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Von Inge M. Thürkauf

Vor einiger Zeit las ich die Lebensbeschreibung des jungen, schon mit 23 Jahren verstorbenen Marc Julen aus dem bekannten Schweizer Bergsteigerdorf Zermatt.[1]
Sie werden sich fragen, was ist so aussergewöhnlich an Marc, daß über seine kurze Lebenszeit eine Biographie verfasst worden ist, und was bringt ihn in Zusammenhang mit dem Thema „Organtransplantation – eine Frage der Nächstenliebe“?

Bei Marc Julen wurde schon im Alter von 13 Jahren eine schwere, unheilbare Herzerkrankung (ARVC) diagnostiziert. Die ihn behandelnden Ärzte waren bemüht, den von dieser Nachricht geschockten Eltern etwas Hoffnung und Trost zu geben und empfahlen, den Jungen auf die Warteliste für eine Herztransplantation zu setzen.

Darauf wollte sich die Familie jedoch zunächst nicht einlassen, zumal ein hinzugezogener Facharzt für Kinderkardiologie sie davon überzeugen konnte, daß ein solch schwerwiegender Eingriff im gegenwärtigen Zeitpunkt zu früh wäre.

Doch einige Jahre später erlitt Marc einen lebensgefährlichen Zusammenbruch, der die Frage nach einer Transplantation erneut zur Sprache brachte. Marc war nun 19 Jahre alt und hatte in der Zwischenzeit eine Berufslehre begonnen. Er betrachtete sich eigentlich jetzt als reif genug, sich eigene Gedanken um seinen Gesundheitszustand zu machen.

„Ich lege mein Herz in Gottes Hand“

In einer gläubigen katholischen Familie aufgewachsen, begann er, sich Fragen zu stellen nach den religiösen und ethischen Beweggründen einer Organtransplantation, vor allem inwiefern aus biblisch-christlicher Sicht ein solcher Eingriff in den menschlichen Organismus überhaupt zu verantworten sei.

Was er im Verlauf seiner Recherchen entdeckte, führte ihn zu einer Entscheidung, die vor allem die Ärzte aufs Höchste überraschte. Ihren mit Eloquenz vorgebrachten Bemühungen, ihn von einer Herztransplantation zu überzeugen, entgegnete er mit einer für sein Alter ungewöhnlichen Gelassenheit: „Ich werde mein Herz in Gottes Hände legen!“ war seine Antwort.

Vermutlich konnte das Ärzteteam seine Begründung kaum einordnen, doch Marc war der festen Überzeugung, daß der Körper des Menschen eine Leihgabe Gottes an sein Geschöpf ist, und zwar eine Leihgabe auf Zeit, über die der Mensch nicht einfach verfügen kann.

Vielleicht hat er auch bei 1Kor 6,19f. nachgelesen, wo es heißt: “Wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist…den ihr von Gott erhalten habt, so daß ihr euch nicht mehr selbst gehört?…Ihr seit um einen hohen Preis erkauft.“

Organspenden liegen nicht in unserer Kompetenz. Wir können nicht spenden, was uns nicht gehört.

Ein Umbruch in der Geschichte der Medizin   

Begonnen hat die weltweite Auseinandersetzung über die Weitergabe der menschlichen Organe am 3. Dezember 1967, als der südafrikanische Transplantations-Chirurg Christiaan Barnard in Kapstadt das Herz eines 54-jährigen Litauers durch das Herz einer bei einem Verkehrsunfall verunglückten 25-jährigen Frau ersetzte.

Die Welt feierte dieses Ereignis als erfolgreichen Durchbruch in der Transplantations-Medizin, ungeachtet dessen, daß der Patient die Operation nur 18 Tage überlebte. Dieser dramatische Ausgang hat vermutlich nur ganz kleingedruckt in den Medien Beachtung gefunden, wenn überhaupt.

Barnard jedoch wurde auf Platz zwei der Liste der einhundert größten Südafrikaner aller Zeiten gewählt. Die Folge war, daß trotz des offensichtlichen Misserfolges dieses allgemein bejubelten medizinischen Eingriffs ein Jahr später in den USA in 70 Fällen Transplantationen durchgeführt wurden.

So kam es zur Definition „Hirntod“

Doch wie im Fall des Litauers verstarben die meisten Patienten nach kurzer Zeit. Das rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Sie begann, gegen die Chirurgen wegen vorsätzlicher Tötung zu ermitteln. Um dieser Gefahr entgegenzukommen, schaltete sich 1968 die renommierte amerikanische Elite-Universität Harvard ein, die in einer überstürzt zusammengestellten Kommission von Theologen, Ärzten und Juristen eine neue Todesdefinition kreierte: den Hirntod.

Seit Menschengedenken wurde ein Mensch als tot erklärt, wenn er ohne Reflexe und sein Herz-Kreislauf-System unwiderruflich zusammengebrochen war, wenn also sein Herz zu schlagen aufgehört hatte. Man sprach dann von einer Leiche.

Ein Hirntoter ist aber keineswegs eine Leiche. Wenn bei einem hirntoten Menschen die künstliche Beatmung abgeschaltet wird, dann wird er kurz darauf sterben, und er kann nur deshalb sterben, weil er noch am Leben ist, Leichen sterben nicht, sie sind tot.

Ein Hirntoter ist ein Mensch im Koma. Menschen, die sich in einem irreversiblen Koma befinden (deren Gehirn nicht mehr funktionsfähig ist), betrachtete man bis zu dieser Neudefinition als lebend. Man sagte: Der Patient liegt im Koma, er ist ein Sterbender.

Vom „Hirntod“ zur Organtransplantation

Die neue Todesdefinition Hirntod gebrauchte man nun als Lösung für die Frage, wie man transplantationsfähige Organe aus lebenden Menschen gewinnen kann, ohne wegen Tötung oder des Mordes angeklagt zu werden.

Um ein Organ von einem Menschen auf einen anderen übertragen zu können, braucht es lebende, durchblutete Organe. Nur Gewebe wie Hornhaut am Auge, die Haut, Knochen- und Muskelgewebe, Blutgefäße und Herzklappen können als tote Organe übertragen werden, d.h. wenn der Patient unwiederbringlich tot ist, können die genannten Gewebe transplantiert werden.

