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Kardinal Müller warnt vor Transhumanismus: Von der Selbsterlösung zur Selbstzerstörung

Von Felizitas Küble

Die Gefahr des sogenannten „Transhumanismus“ wird bislang kaum in seiner vollen Tragweite erkannt, zumal das Thema sich derzeit noch weitgehend auf akademische Zirkel beschränkt und daher im Volk nur ausnahmsweise wahrgenommen wird.

Letztlich ist diese neue, sich gern als „wissenschaftlich“ und „human“ präsentierende Ideologie schillernd mit dem „Wahn der Selbsterlösung“ verbunden, tarnt sich aber raffiniert im Mantel einer angestrebten „Selbstoptimierung“ des Menschen und einem angeblich humanistischen „Fortschritt“.

Kritische und aufmerksame Gelehrte wie z.B. der Münsteraner Mediziner Prof. Dr. med. Paul Cullen (Präsident der „Ärzte für das Leben“) warnen seit längerem in Vorträgen und Artikeln vor dieser gleichsam unsichtbaren Bedrohung der Menschheit.

Zu diesen wachen Stimmen zählt auch der einstige Dogmatik-Professor, frühere Bischof von Regensburg und ehem. Präfekt der Glaubenskongregation, Kurienkardinal Gerhard Müller.

In einem auf Kath.net veröffentlichten Interview, das Rechtsanwalt Lothar C. Rilinger mit Müller geführt hat, befaßt sich der glaubensstarke Würdenträger (siehe Foto) eingehend mit den Gefahren dieser neuen Strömung: „Der Transhumanismus ist identisch mit dem klassischen Antihumanismus der atheistischen Ideologien, nur geschickter getarnt und besser verkauft.“

Kardinal Müller bewertet den Transhumanismus als einen letztlich selbstzerstörerischen, einen „suizidalen Nihilismus“. Damit erlebe der de-christianisierte Westen die „Wiederkehr des Gleichen“ (Nietzsche).

Müller beläßt es freilich nicht bei philosophisch-theologischen Hinweisen, sondern bietet Klartext:

„Aus dem Schoß des Seins-verneinenden und Wahrheits-feindlichen Atheismus kriechen die menschenfressenden Monster des Jakobinismus, Kommunismus und Nationalsozialismus. Hunderte Millionen von Menschen sind ihre unschuldigen Opfer. Statt herrlicher Kathedralen zur Ehre Gottes errichten sie Konzentrationslager mit dem einzigen Ziel der Entwürdigung und Vernichtung von Menschen durch diejenigen Menschen, die sich für die Elite und Avantgarde der Menschheit halten.“

Die transhumanistische Ideologie, die auch als „Posthumanismus“ bezeichnet wird, erweise sich als der „schlimmste Vernichtungskrieg gegen die Menschheit“ in der Gegenwart und nächsten Zukunft, warnt Müller.

Christlicher Glaube und Kultur beruhen stattdessen auf einem „Humanismus mit Gott“ – und nicht ohne oder gar gegen den Schöpfer. Zum Christentum gehört  – so Müller weiter  –   die „Einheit von Natur und Gnade, von Vernunft und Glaube“. 

Der Transhumanismus beschäftigt sich nicht zuletzt auch mit den Kombinationen bis hin zu einer Verschmelzung von Mensch und Maschine bzw. einer „Künstlichen Intelligenz“ (KI), die ihn steuert.

Der Kardinal zitiert Klaus Schwab, den Gründer des Weltwirtschaftsforums Davos, aus seinem Buch „Die Vierte Industrielle Revolution“:

„Die heutigen externen Geräte […] werden mit ziemlicher Sicherheit in unsere Körper und unser Gehirn implantierbar sein. […] Diese Technologien können in den bisher privaten Raum unseres Geistes eindringen, wobei sie unsere Gedanken lesen und unser Verhalten beeinflussen“.

Müllers klarsichtige Fazit: „Das ist also die Verneinung der Würde und Freiheit der Person, mit dem die Menschheit zerfällt in die Masse der Kontrollierten, der besitzlos Glücklichen und Dummen und die kleine Elite der Kontrolleure und alles Besitzenden und Wissenden.“

Dem hält der vatikanische Würdenträger das christliche Menschenbild entgegen, die Betonung der „Person in der sittlichen Freiheit und geistigen Selbsttranszendenz“, der moralischen Würde des Menschen als Geschöpf Gottes.

Hingegen bestehe das transhumanistische Interesse im Willen zur „absoluten Macht über ihresgleichen, die sie zum Objekt und Material ihrer Agenda erniedrigen, um sie als das Rohmaterial ihrer infantilen Allmachtsphantasien zu vernutzen“.

Buch-Hinweis: Müllers Interviewpartner, der Rechtsanwalt und Publizist Lothar C. Rilinger, veröffentlichte im Patrimonium-Verlag sein Buch „Deutschsprachige Theologen in Rom  – Eine Begegnung mit ihren Gedanken“. Das 2021 erschienene Buch umfaßt 310 Seiten: ISBN: 978-3-86417-169-7

Kommentare

16 Antworten

  1. Having read this I believed it was extremely informative. I appreciate you spending some time and effort to put this information together. I once again find myself spending way too much time both reading and posting comments. But so what, it was still worthwhile!

