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Die göttliche Stille von Bethlehem überwindet den Lärm dieser Welt

Von Dennis Riehle

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk widerfahren wird“ (Lukas 2,10) – Wie unpassend in solchen Zeiten, würden angesichts der Krisen die einen sagen – wie hoffnungsvoll die anderen.

Und tatsächlich ist es im Blick auf die Kriege und Konflikte dieser Welt angebracht, auf solche Aussagen des Engels zu vertrauen, die er anlässlich der Geburt Jesu vor rund 2000 Jahren den Menschen bekanntgab?

Zweifelsohne war unsere Erde auch damals nicht friedlich, ganz im Gegenteil. Besonders im Gebiet der Weihnachtsgeschichte waren Kämpfe und Missgunst, Armut und Obdachlosigkeit verbreitet. Das zeigt nicht zuletzt die nahezu verzweifelte Suche von Maria und Josef nach einer Unterkunft für die Heilige Nacht.

Auch Monate nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine beschäftigt uns das Leid der Bürger dort jeden Tag neu – und wir versuchen, mit ihnen zu fühlen und nach Kräften Hilfe zu leisten. Gleichzeitig haben die Auswirkungen auch uns erreicht: Teuerung, Inflation und Energiemangel – teilweise forderten Umweltverbände gar, in diesem Jahr auf Adventsbeleuchtung zu verzichten. Dabei brauchen wir doch gerade jetzt ein wenig Licht in diesem Dunkel der Realitäten und wissen um die heilsame Wirkung von Kerzen für unsere Seele.

„Hört der Engel helle Lieder“

Doch ist uns zumute, angesichts der vielen Regionen von Afrika bis zum Nahen Osten, in denen Zwietracht gesät wird und sich das Militär bzw. die putschenden oder intrigierenden Politiker nur mit Unterdrückung an der Macht halten, wirklich in die Verse einzustimmen: „Hört der Engel helle Lieder“ (EG 54, Otto Abel, 1954)?

Das unschuldige Leben, das Christus stellvertretend für uns auf diese Erde brachte, vermag uns Zuversicht zu geben  –  und doch will 2022 die Stimmung nicht so recht aufkommen.

Obwohl wir wissen, dass die Ankunft dieses Kindes auch früher für Streit und Konflikte sorgte. Denn nicht jeder Herrscher wollte zugestehen, dass die Geschicke in den Händen eines kleinen Kindes liegen sollten.

Trotzdem war für kurze Zeit eine Stille über das Land ausgebreitet. Nicht nur die Propheten und die Eltern selbst hatten innegehalten und gebetet. Weit über die Grenzen hinweg leuchtet der Stern von diesem fernen Bethlehem in die Herzen der Menschen und hinterließ bei ihnen das Gefühl von Geborgenheit, Heil und Vorausschau auf eine bessere Zukunft. Dass ein so winziges Ereignis ganze Städte mit Frohsinn erfüllen konnte, ist heute kaum noch für uns verständlich.

Überhaupt haben es Wunder in der Gegenwart überaus schwer. Wir vertrauen lieber den offenbaren Tatsachen, die uns Nachrichten und soziale Medien vermitteln. Ob darin wirklich objektive Wahrheit liegt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Woher soll uns dann also die Übung kommen, mit Krisen und Nöten umzugehen? Und nicht zuletzt: Wo ist unser Zutrauen geblieben, selbst in komplexen Situationen auf das Unerwartbare zu setzen?

In einer sich immer weiter differenzierenden Umwelt mangelt es auch an Optimismus und Überzeugung, weil wir uns nicht mehr auf das Schicksal verlassen. Die Gewissheit aus dem Stall ist auf dem Rückzug  –  genauso wie das Wissen um Gelassenheit in manch stürmischen Abschnitten unseres Daseins.

„Sei getrost und unverzagt“

Man denke aber an Josua 1,9: „Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht“ oder Psalm 23,4: „Und wenn ich auch wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“.

