Kardinal Müllers Antwort auf irritierende Papst-Aussagen
Der Buchautor und Rechtsanwalt Lothar C. Rilinger führte mit dem vatikanischen Kurienkardinal Gerhard L. Müller ein Interview über die ideologischen Lehren und Irrlehren des Marxismus-Leninismus, besonders über seine betont atheistische Grundauffassung.
Der deutsche Theologe und ehem. Dogmatik-Professor (siehe Foto) stellt klar: „Der Kommunismus, wie er uns im Kommunistischen Manifest von 1848, in Marx, Lenin, Stalin, Mao Tse-Tung, Pol Pot … entgegentritt, ist im Kern Atheismus.“ 
Das Gespräch mit Müller wurde am 14. Mai unter dem Titel „Kirche und Kommunismus“ auf dem Infoportal „Kath.net“ veröffentlicht.
BILD: Diktator Stalin, verantwortlich für den Tod von Millionen, ist kein „Betriebsunfall“ des Kommunismus, auch sein Vorgänger Lenin errichtete bereits ein Terrorregime
Der Anlaß für die tiefschürfenden Erläuterungen des Kardinals ist eine hochgradig ver(w)irrende Äußerung von Papst Franziskus: „Wenn ich das Evangelium soziologisch betrachte, dann ja, dann bin ich ein Kommunist, und auch Jesus ist einer.“
Der Jurist Rilinger beginnt daher mit der theologischen Frage: „Hat Gott, der Dreifaltige Gott des Christentums, im Kommunismus einen Platz?“
Kardinal Müllers Antwort lautet:
„Gott ist Liebe“ (1 Joh 4, 8.12). Diese Wahrheit ist die Summe all unserer Erkenntnis Gottes. ER hat uns so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn am Kreuz dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat (vgl. Joh 3,16).
Der Kommunismus, wie er uns im Kommunistischen Manifest von 1848 und in den Schriften von Karl Marx und seiner polit-
ideologischen Schüler Lenin, Stalin, Mao Tse-Tung, Pol Pot sowie ihrer Komplizen und Satelliten entgegentritt, ist im Kern Atheismus.
Dies manifestiert sich in der der Triade „gottlos – gnadenlos – lieblos“. Das hat kein Geringerer als Alexander Solschenizyn, eines seiner prominentesten Opfer, in seinem Werk „Archipel Gulag“ feststellt.
Marx leugnet nicht nur das Sein Gottes als Ursprung der ganzen Schöpfung und als Ziel des Wahrheits- und Glücksstrebens jedes Menschen. Er erklärt die Religion überhaupt als gefährliche Illusion und als selbstzerstörerisches Opium des Volkes und für das Volk.
Es ist nur eine Ironie der Geschichte, dass gerade die Entchristlichung der westlichen Zivilisation die Menschen geistig und körperlich zerstört durch den massenhaften Gebrauch von echten Drogen, und die gesetzliche Freigabe von Drogenkonsum als Fortschritt – auf dem Weg zur Selbstzerstörung – gefeiert wird.
Wladimir I. Lenin, der Gründer der Sowjetunion und Leitfigur der atheistischen Neuen Weltordnung, zog schon 1905 in seinem Text „Sozialismus und Religion“ die rücksichtslose Konsequenz des marxistischen Atheismus:
„Das revolutionäre Proletariat wird durchsetzen, dass die Religion für den Staat wirklich zur Privatsache wird. Und unter diesem, vom mittelalterlichen Moder gesäuberten politischen Regime wird das Proletariat einen breiten und offenen Kampf führen, um die ökonomische Sklaverei, diese wahre Quelle der religiösen Verdummung der Menschheit, zu beseitigen.“
Die Konsequenz der Leugnung Gottes als Schöpfer einer guten Welt, die seine Güte und Liebe widerspiegelt, und als Erlöser der Menschen von Sünde und Tod zeigt sich im nihilistischen Menschenbild, das auf jeder Seite und in jeder Aktion des dialektischen und historischen Materialismus seine satanische Fratze zeigt. 
Schon Fjodor Dostojewski hatte in seinem Roman „Die Dämonen“ die Folgen des atheistischen Sozialismus prophezeit.
Für Marx ist der Mensch nicht eine nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffene Person in ihrer unverlierbaren Würde, sondern ein Ensemble von ideologischen und gesellschaftlichen Konditionen. Der Mensch ist dem Kollektiv – Staat, Nation, Klasse, Rasse – völlig ausgeliefert und ist nur noch Material für den Aufbau einer utopischen Gesellschaftsordnung.
Denn ohne Gott gibt es keine unveräußerlichen Menschenrechte aus dem natürlichen und geoffenbarten Willen ihres göttlichen Schöpfers, sondern nur aus dem puren Machtwillen von Despoten und Autokraten.“
HIER eines der Bücher von Rechtsanwalt Lothar C. Rilinger:
Deutschsprachige Theologen in Rom. Eine Begegnung mit ihren Gedanken. 310 Seiten. 2021 Mainz Verlagshaus Aachen; Patrimonium. ISBN: 978-3-86417-169-7
Titelfoto: Bistum Regensburg





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10 Kommentare
Wenn man Peter Werners Abhandlung liest , wird einem schon bald klar – sonnenklar ! . . . – warum so ein „Katholik “ / „christlicher“ Sozialist in der „DDR“ (!) eine höhere Schule besuchen und studieren durfte . . . Alle seine Vorgesetzten hatten bald erkannt, wie wertvoll er bei seiner Einstellung werden könnte, zur Verwirrung der Geister beizutragen !
