Von Elmar Lübbers-Paal
Generationen von Eltern und Großeltern haben dem Nachwuchs die gleichförmigen Reime des Abendgebets „Müde bin ich, geh’ zur Ruh“ von Luise Hensel beigebracht. Obwohl die Verfasserin mit bekannten Zeitgenossen wie den Dichtern Clemens Brentano, Adelbert von Chamisso oder Heinrich von Kleist im regen Austausch stand, blieb die feinfühlige Lyrikerin doch dezent im Hintergrund. 
Heute ist die Autorin weitestgehend in Vergessenheit geraten. Dabei ist ihr verschlungener Lebensweg so spannend.
Am 30. März 1798 wird die kleine Luise Hensel als Tochter des protestantischen Pfarrers Ludwig Hensel und dessen Ehefrau Johanna Albertina Trost im brandenburgischen Linum (Fehrbellin) geboren. Sie ist elfjährig, als ihr Vater stirbt und die Mutter mit den Kindern nach Berlin zieht.
Bereits in jungen Jahren sucht das empathische Mädchen nach dem wahren Sinn des Lebens. Luise ist gerade 14 Jahre alt, als sie einen „Pakt mit Gott“ schließt. Sie möchte ganz ihm gehören. Diese tiefe Gottverbundenheit lässt sie mit 18 Jahren einen Heiratsantrag des 30-jährigen Dichters Clemens Brentano, der zu diesem Zeitpunkt einmal verwitwet und einmal geschieden ist, ablehnen.
Doch bis zu Brentanos Tod bleibt sie ihm freundschaftlich verbunden. Sicherlich auch, weil beide zu Vertrauten der inzwischen seliggesprochenen Anna Katharina Emmerick aus Dülmen werden. Luise wird später sogar Pflegerin der visionären Nonne und kümmert sich um deren Nachlass.
Auch Brentanos schriftstellerisches Erbe verwaltet Luise und kümmert sich nach dessen Tod um Veröffentlichungen des Verstorbenen. Durch die Intensivierung ihres Glaubenslebens und ihres karitativen Wirkens unter den Bedürftigen entschließt sich Luise, ihren Wunsch, katholisch werden zu wollen, alsbald umzusetzen. 
Als sie 7. Dezember 1818 konvertiert, geht für sie ein Herzenswunsch in Erfüllung. Nun hat sie das Gefühl, geistlich zu Hause angekommen zu sein.
Immer wieder bekommt sie Liebesbekundungen von talentierten Männern der besseren Gesellschaft, darunter von dem Komponisten Ludwig Berger. Die verschmähte Zuneigung des Poeten Wilhelm Müller führt sogar zu dessen Dichtung von „Die schöne Müllerin“ und „Winterreise“.
Selbst die Avancen ihres evangelischen Jugendfreundes Ernst Ludwig von Gerlach erwidert sie nicht, obwohl sie ihm sehr zugeneigt ist. Es sind religiöse Überlegungen, die Luise auch diese angedachte Verbindung ablehnen lässt. Dieser Zwiespalt führt sogar zu einer Art Lebenskrise. Ob ihre Entscheidung wohl richtig ist? Führt sie ein Leben nach Gottes Plan? Will der HERR diesen Verzicht wirklich? Sie durchlebt eine Zeit des Zweifelns.
Luise verdient unterdessen ihren Lebensunterhalt an verschiedensten Orten, wobei sie stets zur Stelle ist, wo sie gebraucht wird. Zumeist wirkt sie als Erzieherin für höhere Töchter. Auch als Gesellschafterin, Lehrerin und Krankenpflegerin ist Luise im Westfälischen und im Rheinland tätig. Die alte Reichsstadt Boppard ist eine ihrer Wirkungsstätten.
In Düsseldorf geschieht es schließlich, dass sie am 6. März 1820 vor dem Jesuitenpater Heinrich Wüsten ihre kirchliche Jungfrauenweihe ablegt. Sie will ganz und gar dem HERRN gehören, ohne jedoch ins Kloster zu gehen. 
Durch die Heirat ihres Bruders mit Fanny Mendelssohn im Jahre 1829 wird Luise die Schwägerin des bekannten Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Bereits in Berlin hatte Luise sich in Kreisen von Adligen und Kunstschaffenden bewegt und ihre lyrischen Talente dort erfolgreich vorzeigen können.