Interessant ist bei dieser Neudefinition des Todes der Propagandatext: „Unser primäres Anliegen ist es, das irreversible Koma als neues Todeskriterium zu definieren.“-  Es wird also ganz offen zugegeben, daß es sich um ein „neues Todeskriterium“ handelt.

In den Richtlinien der deutschen Bundesärztekammer (1995) zur Feststellung des Hirntodes wird ohne Begründung behauptet, daß mit dem Hirntod „naturwissenschaftlich-medizinisch der Tod des Menschen festgestellt“ sei. „Der Hirntod“, so lesen wir, „wird definiert als Zustand der irreversiblen erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstammes. Dabei wird durch kontrollierte Beatmung die Herz- und Kreislauffunktion noch künstlich festgehalten.“[2]

Koma-Patienten werden als „Tote“ definiert

Ein bekannte Schweizer Neurochirurg formuliert beeindruckend sophistisch: „Für mich gibt es keinen Zweifel, daß ein Hirntoter aus dem Leben bereits irreversibel abberufen ist.“[3] –  Man kann es auch weniger gewunden, ganz unmissverständlich ausdrücken: Ein Mensch, der im Koma liegt, wird für hirntot erklärt aus dem einzigen Grund, um an seine Organe heranzukommen, und dabei wurde ein neuer Tod geschaffen.

Seit der Todesbegriff umdefiniert wurde, bezeichnete man nun Komapatienten als Tote. Sie wurden zu einer neuen Art von „Leichen“. Sie wurden zu Leichen, die zwar atmen, mit den Zähnen knirschen, deren Herz schlägt, deren Stoffwechselsystem noch intakt ist, deren Brustkorb sich hebt und senkt; „Leichen“, die ihre Glieder bewegen können.

Insgesamt leben bei einem Hirntoten noch 95% des menschlichen Körpers, und dennoch spricht man vom Tod des Menschen. 

Wie realitätsfremd das Hirntod-Konzept ist, zeigen Presseberichte über den Fall einer hirntoten Schwangeren in den USA. Im Bundesstaat Georgia wurde eine Frau nach der Feststellung des Hirntodes weiter medizinisch betreut, um ihrem Kind eine Überlebenschance zu geben. In allen Berichten zu diesem Fall heißt es, daß die Betroffene „am Leben erhalten“ werde.

Neuer „Tod“ bei lebendigem Leib

Ein Organismus, der in der Lage ist, eine Schwangerschaft auszutragen, ist sicher keine Leiche, also nicht tot. Hirntod ist der neue Tod bei lebendigem Leib.

Die Widersprüchlichkeit der neuen Todesdefinition brachte der Philosoph Hans Jonas auf den Punkt: „Ein ‚hirntoter‘ Mensch ist zugleich im Sterben begriffen wie gestorben, zugleich lebend wie tot, zugleich Person wie Sache.“[4]

Es war erwartungsgemäß das Magazin „Der Spiegel“, das zynisch bemerkte: „Jetzt gibt es Hirntote und Herztote, Ganzhirntote und Teilhirntote…Alle sind tot, zumindest ein bißchen…“[5]

Trotz dieser schizophrenen Situation wurde die Definition Hirntod in den folgenden Jahren von vielen Ländern übernommen. Immerhin gibt es doch noch Wissenschaftler, die den Mut haben, offen zu bekennen: Hirntod ist nichts anderes als eine arglistige Täuschung.

Es sind nicht wenige Fälle bekannt, wo Patienten wieder aus dem Koma erwacht sind. Manche schildern dann, sie hätten Gespräche zwischen den Ärzten und ihren Angehörigen mitgehört. Sie berichten aber auch von den fragwürdigen Tests, denen sie unterzogen wurden, die definitiv bestätigen sollten, daß der Hirntote auch wirklich „Hirntod-tot“ ist.

Bei diesen Tests wirken jeweils zwei von einander unabhängige Anästhesisten mit Nadeln und Sonden in allen Körperöffnungen auf ihn ein, mit Eingießen von Eiswasser in die Gehörgänge, mit heftigem Drücken der Augäpfel, mit Stechen in die Nasenscheidewand, auch mit einem gefährlichen Apnoetest, d.h. Entzug der Beatmung bis zu zehn Minuten, um eine eventuell noch vorhandene Spontanatmung feststellen zu können.

Krankenkassen bezahlen für Behandlung von „Toten“

Bei dieser Prozedur muß aber der Patient trotzdem mit allen Mitteln am Leben erhalten werden. Sollte der Kreislauf zusammenbrechen, werden an diesem „Toten“ Wiederbelebungsversuche vorgenommen. Paradoxerweise werden diese Tests von den Krankenkassen bezahlt, mit anderen Worten: die Krankenkassen bezahlen für die Behandlung eines Toten.

Hat wohl schon jemand diesen Widerspruch bemerkt? 

Der Geschäftsmann Jan Kerkhoffs aus Melick in den Niederlanden fiel nach einer Gehirnoperation ins Koma und wurde als hirntot erklärt. Die Angehörigen bat man um eine Organspende, die sie jedoch ablehnten. Nach einiger Zeit erwachte Jan Kerkhoffs, erholte sich und wurde nach einer Reha wieder gesund. Der irrevisible Hirntod war also eine deutliche Fehldiagnose.[6]

In einem Buch hat Kerkhoffs über seine Erfahrungen während der Tests berichtet:

„Ich hörte, wie mein Name gerufen wurde, doch ich konnte nicht reagieren. Ebenso wenig konnte ich körperlich auf den starken Schmerz reagieren, den ich verspürte, als man meine Nägel mit der Spitze eines Kugelschreibers bearbeitete und mir in die Ohren kniff.“[7]

Nach dieser sehr realistischen Mitteilung besteht wohl kein Zweifel: ein Hirntoter erduldete, als Prof. Barnard und seine unmittelbaren Nachfolger unter dem Beifall der Welt Organe transplantierten, unvorstellbare Qualen.

