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Die kirchliche Lehre zu „Privatoffenbarungen“

Von Felizitas Küble

Wie oft habe ich es schon erlebt, wenn ich mit erscheinungsbewegten Kreisen diskutierte, daß dort vehement bestritten wird, die Offenbarung Gottes sei mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen.

„Du willst wohl dem Himmel den Mund verbieten!“, ist noch das freundlichste, was ich an Entgegnungen zu hören bekomme.

Aber erstens wird weder der Madonna noch sonst einem höheren Wesen  – geschweige etwa GOTT selber   –   ein Maulkorb umzuhängen versucht; zweitens handelt es sich nicht um meine Privatmeinung, sondern um die amtliche Lehre der Kirche seit jeher. Theologen sprechen sogar von einem „Axiom“, also einer Denkvoraussetzung und Basis-Lehre von wesentlicher Bedeutung.

Mit dem Ende der apostolischen Zeit  – einfacher gesagt: mit dem Tod des letzten Apostels  – ist die göttliche bzw. „öffentliche“ Offenbarung vollendet und bedarf keiner Ergänzung, denn in Christus hat sich Gott vollständig und endgültig geoffenbart.

Aus diesem Grunde verkündet das katholische Lehramt ausdrücklich, daß Privatoffenbarungen an einzelne Christen zwar auch „nachapostolisch“ noch möglich sind, aber für das Kirchenvolk nicht als verbindlich anzusehen.

Die Abgeschlossenheit der „öffentlichen Offenbarung“ wurde auch im sog. Antimodernisten-Eid bekräftigt, der keineswegs auf dem 2. Vatikanum, sondern erst danach (nämlich 1967) abgeschafft wurde. Den besagten Eid, der vom hl. Papst Piux X. eingeführt wurde, mußte jeder Priester und Theologe leisten, um damit seine Treue zur kirchlichen Lehre zu bekunden. 

Erscheinungen gehören nicht zum Glaubensgut

Daher gehören auch kirchlich „anerkannte“ Erscheinungen nicht zum Glaubensgut der Kirche; vielmehr können sie der persönlichen Frömmigkeit eine Anregung verleihen, was jedoch in das Belieben jedes Einzelnen gestellt ist.

Der deutsche Begriff „anerkannt“ ist freilich nicht ganz treffend übersetzt. Er könnte nämlich den Eindruck erwecken, als ob die Kirche mit einer „Anerkennung“ gleichsam die himmlische Herkunft der visionären „Botschaften“ verbürgen würde.

Das tut sie aber keineswegs; sie stellt damit lediglich fest, daß die betreffende Privatoffenbarung nichts enthält, was dem Glauben oder der Sittenlehre widerspricht. Daher ist es Katholiken „gestattet„, der betreffenden Erscheinung ihre Zustimmung zu gewähren.

Approbation bedeutet Erlaubnis bzw. Genehmigung

Der kirchenamtliche Ausdruck „Approbation“ ist der exaktere Begriff – und Papst Benedikt hat ihn auch in deutschen Verlautbarungen verwendet. Lateinkenner wissen, daß Approbation sprachlich soviel wie Genehmigung, Erlaubnis oder Billigung bedeutet.

Auch inhaltlich ist die Sachlage klar, davon zeugt z.B. dieses Dokument der Glaubenskongregation: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20111214_prefazione-levada_ge.html

Darin heißt es, hierbei Papst Benedikt zitierend (Fettdruck zur Hervorhebung von mir):

„Folglich hat die Synode empfohlen, »den Gläubigen zu helfen, das Wort Gottes von Privatoffenbarungen zu unterscheiden« (Propositio, 47). Diese »sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi … zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben« (Katechismus der Kath. Kirche, Nr. 67).

Der Wert der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einer öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns. Der Maßstab für die Wahrheit einer Privatoffenbarung ist ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt.

Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich gerade dadurch als glaubwürdig, dass sie auf die eine öffentliche Offenbarung verweist. Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.

