erst mit dem Aufkommen der protestantishcen Pfingstbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts größere Aufmerksamkeit erregte und eine zumehmende Breitenwirkung entfaltete.

In der katholischen Kirche hingegen war dieses Phänomen eines tranceartigen Rückwärtskippens, das von seinen Verehrern als Heilig-Geist-Erfahrung verherrlicht wird, bis Ende der 60er Jahre so gut wie völlig unbekannt.

Erst mit dem Entstehen der katholischen „Charismatischen Erneuerung“ drang diese angebliche „Taufe im Geist“ auch in entsprechende katholische Gruppen und Kreise ein. In den USA bezeichnet man das Phämomen durchaus trefflich als „Slain in the Spirit“, wörtlich übersetzt: Erschlagenwerden im Geist.

Für mich war stets klar, daß dieses Erlebnis eines stark eingeschränkten oder gar völlig darniederliegenden Wachbewußtseins kein von Gott bewirkter Vorgang sein kann, denn der Geist des Ewigen setzt Verstand, Vernunft und Bewußtsein, die ER selber im Menschen erschaffen hat, nicht außer Kraft und beeinträchtigt sie auch nicht.

Zu den Sieben Gaben des Hl. Geistes zählt die katholische Kirche ganz nüchtern und mit Rückgriff auf biblische Aussagen auch die „Gabe des Verstandes“ sowie der „Einsicht“ bzw. der „Erkenntnis.“

Durch die Firmung werden wir durch die Gnade Gottes in diesen Gaben bestärkt und gefestigt. Es ist noch nie (!) in der 2000-jährigen Kirchengeschichte vorgekommen, daß jemand beim Empfang dieses Sakramentes gleichsam wie ohnmächtig nach rückwärts gefallen wäre – natürlich ebensowenig bei einer Taufe (auch nicht bei einer Erwachsenentaufe) oder etwa einer Priesterweihe.

Es handelt sich somit beim charismatischen „Ruhen im Geist“ um ein fremdartiges Phänomen, das freilich etwa im Hinduismus als „Shakti Pat“ seit Jahrhunderten bekannt ist und auch praktiziert wird.

Nachdem dieser „Hammersegen“, bei dem Menschen plötzlich auf den Boden fallen, auch in der katholischen Kirche immer stärkere Ausmaße annahm und vor allem durch charismatischen Gruppen in Medjugorje und entsprechende „Gebetsgruppen“ befeuert wurde, meldeten sich im Laufe der Zeit immer mehr Betroffene bei mir, bei denen dieses „Erschlagenwerden im Geist“ vor allem, wenn es öfter vorkam – zu großen seelischen, spirituellen und bisweilen auch psychosomatischen Verstörungen und Problemen führte. Meist handelte es sich dabei um Frauen mittleren Alters.

Auch vor drei Tagen berichtete mir wieder eine Geschädigte von dem mehrmaligen Rückwärtskippen, das ihr u.a. bei dem indischen Heilungsprediger James Manjackal, bei Alan Ames, bei Sr. Margarita Valappila und in Medjugorje bei Pater Zovko widerfahren ist. Hinsichtlich dieser vier „Heiler“ weiß ich auch durch andere Aussteiger, daß sie fleißig diesen schwarmgeistigen „Hammersegen“ verteilen.

Die Familienmutter aus dem Bistum Freiburg erläuterte aus ihrer Erfahrung heraus (was ich ähnlich auch von anderen Betroffenen erfuhr), dass sie seitdem in ihrer seelischen „Fitness“ sehr nachgelassen habe, daß sie innere und äußere Erschöpfungszustände erlebte, die sie vorher nicht kannte.

Durch die Lektüre kritischer Artikel hier im CHRISTLICHEN FORUM über dieses „Ruhen im Geist“ seien ihr erst die Augen vollends aufgegangen. Sie habe schon vorher Bedenken bekommen, insbesondere deshalb, weil sie bei einem „Heilungsgottesdienst“ mit Pater Manjackal im Grunde gegen ihren Willen in Trance gefallen sei – ähnlich einer Hypnosewirkung.

Das habe ihr sehr zu denken gegeben: Kann denn ein Geschehnis, das ohne ihre innere Zustimmung erfolgt, von dem man regelrecht „erschlagen“ wird, wirklich vom Heiligen Geist gewirkt sein? Ist der Geist Gottes nicht ein Geist der Freiheit, wie die Bibel immer wieder betont?

Diese Betroffene ist nicht die erste, die sich und anderen diese Frage stellt.