Braucht ein Toter Schmerzmittel und Narkose?

Erst später hat man begonnen, den angeblich toten Hirntoten muskelentspannende und schmerzstillenden Medikamente zu verabreichen. Heute werden die Patienten während der Operation festgeschnallt, weil in 75% der Fälle mit spontanen Abwehrbewegungen der Arme und Beine zu rechnen ist. Diese Bewegungen werden Lazarus-Reflexe genannt.

Es gibt für alles die entsprechenden euphemistischen Erklärungen. In der Schweiz ist Narkose vorgeschrieben. Seit wann braucht ein Toter eine Narkose oder Opiate?

Ein Anästhesist sagte er BBC in London: „Wenn man dem Patienten keine Medikamente gibt, fängt er an, sich zu bewegen und der Eingriff wird unmöglich.“

Bewegt er sich, weil er Widerstand leistet gegen den Eingriff, weil er Schmerzen empfindet und sich nicht laut äußern kann? Bewegt er sich mit der letzten Kraftanstrengung eines Menschen, der sich gegen die Organentnahme wehren will, da er nun begreift, was mit ihm geschehen soll?

Die Erfahrung zeigt, daß das Adrenalin bei der Entnahme auf das 50-fache ansteigt, was eine massive Schock- und Angstreaktion des Hirntoten anzeigt.

Anhaltende Skepsis im Fernen Osten

Beachtenswert ist die Situation in Ländern des Fernen Ostens, z. B. in Japan und Indien.

Dort herrscht ein Misstrauen gegenüber dem Hirntod als Zeitpunkt des Todes. 1988 hat ein japanischer Chirurg erfolgreich eine Herztransplantation durchgeführt, doch ein paar Monate später wurde er verklagt. Die Begründung: er habe einem Menschen das Herz entnommen. Seit dieser Zeit herrscht im Kulturkreis des Shintoismus/Buddhismus Zurückhaltung bei der Todesdefinition Hirntod.

Es ist also die Religion, welche die Ansichten asiatischer Völker in Bezug auf Leben, Tod und Ethik beeinflusst mit dem Argument: Organtransplantationen oder die posthume Freigabe toter Körper zur Obduktion würden die spirituelle Verbundenheit der Toten zu den Trauernden stören und den Körper verletzten.

Auch in Indien ist eine Organentnahme bei Hirntoten aus religiösen Gründen nicht erlaubt. Hirntod sei nicht der Tod des Menschen, so die offizielle Begründung.

Demgegenüber haben 1990 die deutsche Bischofskonferenz und der Rat der EKD in einer gemeinsamen Erklärung ihre grundsätzliche Zustimmung zur Organspende gegeben mit dem Argument: „Zugleich kann in der Organspende noch über den Tod hinaus etwas spürbar werden von der ‚größeren Liebe‘, zu der Jesus seine Jünger auffordert.“ –  In meinen Augen ist diese Begründung ein gravierender Missbrauch des Liebesgebots Jesu.

„Organspende und der neue Tod“

Beim weltweit bejubelten Erfolg der Herztransplantation durch Professor Barnard im Jahre 1967 fällt auf, daß der Empfänger des neuen Herzens, der litauische Patient, gerade 18 Tage die Operation überlebt hat. Der Grund war ein Organversagen nach der Transplantation, d.h. es kam zu einer Abstoßung des fremden Organs. 

Dr. Peter Beck, langjährige Befürworter der Organtransplantation, Arzt an der Medizinischen Hochschule in Hannover, einem Zentrum für Organtransplantationen und ehemaliger Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin der Rems-Murr-Klinik Waiblingen, erläuterte in einem besonders für Nichtfachleute anschaulichen und sehr persönlich gehaltenen Vortrag mit dem Titel „Organspende und der neue Tod“[8] die Gründe dafür.

Die Körperabwehr des Menschen, so Dr. Beck, ist auf eine Weise aufgebaut, daß auf allen unseren Körperzellen bestimmte Eiweiße sitzen, die uns sowohl als Mensch wie auch als Individuum charakterisieren. Eine Ausnahme bilden die eineiigen Zwillinge, sie haben diese Unterscheidung nicht. Sonst ist jeder Mensch an dieser Stelle biologisch einmalig durch die weißen Blutkörperchen, die Lymphozyten oder die Untergruppe T-Lymphozyten. Sie sind, gewissermaßen als „Polizisten“, unerläßlich für das Immunsystem und sorgen für die Abwehr von schädlichen Erregern.

Abstoßungsreaktionen beim Empfänger

Wenn nun ein fremdes Organ, z.B. ein fremdes Herz, eine fremde Niere etc. in einen anderen Körper transplantiert wird, wird es von den T-Lymphozyten als Fremdkörper erkannt und abgestoßen. Es findet also eine akute Abstoßungsreaktion statt. Man nennt dies das Histokompatibilitäts-Antigen-System. 

Für Herrn Dr. Beck gab es auf Grund dieser einen Tatsache nur eine Schlußfolgerung: Ein solches System kann kein Zufall sein, das ist ein Schöpfungsakt. Gott ist der Schöpfer dieser komplizierten Vorgänge, die nicht durch Zufall entstehen können. Gott hat hier in uns, in die Individualität des Menschen, eine Einmaligkeit hineingelegt, die offensichtlich respektiert werden muß.

Für Dr. Beck lag es damit mehr als deutlich auf der Hand: Gott wünscht keine Organtransplantation. Er hat seine Schöpfung so eingerichtet, daß Fremdkörper, in diesem Fall fremde Organe, abgestoßen werden. Er hat eine Schranke eingebaut, die es nicht zuläßt, Organe von einem Menschen auf einen andern zu übertragen.

Doch diese zentrale Frage liegt nicht im Bereich der Transplantationsmedizin.

Eineiige Zwillinger als medizinischer Sonderfall

1954 gelang einem amerikanischen Arzt eine erste Nierentransplantation zwischen eineiigen Zwillingen, und da eineiige Zwillinge, wie wir gelesen haben, sich biologisch nicht unterscheiden, ist dieser Eingriff hervorragend gelungen, d.h. die Nieren wurden nicht abgestoßen, so daß der Chirurg ein paar Jahre später den Nobelpreis dafür erhielt.