Während Luise Hensel auf der Höheren Töchterschule St. Leonhard in Aachen unterrichtet (1827 – 1832), bekommt sie einen Heiratsantrag des Arztes Clemens August Alertz, der später der Leibarzt von Papst Pius IX. werden sollte. Auch diesen schlägt sie konsequent aus.
Es ist 1872, als sich Luise in Paderborn niederlässt. Hier will sie caritativ wirkend ihren Lebensabend verbringen. Sie schließt sich ihren drei früheren Schülerinnen aus ihrer Aachener Zeit an. Es sind dies die inzwischen seliggesprochenen Ordensgründerinnen: Pauline von Mallinckrodt, Clara Fey und Franziska Schervier. 
Im Westphalenhof in Paderborn, bei der Schwesterngemeinschaft der Christlichen Liebe, lebt die Dichterin von 1873 bis zu ihrem Tod. Nach einem Sturz kann sie kaum mehr ihr Zimmer verlassen. Schließlich stirbt die begabte Erzieherin und Lyrikerin am 18. Dezember 1876. Ihre letzte Ruhestätte wird der Ostfriedhof von Paderborn.
Auch wenn das Abendgebet von Luise Hensel nunmehr 210 Jahre alt ist, so wird es doch auch heute noch tausendfach an Kinderbetten gesprochen oder gar gesungen:
Müde bin ich
Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘,
Schließe beide Augen zu;
Vater, laß die Augen dein
Über meinem Bette sein!
Hab‘ ich Unrecht heut‘ getan,
Sieh‘ es, lieber Gott, nicht an!
Deine Gnad‘ und Jesu Blut
Machen allen Schaden gut.
Alle, die mir sind verwandt,
Gott, laß ruhn in deiner Hand!
Alle Menschen, groß und klein,
Sollen dir befohlen sein.
Kranken Herzen sende Ruh‘,
Nasse Augen schließe zu;
Laß den Mond am Himmel stehn
Und die stille Welt besehn!
Luise Hensel





Total views : 10849627
18 Kommentare
Mit ein wenig Mühe ist es mir gelungen, ein Abendgebet wieder ans Licht zu holen, das dem hier thematisierten verwandt und nicht (unbedingt) nur auf Kinder bezogen ist (in der zweiten Strophe ist es fast identisch mit Zeilen, die von S.B.P.F Posch im ersten Kommentar zitiert werden):
„Bevor ich mich zur Ruh‘ begeb‘,
zu dir, o Gott, mein Herz ich heb‘
und sage Dank für alle Gaben,
die wir von dir empfangeb haben.
Und hab‘ ich heut‘ missfallen dir,
so bitt‘ ich dich, verzeih‘ es mir!
Dann schließ‘ ich froh die Augen zu,
es wacht mein Engel, wenn ich ruh‘.
Danke für diese berührende Lebensgeschichte einer Frau..
Von meiner oberschlesischen Mutter her kenne ich dieses schöne Gebet in einer leicht veränderten Fassung, die vielleicht noch etwas kinderfreundlicher (typisch [ober-] schlesich) ist: (2. Zeile) „schließe beide Äuglein zu“;
(4. Zeile) „über meinem Bettchen sein“; (2. Strophe, 4. Zeile) „macht ja allen Schaden gut“.
In der „guten alten Zeit“ – neben früheren Perioden die 1950er Jahre! – als dieses Gebet (und ähnliche) noch verbreitet mit Kindern verrichtet wurde, waren „Verhaltensstörungen“, Angst-/Albträume, extreme Aggressivität von (Klein-)kindern praktisch unbekannt oder eventuell gar nicht vorstellbar (wie z.B. der heimtückische Mord zweier 13-jaehriger Mädchen (!!) an einer Klassenkameradin, begangen in Freudenberg bei Siegen vor einigen Jahren)!
Alle Fassungen = einfach nur schön!
Mit Dank und Gruß
DANKE für diesen schönen Beitrag!
wie aus der Zeit gefallen, ein Atemholen der Seele inmitten der nicht-erhebenden Themen, die uns innerkirchlich, auch weltkirchlich, und natürlich politisch Tag für Tag bedrängen und in Beschlag nehmen wollen.