Es ist schlichtweg zynisch , die strukturelle und real ausgeübte Gewalt und Unmenschlichkeit der sozialistischen Staaten auch nur zu relativieren, gerade auch was das DDR-Regime betrifft (Mauer/Stacheldraht, Minenfelder, Selbstschussautomaten, Hundelaufanlagen für die, die dem „Arbeiter- und Bauernparadies“ entkommen wollten, weil sie es in dieser totalen Gesinnungsdiktatur nicht mehr ausgehalten haben), besonders aber, wenn man an die 30 Millionen Toten des stalinistischen Terrors denkt , an die ähnlich vielen (oder mehr !) Opfer in Rotchina unter Maos Herrschaft und der seiner Nachfolger – u.a. das bestialisch grausame Massaker auf dem sogenannten Platz des „himmlischen Friedens“ (!!!) 1989 – oder auch an die brutale Schreckensherrschaft Pol Pots in Kambodscha !!
Hier wie überall, wo Marxisten/Leninisten bzw. Kommunisten an die Macht kommen, zeigt(e) sich, daß es – früher oder später – zu Blutbädern/Massenmorden kommt, weil diese Machthaber die Menschen zu ihrem „Glück“ zwingen wollen (und diese Untertanen – zu Recht ! – so „uneinsichtig“ sind ! ).
Und das ist der fundamentale Unterschied zum – wahren – Christentum bzw. zu Christus, der selbst absolut friedfertig war und zur gewaltfreien Bekehrung der Menschen aufgerufen hat: „Gehet hin bis zu den Grenzen der Erde und lehret alle Völker, zu halten, was ich euch gesagt habe“ (sinngemäß zitiert); und :
“ Wer [dabei] das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen.“ Unzählige überzeugte Christen, die gewaltfrei das Evangelium gepredigt/gelebt haben , wurden andererseits von gewaltbereiten Menschen umgebracht: die Märtyrer !
Überall da, wo mit Gewalt versucht wurde, vom Christentum zu überzeugen, geschah es nicht im Sinne Christi, sondern aus eigenem Gutdünken/Machtstreben/Hass oder ähnlichen Gründen, auch dann, wenn „im Namen der Kirche“ gehandelt wurde (dann war es z.T. schlimmer Missbrauch der christlichen Lehre ! ).
Darf ich fragen, ob Sie auch in der DDR oder einem anderen sozialistischen Staat ge-lebt haben? Und wenn ja, ob Sie oder jemand aus Familien- o. Bekanntenkreis aufgrund seines Christseins signifikanten Repressionen ausgesetzt war?
Ja es gab Massenmorde unter Stalin, Mao und Pol Pot, was ich klar verurteile. Ich verurteile auch die Hinrichtungen, die es in der Folge des 17. Juni 1953 gegeben hat. Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es bzgl. Stalin und Mao Distanzierungen und Aufarbeitung nach deren Tod innerhalb der kommunistischen Parteien und Systeme gegeben hat, gleich unter deren unmittelbaren Nachfolgern. Ich kann mich auch erinnern, dass unser marxistischer Klassenlehrer an der EOS (Gymnasium) sich deutlich vom Regime der Roten Kmer distanziert hat, nach dem es mit vietnamesischer Unterstützung gestürzt wurde.
Die Frage ist, ob dieser Personenkult und all seine Folgen (Stalin, Mao) wirklich in den theoretischen Grundlagen und im Atheismus schon grundgelegt ist. Auf der individuellen Ebene würde ich das verneinen oder anders ausgedrückt: allein weil ein Mensch nicht an Christus (Gott) glauben kann oder will, ist er deshalb noch nicht schlecht oder unmoralisch. Ein Zusammenleben mit ihm (eine gewisse Fähigkeit zur Toleranz vorausgesetzt) in Familie, im Bekanntenkreis, an der Arbeit oder im Verein ist möglich.
Vielleicht bin ich ein christlicher Sozialist oder besser: ein sozialistischer Christ, wobei ich mir erlaube die Anführungszeichen wegzulassen, allen Anfechtungen und allem Hadern mit unserem Herrn zum Trotz, das ich nicht Verleugnen will.
Ich sehe halt die zunehmenden Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Sphäre und nehme zur Kenntnis, dass die Jagd nach Profit immer mehr auch den Krieg als Fortsetzung der Politik mit Waffengewalt en vogue macht. Man braucht nur die TV-Nachrichten einschalten oder in die Zeitungen schauen – überall wird mit zu-nehmender Penetranz das „Kriegstüchig-Werden“ den Menschen schmackhaft ge-macht. Das macht mir Sorgen und das ist auch der Ausgangspunkt meiner Reflexionen. Dem Papst scheint es ähnlich zu gehen.
Ein Widerstandskämpfer gegen die SED-Regierung bin ich nicht gewesen. Die Gleichstellungen der kommunistischen Systeme mit dem Hitlerfaschismus, wie sie auch aus bestimmten christlichen Kreisen immer wieder vorgenommen werden, halte ich für absurd und für eine Verharmlosung des Faschismus. Gerade auch die Kommunisten und Sozialdemokraten, von denen viele damals durchaus noch marxistisch eingestellt waren, wurden (neben den Juden) von den Faschisten zu allererst verfolgt, oft auch bis in den Tod.
Abschließend noch eine Frage: Wie viele Menschen haben Sie mit Ihrem Antikommu-nismus schon zu Christus bekehrt?