Auf diesen Erfolg hin hat die Transplantation von verschiedenen Organen einen großen Aufschwung an nicht-eineiigen Zwillingen genommen. Die Forschung war sich der Abstoßungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers noch nicht bewußt. Man war der Meinung, wenn die Transplantation bei den eineiigen Zwillingen gelungen ist, warum nicht auch bei nichteineiigen.

Doch stellten sich nur noch Mißerfolge ein. Nach wenigen Tagen oder Wochen wurden diese fremden Organe von den „Polizistenzellen“ abgestoßen. Der logische Schluß war: Das Immunsystem muß ausgeschaltet werden, wenn irgendein Organ überhaupt angenommen werden soll. Das bedeutet Unterdrückung der Körperabwehr – und zwar ein Leben lang.

Künstliche Immunsystem-Unterdrückung  

Der Empfänger wird sein neues Organ nur behalten können mit entsprechenden medikamentösen Einwirkungen. 1981 haben norwegische Forscher Medikamente entdeckt, die dazu beitrugen, daß transplantierte Organe nicht mehr abgestoßen wurden.

Doch wieviele erfolglose Transplantationen wurden in all den Jahren der Forschung durchgeführt, wieviel ausgeschlachtete „Hirntote“, wieviel Hoffnungen bei den Empfängern zerstört, bis diese Medikamente endlich auf den Markt kamen, mit dem Ergebnis, daß letztlich doch kein voller Erfolg zu verzeichnen war, denn sie entwickelten Nebenwirkungen.

Durch die vollständige Unterdrückung des Immunsystems wurden damit auch die Abwehrkräfte für andere Krankheiten unterdrückt, wie z.B. Krebs. 6% aller transplantierten Patienten entwickeln Hautkrebs und Lymphdrüsenkrebs, und mancher Organempfänger stirbt an Infektionen, gegen die sich der Körper  nicht mehr wehren kann.

Doch trotz der Nebenwirkungen ist der Organtransfer Routine geworden und zwar weltweit. Hunderttausende leben mit fremden Organen. Entsprechend fragwürdig wurde auch der Umgang des Krankenhauspersonals mit Hirntoten und deren Angehörigen. Ich möchte dies nicht weiter ausführen. Es gibt genügend Literatur mit erschreckenden Berichten.

Dies sind äußerst wichtige Informationen, die ein Patient, der auf der Warteliste für ein neues Organ steht, unbedingt wissen sollte. Doch finden wir solche Hinweise weder in den Aufklärungsbroschüren der Krankenkassen, noch in jenen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die sich jetzt offiziell Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nennt oder bei der Deutschen Stiftung Organspende. Trotzdem wird behauptet, die Patienten würden auf das Beste aufgeklärt.

Leben mit einem fremden Organ

Kommen wir nun zu einer für den Empfänger eines Organs äußerst wichtigen Frage:

Was bedeutet es für einen Menschen, mit dem Organ eines verstorbenen Fremden zu leben? Es ist inzwischen bekannt geworden, daß es bei den Empfängern eines neuen Organs außer physischen auch psychische Veränderungen geben kann.

Sicher stellt sich der eine oder andere die Frage, woher sein neues Herz gekommen sei. Wem gehörte das Herz, das jetzt in ihm schlägt? Wer ist der Spender, der es ihm erlaubt, mit seinem Herzen weiterzuleben? Bedanken kann er sich nicht mehr bei ihm, denn dieser starb, als ihm sein Herz herausgenommen wurde.

Wenn das Herz nun wirklich mehr ist als eine bloße Blutpumpe, ist es möglich, daß fremde Eigenschaften auf den Empfänger übertragen werden?

Es gibt eine ganze Reihe von Informationen, wonach Empfänger eines neuen Herzens Wesensveränderungen an sich selbst feststellen konnten. Ein Vegetarier z.B. entwickelte auf einmal eine leidenschaftliche Neigung zu Fleisch. Darüberhinaus haben sich seine musikalischen Vorlieben verändert. Vorher war er ein Anhänger von Heavy Metal, nun wollte er nur noch Rock’n Roll hören. Als er herausfand, wem „sein“ Herz vorher gehört hat, stellte er fest, daß der Spender eine Vorliebe für Fleisch hatte und begeisterter Rock’n Roll Anhänger war.[9]

„Tim“ in Traum und Realität

Der folgende Bericht erzählt von einer 48-jährigen Frau, die von ein und demselben Spender sowohl ein neues Herz als auch eine neue Lunge eingepflanzt bekam. Nach einiger Zeit hatte sie den Eindruck, als ob sie eine zweite Seele neben sich verspüren würde. Sie selbst beschrieb es mit den Worten: „Ich erlebe in mir die Gegenwart eines anderen Wesens“.[10]

Sie bemerkte auch, daß sie auf Ereignisse stärker reagierte als vor dem Eingriff. Auch entwickelte sie ihr fremde  Gewohnheiten und Vorlieben, was Essen und Trinken betraf. Die Migräne, unter der sie jahrelang gelitten hatte, war jetzt wie weggeblasen.

In einem Traum traf sie einen Mann, denn sie Tim nennt und in dem sie ihren Spender vermutete. Nach intensiven Nachforschungen fand sie heraus, daß ihr Spender ein junge Mann von achtzehn Jahren war, der bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen ist. Sein Name war: Tim.

Nach Kontakt mit seiner Familie wurde ihr bestätigt, daß alle Veränderungen, die sie nach der Transplantation an sich selbst entdeckt hat, mit den Gewohnheiten von Tim übereinstimmten, besonders was die Ernährung und die Musik betraf.

In den USA erregte ein spektakulärer Fall die Öffentlichkeit:

Der Leiter eines klinischen Forschungszentrums, Dr. Paul Pearsall, schreibt in seinem Buch „Das Herz und sein Gedächtnis“ von einer Transplantation an einem achtjährigen Mädchen, das das Herz von einem zehnjährigen Mädchen erhalten hatte, das ermordet wurde.