Pauline von Mallinckrodt, Clara Fey und Franziska Schervier, Ordensgründerinnen,
Luise Hensel und Anna-Katharina Emmerick , auch Selige Pauline Marie Jaricot — allesamt „starke“ Frauen, die jede auf ihre Weise Einfluss genommen haben auf die Kirche ihrer Zeit. (Ganz ohne „Funktionärs-Posten“, „synodales“ Getöse oder Weiheamt!)
Gerne mehr davon, vielleicht mit den Biografien der oben Genannten.
Eine Aufnahme der WINTERREISE mit Thomas Quasthoff
https://www.youtube.com/watch?v=1ukA2eu5dF4&list=PL6EkVVuaFE9ZTlAZDFq7p8ggsZsIqrsuw
Heute, am 5. August, hat die Muttergottes ihren 2042. Geburtstag.
Die Engel bereiten ihrer Königin sicher ein schönes Fest.
Dieses Abendgebet vor dem Einschlafen brauchten auch meine Kinder zur Nachtruhe.
Unvergesslich schön!
Für Sie von Bedeutung? Für unsere Mutter, die ‚Pachern-Oma‘ unseres Sohnes {sie erteilte Firm-Unterricht in Graz-Messendorf, wo wir ministrieren durften, die Vorbereitung für unsere Erste Heilige Kommunion erfolgte in Autal), lautete das Gebet:
Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘,
Schließe meine Augen zu.
Vater, laß die Augen dein
Über meinem Bette sein.
Und hab‘ ich heut‘ beleidigt dich,
Verzeih‘ mir’s Gott, ich bitte dich.
Dann schließ‘ ich froh die Augen zu,
Es wacht ein Engel wenn ich ruh‘.
Maria, liebste Mutter mein,
Ich lade dich zur Sterbstund‘ ein.
Hilf Maria, es ist Zeit, Mutter der Barmherzigkeit.
Du bist mächtig, uns aus Nöten und Gefahren zu erretten.
Denn, wo Menschenhilf gebricht, mangelt doch die deine nicht.
Nein, du kannst das heiße Flehn deiner Kinder nicht verschmähn.
Zeige, daß du Mutter bist, wo die Not am größten ist
Nun gibt es seit Jahren einen Streit über dieses Gebet in der Gemeinde der Kirche ‚Mariahilf‘ auf der andern Seite der Mur, die das ‚Grazer Marienbild‘ hat, hier in unserem Wohnzimmer: das kleine Gemälde meiner Frau mit der Aufschrift ‚MONSTRA TE ESSE MATREM‘ – aber für Sie vielleicht ein Begriff ist das Video, wo übrigens auch die FRAGE besteht, ob die Mutter Jesu nicht blaue Augen hat, des M ä r t y r e r s C h a r l e s J a m e s K i r k mit dem Bekenntnis zu Maria, https://www.youtube.com/watch?v=jzUBMlqF1tA , welches aber im Licht des Bekennntnisses von Dr. h. c. Erika Kirk zu Maria auszulegen ist
WAS ist aber die Bedeutung der folgenden Meldung auf dem ORF, gibt es biblisch einen Grund für die Vorgehensweise von President Donald J. Trump? – 4. August 2026, 22.32 Uhr
Ausland
Trump nutzt Präsidentenamt für neues Geschäftsmodell
US-Präsident Donald Trump steht wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten während seiner zweiten Amtszeit in der Kritik. Dabei geht es unter anderem um Einnahmen aus Kryptowährungen, Investments und seiner Plattform Truth Social.
ZIB 2
Trump-Kritik, oft auch regelrechte Hetze, gehört typischerweise zum Standard praktisch aller großen europäischen Funk- und Pressemedien – weil sie alle links sind!
Eine „biblische“ Rechtfertigung für Trumps Geschäftsgebaren gäbe es wahrscheinlich (nur), wenn er Calvinist wäre („Reichtum zeigt das Wohlwollen Gottes“). Unabhängig davon hat er als Geschaeftsmann, der er in erster Linie ist und bleibt (auch als Politiker: „Dealmaker“), das Recht, sein Vermögen zu vergrößern, solange er sich an die Gesetze hält (wie das für jeden freien Bürger gilt)!
(Bezüglich Trumps Europa-/NATO- Politik – seiner Vorgehensweise dabei – kann man manchmal nur den Kopf schütteln . . . ).