>>> > > – – – 2 Dinge für die man auch in diesem “ Bistum Münster “ erfahrungsgemäß direkt auf die A B S C H U S S – LISTE kommt :
https://www.die-tagespost.de/kultur/feuilleton/mut-zur-verantwortung-art-251389
https://www.buecher.de/artikel/buch/lebt-nicht-mit-der-luege/67633121/
https://www.weltbild.de/artikel/buch/lebt-nicht-mit-der-luege_40516245-1?wea=8064235&gad_source=1&gclid=EAIaIQobChMI6tro5c-ShgMVpTAGAB1LBAtTEAQYByABEgIHEvD_BwE
https://de.catholicnewsagency.com/article/2134/lebt-nicht-mit-der-luge
https://de.catholicnewsagency.com/article/2241/lebt-nicht-mit-der-luge-erinnerungen-an-tatjana-goritschewa
https://de.catholicnewsagency.com/results?q=Lebt+nicht+mit+der+L%C3%BCge
https://www.kath.net/news/81447
Am Anfang war der LOGOS
oder
Ist die Leugnung Gottes vernünftig?
Es ist auch mein Eindruck, dass wir nur begrenzt objektiv die Wirklichkeit wahrnehmen können. Ich denke, das liegt nicht nur an der Strenge der Definition unserer dabei verwendeten Sprache, sondern wird auch wesentlich durch die vorhandenen Wahrnehmungsmethoden und die von uns zugelassenen Prämissen begrenzt.
Die Mathematik wird zum Beispiel als eine Wissenschaft definiert, die durch logische Definitionen selbstgeschaffene abstrakte Strukturen mittels der Logik auf ihre Eigenschaften und Muster untersucht. Sie hat also ein begrenztes Anwendungsgebiet.
Die Physik ist die Lehre von der Struktur und den Prozessen der unbelebten Materie. Die Chemie beschäftigt sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen. Naturwissenschaft allgemein befasst sich mit den Erscheinungen und Vorgängen in der Natur.
Andere Wissenschaften wie die Literaturwissenschaften, die Theologie, die Logik, die Medizin, die Ingenieurwissenschaft oder die Geschichtswissenschaft beschäftigen sich mit anderen Themen der für uns wahrnehmbaren Wirklichkeit. Wissenschaft betreiben bedeutet, einen Sachverhalt mit objektiven und nachvollziehbaren Methoden systematisch zu beschreiben und zu untersuchen.
Dabei muss natürlich zwischen experimenteller Wissenschaft (bei der der Sachverhalt in der Gegenwart vorliegt) und historischer Wissenschaft (wie die Erforschung des Ursprungs des Universums und die Paläontologie) unterschieden werden.
Man stellt Hypothesen auf, weil man ja viele Erscheinungen und Vorgänge nicht direkt wahrnehmen kann, sondern nur die eventuellen Folgen ursprünglicher Ereignisse. Die Hypothesen erlauben es, unter bestimmten Annahmen von direkt Wahrnehmbarem auf nicht direkt Wahrnehmbares zu schließen – z.B. in der Vergangenheit.
Man sollte dabei die Denkvoraussetzungen und Annahmen eigentlich deutlich angeben, weil sie für das Ergebnis entscheidend sind. Die Hypothesen kann man dann anhand des direkt Wahrnehmbaren prüfen und sie, je nachdem, verwerfen oder annehmen.
Die Kausalitätsketten sind mit objektiven und nachvollziehbaren Methoden systematisch zu beschreiben, ohne zum Beispiel in die Falle eines kausalen Trugschlusses „post hoc propter hoc“ (nach diesem, also wegen diesem) zu geraten.
Zum Beispiel lässt die natürliche Auswahl (wer wählt da?) – nüchtern gesehen – einfach darauf schließen, dass nicht ausreichend angepasste Lebewesen aussterben und ausreichend Angepasste überleben. Das heißt, diejenigen, die überleben, sind da. Eigentlich ein Zirkelschluss. Variation wurde und wird natürlich beobachtet, aber keine „Höherentwicklung“ außerhalb bestimmter Grenzen, z.B. der Familie. Experimente mit Mutationen bei Tausenden von Bakterien- und Drosophila-Generationen zeigen das.
Mendel hat das auch schon herausgefunden
https://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n270_gregor_mendel__die_entstehung_der_arten_und_schoepfung.php
Vor mehr als dreißig Jahren hat mir mein Ältester als kleiner Junge ungewollt die Funktion einer Kausalkette vorgeführt: Da ich außer Haus arbeitete und meine Frau sich zu Hause um die Familie kümmerte, kam er einmal auf eine nüchterne Idee, die etwa zu folgendem Gedankenaustausch führte: „Wenn der Vati stirbt, ist das nicht schlimm, aber wenn die Mutti stirbt, wer macht uns dann das Essen?“ Wir hatten ein gutes Verhältnis, aber er war wegen seines kranken Bruders oft mit Fragen der Krankheit und des Todes konfrontiert.
In diesem Fall hatte ihn seine (begrenzte) Beobachtung und Erfahrung zu der Annahme geführt, dass es bezüglich der Nahrungsbereitstellung für ihn keine notwendige und ausreichende Begründung für meine Existenz gebe.
