Von Felizitas Küble
Der Montanismus war eine schwarmgeistige Strömung aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Die katholische Kirche hatte sich damals – nach anfänglichem Abwarten – klar von der „christlichen“ Sekte distanziert und sich gottlob auch deren Erwartung einer baldigen Wiederkunft Christi nicht zu eigen gemacht.
Die Bewegung wird nach ihrem Gründer Montanus benannt, welcher sich als besonders vom Heiligen Geist erleuchtet ansah – und der mit zwei „Prophetinnen“ namens Maximilla und Priscilla predigend durch die Lande zog, wobei die beiden Frauen in Gottesdiensten ihre „Visionen“ schilderten. 
Das Dreiergespann vertrat in Fragen der Moral sehr strikte Standpunkte, vor allem hinsichtlich Askese und Fasten – und es warf der „amtlichen“ katholischen Kirche mangelnde Geisterfülltheit und „Verweltlichung“ vor. Allerdings befand sich die junge Christengemeinde damals größtenteils unter der Verfolgung durch das römische Weltreich und war insofern schon deshalb von einer wirklichen Verweltlichung weit entfernt.
Der Montanismus war ab Mitte des 2. Jahrhunderts die erste größere „Schwärmerbewegung“ der Kirchengeschichte.
Dem „amtlichen“ Christentum setzte der selbsternannte Prophet Montanus und seine beiden „Seherinnen“ einen geistgelenkten Glauben gegenüber, der sich auf besondere Offenbarungen und Erleuchtungen „von oben“ berief und diese höher stellte als die „offizielle“ Lehre der Kirche, die freilich nicht direkt abgelehnt, sondern eher durch Visionen und angeblich übernatürliche „Worte der Erkenntnis“ verdrängt wurde.
Auch nach dem Tod aller drei Führungspersonen (179 stirbt die „Prophetin“ Maximilla als Letzte) lebt diese charismatische Bewegung noch jahrzehntelang weiter.
Schon damals wurde also der Heilige Geist und die amtliche Kirche gegeneinander ausgespielt und der Eindruck erweckt, als wirke der Geist Gottes weniger in der „Hierarchie“ (= heilige Ordnung) als vielmehr bei den enthusiastischen Bewegungen. 
Eusebius von Caesarea (ca. 260 – 339 n. Chr.) war der erste große Historiker der katholischen Kirche. Er befaßte sich kritisch mit verschiedenen Sekten innerhalb der Christenheit, so auch mit dem Montanismus.
In seiner bekannten „Geschichte der Kirche“ heißt es (laut dieser Quelle) dazu:
„Im phrygischen Mysien soll ein Mann namens Montanus…in dem unbändigen Verlangen, ein Führer zu sein, dem Widersacher Zutritt gestattet haben und, von Geistern beeinflußt, plötzlich in Verzückung und Ekstase geraten sein, so daß er anfing, Laute auszustoßen und seltsame Dinge zu reden und in einer Weise zu prophezeien, die offenkundig der kirchlichen Überlieferung widersprach.
Von denen, welche damals seine verkehrten Worte hörten, wiesen ihn die einen als verrückten, besessenen, im Geiste des Irrtums befangenen und aufrührerischen Menschen voll Erbitterung zurecht und suchten ihn am Reden zu hindern, eingedenk der eindringlichen Mahnung des HERRN, sich sorgfältig vor falschen Propheten in Acht zu nehmen. 
Die anderen seiner Zuhörer aber, voll stolzen Vertrauens auf die Heiligkeit seines Geistes und auf seine prophetische Begabung, aufgeblasen und der Mahnung des HERRN vergessend, bezaubert und irregemacht, drangen in den schmeichlerischen, aufwiegelnden Geist, daß er sich nicht zum Schweigen zwingen lasse.
Durch List also oder vielmehr durch diese Art von Trug arbeitete der Teufel am Verderben der Treulosen und erregte und entflammte… ihren Sinn, der sich eingeschläfert vom wahren Glauben abgekehrt.
Er erweckte dazu noch zwei Frauen und erfüllte sie mit dem falschen Geiste, so daß sie gleich dem erwähnten Montanus Unsinniges, Wirres und Fremdartiges sprachen.“




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17 Kommentare
Liebe Frau Küble, mit Ihrer Aussage im ersten Absatz liegen Sie falsch! Die ersten Christen, auch der Apostel Paulus, lebten durchaus in der Naherwartung der Wiederkunft Christi, ich würde das nicht als „schwarmgeistig“ bezeichnen…
Guten Tag,
in 2 Thess distanziert sich Paulus bekanntlich von der Naherwartung. Zudem war diese ab Mitte des 2. Jahrhunderts in der frühen Kirche kaum noch präsent. Abgesehen davon haben die Montanisten ein genaues Jahr für die Wiederkunft Christi genannt (das taten nicht einmal die restlichen Naherwartungsgläubigen) – und sich damit ersichtlich geirrt.
