Von Pater Dominik Höfer SJM
Als Gebet der Kirche hat das Psalmen- und Stundengebet seine ganz besondere religiöse Würde. Wird einerseits die subjektive Persönlichkeit des Beters in heilsame Zucht (Disziplin) genommen, so erhält sie darin andererseits eine hohe Würde und Bereicherung aus den ewig jungen Schätzen der Liturgie, verbunden mit starken Impulsen.

- Durch das Psalmengebet verlängern wir unser Verweilen in der Gegenwart Gottes, der sich in seinem Wort offenbart.
- Das Psalmengebet bereitet die Heilige Messe vor, umrahmt sie und verweilt anschließend dankbar und vertiefend in den Gedanken des Tages- bzw. Festgeheimnisses.
- Dadurch erfüllt die Kirche als Ganze und der einzelne in ihr den Auftrag des Apostels: „Betet ohne Unterlass“ (1 Thess 5,17). Schon der Psalmist war sich bewusst: „Ich habe den Herrn beständig vor Augen“ (Ps 25,15) und „sein Lob sei immerdar in meinem Mund“ (Ps 34,2).
- Der Psalter ist eine einzigartige Gebetsschule.
- Der Psalter enthält alle Arten von Gebet:
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- Dank,
- Lobpreis,
- Fürbitte,
- Demütiges Flehen und Seufzen, Wehklage,
- Bekenntnis und Reue,
- Entzücken und Liebe,
- Betrachtung der göttlichen Eigenschaften.
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- Das Psalmengebet ist Nahrung für die Reisenden auf dem Weg durch die Fremde zu Gott. Für unser Erdenleben ist es heilsame Arznei. Der heilige Augustinus sagt: „Wer gut zu beten weiß, der weiß auch gut zu leben“.
- Das Psalmengebet ordnet unser Beten ganz nach dem Willen Gottes, der von der Kirche empfangen und weitergegeben wird, und formt so unser Denken und Tun (über Jahre hinweg).
- Wir lernen langsam die wichtigen Worte und Gebete auswendig.
- Wir sind vereint (ein Herz und eine Seele und eine Stimme!) mit allen Mitgliedern des ganzen Leibes Jesu Christi (über alle Grenzen von Raum und Zeit hinweg, eine unübersehbare Schar von Heiligen).

- Das Stundengebet lehrt und bewahrt den rechten und unverfälschten katholischen Glauben und die katholische Lebensweise (Sitten es hat die abendländische Kultur hervorgebracht).
- Der christliche Tag wird geprägt durch das Christusmysterium. Der Gläubige (nicht nur der Priester) weiß seinen eigenen Tagesablauf in die Heilsgeheimnisse des Lebens Jesu eingebettet und entdeckt darin für sich selbst besondere Zeiten gottgeschenkten Heils.
- Nicht zu unterschätzen ist der Wert der Psalmen als Dichtung (Poesie und Ausdruck seelischer Stimmung). Während sachliche Aussagen auch in der Heiligen Schrift meist eindeutig und klar umrissen sind, liegt in den Worten der Psalmen sehr viel mehr verborgen als nur ein Schriftsinn.
Es gibt unterschiedliche Deutungsebenen (historisch-allegorisch-moralisch-anagogisch), oft erschließen sie sich erst im Laufe langer Gebetsjahre.
Hier ist vor allem das tiefere Verständnis der Psalmen als Verheißung und Erfüllung in Christus von höchster Bedeutung. Im Beten Christi und in seinem betenden Pascha (Passion, Hinübergang zum Vater) findet das Gebet Israels seine innerste Erfüllung.





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Eine Antwort
Hinzuzufügen wäre noch, dass sich der Nutzen des Psalmengebets wohl kaum erschließen kann, wenn davon immer nur ausgewählte Verse gebetet oder ganze Abschnitte einfach weggelassen werden, wie es die Weltkirchen in ihrem Stundengebet betreibt (im weiteren Sinne vollständig beten ihn nur bestimmte Orden). Die Aussagen des Psalters in seiner Gesamtheit zu unterschlagen, stellt in diesem Sinne eigentlich eine Verfälschung des Glaubensguts dar.