Um seinen Horizont auf diesem Gebiet zu erweitern, fragte ich ihn, was die Mutti denn benötigt, um Essen zu machen. „Na, Nudeln, Kartoffeln, Fleisch“, war seine Antwort. „Und woher bekommt sie Nudeln, Kartoffeln und Fleisch?“ „Vom Aldi“, entgegnete er. „Und wie bekommt sie die Sachen da beim Aldi?“ „Sie legt sie in den Einkaufskorb.“ „Und darf sie die einfach so mitnehmen?“ „Nein, sie geht mit dem Korb zur Kasse.“ „Und was muss sie an der Kasse machen?“ „Sie gibt der Kassiererin Geld.“ „Dann darf sie die Sachen mitnehmen“, ergänzte ich. „Woher nimmt sie das Geld?“ „Aus dem Portemonnaie.“ „Und wie kommt das Geld ins Portemonnaie?“ „Sie kriegt es bei der Sparkasse.“ Warum geben die in der Sparkasse ihr das Geld?“ Soweit ich mich erinnere, musste ich dann etwas erklären: „Die Firma X schickt an die Sparkasse Geld, das für uns ist. Warum? Weil dein Vati für die Firma arbeitet. Und für seine Arbeit bezahlt die Firma ihm Geld.“
Aha, da kam dann doch noch der Vati ins Spiel. Also hatte er auch eine Existenzberechtigung. Weil mein Sohn zu Beginn des Gesprächs nur oberflächlich für ihn erkennbare Zusammenhänge zugelassen hatte, blieb ihn ein großer Teil der für ihn wesentlichen Wirklichkeit, die Funktion seines Vaters bei der Nahrungsbeschaffung, verborgen, und so deutete er die Wirklichkeit fehlerhaft.
Wir sehen die Wirklichkeit oft durch eine Brille, einen Filter. Manchmal hört man die Aussage, jemand sehe nur, was er sehen will. Es gibt unzählige Filter, durch die man die Wirklichkeit wahrnimmt. Man könnte sie aber zur Vereinfachung in zwei Arten einteilen:
a) Den materialistischen Filter, der angeblich nur experimentell untersuchbare Materie zulässt und für alles nur materielle Ursachen sucht und alle andere Erklärungen ablehnt und
b) Den umfassenden Filter mit rationaler Basis, der auch andere Ursachen zulässt und so ein vollständiges Bild der Wirklichkeit zulässt.
Mit einem rein materialistischen Filter, der nur auf dem experimentell Wahrnehmbaren beruht, erhält man kein komplettes Bild von der Wirklichkeit. Man muss zur Abrundung des Bildes immer wieder Annahmen über Dinge treffen, die nicht direkt wahrnehmbar oder experimentell überprüfbar sind und Erklärungen „aus anderen Filtern borgen“ (wie z.B. Multiversen, Dunkle Energie und Dunkle Materie).
Hierzu gehören z.B. auch Annahmen, die der beliebig oft beobachteten Tatsache „omne vivum ex vivo“ (alles Lebendige stammt von Lebendigem) widersprechen, und die Annahme, der ungelenkten, blinden Entstehung, Höherentwicklung und Diversifizierung des Lebendigen, die den immer wieder beobachteten Grenzen der Anpassung und Variation widersprechen (die z.B. manchmal mit Grenzen von Tierfamilien verglichen werden können).
In der Wirklichkeit erleben wir viele essentielle Elemente, die wir gar nicht erklären könnten und die gar nicht existieren dürften, wenn wir nur den materialistischen Filter zulassen:
Leben, Geist, Denken, Sprache, Information, Gedächtnis, Vernunft, Kommunikation , Gewissen, Wahrheit und Wahrheitsliebe, Richtigkeit und Falschheit, Logik, mathematische Gesetze, Naturgesetze, die Korrelation zwischen unseren Sinnen, unserem Gehirn und der Wirklichkeit, ethische Gesetze, Liebe, Freiheit, Hoffnung, Sinn, Einheit in der Vielfalt, Ästhetik und vieles mehr.
Und doch wissen wir, es gibt sie und sie sind auch unverzichtbar. Wenn wir ein möglichst komplettes Bild der Wirklichkeit bekommen wollen, können wir zu dem Filter (b) greifen, dem umfassenden Filter, der es nicht nur ermöglicht, dass wir alles grundsätzlich von Menschen Beobachtbare beobachten und rational einordnen können, sondern der auch einen rationalen Grund für die anderen nicht materiellen Elemente bietet, weil er es erlaubt, auch deren Existenz ausreichend und notwendig zu erklären und sie innerhalb unserer Grenzen möglichst mit objektiven und nachvollziehbaren Methoden systematisch zu beschreiben, zu untersuchen und einzuordnen.
Ein lebendiges, geistiges, denkendes, sprechendes und mit uns kommunizierendes, vernünftiges, logisches, ethisches, schöpferisches, liebendes und uns persönlich und die ganze Welt und die ganze Menschheit erhaltendes, freies, für uns hoffendes, mitleidendes und sinntragendes, allmächtiges, allwissendes und allgegenwärtiges personenhaftes Wesen wäre eine adäquate, schlüssige Ursache für die naturwissenschaftlich wahrnehmbaren UND die naturwissenschaftlich nicht wahrnehmbaren Elemente unserer Wirklichkeit.
Wenn dieses Wesen die Welt nach dem für ihn charakteristischen Eigenschaften und den Menschen als begrenztes, aber ihm ähnliches Wesen geschaffen hätte und u.a. in Form der Naturgesetze erhalten würde, wäre das eine notwendige und ausreichende Grundursache für ALLE beobachtbaren und erfahrbaren Elemente und eine notwendige und ausreichende Erklärung für die Tatsache, dass wir rational denken und Wissenschaft betreiben können.