Man kann sich jetzt mit Recht fragen, wie können Ärzte prinzipiell das Organ eines ermordeten Menschen in einen anderen Körper verlagern? Dies jedoch wurde getan. Das achtjährige Mädchen, dem das Herz implantiert wurde, hatte in der Folge qualvolle Nachtträume, in denen es den Mann sah, der den Mord an ihrer Spenderin begangen hatte.

„Das Herz fand seinen Mörder“

Zunächst hatte sich die Psychiatrie für diese recht seltsamen Träume interessiert. Aber nach einiger Zeit schenkte man dem Mädchen doch Glauben und alarmierte die Polizei. Da das Mädchen durch ihre Träume eine detaillierte Personenbeschreibung geben konnte, inklusive Tatzeit, Waffe, Tatort, Kleidung, konnte der Mörder gefunden und auch verurteilt werden.

Die Geschichte wurde veröffentlicht unter dem Titel „Das Herz, das seinen eigenen Mörder fand“.[11]

Diese drei Beispiele, der Autor zählt in seinem Buch weitere dreiundsiebzig Fallbeispiele auf, geben Anlaß zu Fragen. Hat das Herz ein eigenes Gedächtnis, unabhängig vom Gehirn? Kann es sich erinnern? Gibt es im Menschen, außer dem Gehirn, noch einen weiteren Sitz der Intelligenz, der Informationen aussendet?

Diese Beispiele zeigen auch, daß ein Organ nicht nur Materie ist, es enthält scheinbar auch Erinnerungen, Erinnerungen an den Menschen, dem sie einmal gehört haben. Im Verlauf eines Gesprächskreises äußerte sich eine Empfängerin eines fremden Herzen: „Ich glaube, daß der Geist meines Spenders noch immer in meiner Nähe ist und in diesem Sinne noch immer weiterlebt.“

Diese Erlebnisse lassen den Schluß zu, daß der totgesagte Hirntote den Vorgang der Entnahme seiner Organe verspüren muß, daß er Angst und im Übermaß Schmerzen empfindet.

Seele und Leib stehen in Verbindung

Es gibt kein kirchliches Dogma, das besagt, dass die Seele den Körper eines Menschen verlässt, wenn das Gehirn nicht mehr funktioniert. Es ist Lehre der Kirche, daß die Seele bis zum natürlichen Tod des Menschen im Körper lebt.

Solange darum ein integratives Leben oder ein empfindungsfähiges Leben im Menschen vorhanden ist (beides ist nachweislich der Fall bei „hirntoten“ Patienten), ist die menschliche Seele, die alle Lebensbereiche des Leibes umfasst, noch da und empfindet Schmerzen, wenn das Herz aus dem Leib genommen wird, es sei denn, der Patient wird narkotisiert.

Es gibt Hinweise der Angehörigen von Explantierten, daß ihre Lieben bei der Öffnung des Sarges verzerrte Gesichter hatten.

Eine Mutter erzählt, daß ihr 15-jähriger Sohn nach einem Autounglück mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik gebracht worden sei. Als sie ihn im Krankenhaus sah, schien er zu schlafen. Nach Stunden, in denen sich die Situation nicht wesentlich geändert hatte, wurde ihr mitgeteilt, daß ihr Sohn tot sei. Doch sah sie ihn atmen, er war noch warm und trotzdem behaupteten die Ärzte, er sei tot und baten um ihre Einwilligung für eine Organspende.

In völliger Unkenntnis der ganzen Problematik und deren Folgen, in ihrer Angst und Verwirrung, gab sie ihr Ja zu – wie sie annahm – einer Organentnahme. Kurz vor der Beerdigung bestand sie darauf, ihren Sohn nochmals sehen zu dürfen. Der Bestattungsunternehmer drang auf sie ein, dies doch zu unterlassen. Ihr Sohn würde völlig verändert aussehen.

Doch sie insistierte, und was sie dann zu sehen bekam, wird sie ein Leben lang verfolgen. Eine Naht führte von der Kinnspitze bis zum Schambein, seine Augen waren weg. Sein Gesicht entstellt. Er zeigte nicht den Ausdruck eines friedvoll entschlafenen Menschen, Furcht und Schmerzen waren darin zu lesen. Sie konnte später den Anblick nur mit den Worten schildern: „Er sah aus wie eine gerupfte Gans“.[12]

Wollen wir sterben in Würde oder verenden?

Ein solches Sterben degeneriert zum bloßen Verenden. Das Ja der Mutter zur Organspende hatte ihren Sohn zu einem Recyclingprodukt degradiert, seine Organe waren, wie sie danach erfuhr, gefragte Objekte in ganz Europa.

Später mußte sie dann noch zur Kenntnis nehmen, daß ihr Sohn bereits an der Unglücksstelle für eine Organspende vorgesehen war. Die Ärzte haben gar nicht erst versucht, ihn auf die Intensivstation zu verlegen, nicht versucht, ihn zu retten, sondern ihn gleich in die Abteilung für Transplantationsverfahren gebracht.

Die Medikamente, die ihm verabreicht wurden, waren nicht auf seine Heilung, sondern auf Organspende programmiert. Offensichtlich haben die Ärzte einen anderen Tod gemeint, als sie der Mutter erklärten, ihr Sohn sei tot. Hätte sie all dies zuvor gewußt, sie hätte sich schützend vor ihr Kind gestellt und es nicht dem Alptraum ausgesetzt, bei lebendigem Leib ausgeweidet zu werden. Sie hat nie von ihrem Sohn Abschied nehmen können, sie hat ihn ja lebend zurückgelassen.

Die Transplantationsmedizin scheint ihre eigene Ethik zu haben. Bei ihr hat der Organtransfer einen höheren Wert als die Unversehrtheit eines Leibes. Es ist keine zu harsche Feststellung, wenn der Eindruck entsteht, der Patient sei für Ärzte kein Individuum mehr, sondern Ersatzteillager, was den Rückschluss vermuten läßt: das Leben mit einer schweren Krankheit ist für sie „nicht lebenswert“.

Recht auf Leben um jeden Preis?

