Von Felizitas Küble
Was haben sich doch viele Konservative und erst recht traditionelle Katholiken seit Jahrzehnten aufgeregt über die Beatmessen mit ihrer „Krachmusik“, ganz zu schweigen von Rock-Gottesdiensten, bei denen ohne Schlagzeug, Verstärker und E-Gitarre rein gar nichts läuft.
Stattdessen wurde verständlicherweise auf den bewährten Kirchenchor mit gediegener Musik oder – bei Anhängern der überlieferten Liturgie – gerne auf den Gregorianischen Choral verwiesen.
Die Beatmessen, die in den 70er Jahren aufkamen und bis heute nicht ganz verschwunden sind, sorgten für Dauer-Diskussionen in „unserem“ Lager und für nicht wenig Stirnrunzeln. 
Das lag sicherlich auch an den eher sozialkritischen Songtexten, die mehr oder weniger banal um „Mitmenschlichkeit“ kreisten und das Gemeinschaftsgefühl betonten, statt geistlich-theologisch in die Tiefe zu gehen. Manche Lieder befanden sich zweifellos auf einer geradezu sozialkitschigen, bisweilen sentimentalen Wellenlänge.
Doch die Besorgnis vieler Kritiker bezog sich eher auf die lautstarke Musik mit ihren teilweise harten Rhythmen. Dadurch werde die Weihe und Würde der heiligen Messe und überhaupt des Gotteshauses nicht genügend gewürdigt. Dieser Einwand war und ist durchaus berechtigt. Solche stark rhythmisch aufgebauten, wenig melodischen Gesänge passen tatsächlich besser in einen Jugendliederabend des Gemeindehauses als in einen Gottesdienst.
Nun ändern sich die Zeiten und mit ihnen der Musikgeschmack. Was heute bei der noch halbwegs frommen Jugend angesagt ist, sind keine Beatmessen mehr, sondern vor allem eine charismatische Lobpreismusik.
Und sieh mal einer an:
Obwohl diese sog. „Anbetungsmusik“ fast immer mit lauten bis sehr lauten Tönen sowie einer Band mit Schlagzeug und E-Gitarre verbunden ist, obwohl solch ein Lobpreis-Event durchaus einem Pop- und Rockfestival ähnelt (man schaue sich nur einmal die schwarmgeistige MEHR-Konferenz an), ist das konservative Spektrum plötzlich brav und still – und sogar das traditionelle Alte-Messe-Milieu schweigt sich weitgehend aus, während man sich früher so gerne über Beat- und Rockmessen empörte.
Woran das wohl liegen mag angesichts der „Disco-Ähnlichkeit“ beider Versionen?
Sicherlich: Sozialkritische Songtexte oder gar unterschwellig rebellische Töne sucht man in der Lobpreis-Musik vergeblich, das beruhigt schonmal das bürgerlich-katholische Lager – und dies insoweit durchaus zu Recht. 
Dazu kommt, daß die charismatische Bewegung weniger auf den nüchternen Verstand setzt, sondern seelische Gefühle und religiöse Erlebnisse in den Vordergrund rückt, also in einem oberfrommen Gewande daherkommt.
Die oft sehr lange dauernde und sich steigernde rhythmische Musik soll die Gläubigen zu einem ekstatischen „Durchbruch“ führen, was dann als „Gotteserfahrung“ verstanden wird, mindestens aber als geistlicher Stimmungsevent.
Dabei steht fest, daß die Texte dieser Lobpreislieder fast durchweg zur charismatischen „Theologie“ passen (soweit man hierbei diesen Fachbegriff überhaupt verwenden kann), also einer schwärmerischen Frömmigkeit entsprechen.
Im Mittelpunkt dieser sog. Anbetungsmusik steht eine enthusiastische Halleluja-Mentalität, ein triumphalistischer Glaube, der gleichsam von Sieg zu Sieg schreitet, sich ständig auf Wolke 7 befindet, gleichsam auf dem Berge Tabor, um dort mit Christus „verherrlicht“ zu werden, aber den Abstieg zum Kreuzweg eher scheut.