Eine Privatoffenbarung kann neue Akzente setzen, neue Weisen der Frömmigkeit herausstellen oder alte vertiefen. Sie kann einen gewissen prophetischen Charakter besitzen (vgl. 1 Thess 5,19-21) und eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deshalb soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muss.“

Interessant ist hierbei auch die Einschränkung, die Gläubigen dürften einer Privatoffenbarung ihre Zustimmung schenken – und zwar in kluger Weise. Was bedeutet das in diesem Zusammenhang?

Ganz einfach: Der zuvor im Dokument erwähnte „wesentliche“ (!) Unterschied zwischen Privatoffenbarung und göttlicher Offenbarung soll beachtet werden.
Direkter gesagt: Lourdes oder Fatima, woran zu glauben „gestattet“ ist, sind kein „fünftes Evangelium“  –  und die freiwillige Zustimmung dazu soll „klug“, also angemessen, ohne Übertreibung und ohne jeden Fanatismus erfolgen.

Im katholischen Weltkatechismus wird das Thema ebenfalls behandelt. Dort heißt es ähnlich:

„In seinem Wort hat Gott alles gesagt
,,Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn“ (Hebr 1,1-2). Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, ist das vollkommene, unübertreffbare, eingeborene Wort des Vaters. In ihm sagt der Vater alles, und es wird kein anderes Wort geben als dieses.

Das bringt der hl. Johannes vom Kreuz in seiner Auslegung von Hebr 1,1-2 lichtvoll zum Ausdruck:
,,Seit er uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein Wort ist, hat Gott uns kein anderes Wort zu geben. Er hat alles zumal in diesem einen Worte gesprochen
Denn was er ehedem nur stückweise zu den Propheten geredet, das hat er nunmehr im ganzen gesprochen, indem er uns das Ganze gab, nämlich seinen Sohn. Wer demnach jetzt noch ihn befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott geradezu beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richten würde, ohne jegliches Verlangen nach anderen oder neuen Dingen“ (Carm. 2,22).

Es wird keine andere Offenbarung mehr geben

,,Daher wird die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und nun endgültige Bund, niemals vorübergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus“ (DV 4).

Obwohl die Offenbarung abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft; es bleibt Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite zu erfassen.“

(Quelle: http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_PN.HTM)

Kommentare

15 Antworten

  1. Echte Seher, wie zum Beispiel die Seher und Seherinnen von Guadalupe, Fatima und Lourdes waren begnadete Menschen, die die die Muttergottes sehen und hören durften. Nach der Begegnung mit dem Himmel waren sie alle so von der Liebe zu Gott erfüllt, dass sie ihr gesamtes Leben Gott weihten und ins Kloster gingen oder wie Juan Diego im Heiligtum verblieb.
    Ein Seher, der mit dem Himmel in echter Verbindung gekommen ist, wird nicht mehr in der Lage sein, in sein altes Leben zurückzukehren. Er wird so voller Liebe zu Gott und seinen Geboten erfüllt sein, dass er nicht mehr wie vorher weiterleben kann. Voller Demut wird er seinem Seelenführer gehorchen und kein böses Wort wird über seine Lippen kommen, das er nicht sofort bereut. In der Heiligen Messe wird er voller Andacht und im Gebet versunken sein und seine Nächsten lieben.
    So viele angebliche Propheten behaupten die Muttergottes oder gar Jesus zu sehen, die diese Kriterien nicht annähernd erfüllen. Vielmehr stellen sie sich selber in den Vordergrund. Manche können Hostien herbei zaubern oder haben Halluzinationen. Andere können, wie es in der Esoterik gelehrt wird, Kugeln, aus denen Wesen erscheinen, und andere Dinge visuell zu projizieren. Manche behaupten die Wundmale zu haben und sind dann nicht mehr im Stande sich zu bewegen. Diese „Auserwählten“ stellen sich selbst dar ohne es zu bemerken. Jegliche Demut haben sie verloren. Manche behaupten, sich wie Priester oder Priesterinnen verhalten zu müssen. Was ihnen ihr Seelenführer sagt, ignorieren sie. Sie bestimmen selber, was gemacht wird und belegen dies mit angeblichen himmlischen Botschaften, falls dies angezweifelt wird. Falsche Botschaften werden dabei ignoriert und überhört, so dass sie gar nicht bemerken, dass diese angeblichen Botschaften gar nicht vom Himmel kommen. Dabei spielt es keine Rolle, wie oft sich die angebliche himmlische Gestalt irrt oder ihre Meinung ändert.
    Dabei sollte einem eigentlich klar sein, dass zum Beispiel die Muttergottes nicht vor dem Kreuz mit Strahlen aus den Händen erscheinen würde, weil sie ja unter dem Kreuz gestanden hat und niemals die Strahlen ihres Sohnes nachmachen würde.
    Das Fatale dabei ist, dass diese angeblichen Seher andere Menschen so in ihren Bann ziehen, dass diese glauben, wie seien begnadet und es wäre ein Geschenk des Himmels, dass Gott ihnen diesen Seher oder Seherin schenkt und sie sich dann nur noch auf diese angeblichen Himmelsbotschaften verlassen.