ETHIK
Der Heilige Stuhl, der Islam und die UN-Menschenrechtscharta
Papst Leo XIII. – 1870 bereits fortschrittlicher als der Islam heute: „dass es innerhalb des göttlichen Naturrechts gewisse Menschenrechte gebe“
https://philosophia-perennis.com/2017/08/02/der-heilige-stuhl-der-islam-und-die-un-menschenrechtscharta/
Das westliche Denken der Kirche
https://philosophia-perennis.com/2019/03/20/beile-ratut-hinterfragt-in-einem-essay-das-westliche-denken-der-kirchen/
https://philosophia-perennis.com
>>> > > – – – Eine neue D R U C K – S A C H E ist im “ Anmarsch “ :
https://www.youtube.com/watch?v=ndcX401Fscg
https://www.nius.de/gesellschaft/warum-das-neue-merkel-buch-frechheit-statt-freiheit-heissen-sollte/1b2b0a2e-fc17-4637-8cc7-2ab77fb9cc41
Ohne Christentum und Gottesliebe gibt es nur noch Sinnlosigkeit und Verzweiflung am Dasein, das auf das tierische Niveau absinkt und die zusätzlichen Möglichkeiten des Menschseins ungenutzt lässt.
Die Analysen von Marx sind schlüssig, nicht aber die Konsequenzen, die andere daraus gezogen haben und sich „Marxisten“ nennen.
Guten Tag,
ein Teil der Analysen mag zutreffen (wie jede Irrlehre auch ihre Richtigkeiten und Halbwahrheiten enthält, sonst würde sie keine Anziehungskraft ausüben), so etwa gegen den staatsmonopolistischen Kapitalismus (also genau das, was in kommunistischen Diktaturen „abgeht“), doch zugleich sind die verheerenden realsozialistischen Zustände bereits in der Ideologie vorbereitet, denn der Marxismus rechtfertigt strukturelle Gewalt (ich erinnere an die herbeigesehnte „DIKTATUR des Proletariats“ als Vorstufe zur klassenlosen Gesellschaft), er ist kollektivistisch und freiheitsfeindlich, ganz zu schweigen von der system-immanenten Gottlosigkeit.
Also nicht nur die Praxis ist i m m e r unmenschlich, schon die Theorie steckt voller Irrtümer.
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Sehr geehrte Frau Küble,
ich bin 1962 geboren und bis zur sogenannten Wende in der DDR (als Katholik) aufgewachsen. Also Kindheit, Jugend, Studium und erste Berufsjahre als junger Erwachsener waren DDR-geprägt. So konnte ich den Marxismus in der Praxis, aber auch in der Theorie kennenlernen, denn er stand in Schule und Studium, immer angepasst an die jeweilige Alters- u. Ausbildungsstufe, die man gerade durchlief, mehrmals auf den Lehrplänen. Heute, wo ich immer noch Katholik bin, bin ich dennoch nicht böse, diese Ausbildung durchlaufen zu haben, wenngleich ich natürlich trotzdem noch weit entfernt bin, ein Experte auf diesem Gebiet zu sein.
Ich will jetzt keinen Grundsatz-Essay über den Marxismus (Leninismus) schreiben, aber mir fällt es doch schwer, Ihre obige Kritik (kollektivistisch, freiheitsfeindlich, system-immanente Gottlosigkeit – und das alles schon in der Theorie angelegt) uneingeschränkt zu teilen und noch mehr fällt es mir schwer, die Menschen, die sich damals zum Marxismus bekannt haben, zu verurteilen. Denn er war ja, vor allem nach 2 massenmörderischen Weltkriegen, deren tiefere Ursachen wesentlich mit dem kapitalistischem Wirtschaftssystem zusammenhängen, doch auch eine große Hoffnung für viele Menschen, die vor allem in der damals weit verbreiteten Losung „Nie wieder Krieg“ Ausdruck fand. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass die an diesen Kriegen beteiligten Länder allesamt noch viel stärker vom Christentum geprägt waren, als das heute der Fall ist und trotzdem kam es zu diesen katastrophalen Ereignissen! Das wäre sicher auch mal ein interessantes Thema für einen Forums-Artikel: Wie konnte das 2x ausgerechnet im christlichen Europa passieren?
Die Weltanschauung des Marxismus-Leninismus (M/L) steht auf 3 Grundpfeilern: 1.) Der dialektische und historische Materialismus, der quasi die Philosophie des M/ L darstellt. Dieser beantwortet die Grundfrage „Was ist primär – Materie oder Bewußtsein?“ klar zu Gunsten der Materie, d.h. das Bewusstsein (= Geist oder religiös ausgedrückt Gott) ist sekundär bzw. gilt als nicht existent. Wir Christen beantworten diese Grundfrage anders, aber die Frage ist, ob man wirklich mit Vernunft begründet aufgrund der Verneinung der Gottesfrage schon den Schluss ziehen darf, dass hier bereits das Negative, in den von marxistisch-leninistischen Parteien regierten Ländern begründet liegt. 2.) Die politische Ökonomie, welche im wesentlichen Kapitalismusanalyse und -kritik beinhaltet und meiner Meinung nach viel Wesentliches und Wahres hervorgebracht hat. 3.) Der wissenschaftliche Kommunismus, der sozusagen die Zukunftsvision des M/L darstellt, wobei Marx dazu wenig Konkretes gesagt hat, weil das seriöserweise, d.h. wissenschaftlich begründet, nicht möglich war. Marx beschrieb den Kommunismus als klassenlose Gesellschaft, in der Ausbeutung und Unterdrückung überwunden sind, weil die Klassen, die sich durch den Besitz oder Nichtbesitz der Produktionsmittel definieren, schlicht und ergreifend nicht mehr existieren. Desweiteren besteht hier bzgl. der Verteilungsgerechtigkeit das Motto „Jedem nach seinen Bedürfnissen!“.