  2. BIBLIOTHEK DES KONSERVATISMUS
    Josef Kraus: 50 Jahre Umerziehung – Die 68er und ihre Hinterlassenschaften
    87.028 Aufrufe01.02.2019

    Am 9. Januar 2019 stellte Josef Kraus sein aktuelles Buch „50 Jahre Umerziehung – Die ’68er und ihre Hinterlassenschaften“ vor. Der langjährige Präsident des Deutschen Lehrerverbands belegte das unselige Wirken der ’68er-Ideologien mit vielen Beispielen aus dem Bildungsbereich, die ihm als Lehrer das Unterrichten erschwerten. In seinem Vortrag setzte er zu einer grundlegenden Kritik am Wirken der ’68er an, die jene gesinnungsdiktatorischen Ideologien durchgesetzt hätten, die heute zurecht kritisiert würden: allen voran „Multikulti“, aber auch die Gender-Ideologie und die sogenannte „Political Correctness“.

    https://www.youtube.com/watch?v=UZ2gJXLvTPg

    1. Ja, ich fing an, hineinzuhören. Der Vortrag hat den Vorteil, dass er bei den Zeitzeugen von damals Erinnerungen aufruft und Zusammenhänge aufzeigt, die man damals eher „erlitt“, als sie überschauen oder gar hätte abwenden können. Ich möchte aber gleich hinzufügen, dass ich die Zeit auch als eine „lebendige“ erlebte; gerade auch in der Kirche. Damals formierten sich Kräfte, die man heute vermisst! – Vielleicht kommt Kraus auch darauf zu sprechen. Danke.

  3. Shalom, als Krankenschwester habe ich erlebt, wie der Mensch lebendig in Einzelteile zerlegt wird und in andere Menschen aufgeteilt wird. Leider wurden gerade Christen oder andere religiösen Gruppen dazu genötigt, sich an dem Götzendienst zu beteiligen „ Ihr werdet sein wie Gott.
    „Den Menschen auf Materie zu reduzieren wie im Transhimanisnus nur auf die Nützlichkeit und Funktion zu reduzieren. Das Verhältnis Mensch zu Gott und Gott zum Menschen wird hier nicht bedacht .
    Alles ist vom Ego geschaffene Abspaltung, um selbst Gott zu sein . Wir müssen wachsam sein und aufwachen, das, was Jesus vor 2000 Jahren erreicht hat, nicht als ungeschehen zu betrachten. Nur in Jesus Christus finden wir wahren Frieden und innere Ruhe . Kommt her, die ihr mühselig und beladen seid . Fürchtet euch nicht .
    Man kann Menschen wie Kardinal Müller dankbar sein , dass er beim Wecken mit hilft .

    1. Ja, ich fing an, hineinzuhören.
      Der Vortrag hat den Vorteil, dass er bei den Zeitzeugen von damals Erinnerungen aufruft und Zusammenhänge aufzeigt, die man damals eher „erlitt“, als sie überschauen oder gar hätte abwenden können.

      Ich möchte aber gleich hinzufügen, dass ich die Zeit auch als eine „lebendige“ erlebte; gerade auch in der Kirche. Damals formierten sich Kräfte, die man heute vermisst! – Vielleicht kommt Kraus auch darauf zu sprechen.
      Danke.

    1. Ja, Dr. Hartl liest offenbar viel und setzt sich mit dem menschlichen Person-Sein vor Gott auseinander …
      und lädt am Ende seiner Sendung auch zum Mit-Denken ein …
      und jetzt kommt das „aber“ (im Sinne eines Fehlens):
      Es bleibt offenbar beim Denken; das reale Miteinander-Leben: den Alltag teilen – wie etwa beim Vater der Mönchsbewegung, die zusammenlebt unter einem „Vater“ und den regelmäßigen Umgang mit Gott (Beten,Lesen) pflegt und sich selbst von der Hände Arbeit a l l e r unterhält (labora/Arbeit) bleibt draußen. Sein Fest feiern wir heute!

      1. Ich denke schon, dass Herr Dr. Hartl das auch selbst lebt bzw. zu leben versucht. Wie sollte er aber das in einem Video transportieren?

        1. Das schon, aber nicht so offensichtlich in Gemeinschaft. Lebensgemeinschaft war und ist Kennzeichen des jüdisch-christlichen Lebens als Volk Gottes: Ein Christ ist kein Christ!!
          Hier kann Anspruch und Zuspruch als realer Prozess stattfinden mit der Möglichkeit der Verwandlung des bisherigen gott-fernen Lebens. Vgl. eines der „Gelübde“ des Benediktiner-Fraters lautet(e): conversio morum – Änderung der Sitten.
          Das entspricht mehr der Hinterlassenschaft Christi als das asketische Leben frommer Einzelgänger: vgl. die ersten chr. Gemeinden in Jerusalem und Antiochia bestanden aus Männern und Frauen, Verheirateten und Unverheiraten, jungen und Alten … und ähnlich die des Paulus in Korinth etc. Neu war bei Paulus, dass auch Nicht-Juden „Bürgerrecht“ im durch Christus erneuerten Volk Gottes erhielten.
          Aber: Das wäre ein eigenes Thema!

