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Von Kardinal Gerhard Müller

„Kann der Westen ohne das Christentum überleben?“  – Diese Frage kann mit einem Wort beantwortet werden: Nein. Denn der Westen ist nichts anderes als die Kulturgemeinschaft der germanischen und slawischen Stämme und Nationen, die aus dem Erbe des weströmischen Reiches hervorgegangen und geeint sind im Glauben an Christus, den Sohn Gottes und universalen Retter der Menschheit. 

Somit ist Europa das Christentum in seiner Synthese mit der griechischen Metaphysik und dem römischen Ordnungswillen nach dem Prinzip der Gerechtigkeit, das heißt: Der Wille, jedem das Seine zukommen zu lassen – suum cuique (Ulpianus) oder theologisch formuliert: Die unverletzliche Würde jedes Menschen als Bild und Gleichnis Gottes.

Außerhalb dieser Definition verliert Europa seine formgebende Seele und wird zu einem toten Körper, der wie ein herrenloses Territorium dem nächstbesten stärkeren Nachbarn in die Hände fällt.

Dieser Einsicht kann nur sich verschließen, wer die dramatisch zugespitzte Situation der Welt von heute verkennt. Papst Franziskus sagte oft, dass wir uns schon wie in einem 3. Weltkrieg in Raten befinden.

Warnung vor einem Überwachungsstaat

Denken wir nur im globalen Zusammenhang an die Bürgerkriege, den Zusammenbruch der Rechtsordnung in vielen Staaten, der von Brüssel angezielte Überwachungsstaat Orwell‘scher Phantasie (Digital services act, die bürokratische Auslöschung nationaler Identitäten), die Migration von Millionen, die in Europa nicht mehr integriert werden können, sondern islamische Konkurrenzgesellschaften etablieren, Hunger und Armut bei der Hälfte der Menschheit, den weltweit agierenden Terrorismus in kriminellen Banden und Schurken-Staaten und das organisierte Verbrechen, die instabilen politischen Verhältnisse in klassischen Demokratien, die in die Hände von globalistischen Eliten fallen mit ihrem Projekt einer total von ihnen kontrollierten Einen Welt, Brave New World a la Aldous Huxley (1922).

Auch in unserer fortschrittlichen Zivilisation, auf die wir in Mitteleuropa so stolz sind, springt die Krise der Moderne und Postmoderne jedem Sehenden in die Augen.

Die Auflösung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Ehe und Familie und der personalen Identität mit der sogenannten Geschlechtsumwandlung, die gewollte einst jakobinische und jetzt neomarxistische und linkswoke De-Christianisierung Europas, der Verlust einer verbindenden Idee vom Ziel und Sinn des Menschseins im Post- und Transhumanismus, das Pochen auf egomanische Selbstbestimmung ohne die organische Einordnung des individuellen und kollektiven Ego in das Gemeinwohl der Familie, der Stadt und Nation und der Völkergemeinschaft sind apokalyptische Warnzeichen.

Nur der Dünkel der westlichen Überlegenheit ist noch vital. Soll unser Säkularismus und Materialismus, wie zur Zeit des Kolonialismus, als Heilmittel dem angeblich zurückgebliebenen Osten und Süden aufgezwungen werden mit der Devise: Entwicklungshilfe nur unter der Bedingung der Legalisierung von Homoehe und der Tötung der Kinder im Mutterleib, der Euthanasie und des assistierten Suizids – und das alles um der drastischen Reduktion der Bevölkerung wegen des Klimaschutzes und der Knappheit der materiellen Ressourcen?

Über Sinn und Ziel des Menschseins verständigen

Wenn die westliche Welt ihre Entfremdung von Gott und den moralischen Relativismus allen anderen Kulturen aufzwingen will, spielt man nur den politischen und ideologischen Extremisten in die Hände. Mit militärischen und ökonomischen Mitteln allein können sie nicht bezwungen werden.

Die gewalttätigen Reaktionen, angefangen von Afghanistan bis zum Irak und Syrien und heute im Iran mit seinem Terrorregime sind schließlich der Beweis dafür, dass es ohne eine Verständigung über den höheren, also nicht nur materialistischen und imperialistischen, Sinn und Ziel des Menschseins keinen Ruhe des Herzens und Frieden auf Erden gibt. 

Viele sehen nur vordergründig den Kampf um die Rohstoffe und die Macht. Entscheidend ist jedoch der Kampf um die Seele des Menschen. Nur wenn wir im Herzen und Gewissen wieder entdecken, dass wir alle von einem Vater im Himmel abstammen und dass wir folglich untereinander Brüder und Schwestern sind, gibt es ein gedeihliches Miteinander.

