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Kirche und Liturgie, Kunst und Kultur: Zur Krise der modernen Sakralkunst

Von Dr. Gero P. Weishaupt 

Der Eindruck drängt sich auf, dass neuere Gotteshäuser weniger anziehend auf Touristen wirken als Kirchen aus früheren Epochen. Zu dieser Schlussfolgerug gelangt Nicki Schaepen, Priester und Kunsthistoriker.

In einem Interview der aktuellen Zeitschrift der Bruderschaft St. Petrus beklagt der Pfarrer aus Bad Schussenried die tiefe Krise zwischen Kirche und Kunst.

Er nimmt zwischen der Kunst des 19. Jahrhunderts, das historische Stile wieder aufleben ließ, in der Moderne einen Bruch wahr, obwohl auch die moderne Kunst ohne die Bezüge zu alten Formen undenkbar sei.

So seien im 20. Jahrhundert Kirchen gebaut worden, die romanische Formen annehmen. Es gebe Vertreter der Sakralkunst, die der Überzeugung sind, dass auch abstrakte Formen in der christlichen Kunst aufgenommen werden müssen.  Doch könne eine abstrakte Form den Aspekt der Inkarnation, der Menschwerden Christi, nicht zum Ausdruck bringen.

Folgt man den kirchlichen Dokumenten, dann könne sakrale Kunst mehrere Ebenen enthalten, doch müsse auch der einfache Gläubige seine Frömmigkeit in den Darstellungen finden.

Außerdem dient die Kunst dazu, die Liturgie und die Kenntnis darüber zu vertiefen. „Sie soll die Andacht fördern durch das Eindringen in die Heilsgeheimnisse erschließen. Die christliche Kunst steht also immer im Dienst der Glaubensverkündigung und der Glaubensvertiefung. In dieser Funktion hat sie eine gewisse Konvention in der Bildsprache zu wahren, damit der Betrachter die Kunst verstehen kann“, führt Pfarrer Schaepen aus. 

Sei die Kunst früher eine Form gewesen, „die den Betrachter menschlich, moralisch oder religiös aufrichtete oder in ästhetischer und intellektueller Weise herausfordern wollte“, so werde nun der Mensch stark mit seinen Abgründen konfrontiert. „In der Malerei von Ernst Ludwig Kirchner, der Brücke oder dem Blauen Reiter kann man sehen, wie psychische Traumata das Kranke und Sorgenvolle plötzlich eine immense Rolle spielen“, erklärt der Geistliche.

Am Ende stellt der Kunsthistoriker die Frage, ob es überhaupt noch eine sakrale Kunst gibt. „Kann eine Bildsprache, die dem Design, also der Formgebung für Altagsgegenstände, entstammt und einfach so auf Kircheneinrichtungen übertragen wird, dem Anspruch der Sakralität gerecht werden? Können Darstellungen, die den Betrachter nur noch auf der Ebene der Assoziationen und des Empfindens ansprechen, inhaltlich aber nichts mehr aussagen wollen, ihren, sakralen, liturgischen oder gar katechetischen Zweck erfüllen?“

Quelle und vollständiger Artikel des Kirchenrechtlers Dr. Weishaupt hier: https://www.kathnews.de/moderne-gotteshaeuser-sind-wenig-attraktiv

Kommentare

Eine Antwort

  1. Wie recht der Autor hat mit dem Fehlen des Ausdruckes in modern eingerichteten Kirchen.
    EIn Beispiel dafür ist für mich die Kirche von Wigratzbad. Es fehlt bei fast allem, was in der Kirche ist, der sakrale Ausdruck. Viel Beton und scheussliche Beleuchtungen. Fast alles wirk kalt auf den Besucher.

    Wir haben hier im Münsterland auch so eine Kirche, die so verunstaltete wurde, dass man nicht mehr gerne hineingeht.
    Der Altar, zu dem Stufen führten, ist komplet in die Mitte des Kirchenraums auf ein kleines Plateu gestellt worden. Die alte Altarfläche ist nicht gefüllt worden und wirkt wie ausgeräumt. In der Weihnachtszeit steht dort die Krippe. Den Tabernakel hat man in einen Seitenraum gestellt. Es ist so gut wie gar keine bildliche Kunst in der Kirche. Bronzestatuen und Holzstatuen vereinzelt gemischt. Kalte große Kerzenständer aus Bronze sehr massiv und um den Altar, welcher nur ein schwarzer Quarter ist, modernen goldenen Kerzenständer. So gut wie gar kein Blumenschmuck, an dem man sich erfreuen kann.
    Es fehlt an Betrachtungsbildern.
    Leider gibt es diese geschmacklosen Kircheneinrichtungen.
    Ich habe aber das Gefühl, es gibt einen Rückbesinnung. Evtl. auch weil diese Kirchen einfach nicht besucht werden.

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