Man spricht davon, daß Menschen, die sich ein neues Organ einpflanzen lassen wollen, ein Recht auf Leben hätten. Haben sie das? Ist es nicht vielmehr ein Geschenk, leben zu dürfen? Seien wir ehrlich: Im Grunde warten Ärzte und Patienten doch nur darauf, daß ein anderer stirbt.

Eine Frau erzählte, die Ärzte hätten ihren Mann damit getröstet, daß man ihm in Aussicht stellte, in der Weihnachtszeit gäbe es erfahrungsgemäß viele Selbstmörder, die als Organspender auch in Frage kämen. Ist die Grenze der Verrohung schon erreicht?

In England ist es leichter, zu einen Organ zu kommen. Die Briten haben kein Verständnis dafür, wenn Organe von Hirntoten, die noch verpflanzt werden könnten, nicht weitergegeben würden. Sie betrachten dies als Organverschwendung.

Am 7. Juni 2025 fand in Regensburg der „Tag der Organspende“ statt. Seit 1983 macht dieser Tag auf dieses Thema aufmerksam. Dieser Aktionstag „soll danken, aufklären und ein Zeichen für die Wichtigkeit der Entscheidung setzen“, heißt es in der Ankündigung.

Manipulation ist keine Aufklärung

Bei dem Begriff „Entscheidung“ geht es um die Frage, ob man bereit ist, „nach dem Tod“ Organe zu spenden. Die Art der Formulierung vermittelt den Eindruck, daß Organspender im Zeitpunkt der Organentnahme bereits tot seien. Wir müssen feststellen, daß der Hirntod aktuell immer noch als ein sicheres Todeszeichen angenommen wird, trotz der mannigfaltigen Erfahrungen, die weltweit dokumentiert sind.

Das ist keine Aufklärung, sondern Manipulation, letztlich Betrug.

In Deutschland gilt zur Zeit noch die Zustimmungslösung. Organe und Gewebe dürfen nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat. Liegt keine Entscheidung vor, werden die Angehörigen gefragt.

Im Ausland gelten andere gesetzliche Regelungen. Weit verbreitet ist die Widerspruchslösung, d.h. wenn man nicht widerspricht, gilt dies als Zustimmung. Verstirbt die Person im Ausland, so greift die Regelung des jeweiligen Landes, nicht die des Heimatlandes.

Widerspruchslösung in Österreich

In Österreich gilt die Widerspruchslösung. In Wien liegt eine Liste auf, in die sich Ausländer eintragen können, die keine Organspender sein wollen. Die meisten, die sich dort eintragen, sind Deutsche. Wir sollten persönlich dafür Sorge tragen, daß in unseren Unterlagen die Ablehnung einer Organtransplantation mit einem Ausweis dokumentiert ist. Ob dieser Ausweis dann im Ernstfall gefunden wird oder überhaupt gefunden werden will, ist eine andere Frage.

Der Pionier der Transplantationsmedizin in Europa, Rudolf Pichelmeyer, stellte fest: Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären, bekommen wir keine Organe mehr, mit anderen Worten: Die Mediziner wissen genau, was sie tun.

Die Würde des Menschen ist unantastbar?

Wo ist die Grenze des Zumutbaren? Der Mensch wird seiner Würde beraubt, wo sind die Werte geblieben: die Gerechtigkeit, das Mitleid, die Tugend, die Verantwortung, die Liebe? Der letzte Bereich der modernen Marktwirtschaft ist die Zerlegung des menschlichen Körpers.

Wir wissen, daß es in den Entwicklungsländern Menschen gibt, die in ihrer Not ihre Organe verkaufen, die Niere z.B., die lebend gespendet werden kann. Es ist auch bekannt, daß wir  längst eine Menge hochkrimineller und menschenverachtender Auswirkungen im Umfeld der Beschaffungskriminalität und des Organhandels haben.

Menschen werden gegen ihren Willen Organe entnommen. Kriminelle Banden haben sich in Entwicklungsländern auch im Zusammenhang mit der sogenannten Migration zusammengetan, es wird Schleppergeld, also Lösegeld gefordert, wenn keines bezahlt wird, nimmt man ihnen die Organe, die dann verkauft werden.

Das ganze Grauen der Organgewinnung zeigt Bilder von ausgenommenen und grob zusammengeflickten Kinderleichen von Brasiliens Straßenkinder, die der westlichen Welt als Nachschub für die Organbanken dienen, so berichtete das Magazin „Der Stern“.

Der Arzt ist nicht mehr der Diener des Lebens. Unter dem Vorwand des wissenschaftlichen Fortschritts wird das menschliche Leben zum bloßen biologischen Material erniedrigt.

Sind die modernen Mediziner mit ihrer Hochleistungsmedizin nur noch bestrebt, den transhumanistischen Wunsch nach Leidensfreiheit und Unsterblichkeit zu erfüllen? Eines Tages werden auch sie erkennen, daß Gottes Treue, seine Liebe zu seinem ungetreuen Geschöpf durch Jesu Tod und  Auferstehung der alleinige Grund unserer Unsterblichkeit ist.

Wir haben drei Mal einen Bund mit dem Tod geschlossen. Über das Transplantationsgesetz haben wir den Tod neu definiert, mit der Änderung des Abtreibungsgesetzes wurde die Straffreiheit eingeführt und die Euthanasie hat die Grenze zwischen Töten und Sterbenlassen aufgehoben.

Die Entscheidung Marc Julens

Marc Julen, der junge Mann aus Zermatt, hat nun keineswegs all die Informationen gesammelt, die hier zur Sprache gebracht wurden. Ihm genügte die Erkenntnis, daß sein Herz ein Geschenk des Schöpfers ist, und er hat sich dafür entschieden, dieses sein Herz bis zu seinem Lebensende zu behalten.