  2. Bezüglich Ulrich Motte:

    Fünf biblische Beweise gegen den Cessationismus

    http://hauszellengemeinde.de/beweise-gegen-cessationismus/

    http://hauszellengemeinde.de/category/haeresie/cessationismus/

    Haben die Geistesgaben tatsächlich aufgehört?

    http://hauszellengemeinde.de/geistesgaben/

    Siehe dazu auch die „Weisheitsliteratur“ im AT und Logos-Theologie im NT der Bibel. Dies gehört untrennbar zur christlichen Theologie dazu – ohne Verkürzung!
    Die ersten Christen kannten kein „Sola Scriptura“. Die allgemeine „Volksbibel“ des Urchristentums und erste Urbibel des Urchristentums war nachweislich die griechischsprachige „Septuaginta-Bibel“ noch VOR den Evangelien. Aus deren griechischsprachigen Text das Neue Testament der Bibel nachweislich teilweise wortwörtlich zitiert – und eben NICHT aus dem hebräischen Original-Text der Tora bzw. des hebräischen Alten Testamentes. Ebenso zitiert das Neue Testament auch aus der „Weisheitsliteratur“, welche zur griechischsprachigen Septuaginta-Bibel gehört.

    1. Einfache Logik: Benutzen Christen eine falsche Bibel, wird die dadurch nicht zur richtigen. Das NT erwähnt starke Irrlehren in der Urchristenheit. Zitiert die Bibel aus etwas, wird das dadurch nicht zur Bibel.

    2. @Ulrich Motte:

      Die Ur-Bibel des Urchristentums noch VOR den Evangelien war die Septuaginta-Bibel, welche auch von den Evangelisten und vom Apostel Paulus verwandt wurde. Aus der hebräischen Tora wird eben gerade nicht zitiert. Sondern aus dem Griechisch-sprachigen Alten Testament – und dies teilweise nachweislich wortwörtlich. Die Logos-Theologie findet man auch im Neuen Testament der Bibel. Ferner ist das Vollständige bzw. Vollkommene die Wiederkehr Jesu Christi und das bei ihm sein im Himmel. Aber durchaus nicht die Bibel, das AT enthält auch durchaus naturwissenschaftliche Falsch-Aussagen etwa in der Genesis und muss daher symbolisch gedeutet werden. Es gab im Urchristentums noch kein „Sola Scriptura“. Außerdem ist in der Bibel auch von den „Mysterien“ als göttlichen Geheimnissen die Rede, siehe dazu „Mysterion“ bzw. „Mystaerion“ oder „Mysterium“. Den Cessationismus kann man biblisch ganz eindeutig widerlegen. Und dies habe ich mit meinen Link-Hinweisen auch mehrfach getan. Auf deren Inhalte aber gehen sie nicht wirklich ein. Weil es eindeutig ist.
      Und Moses war laut Neuem Testament auch in aller Weisheit der Ägypter kundig (Stephanusrede). Es gibt eben diese Weisheitslehren und Weisheitstraditionen der göttlichen Geheimnisse als Mysterien , siehe auch Weisheitsliteratur des AT. „Sopia“ und „Logos“ sind dort wichtige Begriffe – siehe aber auch der „Anthropos“ als himmlischer Adam und „Mysterion“ und „Mystirion“ und „Mysterium“ als göttliche Geheimnisse beim Apostel Paulus im NT usw. Die Charismen als Gnadengaben und Wunderkräfte sind nach wie vor wirksam. Auch die „Gnosis“ im NT zählt dazu. Das es Irrlehren wider das Neue Testament gab widerspricht dem nicht. Es gab und gibt aber eben auch die im Einklang mit der Bibel stehende Kirchentradition und Offenbarungen des „Geistes der Weisheit und Offenbarung“ (NT) als Heiliger Geist und Geist Gottes – noch heute.