In seiner berühmten Regensburger Rede Vorlesung (12. 9. 2006) sagte Papst Benedikt XVI. wörtlich:

„In der westlichen Welt herrscht weithin die Meinung, allein die positivistische Vernunft und die ihr zugehörigen Formen der Philosophie seien universal. Aber von den tief religiösen Kulturen der Welt“ – zu denen er den religiösen, aber nicht den politischen Islam zählt, was manche überhört hatten – „wird gerade der Ausschluss des Göttlichen aus der Universalität der Vernunft als Verstoß gegen ihre innersten Überzeugungen angesehen. Eine Vernunft, die dem Göttlichen gegenüber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen abdrängt, ist unfähig zum Dialog…

Für die Philosophie und in anderer Weise für die Theologie ist das Hören auf die großen Erfahrungen und Einsichten der religiösen Traditionen der Menschheit, besonders aber des christlichen Glaubens, eine Erkenntnisquelle, der sich zu verweigern eine unzulässige Verengung unseres Hörens und Antwortens wäre…

Mut zur Weite der Vernunft, nicht Absage an ihre Größe – das ist das Programm, mit dem eine dem biblischen Glauben verpflichtete Theologie in den Disput der Gegenwart eintritt. ‚Nicht vernunftgemäß, nicht mit dem Logos handeln ist dem Wesen Gottes zuwider‘, hat Manuel II. von seinem christlichen Gottesbild her zu seinem persischen Gesprächspartner gesagt.

In diesen großen Logos, in diese Weite der Vernunft laden wir beim Dialog der Kulturen unsere Gesprächspartner ein. Sie selber immer wieder zu finden, ist die große Aufgabe der Universität.“ 

Glaube und Vernunft, Wahrheit und Freiheit

Und der gerade verstorbene Jürgen Habermas hat in seinem monumentalen Werk über die Geschichte der Philosophie die These aufgestellt, dass das einzige Thema des Westens, also das, was die Identität Europas in der Nachfolge des christianisierten römischen Reiches ausmacht, das Verhältnis von Glaube und Vernunft (Logos), von Wahrheit und Freiheit, von Person in Gemeinschaft ist jenseits von Individualismus und Kollektivismus.

Die geschichtsvergessenen „Rationalisten“ hielten dem entgegen:

Der exklusiv an den Methoden der empirischen Wissenschaften orientierte Begriff von Vernunft stelle einen nicht überbrückbaren Gegensatz zwischen Glauben und moderner Wissenschaft fest. Als wissenschaftlich widerlegte Bewusstseinsform und Lebensweise trage der christliche Glaube und überhaupt jede Religion nichts bei zur Lösung der großen Herausforderungen der Moderne.

In einer ganz von Wissenschaft und Technologie geschaffenen Welt werde die Religion notwendig zu einem Randphänomen, zur einer Privatsache in den noch unaufgeklärten Restbeständen aus der mythologischen und vorwissenschaftlichen Betrachtung von Welt und Mensch.

Wo diese Weltanschauung zu einem politischen Programm verabsolutiert ist, müssen Glaube und Religion aus der Erziehung der Jugend, dem öffentlichen Diskurs und der geltenden Kultur entweder gewaltsam eliminiert oder sanft entsorgt werden oder einige unerleuchtete Bischöfe und opportunistische Theologen meinen, die Kirche retten zu können, indem sie die Botschaft des Evangeliums mit  einer sozialen Agenda ersetzen. 

Weisheit Gottes im Zeichen des Kreuzes

Gewisse „Diplomaten“ meinten, die Wahrheit dem Kalkül der Macht unterordnen zu sollen, statt die Macht durch die Wahrheit zu vermenschlichen. Aber die Kirche verkündigt die Weisheit und Macht Gottes im Zeichen des Kreuzes Christi, nicht die „Weisheit dieser Welt und der Machthaber dieser Welt“ (1 Kor 2,6). 

Der heilige Thomas von Aquin fasste die Einheit alles Wissens aus dem Glauben und der Vernunft so zusammen: „In allem Wahren, das wir erkennen und allem Guten, das wir tun, wird schon implizit die Wahrheit Gottes erkannt und Gottes Güte erfahren.“ 

Das Verhältnis von Glauben und Vernunft hat in der europäischen Geistesgeschichte gewiss auch seine dramatischen Momente gehabt, die von der Synthese über ein dialektisches Verhältnis bis zum ausschließenden Gegensatz reichen, besonders in der Aufklärungsphilosophie, der Religionskritik und den atheistisch-politischen Ideologien des letzten Jahrhunderts.

Papst Benedikt XVI. plädierte nicht für eine Rückkehr in die Zeit vor dem Aufkommen der modernen Naturwissenschaften und Technologien:

„Nicht Rücknahme, nicht negative Kritik ist gemeint, sondern um die Ausweitung unseres Vernunftbegriffs und -gebrauchs geht es. Denn bei aller Freude über die neuen Möglichkeiten des Menschen sehen wir auch die Bedrohungen, die aus diesen Möglichkeiten aufsteigen, und müssen uns fragen, wie wir ihrer Herr werden können.

