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Der Papst sprach jenseits der Doppelfalle

Benedikts Bundestagsrede war zeitlos, souverän  –  und sie trotzte allen „Erwartungen“

Wenn Benedikt XVI. den Negativ-Erwartungen bzw. Befürchtungen jener hätte gerecht werden wollen, die ihn früher als „Panzerkardinal“ und heute als „reaktionären Moralhüter“ und dergleichen bezeichnen, hätte er sich im deutschen Parlament zu einer Art markiger Gardinenpredigt aufgeschwungen und dem Zeitgeist ordentlich und pointiert die Leviten gelesen  – daß er dazu gerne willens und fähig ist, hat er mehrfach gezeigt.

Doch der deutsche Pontifex aus Rom wußte zu gut, daß der Bundestag nicht der passende Ort für solche  – wenngleich der Sache nach berechtigten  – „Rundumschläge“  ist.

Es gab aber auch die gegenteilige „Falle“ für den Papst: daß er auf jene „reformeifrigen“  Stimmen hört,  die von ihm „Antworten“ (natürlich „zeitgemäße“) auf  angebliche „gesellschaftlichen Anfragen“ und „Herausforderungen von heute“ erhofften und ihn am liebsten in Richtung Modernismus „umerziehen“ möchten.  Diesem Ansinnen hat sich der Papst erst recht verweigert, obgleich die Begrüßungsansprache des Bundespräsidenten hierauf abzielte, innerkirchliche „Reformen“ anmahnte  – und insofern eher oberflächlich und wenig „staatsmännisch“ wirkte.

Das Kirchenoberhaupt dachte freilich überhaupt nicht daran, sich auf diese typischen „Dauerbrenner“-Themen von Medien, Talkshows und diverser „Dialogprozesse“ (auch aus bundesdeutsch-bischöflichen Amsstuben) einzulassen.

Der Papst hat zudem keine nichtssagende, rhetorische Allerweltsrede gehalten und Nettigkeiten in alle Richtungen verteilt, auf daß jede(r) zufrieden sei und keinerlei Angriffsflächen mehr möglich.

Stattdessen hielt der Pontifex eine Art Grundsatzrede über die Philosophie des Rechts, über die Fundamente der Gerechtigkeit im Leben der Völker, der Staaten, der Politik, auch hinsichtlich des einzelnen Menschen und seiner Gewissensentscheidungen.

Was ist gut?
Was ist gerecht?
Was ist immer gültig?
Worauf gründet das staatliche Recht?

Auf solche grundlegenden Fragen hatte es der Papst abgesehen.

Woran hat jeder Mensch, auch jeder Staatslenker sich zu orientieren? An seinen persönlichen Bedürfnissen und Wünschen? Dürfen Politiker sich allein an Nützlichkeitserwägungen orientieren? Sind Gesetze automatisch immer „rechtens“, wie es vor allem der Rechtspositivismus (irr)lehrt? Oder gibt es ein überzeitliches „Recht“, das über dem irdischen Gesetz steht?

Worauf beruhren Recht und Gerechtigkeit? Auf irdischen Instanzen allein? Auf dem demokratischen Mehrheitsprinzip? Auf Volksabstimmungen? Auf Kompromissen und Konsensentscheidungen?

Der Papst hat den demokratischen und freiheitlichen Rechtsstaat ausdrücklich gewürdigt, aber er hat auch an die christlichen Wurzeln von Recht und Gerechtigkeit erinnert: an eine übernatürliche Instanz nämlich, die letztlich allein das überzeitliche Fundament für eine gelingende Rechtsordnung sein kann: Gott und seine Schöpfungsordnung, das „Naturrecht“ und seine Prinzipien, die keiner Zustimmung von Mehrheiten bedürfen, die auch ohne irdische Gesetze gelten, darunter vor allem die Menschenwürde und das Grundrecht auf Leben für alle (ob geboren oder ungeboren, gesund oder behindert).

Damit hat der Papst sich in des Wortes doppelter Bedeutung als „Souverän“ erwiesen: nicht nur als der Souverän des Vatikanstaates, als „Staatsmann“ gewissermaßen, auch nicht allein als Kirchenoberhaupt von 1, 2 Milliarden Katholiken, sondern auch als „souverän“ über den vermeintlichen Bedürfnissen aktueller „Anforderungen“ und Zumutungen. Jenseits des Zeitgeistes vertrat er den Anspruch des Ewigen  – auch in unserer Zeit, auch in der Politik.

Der Papst hat gezeigt, was er sich und seinem Amt, was er vor allem Gott schuldig ist: die Wahrheit!

Denn in Wahrheit gründen Recht und Gerechtigkeit vor allem in Gott und in seiner Schöpfungsordnung.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

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