Es wird auch eine Vor- oder Übergangsphase, der Sozialismus, beschrieben, in der das Verteilungsmotto „Jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung!“ gilt. Zuvor wurde die Bourgeoisie in einer proletarischen Revolution unter Führung einer proletarischen Elite, der marxistisch-leninistischen Partei, politisch entmachtet. Kurz danach erfolgt auch die wirtschaftliche Entmachtung, indem zunächst die großen Konzerne, später auch die mittleren und kleineren Betriebe (auch bäuerliche!) enteignet und vergesellschaftet, d.h. in Staatseigentum überführt werden, wobei in der Landwirtschaft Genossenschaften gebildet werden. Diese Phase wird im wissenschaftlichem Kommunismus auch als „Diktatur des Proletariats“ beschrieben, gleichzeitig aber spricht man auch schon von „Sozialistischer Demokratie“. Das mag widersprüchlich klingen, beschreibt aber, dass man einerseits bürgerliche Kräfte, die wieder nach Privateigentum an Produktionsmitteln streben mit Hilfe des Strafgesetzbuches bekämpft, dass man andererseits aber auch versucht, diese Kräfte (ihre wirtschaftliche Kompetenz, ihre Intelligenz usw.) am Aufbau und an wichtigen Posten in Betrieben und Kombinaten zu beteiligen und diese auch mitentscheiden zu lassen, wenn sie sich loyal zur führenden Rolle des Proletariats verhalten.
So darf ich nochmal konkret auf Ihren Einwurf zurückkommen und auf die einzelnen Punkte in aller Kürze eingehen, immer bezüglich Ihrer These, dass vieles schon in der Theorie angelegt sei.
Von einem staatsmonopolistischen KAPITALISMUS kann weder im Sozialismus noch im Kommunismus die Rede sein, denn das wäre ein Widerspruch in sich. Sicher gibt es Staatsbetriebe, auch große, aber diese wirtschaften nicht nach dem Prinzip des Maximalprofits für wenige Eigentümer, sondern das ganze Volk soll von den erwirtschafteten Gütern profitieren.
Rechtfertigung struktureller Gewalt. Das stimmt mit Bezug auf die Fernhaltung der Bourgeoisie vom Besitz an Produktionsmitteln nach deren Entmachtung. Die Bourgeoisie versucht natürlich diesen Kampf in der politischen Sphäre über z.B. politische Parteien zu führen. Diese werden aber entweder von vornherein verboten oder zumindest stark an ihrer Entfaltung gehindert. Hier muss man aber auch sagen, dass es umgekehrt nicht anders ist. Ich würde sogar analog von einer „Diktatur der Bourgeoisie“ in kapitalistischen Ländern sprechen, wenn bspw. unter Adenauer die KPD verboten wurde und unter einem Kanzler Willy Brandt ein sogenannter „Radikalenerlass“ eingeführt wurde, durch den DKP-Mitgliedern und Mitgliedern anderer sozialistischer Gruppen ihre Berufsausübung im öffentlichen Dienst (Lehrer, Polizei, Beamte, Bundeswehr) untersagt wurde. Oder denken wir an Chile 1973, wo im Rahmen eines Militärputsches und anschließender Militärdiktatur unter Pinochet die demokratisch (!) gewählte sozialistische Allende-Regierung brutal gestürzt wurde und tausende sozialistisch organisierte Arbeiter und Intellektuelle gefoltert und ermordert (!) wurden. Anschließend wurde mit starker Hilfe der USA ein turbokapitalistisches Wirtschaftssystem im Land durchgesetzt, ganz im Sinne der Großbourgeoisie. Der Kampf der Klassen ist eben die Realität und das Wesentliche. Die bürgerliche Demokratie in kapitalistischen Ländern ist nur eine Fassade, die in Zeiten der Prosperität ganz gut funktioniert, in Krisenzeiten aber immer mehr bröckelt. Schauen wir nur auf Corona zurück – wie schnell wurde da ein demokratisches Recht nach dem anderen abgeschafft, das Parlament kalt gestellt. Ich empfinde es sogar als redlicher, wenn die marxistisch-leninistischen Theoretiker die Notwendigkeit des Kampfes nicht verschweigen, sondern klar aussprechen, während den Menschen in bürgerlichen Gesellschaften über die immer stärker werdende Propaganda, quasi eine demokratische „Matrix“ (in Analogie zu dem Hollywood-Blockbuster) vorgegauckelt wird, für die es in der Realität gar keine Entsprechung (mehr) gibt.
Kollektivistisch, freiheitsfeindlich, immanente Gottlosigkeit.