Der wahre Grund, weshalb Donald Trump von den großen Medien angefeindet wird, ist natürlich seine konservative Grundhaltung, speziell in der Gesellschafts- bzw. Innenpolitik! Die traditionelle Familie – Mann, Frau, Kinder – gegen Abtreibung, gegen Perversion/Homosexualität/Trans etc. – alles das ist den Linken/Woken verhasst – so wie der Migrationsstop, besonders für Moslems!
Was den ORF betrifft, beobachte ich seit Jahrzehnten mit Grausen, daß er – wie ARD und ZDF (etc.) in Deutschland – die Gesellschaft (vom roten Wien aus) mit seiner rot-gruenen Agenda „verseucht“ (seit neuerem auch mit Hilfe
deutscher TV-Serien, u.a.): Förderung von Schamlosigkeit/Pornographie/sexueller Abartigkeit, Feminismus, Klimahysterie, etc.!
Was mich dabei immer wieder verwundert ist, daß sich – speziell der Westen Österreichs und die mittleren Regionen (Vorarlberg, Tirol, etc.,) die doch traditionell (religiös) viel konservativer geprägt sind als Wien (und Umgebung) nicht energisch(er) gegen die „Verschmutzung“/“Besudelung“ zur Wehr setzen!
Sehr geehrter Herr Lübbers-Paal, ich glaube, Sie meinten Empathie und nicht Emphatie.
Guten Tag,
danke für den Hinweis, der Schreibfehler ist nun korrigiert.
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Es gibt noch eine Variante für die beiden letzten Zeilen:
Nimm uns endlich allzumal
auf in deinen Freudensaal!
Früher Anfang der 60 er Jahren, wenn meine Mutter meinen Bruder und mich zu Bett brachte, sang sie uns immer das Lied vor.
Später als ich selbst Kinder hatte, sang ich das Lied mit meinen Kindern.
SUCHE JESUS UND SEIN LICHT,
ALLES ANDERE HILFT DIR NICHT.
Ich bedauere es sehr, dass so viele tiefreligiöse, christliche Frauen auf Ehe und Kinder verzichteten und dies noch immer tun. Gerade in der Familie kann man doch seinen Glauben am besten weitergeben. Aber ich muss nicht alles verstehen.
Sehr geehrter Herr Huber,
Ihre Einstellung ist nachvollziehbar und die Bedeutung der Weitergabe des Glaubens in der Familie unumstritten. Trotzdem gibt es Berufungen zu einer anderen Art der Verbreitung des Glaubens. Luise Hensel hat über die Grenzen der Familie hinaus gewirkt. Vielleicht hätte Luise Hensel dieses kostbare, zeitlose Gebet nie im Trubel einer Kinderschar schreiben können.
Sehr geehrte oder sehr geehrter UF,
Ihre Argumentation hat durchaus Hand und Fuß. Das Bedauerliche ist,
dass verheirateten Frauen zu Lebzeiten von Luise Hensel Aktivitäten außerhalb der Familie meist verboten waren. Sie führten leider beinahe ein Dasein als Sklavinnen. Für mich als absoluten Familienmenschen gibt es kein „Entweder- Oder“, sondern nur ein „Sowohl als Auch“. Gerade eine intakte Familie ist oftmals eine Quelle für Kreativität.
Auch wenn ich Ihrer Entgegnung („UF“) grundsätzlich vollkommen zustimme, möchte ich doch anmerken, daß es unserem großen christlichen Volksdichter Matthias Claudius gelungen ist, viele bewegend-glaeubige Gedichte (oder „Gebete“ – wenn man so will) zu verfassen – t r o t z einer großen Kinderschar (oder vielleicht sogar w e g e n der vielen Kinder und des damit verbundenen Familienglücks?!).
Wie dem auch sei – Luise Hensel (und [in]direkt Herrn Luebbers-Paal) kommt das große Verdienst zu, die Jungfräulichkeit als solche hervorgehoben – und gelebt zu haben (als ganz bewusste Verzichtsentscheidung, zur Verehrung Gottes)!
Luise Hensel war begeistert (durch den Heiligen Geist) von der Jungfrau und Gottesmutter Maria (und vielen jungfräulichen Frauen/Märtyrerinnen [v.a. des Urchristentums]), was indirekt in ihrer Konversion zum katholischen Glauben (in einer besseren Zeit . . . ) zum Ausdruck kommt!
Luise Hensel schaut die Herrlichkeit Gottes – daran kann man wohl keine Zweifel haben!