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Metamorphose der Pflanzen

Dich verwirret, Geliebte, die tausendfältige Mischung
Dieses Blumengewühls über dem Garten umher;
Viele Namen hörest du an, und immer verdränget
Mit barbarischem Klang einer den andern im Ohr.

Alle Gestalten sind ähnlich, und keine gleichet der andern;
Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz,
Auf ein heiliges Rätsel. O könnt‘ ich dir, liebliche Freundin,
Überliefern sogleich glücklich das lösende Wort!

Werdend betrachte sie nun, wie nach und nach sich die Pflanze,
Stufenweise geführt, bildet zu Blüten und Frucht.
Aus dem Samen entwickelt sie sich, sobald ihn der Erde
Stille befruchtender Schoss hold in das Leben entlässt,
Und dem Reize des Lichts, des heiligen, ewig bewegten,
Gleich den zärtesten Bau keimender Blätter empfiehlt.

Einfach schlief in dem Samen die Kraft; ein beginnendes Vorbild
Lag, verschlossen in sich, unter die Hülle gebeugt,
Blatt und Wurzel und Keim, nur halb geformet und farblos;
Trocken erhält so der Kern ruhiges Leben bewahrt,
Quillet strebend empor, sich milder Feuchte vertrauend,
Und erhebt sich sogleich aus der umgebenden Nacht.

Aber einfach bleibt die Gestalt der ersten Erscheinung;
Und so bezeichnet sich auch unter den Pflanzen das Kind.

Gleich darauf ein folgender Trieb, sich erhebend, erneuet,
Knoten auf Knoten getürmt, immer das erste Gebild.
Zwar nicht immer das gleiche; denn mannigfaltig erzeugt sich,
Ausgebildet, du siehst’s, immer das folgende Blatt,
Ausgedehnter, gekerbter, getrennter in Spitzen und Teile,
Die verwachsen vorher ruhten im untern Organ.

Und so erreicht es zuerst die höchst bestimmte Vollendung,
Die bei manchem Geschlecht dich zum Erstaunen bewegt.
Viel gerippt und gezackt, auf mastig strotzender Fläche,

Scheinet die Fülle des Triebs frei und unendlich zu sein.
Doch hier hält die Natur, mit mächtigen Händen, die Bildung
An und lenket sie sanft in das Vollkommnere hin.

Johann Wolfgang von Goethe

 

Das vollständige Gedicht hier: https://www.garten-literatur.de/Leselaube/goethe/goethme.htm

Titelbild: Gaby Kaudel
Weitere Fotos: Anton Leuter, Dr. Edith Breburda

Kommentare

11 Kommentare

  1. Wissen plus Wahrheit gleich Weisheit für Freitag, 20. Februar 2026

    Du, HERR, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; lass deine Güte und Treue allewege mich behüten.
    Psalm 40,12

    Gott gebe euch viel Barmherzigkeit und Frieden und Liebe!
    Judas 1,2
    ———————–
    Alles was zu Christus lenkt bringt den Heiligen Geist und das Lebendige – das Leben.

  2. Ob Goethe Christ war…wir können es nicht beurteilen. Ich möchte überhaupt kein Urteil abgeben, was das Christsein eines Menschen betrifft. Das wird wohl sehr, sehr oft noch am Sterbebett entschieden worden sein. So, wie beim Schächer am Kreuz, der es auch im letzten Moment noch schaffte. Und: In eines Menschen Herz kann niemand schauen AUßER Gott, der Herr. Daher sollte man niemals über einen Menschen urteilen, ob Christ – oder nicht. GOTT ALLEIN WEIß es.

  3. Die Schöpfung redet deutlich vom Schöpfer, so dass kein Mensch eine Entschuldigung an, wenn er Seine in Jesus Christus ausgestreckte Gnadenhand nicht annimmt.

    Auch keine Gesellschaft und Kultur oder Zivilisation kann sich entschuldigen, wenn Sie diese Erkenntnis nicht nutzt, um Gott dankbar zu sein und Ihn zu ehren und mit dieser Verweigerung ihr eigenes Verderben (Dahingegebensein) auf sich zieht.

    (Röm. 1, 18ff)

    https://www.genesisnet.info/aktuelles/news_druck.php?News=270&Sprache=de

    https://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n270_gregor_mendel__die_entstehung_der_arten_und_schoepfung.php

    https://www.wort-und-wissen.org/?s=arche+noah+

    1. „Hier liegt vor deiner Majestät“ – Deutsches Hochamt – Johann Michael Haydn (1737 – 1806), das ist der katholische Text..