Wir können es nur, wenn Vernunft und Glaube auf neue Weise zueinanderfinden; wenn wir die selbstverfügte Beschränkung der Vernunft auf das im Experiment Falsifizierbare überwinden und der Vernunft ihre ganze Weite wieder eröffnen. In diesem Sinn gehört die Theologie nicht nur als historische und humanwissenschaftliche Disziplin, sondern als eigentliche Theologie, als die Frage nach der Vernunft des Glaubens an die Universität und in ihren weiten Dialog der Wissenschaften hinein.“ 

Denn wissenschaftliches Forschen unterscheidet sich vom ziellosen Herumtasten und Vermuten zuerst durch die Methode und allgemein nachprüfbare Kriterien und nicht durch die Materialität oder Immaterialität des Gegenstandes.

Das sittliche Grundgesetz ist „ins Herz geschrieben“

Gegenstand der Ethik und der Moral zum Beispiel sind nicht materiell verifizierbare Dinge und mathematisch beschreibbare Verhältnisse, sondern das im Gewissen aufleuchtende sittliche Grundgesetz, dass das Gute unbedingt zu tun und das Böse bedingungslos zu meiden ist.

Das gilt auch für die Erkenntnis der natürlichen Sittengesetzes. Sein Grundprinzip ist die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen. Dies widerspricht dem ethischen Relativismus und jedem Versuch, den Menschen zu einem Mittel zum Zweck herabzuwürdigen.

Schon vor der Erkenntnis Gottes in seiner heilsgeschichtlichen Selbstmitteilung im Gottesvolk Israel und der Kirche Christi ist Gott präsent und wirksam im sittlichen Gewissen jedes Menschen.

Aus dem vernünftigen Glauben an die Existenz Gottes und der vernunftgemäßen Gottesbeziehung ergibt sich, was Paulus so formuliert:

„Wenn die Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich“ (Röm 2,14f).

Nur wo der Glaube nicht als entfremdende Projektion oder nützliche Fiktion abgetan wird, sondern in seinem Ursprung und Inhalt im Logos, d.h. der Selbsterkenntnis Gottes in seinem Wort, erfasst wird, kann er auch in einen fruchtbaren Dialog eintreten mit den Wissenschaften, aber auch mit den großen Sinndeutungen des Menschseins in den Philosophien und den Weltreligionen.

Es gibt eine Hoffnung über den Tod hinaus

Denn der Mensch will nicht bloß wissen, wie die Welt aufgebaut ist, wie er durch die Technik seine Lebensbedingungen verbessern kann, sondern noch vielmehr, warum es das Böse in der Welt gibt, das Sinnlose, den Tod, den Hass, der alle Liebe zu verschlingen droht, ob es eine Hoffnung gibt über das kurze und leidverhaftete Erdendasein hinaus oder warum es überhaupt Seiendes gibt und nicht vielmehr nichts, wie es der Naturwissenschaftlicher, Mathematiker und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716) formulierte.

Angesichts der sich immer mehr zuspitzenden globalen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Krise, des Terrorismus und der unlösbaren Konflikte, die die Menschheit an den Rand des Abgrundes treiben, behält der anthropologische Zugang des II. Vatikanums zur Gottesfrage seine Aktualität gegenüber allen Projekten der Selbsterlösung im Glauben an den Fortschritt und die Wissenschaft als Mittel zum irdischen Paradies.

Die Grundfragen bleiben und stellen sich in erneuter Schärfe: 

„Was ist der Mensch? Was ist der Sinn des Schmerzes, des Bösen, des Todes – alles Dinge, die trotz solchen Fortschrittes noch immer weiter bestehen? Wozu diese Siege, wenn sie so teuer erkauft werden mussten? Was kann der Mensch der Gesellschaft geben, was von ihr erwarten? Was kommt nach dem irdischen Leben?“ (Gaudium et spes 10). 

Der Glaube ist vernünftige Gottes-Beziehung und nicht eine unter den vielen alten und neuen wissenschaftlichen Thesen zur Erklärung der Materie, ihrer Strukturen und Wirkweisen substantiell. 

Davon nicht zu trennen ist die ethische Bewältigung der naturwissenschaftlichen und technologischen Herausforderungen, aber auch die Suche nach einer universalen Gesellschaftsordnung nach den Prinzipien der Menschenwürde und der globalen Solidarität und der weltweiten sozialen Gerechtigkeit…

In der Berichterstattung nach den verheerenden Bombenanschlägen und Selbstmord-Anschlägen von Terroristen, die sich als strenggläubige Moslems ausgeben, wird in politischen und medialen Kreisen gedankenlos von „religiöser Gewalt“ gesprochen, ohne den inneren Widerspruch in dieser Begriffsverbindung zu bemerken.

Religion als Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer

Was meint in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „Religion“ überhaupt?

