TRAUERREDE von Prof. Dr. Paul Cullen (siehe Foto rechts) auf Martin Lohmann (Titelbild) anläßlich der Beerdigung am 6. Dezember 2025 in Bonn (Bad Godesberg):
Das Christentum ist eine revolutionäre Religion. Und eins seiner revolutionärsten Aspekte ist die Vorstellung, dass jeder einzelne Mensch als Abbild des ewigen und allmächtigen Gottes einen inneren Wert hat, der von niemandem in Frage gestellt werden darf. 
Wurde diese Idee bereits am Anfang des Alten Testaments (vgl. Gen 1,26: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich!“) eingeführt, so entfaltete sie ihre volle Wirkkraft erst im Römischen Reich, als das Christentum das Konzept der Heiligkeit des menschlichen Lebens etablierte, das in starkem Kontrast zu den vorherrschenden heidnischen Normen stand.
In der römischen Welt gehörten Abtreibungen nämlich zum Alltag. Die frühen Christen verurteilten sie jedoch als schwere Sünde, eine Haltung, die allmählich das römische Recht und die gesellschaftliche Einstellung beeinflusste.
Die Didache, ein christlicher Text aus dem späten ersten Jahrhundert, gebot: „Du sollst kein Kind durch Abtreibung morden, noch sollst du das Geborene töten.“ Frühe Kirchenväter wie Tertullian, Clemens von Alexandria und Basilius der Große verurteilten die Abtreibung unmissverständlich.
Diese Verurteilung hing nicht vom Entwicklungsstadium des Kindes ab. Die frühen Christen machten keinen Unterschied in der Schwere zwischen der Abtreibung eines „geformten“ oder „ungeformten“ Embryos. Zwar gab es eine theologische Debatte darüber, wann die Seele eintritt, aber diese änderte nichts an der grundsätzlichen Überzeugung, dass Abtreibung eine schwere Sünde ist. 
Die Christen waren dafür bekannt, ausgesetzte Säuglinge zu retten und zu adoptieren und sie in der Kirchengemeinschaft aufzuziehen, eine Praxis, die im scharfen Kontrast zur heidnischen Welt stand.
Der römische Kaiser Julian Apostata beklagte sich im 4. Jahrhundert sogar darüber, die Sorge der Christen für die Toten und ausgesetzten Kinder seien ein wesentlicher Faktor für das Wachstum des Christentums.
Ich hoffe, Sie verzeihen mir diesen historischen Exkurs. Ich führe ihn deshalb aus, um zu verdeutlichen, in welchem Zustand wir uns heute befinden und wie stark der moralische Rückfall bereits fortgeschritten ist. 
Beim Marsch für das Leben wird von unseren Gegnern skandiert, wir würden zum Mittelalter zurückkehren wollen. Aber die Ideologie, die die AntiFa – und nicht nur sie – propagieren, liegt viel weiter als das Mittelalter zurück, nämlich im vorchristlichen Heidentum, als der Mensch keinen unbedingten Wert und die Schwachen, Alten, Kranken und noch nicht Geborenen oft das Nachsehen hatten.
Diese Ideologie wird jedoch nicht nur von der AntiFa propagiert, sondern reflektiert breite Teil der öffentlichen und fast die gesamte veröffentliche Meinung. Wer heute in der Öffentlichkeit für das Recht eines jeden Menschen auf das eigene Leben eintritt, muss Mut, Willensstärke und eine große Portion Gottvertrauen mitbringen.
So jemand war Martin Lohmann.
Im Gegensatz zu vielen in der Lebensrechtsbewegung bin ich nicht seit Kindesbein an dabei, sondern erst in reiferen Jahren quer-eingestiegen. Dieser Quer-Einstieg wurde vom ersten Moment an von einem engen Kontakt zu Martin Lohmann geprägt. 
Meine erste Erinnerung an Martin ist eine Tagung des „Treffen Christlicher Lebensrechtgruppen“ in Kassel Anfang der 2000er Jahre. Als damals frisch gekürter Vorsitzender der Ärzte für das Leben hatte ich einen Antrag zur Aufnahme unserer Organisation in den Bundesverband Lebensrecht gestellt, dessen Vorsitzender Martin Lohmann war.
Da ich keine Antwort bekommen hatte, habe ich mich neben ihn gesetzt in der Hoffnung, unser Anliegen mit ihm zu besprechen.
Martin war damals bereits ein Urgestein der Lebensrechtsbewegung, wurde er bereits 1993 mit dem Stiftungspreis der „Stiftung Ja zum Leben“ durch Johanna Gräfin von Westphalen persönlich ausgezeichnet. Bei der Tagung, auf der ich neben ihm saß, erhielt er von Hartmut Steeb, ebenfalls ein Fels unserer Bewegung, einen weiteren Preis für seine Bemühungen um das Lebensrecht aller Menschen. 
Meine Strategie ist aufgegangen. Nach einer gewissen Zeit erhielt ich von Martin eine Einladung zur nächsten Mitgliederversammlung des Bundesverbands Lebensrecht, um dort die Ärzte für das Leben vorzustellen. Durch Martins Unterstützung sind wir auch Mitglied geworden, eine Kooperation, die bis heute Früchte trägt.
Aus diesen ersten Kontakten ist im Laufe der Zeit eine feste Freundschaft und eine enge Zusammenarbeit entstanden.
So wurde ich kurze Zeit später von Martin eingeladen, beim Marsch für das Leben über das Problem des assistierten Suizids zu sprechen, was ich sehr gerne tat, denn das Leben wird nicht nur an seinem Anfang, sondern auch an seinem Ende derzeit arg bedroht.
Unter Martin Lohmann ist der Marsch für das Leben, erst nur in Berlin, inzwischen auch in Köln mit ähnlichen Märschen in München und anderswo, zum „Leuchtturm-Ereignis“ der deutschen Lebensrechtsbewegung mit jährlich vielen Tausend Teilnehmern herangewachsen. 
Auch als Martin nicht mehr Vorsitzender des Bundesverbands war, blieben wir in engem Kontakt. So haben wir manches Interview und manche Veranstaltung gemeinsam durchführen können. Auch hatte ich das Privileg, bei seinem Hoch-Kreuz-Collegium hier in Bonn-Bad Godesberg erst vor etwa einem halben Jahr vorzutragen.
Mit Martin Lohmann ist jemand von uns gegangen, dessen Art heute rar geworden ist: mutig, wortgewandt, aufrecht und tief verwurzelt im Glauben. Martin Lohmann hat „den guten Kampf gekämpft, er hat den Lauf vollendet, er hat den Glauben bewahrt“ (vgl. 2.Tim 4:7-8).
Ar dheis dé go raibh a anam dílis. – Möge seine treue edle Seele an der rechten Hand Gottes sein.
Unser Gastautor Prof. Dr. med. Paul Cullen ist Ehrenvorsitzender der „Ärzte für das Leben“ und Vize-Chef des BVL (Bundesverband Lebensrecht)






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2 Antworten
Diese traurige und erschütternd unserem + Christlichen Glauben + “ meiner Meinung nach “ hochgradig abträgliche Zeitung des B I S C H O F von M Ü N S T E R widmet dem Verlust von Martin Lohmann K E I N E Aufmerksamkeit, allerdings u.a. der BKU: https://www.bku.de/2025/11/27/der-bku-trauert-um-sein-verstorbenes-mitglied-martin-lohmann/
Ach, die KuL… die ist so schlecht, die taugt nichtmal als Klopapier. 😉