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CSI zur „Hölle des Krieges“ in Syrien: Christen in Aleppo erneut auf der Flucht

Seit vier Tagen wird Aleppo von der „Hölle des Krieges“ verwüstet. So berichtet ein Partner von CSI (Christian Solidarity International) in einem dramatischen Brief vom 8. Januar. In der syrischen Metropole ist der schwelende Konflikt zwischen den Regierungstruppen des neuen dschihadistischen Regimes in Damaskus und kurdischen Milizen offen ausgebrochen. 

Bereits seit dem 5. Januar liefern sich die Kämpfer schwere Gefechte.

Zwei Stadtviertel Aleppos stehen unter kurdischer Kontrolle. Eines davon, Scheich Maksud, ist ethnisch und religiös gemischt. Dort lebt eine arme christliche Gemeinde, die bereits 2013 zur Flucht gezwungen war. Erst mit dem Einsetzen eines fragilen Friedens wagten es die Christen, nach Scheich Maksud zurückzukehren – das sie „Dschabal el Saydeh“ („Hügel Unserer Lieben Frau“) nennen.

Die neuen Kämpfe zerstören nicht nur die ohnehin schwachen Hoffnungen auf Frieden, sondern bedrohen die Christen erneut an Leib und Leben. Sie werden abermals zu Opfern zwischen den Fronten.

Zwar kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu vereinzelten Gefechten in Aleppo, doch seit Jahresbeginn haben sich diese deutlich intensiviert. In den beiden kurdisch kontrollierten Stadtvierteln findet derzeit eine massive Vertreibung der Bevölkerung statt.

CSI liegt ein Bericht vor, der von „schrecklichen Szenen“ spricht: Menschen liefen panisch umher, Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer verließen ununterbrochen die an Kampfzonen angrenzenden Viertel. Der Beschuss halte Tag und Nacht an. Schulen und Universitäten seien geschlossen, eine Ausgangssperre verhängt, die Stadt in „Stille und Angst“ gehüllt.

Ein christlicher Arzt berichtet aus einem Krankenhaus:

„Im Herzen des Universitätskrankenhauses von Aleppo … verängstigte Gesichter … besorgtes Personal, das sich fragt, ob der Weg nach Hause sicher ist … erschöpfte Patienten, ohne Medikamente oder Geld … Exodus und Entwurzelung … eisige Kälte, die das zusammenzieht, was von den Schlägen eines müden Herzens noch übrig ist … Und wir sagen weiter: Es gibt Hoffnung …“

Internationale Medien berichten von mindestens 22 Toten seit Ausbruch der Kämpfe. Am Donnerstagabend, dem 8. Januar, griff die syrische Armee Stellungen in Aleppo an. Ziel waren die kurdisch geführten Syrian Democratic Forces (SDF). Faisal Ali, Leiter der Einsatzabteilung der syrischen Zivilschutzkräfte in Aleppo, spricht von 13.500 Menschen, die infolge der Kämpfe fluchtartig die Stadt verlassen hätten.

Die SDF beschuldigten mit Damaskus verbündete Fraktionen, mit rechtswidrigen Angriffen auf zivile Gebiete zu drohen, und erklärten, öffentliche Warnungen vor Beschuss könnten nach internationalem humanitärem Recht einer Zwangsvertreibung und damit Kriegsverbrechen gleichkommen.

Der Premierminister der Regionalregierung Kurdistans, Masrour Barzani, erklärte, er sei zutiefst besorgt über die Angriffe auf kurdische Stadtviertel in Aleppo. Er warnte, gezielte Attacken auf Zivilisten sowie Versuche, die demografische Struktur des Gebiets zu verändern, kämen dem gleich, was er als ethnische Säuberung bezeichnete.

Damaskus hat die kurdischen Kämpfer aufgefordert, das Gebiet zu räumen. Die USA haben inzwischen einen fragilen Waffenstillstand vermittelt.

Die SDF-Soldaten sollen per Bus abtransportiert werden. Ob dies das Ende der Kämpfe bedeutet, bleibt jedoch fraglich. Denn eigentlich besteht seit März 2025 ein Abkommen zwischen dem al-Scharaa-Regime und den kurdischen Behörden, das eine Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Seiten vorsieht.