Viele mögen bei derartigen Aufrufen zu solch kindlichem Vertrauen von Naivität sprechen. Doch sind es nicht biblische Berichte und Zeugnisse von der Wüstenwanderung oder den Plagen, die uns verdeutlichen: Selbst schlimmste Zeiten können wir überstehen, wenn wir uns ein Stück auf die göttliche Gnade und die Anwesenheit eines gerechten und weisen Schöpfers einlassen?

Diese Überzeugung ist keine alleinige Vertröstung auf das Jenseits, wie viele meinen. Immerhin macht auch ein Kirchenlied sehr deutlich: „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt“ (in EG 533.1, Anno Pötzsch, 1941).

„Als die Welt verloren, Christus ward geboren“

Das ist ein realer Zuspruch für das Hier und Jetzt.  Denn während wir Schlimmes anprangern, übersehen wir das Gute. Statt Resignation  wollen wir Bilder der Veränderung und des Zuspruchs zeichnen: „Als die Welt verloren, Christus ward geboren“ (EG 53.1, Gustav Kucz, 1853). Zeitgemäßer könnte auch ein modernder Pop-Song nicht sein, er passt wie die Faust aufs Auge. 

Wenn wir die Weihnachts- und die Passionsgeschichte zu einer Parabel spannen, ist sie das beste Beispiel, dass wir durch Tiefen hindurchschreiten müssen, um letztendlich Vollendung erfahren zu können. Wer nicht gepeinigt wurde, kann das Gefühl des Emporsteigens kaum nachempfinden. Unsere beständige Erwartungshaltung, vom Grauen verschont zu bleiben und stattdessen immerwährend auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, spiegelt wohl Arroganz derer wider, die sich nie den Lasten stellten: „Wo Hochmut ist, da ist auch Schande; aber Weisheit ist bei den Demütigen.“ (Sprüche 11,2)

Es sind eben nicht die Prüfungen, die uns im 21. Jahrhundert auferlegt sind, welche uns das Dasein so schwer erscheinen lassen. Stattdessen scheint es diese Überheblichkeit der Verbitterten, deren lautes Geschrei uns den Anschein aufdrängt, dass es Grund zum Jammern, zur Kapitulation gibt.

Richten wir unsere Ohren aus und stimmen in den Gesang der Engel ein. Die Botschaft wird zurückhallen und auch dort vorbeikommen, wo sie unerwünscht is: Stille Nacht, heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht durch der Engel Halleluja tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter ist da!“ 

 

Kommentare

2 Antworten

  1. Man muß ange sicht des Elends in dieser apokalyptischen Zeit
    nicht von idyllischer Stille faseln sondern vom unbarmherzigen Schweig Gottes reden. Was geschieht ist nicht mit dem ageblich menschenfreundlichen Herrr des Himmels vereinbar-
    An einen solchen Gott kann ich nicht mehr glauben-

  2. #15 – Tanz ums Grüne Kalb: Wozu noch diese Kirchen? Gast: Peter Hahne

    Paul Brandenburg

    https://www.youtube.com/watch?v=csFGoQrBjNs

    https://www.youtube.com/watch?v=csFGoQrBjNs

    Weniger als die Hälfte der Deutschen sind noch Mitglied einer großen Kirchen. Die, scheint es, stellen spätestens seit Corona den Zeitgeist über jeden Glauben. Insbesondere die Evangelische Kirche propagiert die Ideologie der „Grünen“ und kanzelt Andersdenkende gnadenlos ab. Geschlossene Kirchen, eingesperrte Alte, verlassene Kindergärten: Wie konnte das kommen?

    Ich diskutiere mit einem Mann, der 18 Jahre Mitglied des höchsten Gremiums der evangelischen Kirche war und über Jahrzehnte das Gesicht des ZDF: Dr. theol. h.c. Peter Hahne.

    Rufen Sie an und Diskutieren Sie live mit!

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