Von Christi Heilstod, von Sünde, Sühne, Erlösung und den Niederungen des Lebens ist wenig oder gleich gar nicht die Rede, es wird ein „Siegesleben“ geführt, alles auf „Herrlichkeit“ getrimmt und sich in einen religiösen Rausch hineingesungen.
Und? Alles kein Problem? Weder die sonst so verpönte „Krachmusik“ noch die theologische Einseitigkeit und mangelnde geistliche Tiefe der Lieder?
Werden jetzt drei Augen zugedrückt, während man bei den Beatmessen gar nicht kritisch genug sein konnte?





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15 Kommentare
Diese überhebliche besserwisserische Kritik an Lobpreismusik kann ich gar nicht nach vollziehen. Wie kann man alles in einen Topf werfen und das Kind mit dem Bade ausschütten. Der heilige Papst Johannes Paul hat auf den Weltjugendtagen mit gesungen und ist im Rythmus mitgegangen. Die Lieder, die zur abendlichen Anbetungs-Vigil-Feier gesungen wurden, waren zum Gebet hinführend und in den Texten voll Tiefe. Das Liederbuch der Jugend 2000 ist für Felizitas wohl auch nicht akzeptabel?
Ist es nicht wesentlich, dass der Mensch sich erheben will zu Gott?
Und immer kommt die Gnade dazu, und Gottes Geist weht, wo ER will! Der kann sich ab und an mit dem Willen von Felizitas treffen, muss aber nicht. Wäre es nicht großartig, wenn wir Christen uns gegenseitig einfach groß sehen könnten?
Man soll doch bitte nicht an allem herum nörgeln.
Wir haben doch ganz andere Probleme.
Die Lobpreisbewegung beobachte ich seit Ende der 70 er Jahre. Am Anfang war es so, dass die Lobpreisleitung den Gesang der Gemeinde unterstützt hat. Das wesentliche war der gemeinsame Gesang. Heute tritt eine Lobpreis Popband in der Gemeinde mit grossem Lärm auf, so dass man seine eigene Stimme beim Singen nicht mehr hört. Und dann mal in der Gegend herumschauen: die Hälfte der Leute singt nicht mit, weil es ja auf einen selbst nicht mehr ankommt und so werden viele von Aktiven zu Passiven. Warum es dagegen keinen großen Widerstand gibt? Ganz einfach: es soll alles perfekt sein und wir wollen doch was tolles darstellen als Gemeinde und es ist doch blöde, wenn einer in falscher Tonlage zu laut falsch singt.
Lobpreislieder sind so eine Sache für sich. Kennen gelernt habe ich sie bei freikirchlichen Gemeinden. Zuerst war das etwas neues für mich, aber bald merkte ich, dass durch das immer und immer wiederholen ein Rauschzustand entstehen kann.
Ich gehe schon lange nicht mehr dahin und da ich inzwischen nicht mehr zur ganz jungen Generation gehöre, bin ich erstaunt, hier derartiges zu lesen. In meiner Gemeinde werden eher die neueren Lieder aus dem Gotteslob gesungen, so dass ich in der katholischen Kirche mit Lobpreis noch nicht in Kontakt getreten bin.
Ich kann vor dieser Art von „frommer“ Musik nur warnen, denn nicht nur heiliger Geist weht in dieser Welt.
Viele ältere Gläubige sehen in den Lobpreisveranstaltungen einen neuen Weg der Jugend, zum Glauben an Christus zu kommen.
Ich selbst bin in meiner Anfangszeit, wo ich den Glauben wieder erlernte, von den Lobpreisliedern begeistert gewesen.
Habe aber die rein emotionale Dimension erkannt, und mich dann davon abgewandt.
Man kann nur davor warnen. Wer Ohren hat zum hören, der höre.