Den Ärzten, die ihn wiederholt geradezu nötigten, sich die Chance einer Herztransplantation nicht entgehen zu lassen, konnte er in der Geborgenheit seines tiefen Glaubens antworten: „Ich will nicht leben, nur wenn ein anderer stirbt. Und ich will nicht das Herz eines Hirntoten, dessen Herz noch schlägt.“[13]

BILD: SchweizerBischof Vitus Huonder (+) von Chur 

Marc hat mehrere Ärzte und auch einige Vertreter der Kirche konsultiert, u.a. den emeritierten Bischof von Chur, Vitus Huonder, der ihm das tröstende Wort auf den Weg gab: „Marc, du bist in Gottes Hand“ und den Weihbischof aus Kasachstan, Athanasius Schneider. Beide haben ihn in seinem Entschluss, den Eingriff aus ethischen und religiösen Gründen abzulehnen voll unterstützt, denn eine Ablehnung liege ganz und gar auf der Linie der abendländischen und christlichen Überzeugung, wonach nur Gott Herr ist über Leben und Tod.

„Den Hirntod gibt es nicht“

Marc wurde auch aufmerksam auf die Schrift des katholischen Philosophen Prof. Dr. Josef Seifert mit dem Titel: „Den Hirntod gibt es nicht – Ich erkläre Ihnen die Gründe“. Er hat diese Schrift daraufhin an einige Ärzte verteilt. Nach diesen positiven Reaktionen war er fest überzeugt, daß auch Rom einen Transfer des Herzens, gerade aus diesem einleuchtenden und nach seiner Meinung tief christlichen Grund, nicht gestatten könne. Er wußte nicht, daß er sich in diesem Punkt entscheidend irrte.

Der den jungen Patienten seit Jahren wohlwollend behandelnde Kardiologe und Chirurg glaubte, dessen Überzeugung entkräften zu können mit einer Eingabe an Papst Franziskus persönlich.

Darin bat er um Hilfe „in der dringenden Angelegenheit meines 21-jährigen Patienten, eines gläubigen Katholiken, mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz…, dessen klinischer Zustand sich täglich verschlechtert und der nun dem Tod nahe ist…Mein lieber Patient ist ein sehr guter Kandidat für eine Herztransplantation, zögert aber derzeit, sich für eine Transplantation aufstellen zu lassen, weil er Bedenken hat, daß die Annahme eines Spenderherzens nicht mit der Lehre der katholischen Kirche vereinbar wäre.

Er befürchtet, daß bei einer Herztransplantation der Organspender, auch wenn er als hirntot diagnostiziert wird, möglicherweise nicht ‚wirklich tot‘ ist, da sein Herz noch schlägt. In meinen Gesprächen habe ich versucht, die Sorgen und Bedenken meines Patienten zu zerstreuen, indem ich die sehr schön geschriebene Ansprache von Papst Benedikt XVI. auf dem internationalen Kongress der Päpstlichen Akademie für das Leben 2008 zitiert habe, in der es heißt, daß ‚die Herztransplantation mit Zustimmung des Spenders und ohne übermäßige Risiken für den Spender moralisch akzeptabel ist‘.“

Organentnahme nur „ex cadavere“ erlaubt

Dazu ist folgendes zu sagen:

Der mit Marc befreundete Kardiologe vergaß, eine wichtige Stelle in dieser Ansprache von Benedikt XVI. auch noch zu zitieren, sie lautet: „Es ist jedoch nützlich, daran zu erinnern, dass die einzelnen lebenswichtigen Organe nur ‚ex cadavere‘ entnommen werden dürfen [d.h. wenn der Mensch tot ist], der im übrigen seine einzigartige Würde behält, die zu respektieren ist.“

Das bedeutet: Das Herz, das wohl lebenswichtigste Organ überhaupt, kann gar nicht transplantiert werden, weil der Spender nach Benedikt XVI. eine Leiche sein muß, und aus einer Leiche kann – wie  hier schon mehrfach betont –  ein Herz nicht transferiert werden.

Zu einem so verantwortungsvollen Beruf wie der des Arztes gehört vor allem die Einsicht, daß nicht alles, was medizinisch machbar, auch ethisch akzeptabel ist. Wenn ein Arzt dies nicht beachtet, wird er, um Christoph Wilhelm Hufeland, den Leibarzt des Preußenkönigs Wilhelm III. zu zitieren, „der gefährlichste Mann im Staat“.

Als Erzbischof von München hatte Kardinal Ratzinger tatsächlich eine zeitlang den Einsatz von Organtransplantationen befürwortet. In den 1970er Jahren war er sogar Besitzer eines Organspendeausweises, doch dieser sei mit der Wahl zum Papst automatisch ungültig geworden, erklärte sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein in einem Schreiben an einen deutschen Arzt.

Fatale Antwort aus dem Vatikan

In der Antwort aus Rom, die der Professor angefordert hat und die der Präfekt der Glaubenskongregation, Luis F. Kardinal Ladaria, S.J. im Auftrag von Papst Franziskus beantwortete, lesen wir:

Organspende und Transplantation sind bedeutende Ausdrucksformen des Dienstes am Leben und der Solidarität, die die Menschen miteinander verbinden, sie würden eine besondere Form des Zeugnisses der Nächstenliebe darstellen. Aus diesen Gründen haben sie einen moralischen Wert, der die medizinische Praxis legitimiert.“

Wie immer man die verschiedenen Stellungnahmen auch betrachten mag, man hat den Eindruck, daß sich die Verantwortlichen in Gesellschaft und Kirche mit wenigen Ausnahmen kaum bis gar nicht mit der Wirklichkeit, der Praxis und den Hintergründen einer Organtransplantation mit der notwendigen Sorgfalt und Intensität beschäftigt haben, die es braucht, um sich über die Dramatik einer so schwerwiegenden Operation überhaupt ein Bild zu machen, und doch sprechen sie von Nächstenliebe und geben Hinweise und Ratschläge, die, wenn sie befolgt werden, gravierende Folgen haben.

Was sind die Gründe, warum sich die Kirchenvertreter oft sehr engagiert auf die Seite der Befürworter dieses verhängnisvollen Eingriffs stellen?

Auch das Leid gehört zum Leben

Ist ihnen die zentrale Botschaft des Christentums nicht mehr gegenwärtig? Haben sie vergessen, daß Jesus Christus uns durch sein Leiden erlöst und damit den Tod überwunden hat? Daß das Leiden zum Mysterium unseres Lebens gehört?