Mir berichtete ein katholischer Kaplan schon vor vielen Jahren, was er einst in Medjugorje – übrigens ebenfalls bei einer Zusammenkunft mit Pater Zovko – erlebte: Obwohl er weit hinten in der Kirchenbank stand, konnte er sich, als der Geistliche seinen „charismatischen“ Heilungssegen spendete, nur mit Mühe noch aufrechterhalten: Er mußte sich innerlich wie gegen eine Art „Fernstrahlung“, gegen eine starke Kraft wehren, was ihm nur gelungen sei, indem er sich mit letzter Willenskraft an der Kirchenbank festhielt und dann sofort den Raum verließ.

In einer evangelischen Zeitschrift las ich einen ähnlichen Erlebnisbericht: Ein junger Mann war kritisch und hielt nichts von „charismatischen Umtrieben“. Dann ging er gefälligkeitshalber mit einem Bekannten zu einer pfingstlerischen Veranstaltung. Dort wurde eifrig der „Hammersegen“ verteilt – und auch er kippte um. Dies bewirkte, da es sich „sehr schön“ und „harmonisch“ angefühlt habe, daß er immer tiefer in die charismatische Szene geriet. Erst Jahre später erkannte er die irrgeistigen Phänomene und verabschiedete sich davon.

Man darf bei all dem nicht vergessen, daß in solchen „Heilungs“-Seminaren häufig auch ein gewisser Erwartungsdruck aufgebaut wird, was letztlich manipulativ ist und den geistlichen Missbrauch begünstigt.

So erfuhr ich z.B. von Besuchern der Veranstaltungen im charismatischen „Haus Raphael“ (es ist kirchlich nicht anerkannt!), daß dort in Predigten und Vorträgen erklärt werde, das „Ruhen im Geist“ sei ein großartiger „Durchbruch des Heiligen Geistes“, es sei so, wie wenn man gleichsam „Jesus in den Schoß falle“ und dort in himmlischer Geborgenheit „ruhen“ dürfe usw…

Eine Bekannte, die sich dort zwar „absegnen“ ließ, aber eigentlich nüchtern war und mit „diesen Dingen“ nichts am Hut hatte, wurde von dem charismatischen Priester gefragt: „Wollen Sie nicht umfallen?“ – Sie blieb trotzdem stehen. Eine Freundin aus Münster erlebte bei einer ähnlichen Zusammenkunft, wie ein „Heilungsprediger“ ihr gegen die Stirne drückte, um ein Umfallen zu begünstigen. Die Dame blieb trotzdem aufrecht stehen.

Man sollte sich aber nicht vorwitzig auf die Devise verlassen: „Wenn ich es nicht will, dann kippe ich auch nicht um.“ – Das kann zwar gutgehen, aber auch daneben, wie ich aus jahrzehntelanger Erfahrung mit Aussteigern weiß.

Gerade in geistlichen Dingen dürfen und sollen wir nicht mit dem Feuer spielen, sondern nüchtern und wachsam bleiben. Hier gilt außerdem das Wort Christi, das er dem Satan in der Wüste entgegenhielt: Du sollst den HERRN, deinen Gott, nicht versuchen!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Kommentare

5 Antworten

  1. Schon alt, aber vielleicht doch noch interessant …
    Ich bin recht früh auf meinem Glaubensweg auf diese Aufklärung gestoßen .. und bin sehr froh darüber.

    Ach .. und darf ich meine Freude teilen: seit gestern gehöre ich offiziell der Katholischen Kirche, dem mystischen Leib Christi, der streitenden Kirche (wieder) an. Ich bin froh und glücklich und es ist wirklich ein Nachhausekommen.
    Ich habe in meinem Leben eigentlich nur falsche Entscheidungen getroffen. Dies ist ohne Übertreibung die einzig richtige Entscheidung in meinem Leben .. der Hl Schutzengel hat immer gewacht und er sowohl als auch GOTT hatten unendliche Geduld und Liebe für mich.

    Lob und Dank sei Gott!
    Gelobt sei Jesus Christus.

    ..und da kann man nur sagen: welch ein Abgrund tut sich auf in diesen Filmen und wie kann man glauben, dass das von Gott ist?

    die Götter des new age

    https://www.youtube.com/watch?v=JhkHI-rFAjI&feature=gv
    https://www.youtube.com/watch?v=-jpJfOCYzoE&feature=gv

    1. Guten Tag,
      da es sich nicht um eine inhaltsorientiere Sache handelt, sondern um einen VORGANG, ist es keine Angelegenheit des Lehramts, sondern allenfalls des Hirtenamtes – die meisten Hirten (Oberhirten) wissen vermutlich schlicht nichts davon – ich habe selber mit einem amtierenden Bischof darüber gesprochen – und auch Priester zeigten sich reihenweise total verblüfft, daß es „so etwas“ überhaupt gibt.
      Die Reaktion war überall kritisch bis negativ.
      Meines Wissens hat sich Kardinal Suenens, früher zuständig für die Charismatische Bewegung, skeptisch über das „Ruhen im Geist“ geäußert.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