  4. Was war der Anfang dieser wunderbaren Blütenpracht? Es war das in die Erde gelegte Samenkorn, das erstarb und daraus die Pflanze erwuchs! Dieses Ersterben in der Erde können wir als Symbol unseres Glaubens verstehen. Unser ICH muss sterben, damit Frucht für die Ewigkeit enstehen kann! Das folgende Lied: „Die Sach ist dein, HERR Jesu Christ erklärt das sehr gut, ob DAS Goethe auch erkannt hat?
    Ob Goethe Christ war?

    Die Sach ist dein, Herr Jesu Christ

    1) Die Sach‘ ist Dein, Herr Jesus Christ,
    die Sach, an der wir stehn.
    Und weil es Deine Sache ist,
    kann sie nicht untergehn.
    Allein das Weizenkorn, bevor
    es fruchtbar sprosst zum Licht empor,
    wird sterbend in der Erde Schoß
    vorher vom eignen Wesen los;
    im Sterben los,
    vom eignen Wesen los.

    2) Du gingst, o Jesu, unser Haupt,
    durch Leiden himmelan
    und führest jeden, der da glaubt,
    mit Dir die gleiche Bahn.
    Wohlan, so führ uns allzugleich
    zum Teil am Leiden und am Reich;
    führ uns durch Deines Todes Tor
    samt Deiner Sach zum Licht empor;
    zum Licht empor
    durch Deines Todes Tor.

    3) Du starbest selbst als Weizenkorn
    und sankest in das Grab.
    Belebe denn, o Lebensborn,
    die Welt, die Gott Dir gab;
    send Boten aus in jedes Land,
    dass bald Dein Name werd bekannt,
    Dein Name voller Seligkeit.
    Auch wir stehn Dir zum Dienst bereit;
    zum Dienst bereit,
    zum Dienst in Kampf und Streit
    Text-Erklärung:

    Das Lied thematisiert die Hingabe an Jesus Christus und betont, dass es sich bei dem, wofür die Gläubigen stehen, um Gottes Sache handelt, die daher nicht untergehen kann. Es verwendet das Bild des Weizenkorns, das sterben muss, um Leben hervorzubringen, und deutet damit auf die Notwendigkeit der Selbstaufgabe hin. Jesus Christus wird als Vorbild dargestellt, der durch Leid und Tod gegangen ist und seine Nachfolger aufruft, ihm auf diesem Weg zu folgen. Das Ziel ist es, gemeinsam durch das „Tor des Todes“ zur Herrlichkeit und zum Licht zu gelangen. Im dritten Teil wird Jesus selbst als das Weizenkorn beschrieben, das in den Tod sank, um neues Leben zu spenden. Daraus erwächst die Bitte, dass er die Welt beleben und seinen Namen überall bekannt machen möge. Die Gläubigen erklären sich dazu bereit, Christus in Dienst, Kampf und Mühsal zu folgen. Insgesamt ruft das Lied dazu auf, sich in Hingabe und Dienst in Gottes Sache einzubringen, im Vertrauen auf Jesu Vorbild und Sieg.

      1. In meiner Heimat Oberschlesien war das oft das Eingangslied zur Hl. Messe. Wusste nicht, dass die Melodie von Michael Haydn ist. Eine wunderbare Einheit von Text und Melodie. Im Internet anhören lohnt sich. Für alte Schlesier mit Gänsehautfeeling.
        Als Salzburger Hofkomponist beeinflusste Michael Haydn Mozart.

      2. Nein, Christ war er nicht, aber tief gottgläubig. Er hat die Bibel mehrfach gelesen, konnte aber nicht glauben, dass Gottes Logos in Jesus Christus Mensch geworden ist.
        Das hing mit dem Weltbild der damaligen Zeit zusammen, dem zufolge das Universum ein in sich abgeschlossenes Ganzes mit ewig unveränderlichen Gesetzen sei, die auch Gott nicht ändern könne. Weshalb seine Allmacht auch beschränkt sei. Zumindest im Blick auf das bestehende Weltall. Erst die moderne Physik, vor allem die Quantenphysik, stürzte dieses Weltbild und bietet ein ganz anderes.

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