  4. Ergänzende Anmerkung zu den wissenschaftich ausgedrückten Gedanken Kardinal Müllers u.a.:

    Aus Info des Verlags zu:
    Lothar C. Rilinger, Deutschsprachige Theologen in Rom, Eine Begegnung mit ihren Gedanken

    „Die Römisch-Katholische Kirche ist nicht nur eine von Jesus Christus gestiftete religiöse Institution, sie ist auch als sichtbare Kirche Teil des politischen, kirchenpolitischen und philosophischen Diskurses. Sie versucht deshalb, in dieser Auseinandersetzung zu wirken, um ihre Vorstellungen Wirklichkeit werden zu lassen. Diesen Intentionen geht der Autor Lothar Christian Rilinger, der nach seinen juristischen Staatsexamina noch acht Semester Christliche Philosophie studiert hat, nach, indem er sich mit den Gedanken bedeutender deutschsprachiger Theologen in Rom beschäftigt.

    Er arbeitet heraus, wie diese Priester ihrer selbst gewählten Aufgabe nachkommen, durch die Verkündigung des Evangeliums und durch den Rekurs auf die sich aus der jüdisch-christlichen Tradition ergebenden Ethik und Kultur den Menschen ein Lebensentwurf vor Augen zu führen, der ihnen die Möglichkeit eröffnen könnte, den Versuch eines gelungenen Lebens zu wagen. Rilinger beschäftigt sich mit den Gedanken und Werken zweier Päpste, Pius XII. und Benedikt XVI., mit denjenigen der Kardinäle Müller, Koch, Cordes, Kasper, Brandmüller und Graf Schönborn sowie Guardinis. In einem Exkurs kommt der ehemalige italienische Minister Buttiglione zu Wort, der seine Vorstellungen in die politische Praxis umsetzen konnte. Alle Protagonisten kreisen mit ihren Gedanken um die Frage, wie der schleichenden Entchristlichung unserer Gesellschaft etwas entgegengesetzt werden könnte.“

    Kardinal Müller stellt fest (vgl. oben):
    „Christlicher Glaube und Kultur beruhen stattdessen auf einem „Humanismus mit Gott“ – und nicht ohne oder gar gegen den Schöpfer. Zum Christentum gehört – so Müller weiter – die „Einheit von Natur und Gnade, von Vernunft und Glaube“.

    Dazu möchte ich anmerken:
    Wenn es nur so einfach wäre, h e u t e ´´einen „Humanismus mit Gott“ – und nicht ohne oder gar gegen den Schöpfer r e a l zu leben! Was soll das r e a l sein? Wann und wo soll das – sozusagen als Gegengift – oder theologisch ausgedrückt: als erlöstes gesellschaftliches, „ewiges“ L e b e n, geschehen können??

    Denn: Die Nur-Theoretiker und die notorischen Besserwisser in der Kirche stellen sich selbst ein Bein, wenn sie bei jedwedem Versuch der Verwirklichung eines gelebten sog. „Humanismus mit Gott“ ins Blaue hinein – ohne eigene Erfahrung und existentielle Überprüfung – behaupten: da könne (wenn schon nicht sexueller oder sonstiger Machtmissbrauch) nur „geistlicher Missbrauch“ vorliegen.

    Man vergleiche, wie schwierig es ist, Sinn und Wahn-Sinn eines solchen Experiments Gottes zu unterscheiden: Hat nicht auch selbst die leibliche Famiie des Jesus aus Nazareth versucht, Jesus von der Verwirklichung seines Auftrags abzuhalten und in die (harmlose) Familie zurückzuholen mit ihrer wörtlich im Evangelium festgehaltenen Bemerkung: „Er ist von Sinnen“ (Mk 3,21; par Joh 7,5) !!?

  5. Beten wir, dass Gott es verhindern möge, was Klaus Schwabs Vorstellungen sind.
    Nur GOTT gebührt die Ehre und vor allem die Gottesfurcht!

  6. Toll, dass wir in der Kirche Leute haben wie Kardinal Müller, der Klartext spricht. Bleibt nur zu hoffen, dass der „deutsche Michel“ wach wird. Beten wir – ich bin zuversichtlich, dass der Satan sein Ziel nicht erreichen wird. Gott ist es, der uns trägt und hält auf all unseren Wegen, auch heute!

  7. Kardinal Müller möchte ich herzlich danken für die ‚Verteidigung des Menschen,
    so wie ihn der allmächtige Gott geschaffen hat!
    Heiliger Erzengel Michael, hilf uns im Kampf gegen die Dämonen der Endzeitlügen!
    Maranatha, komm‘ Herr Jesus!

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