      1. Da ist eindeutig zu wenig Wissen über die Charismatik seitens der Bischöfe und Priester.
        Deswegen lassen viele Gemeindepfarrer die auch in den Kirchenräumen ihren „Zauber“ machen.
        Die gutgläubigen Pfarrer freuen sich über neue christliche Bewegungen innerhalb der Kirche und sehen darin die Erneuerung des Glaubens.

        An solchen Gemeindeabenden werden meist erstmal Lobpreis und Zeugnisse von Bekehrungen in Medjugorjie geboten. Gespickt mit Anbetung des Allerheiligsten.

        Wenn der Pfarrer angebissen hat und begeistert ist von solch einen „belebenden“ Glauben, werden diese Gruppen wiederkommen und sie bringen einen Prediger mit.
        Und wenn diese dann wiederkommen dürfen, weil der Pfarrer selbst begeistert ist, kommt z.B Alan Ames , bei dem die Gläubigen dann „Ruhen im Geist.“

        So geschehen in Neuenkirchen im Kreis Steinfurt.

        Erst hatten die jeden Donnerstag ihre Charismatische Anbetung und der Pfarrer war mit dabei und hörte Beichte. Später wurde es immer mehr und die „Stars“ der Charismatiker kommen zu den Gemeinden.

        Vor allem werden gerne Klöster von diesen charismatischen Gemeinschaften aufgesucht.
        So ist es in Kloster Stiepel bei Bochum dazu gekommen.
        Die Medjugorje-Anhänger bekamen einen Abend im Monat zur Anbetung und Lobpreis. Dann weitete sich das immer weiter aus.
        So wurde aus einer zuvor nüchternen Klostergemeinschaft ein Teil der Patres Anhänger und ein anderer Teil der Patres wollten das Charismatische nicht in ihrer Kirche haben.

        Ein Pater ist sogar wegegangen in eine Pfarrgemeinde. Dieser hatte schon, bevor alles begann, viele Gespräche und Kontakte mit Geschädigten der charismatischen Szene

        Ob sein Weggang mit diesen Einzug der charismatischen Erneuerung zusammenhängt, erfährt man nicht.

  2. Genauso ist es. Ich erlebte in Kevelaer bei einer charismatischen Veranstaltung Anfang 2000 ewas Ähnliches.
    Ein indischer Priester fing auch an, den Besuchern nach der Messe die Hände aufzulegen – umgeben von der Lobpreismusik der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, die sich zudem für Medjugorje einsetzt.
    Als der Pater zu mir kam und mir seine Hände auflegte, durchstömte mich wie elektrisiert etwas. Ich taumelte regelrecht. Nur weil ich an die Verantwortung für meine Tochter, die noch jung war und auf meine Fürsorge angewiesen war, gedacht habe, fiel ich nicht um. Ich musste stark sein für meine Tochter. Diese hätte sich wahrscheinlich verlassen gefühlt und geschrieen.
    Nur deswegen konnte ich mich auf den Beinen halten.

    Heute bin ich froh, völlig aus diesen Kreisen herauszusein
    Ich kenne noch ein paar gemäßigte charismatische Sympatisantinnen. Bei denen sind es die Ehemänner, die solch ein Treiben nicht mögen und kritisch sind.
    Ansonsten wären diese Frauen sicher auch tiefer drin bei diesen reichlichem Angebot in der charismatischen Szene.
    Diese Frauen äussern öfters den Wunsch, zu diesen Heilungsgottesdiensten zu fahren, aber ihre Männer möchten das nicht.

    Mir fällt auf, dass die charismatische Szene sehr schnell mit dem Teufel bei der Hand ist (von dem sei man beeinflusst), wenn sich jemand kritisch äußert. Wenn einem etwas bei seinem Nächsten nicht in den Kram passt, ist der Nächste vom Teufel verführt worden.

    Schnell wird damit auch von Verantwortlichen aus der Szene ein seelischer Druck ausgeübt

    Ich kann nur sehr davor warnen, sich in diesen Kreisen aufzuhalten. Alles wirkt erst so angenehm und befreiend. Dahinter steckt das, was Frau Küble schon seit Jahrzehnten immer wieder in den vielen Facetten aufdeckt.

    Vielen Dank, Frau Küble, für ihre unermüdliche Arbeit.

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