  3. Der oberste katholische Priester Dortmunds argumentierte vor Jahren mir gegenüber wie Sie, verehrte, liebe Frau Küble. Aus Zeitgründen kann ich die Diskussion hier nicht wiederholen. Sein abschließendes Wort an mich war: Wir haben ein anderes Offenbarungsverständnis… Gerade im Offenbarungsverständnis liegen Welten zwischen „Rom und Reformation“. Gerade auch das zeitlich letzte Mariendogma Roms rechtfertigte der damalige Papst ja auch damit, daß es für Dogmen noch nicht einmal einen biblischen Ansatz brauche… Und immerhin duldet Rom Privatoffenbarungen (wie SIE
    sagen) und Pfingstlerei… wir Reformatorischen aber nicht… Roms Lehre läuft auf einen Trick hinaus: Den Aposteln sei offenbart worden, was nicht offenbart wurde (öffentlich bekannt), was im Laufe der Zeit dann erst Rom offenbare… LEIDER kann ich jetzt kaum mehr dazu schreiben…

      1. KLARtext | Haben die Geistesgaben aufgehört?
        Durch das charismatische Chaos in pfingstlerischen Kreisen verfallen viele Gläubige in das andere Extrem und schließen sich der Irrlehre derer an, die behaupten, die Geistesgaben hätten aufgehört. Aber das sind letztlich nur faule Ausreden. In Wirklichkeit ist es so: weil sie selbst keine Geistesgaben haben, darf es keine geben. Sonst müssten sie ja ihren geistlichen Mangel eingestehen und zugeben, dass sie recht arme Kirchenmäuse sind. Sich solch eine Blöße zu geben, dazu sind sie viel zu stolz und unbußfertig (Offenbarung 3,17).

        Sie „begründen“ ihre Irrlehre mit 1. Korinther 13,8-12 und beharren darauf, dass mit der Festlegung des biblischen Kanons im 4. Jahrhundert durch die Kirchensynoden von Hippo (393 n. Chr.) und Karthago (397 n. Chr.) das Vollkommene gekommen sei. Das Stückwerk, die Gaben hätten aufgehört. Ist das Vollkommene wirklich durch eine Kirchensynode gekommen? Nein, natürlich nicht. Obwohl GOTTES Wort vollkommen ist, haben wir auf dieser Erde auch den vollkommensten Schatz immer nur in irdenen Gefäßen (2. Korinther 4,7). Schon die Tatsache, dass GOTTES Wort in eine menschliche Sprache gepresst werden musste, die noch dazu der babylonischen Sprachverwirrung unterworfen war, ist ein Stück Unvollkommenheit. Erst wenn wir oben beim Herrn sind, haben wir den Status des vollendeten Gerechten erreicht.

        Hier sind fünf biblische Beweise gegen die Irrlehre, dass Weissagung, Erkenntnis und Zungenrede aufgehört hätten:

        1) Die zwei Zeugen aus Offenbarung 11,3-14: So wahr die zwei Zeugen weissagen werden, so wahr kann die Weissagung nicht aufgehört haben.

        2) Das Zeugnis JESU ist der GEIST der Weissagung (Offenbarung 19,10). Solange es das Zeugnis JESU auf Erden gibt, wird das Weissagen nicht aufhören.

        3) 1. Korinther 12,7 bezeugt, dass die Geistesgaben zum gemeinsamen Nutzen, d.h. für die Gemeinde geoffenbart werden. Solange es die Gemeinde Jesu auf Erden gibt, hören auch die Geistesgaben nicht auf.

        4) Markus 16,17: Sollte die Verheißung dieser Gaben nur bis zum Kirchenkonzil von Hippo gelten? Unsinn! Von solch abenteuerlichen, ja geradezu lächerlichen Bibelauslegungen möge sich jeder fernhalten!