Religion als Kategorie ist vieldeutig. Das II. Vatikanum definiert Religion im Dekret über die Religionsfreiheit als „pflichtgemäße Gottesverehrung“ (Dignitatis humanae 1). Religion ist nicht ein von Menschen fiktiv ersonnenes Mittel, ein Placebo zur Kontingenzbewältigung.

Der ursprünglichste Gedanke der Vernunft ist das Staunen, dass es mich und die ganze Welt überhaupt gibt. Das Wesentliche der religiösen Erfahrung ist das Gefühl der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer und das unendliche Vertrauen in seine Vorsehung. Religion ist das Urvertrauen, dass der, der mich ins Dasein gerufen hat, alles auch zu einem guten Ende führt.

Das Verhältnis zu Gott in Lob und Dank wird gestört durch die Sünde, aus der die chaotischen Verhältnisse in der Menschheit resultieren. Hier erhebt sich in der biblischen Tradition des jüdischen und christlichen Glaubens der Blick auf den Schöpfer, der sich uns als Erlöser verheißen hat.

Der kaiserliche Dialogpartner des persischen Gelehrten geht von der biblischen Erkenntnis aus: „Gott ist Geist“ (Joh 4,24) und „Gott ist die Liebe“ (Joh 4,8). Und darum steht für ihn als Christen unumstößlich, auch selbstkritisch im Blick auf historische Verstrickungen des Christentums in die Machtpolitik fest:

„Gott hat kein Gefallen am Blut“, d.h. an destruktiver Gewalt und schon gar nicht an terroristischen, kriminellen Handlungen und brutalen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, denn „nicht vernunftgemäß … zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider“.

In diesem Sinne wendete er sich an seinen Gesprächspartner und fragt ihn, wie der Djihad im Koran zu verstehen sei. Denn ein Krieg mit all seinen Gräueltaten kann niemals heilig, d.h. Gott gefällig sein, weil die Verbreitung des Glaubens nur über die Einsicht und die Freiheit des Menschen geschieht.

Frage nach den „Schwertversen“ des Koran

Darauf müssen die maßgeblichen politischen und religiösen Autoritäten in den islamisch geprägten Kulturen und Staaten eine Antwort finden, wie die sogenannten Schwertverse des Koran mit dem in der Natur des Menschen grundgelegten Recht auf Freiheit im Glauben zu vereinbaren ist.

Nicht nur die gewaltsamen Mittel zu Ausbreitung einer Religion oder einer politischen Ideologie müssen abgelehnt werden, sondern auch das Ziel einer religiös-politischen Weltherrschaft. Nicht diejenigen beleidigen Gott, die auf den Selbst-Widerspruch jeder pseudo-religiös sich begründenden Gewalt hinweisen, sondern die sich für ihre Untaten auf Gott berufen.

Man möchte den Wahnsinnigen entgegenschreien: Nicht Gott befiehlt euch, die Ungläubigen, wie ihr sie nennt, oder die Andersgläubigen, wie es gerechterweise heißen muss, zu töten. Es ist die Stimme des Teufels, die ihr in euch hört.

Wie kann das heiligste Band der Liebe, das Gott zwischen einer Mutter und ihrem Kind geknüpft hat, mehr beleidigt werden, als wenn man ihr einredet, stolz zu sein auf ihren jugendlichen Sohn, der mit einem Sprenggürtel um seinen Leib sich und andere in Tod und Verderben gerissen hat.

Wahre Märtyrer sind mit ihrem Leben und Sterben, ihrem Leiden und ihrer Hingabe für andere Zeugen für Gottes Liebe und Wahrheit geworden…

In der Weltanschauung des nachchristlichen Säkularismus in Europa und Nordamerika existiert die Utopie eines „Humanismus ohne Gott“ (Henri de Lubac). Alle Fragen, die die Religionen nicht lösen konnten, würden nun durch Naturwissenschaft und Technik im Geist der Vernunft und Aufklärung gelöst. Und dann entstehe eine Welt ohne Gewalt und Leid, ein Paradies der Toleranz.

Wenn der Relativismus zur Gesinnungsdiktatur führt

Wichtige Vertreter der Aufklärung haben die „Religion“ – und sie meinten damit freilich das Christentum – mit seinem eindeutigen Wahrheitsanspruch für die Quelle des Fanatismus und des Aberglaubens gehalten. Allenfalls ein auf Moral und Kultur beschränktes Christentum ohne dogmatischen Wahrheitsanspruch könne vor der aufgeklärten Vernunft und der modernen Wissenschaft bestehen.

Dieses Erklärungsschema findet sich noch heute in der Bewertung des Terrorismus der sogenannten Islamisten. Diese Religion müsse sich in der Kraft aufgeklärter Vernunft vom Gewaltpotential befreien, das in der Natur jeder Offenbarungsreligion und des Glaubens an den einen Gott der Wahrheit vorhanden sei. Nur ein konsequenter Relativismus in der Wahrheitsfrage könne die latente Gewaltbereitschaft des Monotheismus im Judentum, im Christentum und im Islam zähmen und in den Griff bekommen.