Der Plan hätte bis zum 31. Dezember 2025 umgesetzt werden sollen. Dazu kam es nicht. Stattdessen wechseln sich Phasen der Spannung und der relativen Ruhe ab. Christliche Helfer vor Ort sind an die Grenzen ihrer Kräfte gelangt. Die aktuelle Eskalation gilt als die schlimmste in Aleppo seit Jahren. Nachdem Truppen von Baschar al-Assad die Stadt Ende 2016 erobert hatten, galt die Lage lange als ruhig.

Einen Tag nachdem das dschihadistische Regime in Damaskus neue Kampfeinsätze befahl, reisten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, zu Gesprächen mit Ahmed al-Scharaa an.

Es gehe um die Verteidigung „wirtschaftlicher und politischer“ Beziehungen. Menschenrechte und Demokratie, die in den Kriegsjahren von europäischer Seite beschworen wurden, sind offenbar Nebensache.

Pfarrer Peter Fuchs, der Geschäftsführer von CSI-Deutschland, kommentiert:

„Die Menschen in Aleppo sind enttäuscht von den leeren Versprechungen der Regierung Ahmed al-Scharaas. Statt der vielfach angekündigten Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erleben sie eine weitere Episode des Krieges. Die Einwohner der Millionenstadt sind ausgelaugt von wiederkehrenden Wellen von Krieg und Terror, von Perspektivlosigkeit und Armut. Vor Weihnachten hatte eine Grippe-Epidemie die Einwohner Aleppos entkräftet.

Die Krankenhäuser befinden sich nach 15 Kriegsjahren und verheerenden Wirtschaftssanktionen in einem desolaten Zustand und können den Opfern der aktuellen Angriffe und den vielen Vertriebenen kaum helfen. Unsere kirchlichen Projektpartner vor Ort leisten bei der Versorgung ihrer notleidenden Mitbürger Übermenschliches. Sie können nur durchhalten, wenn der Westen das Regime in Damaskus zwingt, das Land demokratisch zu einen und die Würde aller seiner Bürger zu garantieren.“

Quelle: Pressemeldung von CSI

Kommentare

2 Antworten

  1. Man glaube blos nicht, Ahmed al-Scharaa sei ein (der) Friedensengel….

    Ahmed Hussein al-Sharaa

    syrischer Rebellenführer und Politiker; Übergangspräsident ab Jan. 2025; zuvor Gründer und Führer der islamistischen Miliz Hay’at Tahrir al-Scham (HTS), 2017 hervorgegangen aus der al-Nusra-Front; zeitweise Kooperation mit Terrormiliz Islamischer Staat (IS); in Irak ab 2003 Kämpfer der Terrororganisation al-Qaeda; Kampfname: Abu Muhammad al-Golani

    * 1982 Riad

    Herkunft

    Ahmed Hussein al-Sharaa, Sunnit, wurde 1982 in Riad, Saudi-Arabien, geboren. Die wenigen bekannten Informationen zu seiner Herkunft und seinem frühen Leben stammen maßgeblich aus einem Interview, das S. 2021 dem amerikanischen TV-Sender PBS gab (vgl. pbs.org, abgerufen am 18.3.2025). Er ist der Sohn von Hussein al-Sharaa, der lt. S. wegen Protesten gegen die Machtübernahme der Baath-Partei in seiner Heimat in politische Ungnade fiel und in Bagdad Wirtschafts- und Politikwissenschaft studierte. Nach dem Studium ging er wieder nach Syrien und schließlich nach Saudi-Arabien, wo er für das Ölministerium arbeitete. 1989 kehrte die Familie nach Syrien zurück und S. wuchs mit mehreren älteren Brüdern in einem Mittelschichtviertel in Damaskus auf. Seine Mutter war Lehrerin.
    Ausbildung

    S. besuchte eine Schule in Damaskus. Mit ca. 18 Jahren – nach den islamistischen Terroranschlägen in den USA am 11. Sept. 2001 – begann er sich für radikalen Islamismus und Dschihad zu interessieren.
    QUELLE: munzinger.de

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