        5) Mit 1. Korinther 13,12 schließt sich die Beweiskette, denn dem Stückwerk wird das Vollkommene (jetzt … dann) als Gegenteil gegenübergestellt, und ganz offensichtlich sieht Paulus nicht die Bibel als das Gegenteil von Stückwerk, wie diese Irrlehrer behaupten, sondern die „Schau von Angesicht zu Angesicht“. Und das ist gewiss nicht hier auf Erden, sondern erst dann, „wenn wir ihn sehen werden, wie er ist“ (1 Joh 3,2), wenn wir vom Glauben zum Schauen gekommen sind.

        Wer aufgrund von 1. Korinther 13,8 anfängt, Weissagung, Erkenntnis und Zungenrede aus der Bibel zu streichen, kann den Rotstift nicht mehr so schnell aus der Hand legen; denn dann müssten die vielen anderen Bibelstellen, die zum Gebrauch der Geistesgaben auffordern, gleich mitgestrichen werden (z. B. 1. Korinther 12,10; 14,1.5) und viele andere mehr. Überall müsste man den Rotstift ansetzen und immer wieder streichen. Aber wer in der Bibel streicht, muss aufpassen, dass er nicht eines Tages selbst zum Strichmännchen wird und aus dem Buch des Lebens ausradiert wird. Wir können daraus lernen, dass es nicht nur Bibelkritik von links (Bultmann & Co.), sondern auch von rechts gibt. Beide aber werden ihrer Strafe nicht entkommen.

  4. Danke Frau Küble! Da gibt es sicher noch viel zu ergänzen. Nicht in kluger Weise einer Privatoffenbarung seine Zustimmung schenken heißt, einen lächerlichen Unsinn für wahr halten und sich selbst, zum Schaden der Kirche, zum Narren machen. Unter anderem…

    1. „Lächerlicher Unsinn“ zu sagen, scheint mir bei aller Vorsicht doch etwas zu strikt.

      Ich meine, es gibt schon besondere Erfahrungen, die einen persönlichen Ernst haben, jedoch innerhalb der überlieferten Offenbarungen bleiben.

      1. Sehr geehrter Herr Krebser, das möchte ich nicht ausschließen. Den Gläubigen ist es gestattet, einer Privatoffenbarung in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken. Frau Küble hat erläutert, was das bezüglich approbierten Privatoffenbarungen bedeuten könnte. Ich habe erläutert, worin demnach nicht kluge Zustimmung besteht, nämlich darin, einer nicht approbierten Privatoffenbarung seinen Verstand zu opfern. Wer das tut, schadet nicht nur sich selbst, sondern der ganzen Kirche, zum Beispiel, indem er durch seine vorzeigbare Dummheit und Arroganz zum Antimissionar wird.

        1. Guten Tag,
          Ihr Argument ist durchaus berechtigt. In kirchlichen Erläuterungen wird ebenfalls erklärt, daß Wundersucht nebst anderen Gründen auch deshalb zu vermeiden ist, um sich nicht unnötig lächerlich zu machen gegenüber Skeptikern und Suchenden bzw. gegenüber der „Welt“.
          Freundlichen Gruß
          Felizitas Küble

  5. Nun, der Heilige Geist etwa hat sich in der Bibel und in der Kirchengeschichte bzw. Kirchentradition auch schon mehrfach in personaler Form offenbart (der „Geist der Weisheit und Offenbarung“ im NT der Bibel). Und zur Bibel gehört auch die jüdische Merkaba- bzw. Thronwagen-Mystik in den Propheten-Visionen des alten Testamentes und in leicht veränderter Form in der Johannes-Offenbarung bzw. Johannes-Apokalypse. Nur dürfen diese Offenbarungen eben nicht dem Neuen Testament der Bibel widersprechen. Zur Bibel gehört aber auch die Logos-Theologie dazu usw.