Der Preis des Relativismus ist allerdings sehr hoch. Er führt unausweichlich in eine Gesinnungsdiktatur.

Wenn nicht mehr alle Menschen in der Suche nach der Wahrheit und der Liebe zu ihr miteinander verbunden wären, müsste an die frei gewordene Stelle des Wahrheitsgewissens die Ideologie der totalitären Welterklärung und der Gesellschaftsordnung des Neuen Menschen treten.

Aber wie kann die endliche Vernunft eines sterblichen Hegel und Marx, ganz zu schweigen von den kleineren „Welterlösern“ von der Gnosis bis zu New Age, zu absoluten Wahrheiten gelangen, der sich zu unterwerfen sie ihre sterblichen Mitmenschen mit Gehirnwäsche und Gewalt zwingen?

Der endliche Verstand des Menschen wird nie Wahrheit und Freiheit gewaltfrei verbinden. „Nur wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17).

Vom „Paradies“ zu den „Pforten der Hölle“

Das Gericht über andere müssen wir jetzt und am Jüngsten Tag Gott überlassen, der allein der gerechte Richter ist. Überall, wo Menschen mit ideologischer und politischer Motivation das Weltgericht vorwegnehmen und ein Paradies von Menschenhand bauen wollten, haben sie nur die Büchse der Pandora oder die Pforten der Hölle geöffnet.

Auf jeden Fall kann dem modernen Phänomen des internationalen Terrorismus in seiner politisch-ideologischen oder politisch-pseudoreligiösen Version nicht einfach fortschrittsgläubig mit Appellen an Vernunft und Toleranz begegnet werden.

Längst hat die Vertrauensseligkeit in die alles erlösende Macht der Vernunft und des Fortschritts ihre Unschuld verloren.

Die „Dialektik der Aufklärung“, die die Vertreter der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule Theodor Adorno und Max Horkheimer in ihrem Buch 1944 analysierten, zeigt, dass nur eine über der begrenzten menschlichen Vernunft stehende Instanz die Barbarei der Unmenschlichkeit in den totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinein verhindern kann.

Terror als Kennzeichen totalitärer Systeme

Es war kein Zufall, dass der Terror als Mittel zur ideologischen Gleichschaltung als Kind der Französischen Revolution geboren wurde. In der Schreckensherrschaft der Jakobiner wurde der Terror gegen hunderttausende unschuldiger Menschen als Tugend gerechtfertigt und als Herrschaft der Vernunft und des Volkswillens verherrlicht.

Verbunden mit der sozialdarwinistischen These vom Recht der Stärkeren als Gesetz allen Lebens ist der Terror als Herrschaftsform eingegangen in die sich wissenschaftlich verstehenden totalitären Systeme, die die größten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte zu verantworten haben.

Statt im antichristlichen Affekt den pseudoreligiös sich tarnenden Terrorismus zu benutzen, um im antiquierten Aufklärungspathos die Religion und konkret das Christentum zu diskreditieren, sollten sich alle Menschen guten Willens verständigen auf eine moralische und sozial-ethische Grundlage des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher religiöser und philosophischer Grundeinstellung.

Natürliches Sittengesetz anerkennen

Das kann nur die Anerkennung des natürlichen Sittengesetzes sein und der universellen Menschenrechte, die in der unantastbaren Würde eines jeden einzelnen Menschen gründen. 

Auch die Staaten mit der Bevölkerungsmehrheit einer bestimmten Glaubensrichtung müssen die Religionsfreiheit der Minderheiten und aller Bürger anerkennen und sich jeder Einmischung in das Wahrheitsgewissen und das sittliche Gewissen der Person und der Glaubensgemeinschaften enthalten.

Denn der Staat ist für die Menschen und nicht die Menschen für den Staat da.

Wie die gelehrten Muslime einzelne Suren im Koran, die von Gewalt und Krieg in Glaubens- und Gewissensfragen sprechen, im historischen Kontext auslegen, ist jetzt nicht unser Thema. In einer systematischen Auslegung scheint mir jedoch die erste Sure der hermeneutische Schlüssel für allen folgenden Verse zu sein. Denn „im Namen Gottes, des Sich Erbarmenden, des Barmherzigen“ (Sure 1) lässt sich kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit rechtfertigen.

Sowohl die Gotteserkenntnis in der Offenbarung des Koran, wie sie nur für den muslimischen Gläubigen gültig ist, als auch die gemeinsame Erkenntnis des Daseins Gottes und des von Gott in unsere geistige Natur eingeschriebenen Sittengesetzes machen jede Berufung auf Gottes Willen unmöglich, um Männer, Frauen und Kinder zu töten, zu vergewaltigen, zu erniedrigen und ihrer religiösen und bürgerlichen Freiheit zu berauben.