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Mich interessiert aber noch dieses von Ihnen: Wie Sie wissen, spricht die Bibel von zweierlei Wiederkunft. Einmal die Wiederkunft NICHT vor aller Welt, die Entrückung der Gemeinde Jesu (1. und 2. Thessalonicherbrief) , zum anderen die sichtbare Wiederkunft in Jerusalem auf dem Ölberg VOR aller Welt zum Weltgericht. Das sind zweierlei Paar Schuhe! Frage: Glaubt die römisch-katholische Kirche an eine LEIBLICHE Entrückung der Gläubigen, zugleich mit den im Glauben Verstorbenen aus den Gräbern, die dann den Auferstehungsleib erhalten, wenn sie mit Christus in den Wolken vereint werden?
Guten Tag,
im amtlichen Credo bzw. Glaubensbekenntnis, das sich hierbei zwischen katholisch und evangelisch nicht unterscheidet, ist offensichtlich mit der Wiederkunft Christi jene vor aller Welt zum Jüngsten Gericht gemeint.
Weder gibt es zum Entrückungsthema ein katholisches Dogma noch gibt es meines Wissens dazu in den lutherischen oder reformierten Bekenntnisschriften offizielle Lehraussagen.
Das mag in freikirchlichen Kreisen anders sein.
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Bekenntnisschriften oder Lehraussagen bedarf es nicht. Das biblische Zeugnis der Entrückung reicht, die beiden Thessalonicherbriefe.
Wenn Sie und die römisch-katholische Kirche nicht an die Entrückung glauben, entgeht Ihnen viel biblischer Trost! Und es wird Ihnen viel verschwiegen…Dann müssen Sie sich darauf einstellen, die ganzen endzeitlichen Gerichte durchmachen zu müssen. Das möchte ICH mir gar nicht vorstellen, und brauche es auch nicht.
Guten Tag,
ich schrieb doch gar nicht, daß die katholische Kirche nicht an die Entrückung glaube, auch Luther, Calvin und Zwingli unterstelle ich dies nicht. Sie hatten aber doch gefragt, was die kath. Kirche lehrt – also amtlich verkündet – und dort wird die Wiederkunft Jesu am Ende der Zeiten zum Jüngsten Gericht verkündet, auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Es wird aber nirgendwo gelehrt, die Entrückung gäbe es nicht oder fände nicht statt, jedoch wird dies dem persönlichen Glauben der Christen überlassen – auch amtlich-evangelischerseits.
Schließlich kann nicht der gesamte Bibelinhalt ins Credo aufgenommen oder durch Dogmen dekretiert werden. Hier wird sich auf das Wesentliche konzentriert.
Abgesehen davon, daß freikirchliche Kreise sich seit langem darüber zanken, WANN die Entrückung der Gläubigen stattfinde, ob vor oder während oder nach den Endzeitgerichten (Posaunengerichte, Zornschalen usw). Ich kenne diese Endlos-Debatten aus Büchern und Artikeln zur Genüge, es gab deshalb sogar schon Spaltungen in diesem Spektrum.
Freundlichnen Gruß
Felizitas Küble
Die römische Kirche gab es ja zur Zeit von Paulus gar nicht. Die gab es erst Jahrhunderte später. Und auch erst Jahrhunderte später gab es einen 1. Papst. Wo Ihre Kirche doch steif und fest behauptet, Petrus sei der erste Papst gewesen…. Und die ersten Jarhunderte nach Petrus?? Null Papst, schon Petrus kein Papst…. Also: Quatsch. Kommt alles ans Licht, wenn man mal tiefer einsteigt, was mit Sicherheit das katholische „Fussvolk“ nicht tut. Das wird DUMM gehalten. Sehr einfach von der römisch-katholischen Kirche, Jahrhunderte nach Paulus eine „baldige Wiederkunft“ Christi abzustreiten, billig, meinen Sie nicht auch ??
Guten Tag,
dem ersten Bischof von Rom und damit Papst folgte Linus, danach der bekannte Clemens, der in seiner übergeordneten Stellung zwei Briefe an die Korinther sandte, also offenbar befugt war, aus weiter Ferne Wegweisung zu erteilen.
Die katholische Kirche hat – das erwähnte ich doch bereits – den Apostel Paulus und seine Klarstellung in 2 Thess ernst genommen und sicher gut daran getan.
Die Naherwartung samt Datumsangabe der Wiederkunft Christi, wie es durch Montanisten verkündet wurde, hat die katholische Kirche des 2. Jahrhunderts in ihrer Nüchternheit und Wachsamkeit von vornherein nicht mitgemacht – also diesen Irrum nicht erst später kritisiert.