    1. Tatsache ist und bleibt, dass Clemens von Alexandrien als Heiliger Klemens und seine Schüler Origenes und dessen Schüler Gregor Thaumaturgus christliche Hermetiker waren. Siehe auch die Tatsache, dann noch Eusebius und Ambrosius und der Mystiker Johannes Chrysostomus Origenisten waren. Siehe auch Philo(n) von Alexandrien. Ein jüdischer Theologe und Merkaba-Mystiker und hermetischer Philosoph. Die Merkaba- bzw. Thronwagen-Mystik findet man in den Propheten-Visionen im alten Testament der Bibel mit den 4 Tierwesen bzw. 4 Tiergestalten als den 4 Erzengeln und in leicht veränderter Form auch in der Johannes-Offenbarung bzw. Johannes-Apokalypse im Neuen Testament der Bibel. Auch den Begriff „Gnosis“ kommt durchaus in der Bibel vor – nur geschieht diese eben im heiligen Geist und im Logos und himmlischen Adam Jesus Christus bzw. der Dreifaltigkeit.

      https://katholischglauben.info/kirchenlexikon-die-irrlehre-des-gnostizismus/

      Kirchenlexikon: Die Irrlehre des Gnostizismus
      Der Kollektivname häretischer Systeme
      Gnostizismus, ein Kollektivname häretischer Systeme in den ersten Jahrhunderten der Kirche.Das (griechische) Wort, welchem bei dem uralten Übersetzer des hl. Irenäus das lateinische agnitio entspricht (z. B. 1, 1, 1; 4, 33, 8), bedeutet eigentlich Erkenntnis, das Wissen, im biblischen und christlichen Sprachgebrauch gewöhnlich mit besonderer Beziehung auf religiöse Gegenstände. Der alte christliche Sprachgebrauch richtet sich nach den biblischen. Die heilige Schrift kennt aber eine zweifache Gnosis, ein echtes und ein falsches Wissen, deren eines sie rühmt und empfiehlt, während sie das andere brandmarkt und verwirft. Wie das Wissen noch heutzutage entweder als Steigerung des Glaubens oder als Gegensatz des Glaubens auftritt, so in der christlichen Urzeit die Gnosis.

      Zweifache Gnosis
      Die echte Gnosis

      Die echte Gnosis, die Gnosis im guten Sinn des Wortes, ist ein immer tieferes Eindringen in das innere Wesen des unwandelbar fest gehaltenen, von Gott geoffenbarten Glaubens, verbunden mit einer auf festen Beweisgründen ruhenden Überzeugung von dessen Wahrheit, ein immer allseitigeres Erfassen desselben mit allen Kräften des menschlichen Geistes, so daß derselbe vom Verstand aus das ganze Leben durchdringt (vgl. Röm. 15, 14; 1. Kor. 1, 5; 8, 1. 7. 10. 11; 12, 8; 13, 2. 8;14, 6; 2. Kor. 6, 6; 11, 6; Kol. 2, 3; 2. Petr. 1, 5. 6; 3, 18). Das ist die Gnosis, welche der Sohn Gottes geoffenbart und der Menschheit übergeben hat (Clemens Alex. Strom. 6, 7, ed. Potter II, 771); das ist „die vollkommene und verläßliche Gnosis“, um derentwillen die Christen zu Korinth in den ersten Zeiten allenthalben gerühmt waren (Clemens Rom. ep. I, c. 1); das ist jenes erhabene Ideal christlicher Geistesbildung und vollkommener Handlungsweise, (…) und welches die edelsten gebildetsten Männer der ersten Jahrhunderte unablässig anstrebten. Daher wird auch das Ideal des vollkommenen Christen von Clemens von Alexandrien in seinen begeisterten Schilderungen immer mit dem Namen Gnosticus bezeichnet (s. das ganze 6. und 7. Buch der Stromata, vgl. Strom. 2, 17). Eben dieser alexandrinische Clemens, welcher der vornehmste Stimmführer der wahren Gnosis im Altertum ist, erklärt an verschiedenen Stellen, was er unter derselben verstehe, und wie dieselbe nur auf dem Grund des Glaubens gedeihe; so Paed. 1, 6, ed. Potter I, 116; Strom. 2, 17 p. 468; 3, 5 p. 531; 6, 1 p. 736; 6, 8 p. 774 und besonders 7, 10 p. 864-866 (wo er sie den „vollkommenen und sicheren Beweis dessen“ nennt, „was man im Glauben bereits erfaßt hat, den Aufbau auf der Grundlage des Glaubens, wodurch man zum unfehlbaren Verständnis gelangt“). –

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