Gewiss sind wir Menschen nicht in der Lage, uns selbst den Frieden zu geben, so wie nur Gott ihn gibt. Aber wir sind aufgerufen zur Mitarbeit an einer Gesellschaft, deren tragender Grund die Würde der menschlichen Person und das Wohl aller in der Gemeinschaft ist.

Juden und Christen, Muslime und Menschen anderer Religionen erkennen Gott an als den Herrn und Schöpfer, der uns gemacht hat. Durch nichts mehr wird Gott verherrlicht als durch die Liebe zum Nächsten und durch nichts wird er mehr beleidigt als durch den Hass auf den Bruder. Wahre Religion ist dort, wo die Liebe siegt. Die Liebe ist die wahre Gottesverehrung.

Der Christ bekennt: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm“ (1 Joh 4,16).

Das hat ethische Konsequenzen.

„Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder, und ihr wisst, dass kein Mörder ewiges Leben hat, das in ihm bleibt. Daran haben wir die Liebe erkannt, dass Er sein Leben für uns dahingegeben hat. So müssen auch wir das Leben hingeben für die Brüder. Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben?“ (1 Joh 3,15ff).

Das Wissen um die untrennbare Einheit von Glaube und Vernunft, von Gottes- und Nächstenliebe ist der Kern des christlichen Beitrags zum interkulturellen Dialog und zum Frieden in der Welt. Darauf hingewiesen zu haben ist das bleibende Verdienst der weltbekannten Regensburger Vorlesung, die uns Benedikt XVI. geschenkt hat.

Wir danken Kardinal Müller freundlich für seine Abdruckerlaubnis dieser grundsätzlichen Stellungnahme

Kommentare

16 Kommentare

  1. Der Begriff des Westens von Herrn Kardinal Müller ist ein andrrer als in der üblichen Debatte um den „Westen“: Prof. HA Winkler („Deutschlands langer Weg nach Westen“) und unzählige andere Wissenschaftler verstehen unter Westen die Länger im Nordwesten Europas und Übersee, die demokratischer und liberaler waren als andere, konfessionell eher calvinistisch (bzw. calvinistisch-freikirchlich) als – meist- lutherisch-katholisch- orthodox. Als Anhänger des deutschen Sonderwegs hat sich in seinem Buch auch AfD-Ideologe Björn Höcke vom westen distanziert. Natürlich sind meine Aussagen eine grobe Vereinfachung.

  2. Wissen plus Wahrheit gleich Weisheit:
    Losung und Lehrtext für Dienstag, 19. Mai 2026

    HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.
    Jesaja 64,7

    Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht etwa ein Werk zu seinem Meister: Warum hast du mich so gemacht?
    Römer 9,20
    —————————————-
    Alles was zu Christus lenkt bringt den Heiligen Geist und das Lebendige – das Leben.

  3. Aber spielt sich das Drama nicht in den Schulen bis hin zur Universität ab? Braucht nicht das Christentum den Glauben der Nationen an sich? Kann man diesen Schluß nicht aus dem Video von Trish Regan, https://www.youtube.com/watch?v=n8UyHcH9YMQ , ziehen, die President Donald J. Trump unterstützte? Und vielleicht erlauben Sie hier in Graz die VIERTE FRAGE, welche Bedeutung dem zu geben ist, daß eine eine Gesangsausbildung von Trish Regan in Graz {Quelle: ‚Wikipedia‘) erwähnt wird.

  4. Offensichtlich hat ein intelligenter Schöpfer das Universum und dessen Gesetze erschaffen. Wenn wir das Universum erkunden, können wir diese Gesetze und Zusammenhänge finden.

    Am Ende seines Buches über die „Weltharmonik“ beschrieb Johannes Keppler, einer der größten Astronomen aller Zeiten, die Grundlage wahrer Naturwissenschaft:

    „O Du, der Du durch das Licht der Natur das Verlangen in uns mehrst nach dem Licht Deiner Gnade, um uns durch dieses zum Licht Deiner Herrlichkeit zu geleiten, ich sage Dir Dank, Schöpfer, Gott, weil Du mir Freude gegeben hast an dem, was Du gemacht hast, und ich frohlocke über die Werke Deiner Hände.

    Siehe, ich habe jetzt das Werk vollendet, zu dem ich berufen wurde. Ich habe dabei alle Kräfte meines Geistes genutzt, die Du mir verliehen hast.

    Ich habe die Herrlichkeit Deiner Werke den Menschen, die meine Ausführungen lesen werden, geoffenbart, soviel von ihrem unendlichen Reichtum mein enger Verstand hat erfassen können.

    Mein Geist ist bereit gewesen, den Weg richtigen und wahren Forschens einzuhalten.

