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Erklärung der kath. Bischöfe Russlands zur angekündigten Teilmobilmachung

Geliebte Brüder und Schwestern in Christus, Klerus, Mönche, Laien!

Die Konfrontation in der Ukraine ist zu einem umfassenden militärischen Konflikt eskaliert, der bereits Tausende von Menschenleben gefordert, das Vertrauen und die Einheit zwischen Ländern und Völkern untergraben und die Existenz der ganzen Welt bedroht.

Wie vor sechs Monaten wollen wir das Lehramt der Kirche wiederholen, das dem Heiligen Evangelium und der ältesten Tradition folgt: Der Krieg war und wird nie ein Mittel zur Lösung von Problemen sein, die zwischen den Nationen auftreten; „Wir verlieren nichts wegen des Friedens, und wir können alles wegen des Krieges verlieren“ (Pius XII., 1939).

Heute sind unsere Herzen voller Trauer und Ohnmacht, weil wir nicht in der Lage sind, etwas zu tun oder auch nur die richtigen Worte zu finden, die einen entscheidenden Unterschied machen und weitere Opfer verhindern könnten.

Gemeinsam mit euch, Brüder und Schwestern, hören wir die Worte des Heiligen Vaters, der während seines Besuchs in Kasachstan gesagt hat: »Gewöhnen wir uns nicht an den Krieg, resignieren wir nicht mit seiner Unausweichlichkeit. Lasst uns denen zu Hilfe kommen, die leiden, und lasst uns darauf bestehen, wirklich zu versuchen, wirklich Frieden zu erreichen. Der einzige Ausweg ist der Frieden, und der einzige Weg, dies zu tun, ist der Dialog.“

Im Bewusstsein unserer Ohnmacht beten wir, im Geiste der Hingabe von Papst Franziskus an die Ukraine und Russland an das Unbefleckte Herz Mariens zu leben, in voller Hoffnung auf Gottes Fürsorge für seine Kinder und auf seine grenzenlose Barmherzigkeit; Der einzige Weg, auf diese Weise zu leben, besteht darin, demütige Friedensstifter und Verfechter der Gerechtigkeit zu sein, so viel unsere Gaben und die Umstände unseres Lebens uns erlauben.

Die in Russland angekündigte Teilmobilisierung hat viele unserer Gläubigen vor eine ernsthafte moralische Entscheidung gestellt. Wir wissen, dass die staatlichen Behörden unter bestimmten Umständen nicht nur das Recht haben, sondern auch Waffen einsetzen und von den Bürgern verlangen müssen, die zum Schutz des Vaterlandes erforderlichen Pflichten zu erfüllen, und diejenigen, die dem Vaterland im Militärdienst ehrlich dienen, dienen dem Gemeinwohl.

All dies trifft zu, wenn militärische Aktionen darauf abzielen, den Konflikt so schnell wie möglich zu beenden und eine Vermehrung der Opfer zu vermeiden (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche 2307-2317).

Letztlich ist die Frage der Zulässigkeit der Teilnahme an Feindseligkeiten eine Frage des menschlichen Gewissens, das die geheimste und heiligste aller Heiligtümer des Menschen ist, in der er mit Gott allein ist und dem er immer gehorchen muss (ebd., 1795, 1800).

Auf der anderen Seite erinnert die Kirche die staatlichen Autoritäten daran, dass sie „eine gerechte Lösung finden müssen, wenn eine Person überredet wird, zu den Waffen zu greifen, während sie verpflichtet bleibt, der menschlichen Gemeinschaft auf andere Weise zu dienen“ (ebd., 2311). Dieses Recht ist in Artikel 59 Teil 3 der Verfassung der Russischen Föderation verankert, und wir fordern seine konsequente Einhaltung.

Was den Klerus und die Mönche der katholischen Kirche betrifft, so sollte betont werden, dass es für sie kategorisch unmöglich ist, an Feindseligkeiten teilzunehmen sowohl nach den ältesten Kirchenregeln als auch in Übereinstimmung mit den geltenden internationalen Konventionen.

An alle unsere Gläubigen erneuern wir den Aufruf zu verstärktem Gebet und Fasten, um eine gerechte und sichere Welt zu schaffen. Die Priester werden gebeten, die Hfeilige Messe für die Erhaltung des Friedens und der Gerechtigkeit zu feiern, das eucharistische Gebet zur Versöhnung zu nutzen, das Gebet aus dem Requiem „Für Frieden und Vaterland“ zu rezitieren und im Gebet der Gläubigen Bitten um die Einstellung der Feindseligkeiten und die Erhaltung des menschlichen Lebens aufzunehmen.

+ Erzbischof Paul Pezzi,
Metropolit der Erzdiözese der Mutter Gottes in Moskau
im Namen der Konferenz der katholischen Bischöfe Russlands

HIER geht es zum Blog von Bischof Clemens Pickel: Katholisch in Südrussland (kath-ru.blogspot.com)

Kommentare

3 Antworten

  1. Bitte betet für BIschof Pickel, es ist dort nicht leicht für ihn!
    „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben!“ (Mt 10, 16)

  2. Neben der Undeutlichkeit der „Erklärung“ der Bischöfe der Katholischen Kirche gegenüber dem Angriffskrieg Putins fehlt vor allem die Verurteilung des metropolitanen Segens der „Teilmobilmachung“.
    Verstörend wirkt auch die Verteidigung eines faulen Friedensverhaltens zwischen den offensichtlich ungleichen Parteien.

    1. Ich denke, die Gläubigen dort verstehen sehr wohl, was da zwischen den Zeilen steht. Die Katholiken dort müssen sehr vorsichtig sein – können heute leider nicht alles offen sagen.

      „Russland nennt in seinem Religionsgesetz von 1997 vier traditionelle Religionen, die innerhalb der Geschichte des Landes eine tragende Rolle spielen: russische Orthodoxie, Islam, Judentum, Buddhismus. Sonstige Religionen oder Konfessionen (auch die klatholische Kirche) sind damit zwar nicht schon per se von der Religionsfreiheit ausgeschlossen; sie stehen aber in der sehr realen Gefahr, als „Sekten“ diskreditiert und benachteiligt zu werden.“

      https://www.idea.de/artikel/russland-lutherischer-erzbischof-nach-deutschland-geflohen

      und https://orf.at/stories/3270103/

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