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Ich habe mich sachkundig gemacht, u.a. durch „Die kleine Geschichte der katholischen Kirche“ von Hans Küng. Genau, DEM Hans Küng, von dem Sie gar nichts halten. Das sollten Sie aber! Hans Küng war, was den Katholizismus betrifft, gebildeter und kenntnisreicher als wir beide zusammen. Von solchen, die ihre Kirche kritisch betrachteten, kann man viel mehr lernen als von den ewigen Kopf-Nickern, Ja-Sagern und Radfahrern nach höheren Posten… in ihrer Kirche. Küng hat es erkannt.
Guten Tag,
ich habe mehrere Bücher von Küng gelesen, auch sein kritisches über die Unfehlbarkeitsfrage. Teils hat er recht, teils weniger.
Sie meinen anscheinend, ich würde nur brav-katholische Literatur lesen?!
Was mich an Küng stört, weshalb die katholischen Bischöfe Deutschlands ihn in den 70er Jahren abgemahnt haben, ist doch die Sache mit der Gottheit Christi, die von Küng geleugnet wird.
Haben Sie das noch nicht mitbekommen???
Kardinal Höffner hat Küng seinerzeit genau wegen dieser z e n t r a l e n Thematik mehrfach angeschrieben und Küng war nicht bereit, sich klar zur Gottheit Christi zu bekennnen.
Er hat nicht „nur“ die Kirche kritisch betrachtet, sondern auch die Bibel – sollte Ihnen eigentlich mißfallen – oder?!
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Gut, Frau Küble, Sie haben ja manches klargestellt, danke! Der Endlos-Streit über Lehrmeinungen, wie er kürzlich hier ausgetragen wurde – den können wir beide also getrost vermeiden. Danke daher für Ihren freundlichen, verständnisvollen Ton in dieser Sache! Und was Küng betrifft, bin ich ja auch nicht in Allem seiner Meinung. Wie sagte mal jemand: Irgendwas findest Du bei jedem/jeder. Das eben macht uns Menschen aus – und einander ertragen im Wissen, keine/r ist perfekt, ist doch gut… 🙂 🙂
Guten Tag,
grundsätzlich stimme ich Ihnen gerne zu – wobei es freilich keine Detailfrage ist, ob Christen nun an die Gottheit Jesu glauben oder nicht. Es ist der Ast, auf dem das Christentum sitzt. Wer als Theologieprofessor und Priester (das war Küng!) daran nicht glaubt, aber amtlich predigt und doziert, der kann nicht mehr im Auftrag der Kirche wirken.
Küng wurde ja schließlich nicht arbeitslos, er verlor nur die kirchliche Beauftragung, nicht seine universitäre Stellung.
Übrigens stand ich mit ihm in Briefkontakt.
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Aha, das ist ja interessant! Natürlich haben Sie vollkommen recht: Wer die Gottheit Jesu infrage stellt, stellt ja ALLES infrage. Dann ist alles andere nutzlos. Diese Sicht Küngs kannte ich nicht….Danke der Aufklärung!
Guten Tag,
in den 60er Jahren schrieb Küng noch recht glaubenstreue Bücher, die ich durchaus geschätzt habe. Mir scheint, Anfang oder Mitte der 70er Jahre hat die „historisch-kritische Methode“ in der Exegese zu stark auf ihn eingewirkt….
Das ist ja in den meisten Fällen dieser Art das Problem.
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Gute Überschrift: Nichts Neues unter der Sonne…
Immer wieder kommen geistige Strömungen, die irrgeistig auf deren Anhänger wirken.
Paulus mahnt zur Nüchternheit und Wachsamkeit!
In der Bibel fragen die Jünger einmal Jesus wegen einem Mann, der von Jesus spricht, aber IHM nicht nachfolgen will.
Jesus schenkte dem Mann keine übermäßige Beachtung, nur einen Satz.
Dann folgt kurze Zeit später in der Bibel der Text vom Winzer und den Reben, die keine Frucht hervorgebracht haben. Sie werden abgeschnitten und ins Feuer geworfen.
Da denke ich oft, dieser Mann steht für christliche Strömungen, die kommen und gehen und ihre Anhänger finden, aber nicht richtig in der Lehre der katholischen Kirche stehen.
@Dorrotee:
Der fremde Wundertäter: Markus 9,38- 41
Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen,
wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir
versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht
nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner,
der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht
schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist,
der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser
zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen,
ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.
Der fremde Wundertäter: Lukas 9,49 – 50
Da sagte Johannes: Meister, wir haben gesehen, wie
jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir
versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit
uns zusammen dir nachfolgt. Jesus antwortete
ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist,
der ist für euch.
„….aber nicht richtig in der Lehre der katholischen Kirche stehen.“ Glückselig, wer NICHT richtig in der Lehre der kath. Kirche steht, sag ich dazu…