    Wenn ich etwas Deinen Absichten Unwürdiges vorgebracht habe, ich kleiner Wurm, im Sumpf der Sünden geboren und aufgewachsen, so sage mir, was Du die Menschen wissen lassen willst, damit ich meine Sache besser mache.

    Wenn ich mich durch die staunenswerte Schönheit Deiner Werke zu Verwegenheit habe verleiten lassen, oder wenn ich an meinem eigenen Ruhm bei den Menschen Gefallen gefunden habe in dem erfolgreichen Fortgang meines Werkes, das zu Deinem Ruhm bestimmt ist, so vergib mir in Deiner Milde und Barmherzigkeit …“.

    https://www.youtube.com/watch?v=2oUrYeORUOU&t=70s
    „Sie wollen mich im Gefängnis sehen – Bhakdi bricht sein Schweigen“
    Der Ketzer der Neuzeit zeigt im Interview mit Prof. Bhakdi den Weg der Wahrheit auf.

    https://www.youtube.com/watch?v=R9teXgREzCA
    Mangalwadi Vortrag: Was ist nur los mit dem Westen?

    Mit wissenschaftlicher Akribie untersucht der indische Sozialreformer Vishal Mangalwadi die biblisch-christliche Grundlage unserer Kultur in seinem spannenden und praxisbezogenen Buch „Das Buch der Mitte“ und warnt vor der Vernachlässigung dieser Grundlage.

  5. Viele wollen es nicht wahrhaben oder verleugnen es:
    Jeder muss sich vor Jesus Christus verantworten.
    Entweder ist ER dann sein Retter oder Richter.

    Das ist eine Tatsache, da die Bibel zuverlässig überliefert wurde.

    „Mit der Botschaft vom Kreuz ist es nämlich so: In den Augen derer, die verloren gehen, ist sie etwas völlig Unsinniges; für uns aber, die wir gerettet werden, ist sie der Inbegriff von Gottes Kraft.“
    1.Korinther 1, 18

    „Der Gott dieser Welt hat sie mit Blindheit geschlagen, sodass ihr Verständnis verfinstert ist und sie den strahlenden Glanz des Evangeliums nicht sehen …“.
    2. Korinther 4, 4
    Der Gott dieser Welt ist Satan.

    Zum Thema „Sind Sie ein lauer Christ?“ lesen Sie bitte auch Offenbarung 3, 14-22.

     

     

     

  6. Sehr gut, von Kardinal Müller, eigentlich wie immer!
    Zu seinem Satz „Denn der Westen ist nichts anderes als die Kulturgemeinschaft der germanischen und slawischen Stämme und Nationen, die aus dem Erbe des weströmischen Reiches hervorgegangen…“ möchte ich noch ergänzen: Wisst Ihr eigentlich, dass „der Westen“ mit Deutschland, England, Amerika zu einem erheblichen Teil der Bevölkerung aus den Nachkommen der 10 „verlorenen“ Stämme des Nordreichs Israel bestehen? Ich las das kürzlich in zwei verschiedenen Büchern von Menschen, die das erforscht haben. Wir wissen ja, dass 722 v.Chr. die 10 Stämme des Nordreichs, also Israels, nach Assyrien verschleppt wurden – und nie mehr zurückkehrten. Wo sind sie verblieben? Sie sind über die Nordroute in Jahrhunderten gen Westen gezogen. Und von England dann nach Nordamerika übersiedelt, zum Teil. Die anderen sind z.B. in Deutschland oder England verblieben.
    Einer schrieb: Die USA, das sind der Stamm Manasse, genau: West-Manasse. England ist der Stamm Ephraim, Ost-Manasse ist Deutschland und Österreich. Hochinteressant! Das Südreich, also Juda, wurde ja 586 v.Chr. -also erheblich später als Israel- nach Babylon verschleppt. Und durfte später zurückkehren und den Tempel neu aufbauen.
    Ich empfehle, weil sehr aufschlussreich für den, der sich dafür interessiert, das Buch „Die zwölf Stämme Israels“ von Cornelius F. Petersen, für ganz wenige Euro bei amazon.de, so meine ich, zu bekommen.
    Zwölf Stämme waren es bis zum Zerfall Ganz-Israels in das Nordreich und das Südreich. Danach, wie gesagt 10 Stämme Nordreich und 2 Stämme Südreich. .. Mich hat das brennend über Jahre hinweg interessiert, bis ich dann die Antwort bekam!

    1. Unter amazon.de ist es zu bekommen, 182 Seiten, Preis 8 Euro, versandkostenfrei.

      http://www.amazon.de › zwölf-Stämme-Israels-Cornelius-Petersen › dpDie zwölf Stämme Israels : Petersen, Cornelius F.: Amazon.de:…

      Wer sich mit der Bibel befasst, wird unweigerlich mit den zwölf Stämmen Israels konfrontiert, die in den Stammvätern Abraham, Isaak und Jakob (später Israel) ihren Ursprung haben.