Ich glaube, sogenannte Beatmessen sind heute nicht mehr das Thema. Das, woran die aktuelle Liturgie vor allem krankt, ist das niederschwellige Niveau, auch was die „musikalische Gestaltung“ bestrifft (Unterhaltungsmusik statt echter sakraler Musik). In neokonservativen Kreisen ist auch ein musikalischer Sentimentalismus mit Pseudogregorianik à la Taizé verbreitet, nicht unbedingt falsch, aber einfach kitschig.
Ich jedenfalls meide nach Möglichkeit solche Gottesdienste, in meiner Gegend gibt es Gott sei Dank genügend Alternativen, bei denen noch echter katholischer Geist in Liturgie und Kirchenmusik spürbar ist.
Warum sollte ich Keybord- und Gitarrenmessen kritisieren, wenn ich mit denen ohnehin nicht in Berührug komme?
Was Not tun würde, wäre endlich einmal wieder eine amtliche Erklärung, welche die nach wie vor gültigen Normen bzgl. Liturgie und Kirchenmusik einfordern und bekräftigen würde (die Messe einfach mal nach Vorschrift lesen).
Aber was soll man diesbezüglich von der Mehrzahl der Bischöfe in Deutschland erwarten? Eigentlich sollten gerade in den Domkirchen und Kathedralen feierliche Musterliturgien zelebriert werden, die anderen als Vorbild dienen. Aber selbst da ist inzwischen das Niveau zumeist sehr abgeflacht, auch und gerade in musikalischer Hinsicht.
Mein Tipp: Zuflchtsorte aufsuchen, bei denen noch traditionelle Liturgie und Kirchenmusik gepflegt wird.
Volle Zustimmung
https://rogerliebi.ch/wp-content/uploads/R000.01-RL.2012-09-08_00.0-Praesentation_IstMusikWirklichNeutral_.pdf
https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826033940-gewaltmusik-musikgewalt/
Die Muse des Bösen
Drei kulturkritische Texte
Klaus Miehling
Buch (Taschenbuch)
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1069206270
Das ist auch genau mein Problem mit der neuen christlichen modernen Musik.
Liebi hat sich darum sehr verdient gemacht.
Und ja, man kann natürlich sagen, es ist zu streng, zu einseitig .. findet man doch unter den vielen, vor allem jungen modernen Menschen viele liebe und hilfsbereite Seelen.
Und trotzdem kommt mir gerade das mit dem Thema Musik vor, wie mit dem Frosch und dem langsam sich erhitzenden Wasser …
Und die Musik, meiner Meinung nach, und ich war auch mal jung und weltlich und fand moderne Musik toll, und „groovy“ und „swinging“ .. es ist auch nicht so, dass ich heute völlig immun dagegen wäre .. aber: ich empfinde diese Musik als große Versuchung, wie im Artikel beschrieben: sich rein auf die Gefühlsebene zu begeben: ich fühle, also glaube ich. Ich fühle, also denke ich. Ich fühle, also bin ich Mann/Frau/Blume etcpp…
Gute Gefühle sind etwas Schönes und Wichtiges, und ich denke, dass sie uns auch als Christen gegönnt sind.
Gott will ja unser Glück .. ABER .. ER ist unser Glück …
Aber wenn man, wie in Korinther empfohlen wird, sich im Gegenteil davon beherrschen lässt, diesen Stimulus braucht, nicht mehr lernt sich gegen Widerstände und den sogenannten inneren Schweinehund zu motivieren .. dann wird’s gefährlich.
1.Kor 6,12
12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.
Leider leben wir in einer Zeit, in der der Rausch angesagt ist.
Und warum funktioniert das?
Aufgrund der Medien, der Technik.
Ich habe mich immer gefragt, warum ausgerechnet in den letzten 2 Jahrhunderten die Technik so angefangen hat, zu „boomen“ … seit der Industrialisierung.
Einflüsterungen des „Engel des Lichts“?
JA, viele Neuerungen sind sicher von Vorteil .. aber viele eben auch nicht.
Einer der Wissenschaftler, die die Atombombe gebaut haben, hat gesagt, so meine ich das mal gelesen zu haben: man hätte sie nicht bauen sollen … es war eigentlich klar, wie zerstörerisch das sein würde.
