Von Jörgen Bauer
„So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen. Tu, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt; aber wisse, dass dich Gott um das alles vor Gericht ziehen wird.“ (AT, Prediger 11,9)
Das ist ein merkwürdiger und – wie es scheint – widersprüchlicher Vers in der Bibel. Da wird zuerst dazu motiviert, das Leben zu genießen um dann gleich wieder Gericht und Strafe für den Fall anzukündigen, wenn man das wirklich tut.
Ist das nicht typisch für einen griesgrämigen Glauben, mit dem alle Lebensfreude genommen und alles zur Sünde erklärt wird, was Laune macht? Aber meint das dieser Vers wirklich? 
Dem Prediger aus dem Alten Bund kommt es auf etwas ganz anderes an:
Der junge – und natürlich auch der jung gebliebene Mensch – darf sich durchaus an seiner Jugend und noch verbliebenen jugendlichen Kraft erfreuen und das Leben in vollen Zügen genießen. Damit tut er nichts Unrechtes.
Was der Prediger hier meint, zielt darauf ab, dass bei aller Lebensfreude die Grenzen nicht übersehen werden dürfen, die Gott in seinen Geboten zu unserem und unserer Mitmenschen Schutz zieht.
Lebensgenuss heißt daher nicht Zügellosigkeit, kein Ausleben der Triebe, keine Selbstverwirklichung verborgener Wünsche und Sehnsüchte, sondern ein Leben, das Gott die Ehre gibt und seinen Name verherrlicht.
Wer so zu leben versucht, was nicht immer gelingt, wird die erstaunliche Entdeckung machen, dass er dabei nichts verliert, sondern im Gegenteil alles gewinnt und dadurch erst wirklich zu Glück und Erfüllung findet. 
Er wird merken, dass das, was die Welt an Lebenslust zu bieten hat, am Ende schal schmeckt, unbefriedigt lässt und deshalb nach ständiger Steigerung verlangt, wobei Konflikte und Nöte aller Art vorprogrammiert sind. Wer Erfüllung an falschen Stellen sucht, kann nur enttäuscht werden und letztlich Schaden nehmen – und davor will uns Gott bewahren.
Wenn man den Vers also recht bedenkt, ist erkennbar, dass seine Aussage zeitlos gültig ist, denn die Welt ist nach wie vor dieselbe. Die Formen der Verführung mögen sich in ihrem Erscheinungsbild gewandelt habe – im Grunde hat sich nichts geändert.
Bei diesem Vers fällt mir das Gleichnis vom Reichen und dem armen Lazarus ein. Dem Reichen wird nicht vorgeworfen, dass er über die Stränge geschlagen hätte. Für ihn war das Leben ein Fest, er lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Das war an sich nichts Böses.
Sein Mangel bestand darin, dass er in der Hauptsache nur an sich dachte, mit seiner „Selbstverwirklichung“ beschäftigt war und dabei Gott außen vor ließ, sonst hätte er die Not des Lazarus nicht übersehen können.
Der heutige Vers ist deshalb Anlass, uns selbst zu prüfen und Gott um Vergebung zu bitten für das, was jeder von uns ständig zu tun versäumt – und uns von Gott zum Wachsen und Reifen aufhelfen zu lassen, das Gott dann in der Ewigkeit an uns vollenden wird.




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5 Kommentare
Wer Christus einlässt,
dem geht nichts verloren
von dem, was das Leben
frei, schön und groß macht.
Erst in dieser Freundschaft
öffnen sich die Türen des Lebens.
Habt keine Angst vor Christus!
Er nimmt nichts, und er gibt alles.
Wer sich ihm gibt,
der erhält alles hundertfach zurück.
Papst Benedikt XVI
Gebetszettel St. Laurentius Kronau
Osterkommunion 2006
Jesu Wort >eher ginge ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in den Himmel kommt< kann man weiter ausdeuten. Wenn alle Reichen in den Himmel kämen, gäbe es kein Elend auf der Erde. Müssen wir vor allem für d i e Reichen beten, die nur Geld im Sinn haben?
Wir könnten über Gott ein Dreiecksverhältnis zu einem uns unbekannten Menschen herstellen, wenn wir ihn Typisieren und als den gefährlichsten, wichtigsten usw. benennen.
Aus „Wach auf, wach auf, du deutsches Land!“ Johann Walter, 1561
…
13. Die Jugend wird gezogen jetzt
in Mutwill frech gewähnet,
dass sie in Schalkheit so verschmitzt,
was ehrlich ist, verhöhnet.
Ihr Kleidung muss fein bübisch sein.
Das Weibsvolk gibt sehr bösen Schein,
Mit Zierlichkeit beschönet.
…
16. All Ständ’ sind jetzt so gar verderbt.
Will niemand sich erkennen
mit gutem Schein, doch so gefärbt,
tun all sich Christen nennen.
Und wird der göttlich Name teu’r
zur Sünd‘ gebraucht so ungeheu’r,
Deutschland wird sich abrennen.
…
18. Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt,
will niemand Wahrheit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht’,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die Lüge tut man ehren.
19. Dieweil denn Deutschland gar nicht will
an Gottes Wort sich kehren
und häuft der Sünden täglich viel,
es lässt ihm niemand wehren,
so wird auch Gott ein scharfe Rut,
viel Strafen senden wie ein Flut
und Deutschland mores lehren.
…
Das Lied gibt beredt` Zeugnis davon, dass es schon vor 450 Jahren nicht gut bestellt war um unser Land! Und so gilt immer: Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen!!
Jesus Christus möchte uns die Freiheit nicht nehmen, sondern schenken. Aber Ewigkeitswert für uns, das, was uns „Schätze im Himmel“ sammelt, hat das Gute und Nützliche im biblischen Sinne.
1. Korinther 6,12:
Elberfelder Bibel
„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.“(1Kor 10,23)