  7. Ich weiß nicht, an wen sich diese grundsätzliche Stellungnahme richtet.
    Als Erklärung oder Appell an Laien halte ich den Text für zu umfangreich.
    Wieviele Menschen mögen vorzeitig aufgeben.
    Gestern hörte ich von Prof. Ralph Weimann, wie er ein angebliches Bismarck-Zitat „Die Deutschen fürchten niemand außer Gott“ ergänzt:
    „Heute scheint es umgekehrt zu sein. Die Deutschen fürchten alles außer Gott.“
    Dieser Satz ging mir nicht mehr aus dem Sinn.

  8. 1.000 DANK für diesen SAGENHAFT GROSS-ARTIGEN Beitrag, den ich als DEN ALLER-BESTEN bezeichne, den ich jemals entdeckt habe.

    DIESER BEITRAG gehört auf ALLE TITEL-SEITEN sämtlicher TAGESZEITUNGEN !

    DANKE, DANKE, DANKE !!!

  9. Mit Genuß zu lesen! Eine Stimme der Wahrheit! Danke, Frau Küble. ABER was viel schlimmer ist: es ist eine SELBSTzerstörung des Christentums. Man braucht gar keinen Islam etc, diese elenden Kirchensteuer-Kirchen erledigen das alles von selbst. Dieser gottlose queer-woke Katholikentag war der perfekte Beweis. Alles begleitet in Deutschland von den C-Parteien. Man möchte verzweifeln… besonders über die grenzenlose Naivität des frommen Bürgertums!

    1. Lieber Klaus Peter Löwe,
      Nicht Sie persönlich, aber die Heftigkeit Ihrer Worte „diese elenden Kirchensteuer-Kirchen“ erinnern mich an Prälat Johann Neuhäuslers Dokumentation aus dem Jahr 1946 „Der Kampf des Nationalsozialismus gegen die katholische Kirche und der kirchliche Widerstand“.
      Auf Seite 239 des ersten Teils seiner Dokumentation berichtet Neuhäusler:
      „Natürlich wurde auch in nationalsozialistischen Versammlungen und Zeitungen entsprechend gegen die Kirchensteuer gehetzt…“

      1. Guten Tag,
        daß die NS-Herrscher mit der Kirchensteuer gehadert haben, ist ja klar. Allerdings war die katholische Kirche damals in einem ganz anderen – nämlich viel besseren – Zustand, weshalb sie vom NS-Regime unterdrückt wurde teils verfolgt wurde, indem tausende Priester z.B. ins KZ Dachau kamen.
        Die Kirchensteuer wird heute in Deutschland weitgehend zweckentfremdet für synodale Irrwege und linkswoke Katholikentage etc.
        Freundlichen Gruß
        Felizitas Küble

        1. Gebe ihnen recht, Frau Küble. Aber ganz unvoreingenommen muss man doch konstatieren: ohne die Kirchensteuer wäre die Institution „Kirche“ am Ende. Denn mit der Kirchensteuer wird ja das kirchliche Personal bezahlt – und auch die Gebäude unterhalten. Zuerst wäre sicher die Institution Evangelische Kirche pleite – und die römisch-katholische Kirche müsste viel von ihrem „Tafelsilber“ zu Geld machen. Die beiden großen Kirchen wären allein von Spendengeldern nicht überlebensfähig. Die wahrhaft Gläubigen, die es ja auch noch gibt, hätten zu büßen. Noch bezahlen viele Kirchensteuer, ohne zur Kirche zu gehen…Die fallen ja dann weg…Bei den Freikirchen sieht es anders aus, die leben ja sowieso ausschließlich von Spenden ihrer Mitglieder. Das muss, bezüglich der „Großkirchen“ schon all denen gesagt werden, die immer heftig gegen die Kirchensteuer wettern. Dann müssen DIE sich was Neues suchen. So einfach ist das.

          1. Guten Tag,
            das stimmt natürlich, die Sache mit der Kirchensteuer ist ambivalent, sicher werden auch notwendige bzw. positive Ausgaben damit finanziert.
            Aber im Vergleich von früher und heute – darum ging es ja – wurde damals die Kirchensteuer insgesamt besser verwendet als heute.
            Auch die „Lösung“ mit der freiwilligen Unterstützung ist ambivalent – schon wegen der Abhängigkeit zu wohlhabenden Spendern.
            Zudem weiß ich von befreundeten Freikirchlern, daß dort Neuankömmlinge, die in bescheidenen Verhältnissen leben, teilweise nicht sonderlich willkommen sind – vor allem bei Alleinstehenden.
            Dazu die ständige Drängelei in einigen dieser Gemeinschaften mit der Abgabe des „Zehnten“, manchmal sogar als Voraussetzung für die Mitgliedschlaft.
            Freundlichen Gruß
            Felizitas Küble

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