Ich würde nicht sagen, dass eine sozialistisch/ kommunistische Gesellschaft von purer Gottlosigkeit geprägt sein muss, auch wenn die Theoretiker wohl fast alle Atheisten waren. Zumindest in der DDR hatte man die Freiheit Christ zu sein, jedenfalls wurde man dafür nicht ins Gefängnis gesperrt. Ich persönlich hatte dadurch überhaupt keine Nachteile. Ich bin nicht zur sozialistischen Jugendweihe gegangen und musste meine beruflichen Chancen auch nicht durch eine Bereitschaft zu einem 3jährigen (oder längeren) Armeedienst verbessern. Mein Studienwunsch (Zahnmedizin in Jena) wurde mir trotzdem nicht versagt. Ich weiß aber auch, dass es andere Christen, vor allem wenn sie aufgrund ihres Glaubens nicht Mitglied der sozialistischen FDJ sein wollten oder den Dienst mit der Waffe verweigerten, gerade bzgl. ihrer beruflichen Karriere viel schwerer getroffen hat. Natürlich gab es im Sozialismus keinerlei staatliche Unterstützung aufgrund irgendwelcher Konkordate für die Kirchen, wie z.B. Bezahlung bischöflicher Gehälter oder Unterstützung kirchlicher Kindergärten. Mir ist auch bekannt, dass in anderen sozialistischen Ländern (CSSR, Sowjetunion) die Kirchen viel stärker unter der Bedrängnis durch die Staatsmacht zu leiden hatten. Eine theoretische Grundlage für dieses unkluge Vorgehen sehe ich aber nicht oder anders ausgedrückt: aufgrund der materialistischen Beantwortung der philosophischen Grundfrage durch die regierenden marxistisch-leninistischen Parteien ergibt sich doch keine absolute Notwendigkeit einer gravierenden Intoleranz gegenüber Gemeinschaften, die diese Frage anders beantworten.
Bei Kollektivismus und Freiheitsfeindlichkeit kommt es auf die Perspektive an. Schaue ich vom Standpunkt des bürgerlichen Humanismus auf die Sache, dann muss man natürlich die Enteignungen von Betrieben und die Schaffung von Volkseigenen Betrieben (VEB) und Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) als kollektivistische Zwangsmaßnahmen einstufen, die außerdem die Freiheit nehmen, selbst ein Unternehmer zu sein und etwas auf eigenes Risiko hin auf die Beine zu stellen und das wäre dann nicht nur irgendwie in der Theorie angelegt sondern stellt geradezu ihr Wesensherz dar.
Schaut man aber vom Standpunkt der Kapitalismuskritik auf die Sache und betrachtet, welch extrem negative Entartungen die kapitalistische Produktionsweise auch schon hervorgebracht hat (Überproduktionskrisen, Armut im globalen Süden, Umweltkatastrophen, immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, Massenarbeitslosigkeit, Finanzkrisen, Rohstoffkriege, Massenmigration usw.), dann kann man durchaus auch geneigt sein, freiwillig und aus Einsicht in die Notwendigkeit auf das eigene Unternehmertum zu verzichten und seine ganze Kraft in einen Betrieb des Volkes zu stecken und auch sonst in seinem Land dem Sozialismus zum Durchbruch zu verhelfen und ihn anschließend auch weiter zu unterstützen.
In diesem Sinne hat sich Papst Franziskus als Kommunist bezeichnet und ich kann ihn gut verstehen, gerade angesichts der Erfahrungen mit dem Kapitalismus in seinem südamerikanischen Heimatkontinent. Er ist aber natürlich kein Marxist, der die Grundfrage der Philosophie materialistisch beantwortet, sondern er macht sich nur ein Element des Marxismus zu eigen, nämlich die Hoffnung, dass mit einer dauerhaft gesicherten Vergesellschaftung der Produktionsmittel gerechtere Gemeinwesen geschaffen werden, die auch untereinander besser den Frieden bewahren können.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vor allem der Sozialismus sowjetischer Prägung (das Stadium des oben beschriebenen Kommunismus wurde ja nie auch nur annähernd erreicht) vor mehr als 30 Jahren flächendeckend zusammengebrochen ist (Ausnahme: Nordkorea; in Kuba, Venezuela und Nicaragua kann man auch schon nicht mehr von einem klassischen Sozialismus sprechen, weil es dort inzwischen ebenfalls vorsichtige Schritte in Richtung einer marktwirtschaftlichen Öffnung gibt). Er hatte sich unter den damaligen praktischen Bedingungen der Systemauseinandersetzung mit den Ländern des real existierenden Kapitalismus nicht halten können. Vor allem, so scheint mir, frustrierte die Menschen ein chronischer Mangel an höherwertigen Konsumgütern (Autos, Waschmaschinen, Kühlschränke, Badezimmerausstattung, Schlagbohrmaschinen und sonstiges Werkzeug, Baumaterialien usw. usf.)., der die (in der DDR) durchaus gegebene gute Grundversorgung (Grundnahrungs-, mittel, Gesundheit, Schulbildung, Kindergärten) stark überschattet hat. Die Primärursache für dieses Defizit liegt meiner Meinung nach begründet in der fehlenden Marktkonkurrenz und dem daraus resultierenden mangelnden Innovationsdruck, was wiederum die Arbeitsproduktivität nicht schnell und stark genug wachsen ließ. Der die Marktkonkurrenz ersetzende „sozialistische Wettbewerb“ zwischen Brigaden und Betrieben konnte einfach nicht die notwendigen Leistungsanreize setzen. Sekundäreffekte wie eine immer mehr spürbare Diskrepanz zwischen Planerfüllungs- und Übererfüllungspropaganda auf der einen Seite und der Misere in der Realität auf der anderen führten besonders in den 1980er Jahren zu einer sich langsam beschleunigenden Abwärtsspirale. Der Sozialismus ist also vor allem wirtschaftlich gescheitert. Ich halte die These für glaubhaft, dass die Quasi-Alleinherrschaft der marxistisch-leninistischen Partei wie auch die damit verbundenen Demokratiedefizite und eingeschränkte Reisefreiheit vom Volk toleriert worden wären, wenn der Sozialismus eine ähnliche Wirtschafts- und Wohlstandsentwicklung wie der Kapitalismus zustande gebracht hätte, ganz zu schweigen davon, dass bei dieser Konstellation eine Einschränkung der Reisefreiheit wahrscheinlich gar nicht mehr nötig gewesen wäre.