Wenn man nicht rechtzeitig nein sagen lernt …. und aus eigener Erfahrung weiss ich, dass man meistens genau weiss, wann man nein sagen soll … das ist diese feine Stimme im Inneren .. und der Schutzengel … nur: ich habe sehr oft nicht hören wollen …
Danke Jutta, ein sehr guter Leserkommentar.
Ein jeder merkt es, wann er nein sagen sollte.
Die innere Stimme. Eine Intuition.
Sobald man Jugendliche im Hause hat, hat man auch Krachmusik im Haus.
Ich kann leider ein Lied davon singen.
Besonders morgens im Bad , wenn die Jugendlichen sich fertig machen. Man braucht schon echt Nerven.
Das brauche ich nicht noch in einer Messe oder Lobpreisabend.
Dabei gibt es so schöne Musikstücke.
Zur Erholung davon durch Nüchternheit empfehle ich, in folgenden Gemeindelisten im Internet Gemeinden bzw. Gottesdienste vor Ort zu suchen:
Bruederbewegung.de – GB-Gemeinden (GB heißt: Geschlossene Bruedergemeinde)
Konferenz für Gemeindegründung
Um Mißverständnis auszuschließen: Ich gehöre zu keiner der beiden.
Liturgiereform: Schauen wir doch mal auf die sog. „Messen“ bei den Weltjugendtagen. Tanz, Folklore, Kletterwände, der Leib Christi in Tupperdosen etc.
Was da an Sakrilegen während des Kommunionempfangs geschieht weiß nur der Herr allein.
Das oben kann mich nicht aufregen. Sollen die Kinder und
auch die Jugendlichen ihren christlichen Glauben celebrieren
wie sie wollen. Hauptsache sie glauben.
Aber das regt mich auf:
https://www.bild.de/regional/berlin/berlin-warum-steht-auf-der-fanmeile-ein-gebetszelt-66742cea51625301c05d459d?dicbo=v2-siDVToW&cid=kooperation.article.outbrain.desktop.AR_2.ff.bild
Gebetszelte für Moslems auf der Berliner Fanmeile.
Sind die verrückt?
Jeden Tag neue Aufregung wegen dem Islam in unserem Land.
Es reicht!
„Islam go home.“
Die fehlende Kritik von „konservativer“ Seite scheint mir folgende drei Gründe zu haben:
1.
Die Kritiker von damals sind verstorben oder aus Altersgründen nicht mehr so aktiv am Thema. Die heutigen „Konservativen“ waren damals noch recht jung und sind mit Popmusik groß geworden. Auch wenn dieselbe nicht für Gottesdienste als geeignet angesehen wird, fehlt der „drive“ sich darüber zu echauffieren.
2.
Für viele der heutigen Jugenlichen ist die Pop/Rockmusik der damaligen Zeit nicht so ansprechend. Sollte heute in einem Gemeindegottesdienst mal Keyboard und Gitarre statt der Orgel ertönen, dann sind es vor allem die Grauharigen, die mitklatschen ,,,
3.
Damals gab es nicht zuletzt deshalb Kritik, weil bestehende Gemeindemessen (v.a. Sonntagsgottesdienste) durch Beatmusik „bereichert“ wurden. Man konnte dem schlecht ausweichen. Heute finden solche Formen eher in einem speziell dafür vorgesehenen Rahmen statt.
„Man kann doch nicht immer nur nein sagen“ – auch wenn sich im Prinzip nichts oder nur sehr wenig geändert hat . . . “ man kann sich doch nicht völlig unbeliebt machen (auch wenn einem das Neue auch nicht geheuer ist) – also , „Schwamm drüber „,man kann sich doch nicht allem Neuen verschließen . . .“ – so oder so ähnlich läuft das wohl bei den noch in der (Amts-) Kirche verbliebenen “ Konservativen“ . . .
Der Glaubensniedergang schreitet voran – so oder so!
Dieser Artikel ist kein notwendiger, da er nach allen Seiten offen ist.
Oder als Frage, „Wohin soll das gehen“?