Zu einer seriösen Bilanz des real existierenden Sozialismus gehört aber auch die Feststellung, dass er von Beginn seiner realen Existenz auf dem Erdball an (Russland 1917) von den kapitalistisch/ imperialistischen Mächten massiv bekämpft wurde. In Russland mit den nachrevolutionären Interventionskriegen (1918 – 1922/ vor allem durch Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich und Japan), gegen die Sowjetunion und ihre osteuropäischen Verbündeten im Rahmen des „Kalten Krieges“ (1947 – 1989/ durch die USA und ihre Verbündeten in der NATO) aber auch gegen junge Nationalstaaten des globalen Südens, wo hauptsächlich verdeckt über US-Geheimdienste und Stellvertreter vor Ort agiert wurde (Iran 1953 = Sturz von Premierminister Mossadegh, Republik Kongo 1960/61 = Sturz und Ermordung von Präsident Patrice Lumumba; Chile 1973 = Sturz von Präsident Dr. Salvador Allende; alle 3 Regierungschefs waren demokratisch gewählt und wollten einen sozialistischen Weg einschlagen). Zu diesem Thema allein ließen sich zig Bände füllen. Ich möchte hier nur noch erwähnen, dass die USA im zweiten Weltkrieg mit dem gleichen Kalkül (Bekämpfung des Sozialismus) darauf spekulierten, dass Hitler die Sowjetunion besiegt und erst die zweite Front im Westen eröffneten (Landung in der Normandie im Juni 1944) als klar war, dass die sowjetischen Truppen in der Lage sein würden, ganz Europa vom Faschismus zu befreien. Nur aus geopolitischem Kalkül, um sich auch in West- und Mitteleuropa ihre Einflusssphären zu sichern und nicht der UdSSR ganz Europa zu überlassen, haben sie schließlich doch eingegriffen. Sie waren auch die treibenden Kräfte bei der Sprengung der Anti-Hitler-Koalition, dem Bruch des Potsdamer Abkommens und der imperialistischen Teilung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg. Im Rahmen des „Kalten Krieges“ war besonders die DDR von ihrer Gründung im Jahr 1949 an in besonderem Maße den feindlichen und zerstörerischen Maßnahmen der imperialistischen Mächte und ihrer Vasallen in der Bundesrepublik ausgesetzt. So wurden Unzufriedenheit und Verwirrung besonders unter kleinbürgerlichen Schichten der DDR-Bevölkerung durch Wirtschaftsboykott und ideologische Diversion (antisozialistische Propaganda) angestachelt wie auch, durch gezielte Abwerbeversuche von Leitungskadern, der DDR-Wirtschaft über einen „Brain-drain“ schwere Schäden zugefügt..
Nicht zuletzt ist festzuhalten, dass die sowjetische Besatzungszone und später die DDR nach Kriegsende wirtschaftlich am Boden lag und der Wiederaufbau buchstäblich bei Null beginnen musste. Auch die sowjetische Schutzmacht hatte durch den Überfall Hitlerdeutschlands massivste Verluste zu beklagen (27 Millionen Menschen tot, zig verwundet, zahlreiche zerstörte Wohnhäuser und sonstige Infrastruktur). So konnte sie das Land beim Wiederaufbau auch nur begrenzt unterstützen. Ein warmer Geldregen durch großzügige Kredite wie sie im Rahmen des Marshallplans (1948) einigen west- u. mitteleuropäischen Ländern von den USA zur Ankurbelung der Wirtschaft zur Verfügung gestellt wurden, war im Osten einfach nicht drin.
Angesichts dieser Bedingungen besonders beim Wiederaufbau wie auch während des „Kalten Krieges“ kann und will ich den Menschen in der DDR, die versucht haben den Sozialismus aufzubauen, trotz der Misere am Ende, meinen Respekt und meine Anerkennung nicht verweigern. Das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland noch weit verbreitete Christentum konnte 2x die grosse Kriegskatastrophe nicht verhindern, da wundert es mich nicht, wenn die Menschen sich einer Form von Gemeinwesen zuwenden, die auf atheisti-schem Mist gewachsen ist.
Und nein: die Praxis des Sozialismus ist nicht unmenschlicher, als die Praxis des Kapitalismus, ich sehe global und unterm Strich den Sozialismus hier sogar im Vorteil. Wenn, wie oben beschrieben, Kräfte des Kapitalismus nicht aktiv und mit aller Macht den Sozialismus die ganze Zeit seiner Existenz über bekämpft und in Bedrängnis gebracht hätten (warum eigentlich haben sie Angst vor ihm, wenn sie ihm doch angeblich so klar überlegen sind?), dann wäre dieser sozialistische Vorteil noch viel mehr vor den Augen der Menschen sichtbar geworden.
Schaue ich auf die Welt von heute, vor allem auf Europa, die USA und den Nahen Osten mit ihren brandgefährlichen Konfliktherden und der Eskalationsgefahr (vor allem von Seiten des Westens) bis hin zum Nuklearkrieg, dann halte ich eine erneute Abwägung für gerechtfertigt, ob nicht Gesellschaftsformationen mit zumindest mehr sozialistischen Elementen die friedvolleren Alternativen für die Zukunft darstellen. Verstaatlichung von Konzernen und Großkonzernen vor allem auch von Banken und anderen Playern der Finanzindustrie sowie aller Firmen, die Rüstungsgüter herstellen; nur mittlere und kleine Firmen verbleiben weiterhin in privater Hand – das wären aus meiner Sicht die richtigen Ansätze.