Wir jedoch fliehen das Leid, den Schmerz und sind bereit, für die Befreiung davon jeden Preis zu zahlen. Was wahre, dem Evangelium gerechte Nächstenliebe bedeutet, hat uns Maximilian Kolbe vorgelebt. Er ging im Konzentrationslager Auschwitz für einen Mithäftling in den Bunker und starb nach zwei Wochen einen qualvollen Hungertod.

Bei einem Gespräch zwischen Marc, dem Kardiologen und dem aktuellen Bischof von Chur, der sich in die Debatte eingeschaltet hatte, kam es zur endgültigen Entscheidung. Mit großem Engagement versuchte der Bischof, den schwerkranken Patienten von der Bedeutung der päpstlichen Zustimmung zu überzeugen. In seinem gutgemeinten Eifer verstieg er sich sogar zu einer Drohung. „Es muß dir doch klar sein“, argumentierte er, „daß dies ein Zeichen vom Herrgott ist, daß sich nun auch der Papst eingeschaltet hat,…falls du ablehnst, würdest du Gott versuchen!“

Marc: Unser Ziel ist der Himmel

Doch Marc blieb staunenswert ruhig und wies erneut auf die bekannte Tatsache, daß bei einem Hirntoten das Herz noch schlage, also die Seele noch im Körper sei. Irritiert durch die unverrückbare Haltung des Todkranken fragte ihn der Professor:

„Ja, betrachtest du uns denn als Mörder?“ – Die Antwort von Marc kam spontan und unmissverständlich:
„Streng genommen: Ja…Schauen Sie, jeder von uns muss einmal sterben, und nur der Herr allein weiß, was er zu leiden hat. Ein langes Leben ist nicht unbedingt ein Vorteil. Oft ist es sogar besser, jung zu sterben, denn dann ist die Möglichkeit größer, in den Himmel zu kommen, da die Seele vor viel Bösem bewahrt blieb. In der Ewigkeit spielt es keine Rolle, ob man l0, 50 oder 100 Jahre gelebt habe. Nur ein Ziel soll der Mensch vor Augen haben: den Himmel.“ [14]

Mit einer bewundernswerten Überzeugungskraft erklärte der damals 22-jährige Patient dem Bischof und dem Chirurgen Selbstverständlichkeiten des christlichen Glaubens. Er wolle nicht das Herz eines Hirntoten, dessen Herz noch schlägt, erläuterte Marc erneut seine Stellungnahme. 

„Sie versprechen mir, mit einem neuen Herzen noch mindestens fünf, sogar zehn Jahre weiterzuleben. Was sind schon zehn Jahre im Verhältnis zur Ewigkeit?“ [15]

Marc entschied sich, ein Transplantat abzulehnen, auch wenn dies das Ende seines irdischen Daseins bedeutet. Sein Glaube überwand alle Argumente, die ihm ein verlängertes Leben versprachen. Er wollte den Tod annehmen, wie, wann, wo und auf welche Art und Weise Gott es für ihn vorgesehen hat.

Und Gott hat seine Gebete und jene seiner Eltern, Verwandten und Freunde erhört. Er durfte in einem großen inneren Frieden, gestärkt mit den Sakramenten der Kirche, heimgehen ohne belastende Gedanken an einen zurückgebliebenen Hirntoten, dessen Herz für ihn herausgeschnitten wurde.

Am Fest des hl. Erzengels Raphael, im Rosenkranzmonat Oktober 2022, hat sein Herz, das er bis zum seinem Lebensende behalten wollte, aufgehört zu schlagen, und es ist Pater Niklaus Pfluger zu danken, daß er uns nicht nur den dramatischen Verlauf der sich über Jahre hinziehenden lebensgefährlichen Herzerkrankung, sondern auch den Glaubensweg dieses außergewöhnlichen Jugendlichen in seinem Buch mit dem schlichten Titel „Marc Julen – Marc, Du bist in Gottes Hand“ in so einprägsamer Weise geschildert hat.

Wir erfahren in dieser Biographie, daß Marc seine Lebensentscheidung treffen konnte aus der Geborgenheit und Liebe seiner Eltern und Geschwister, seiner ganzen Familie, in der auch der Tauf- und Firmpate Martin in seiner von Gott geschenkten Aufgabe eine Vertrauensperson war, auf die sein Patenkind zählen konnte.

Für junge Menschen kann dieses kurze, intensive, auch kämpferische Leben Ansporn sein, um, wie Mutter Teresa es einmal formulierte, „für Gott etwas Schönes zu tun“, denn Gott hat uns in seinem Sohn Jesus gezeigt: Wir Menschen sind ihm wichtig, wir liegen ihm am Herzen!

Quellenhinweise:

[1] P. Niklaus Pfluger: „Marc Julen – Marc, Du bist in Gottes Hand“, Bobingen, 2024.

[2] dito S. 69

[3] Aus: Remigius Bäumer, Alma von Stockhausen (Hrsg.), „Zur Problematik von Hirntod und Transplantation, S. 11

[4] Gisela Lermann (Hrsg.), „Ungeteilt sterben“, Dr. Gisela Lermann Verlag, Mainz

[5] „Im Vorzimmer des Todes“, Der Spiegel, 24/1994

[6] Hans Stolp: „Organspende“, Amerang 2016,  2.Auflage, S. 99f.

[7] Jan Kerkhoffs: „Traumflucht ins Koma“, Verlag Marga Genot Melick, Melick 1994, in Hans Stolp S.100

[8] Im Internet abrufbar

[9] Hans Stolp: „Organspende – Übertragen Organe Bewußtsein?“, S. 45

[10] dito S. 50

[11] Paul Pearsall: „Das Herz und sein Gedächtnis“, Verlag Aeropagus, 1998, S.25

[12] Stolp S. 126

[13] Marc Julen S. 78

[14] Marc Julen, S. 78

[15] dito S. 79

Kommentare

13 Kommentare

  1. Das „Hirntod“ – Konzept und der Tod des Menschen. Eine Untersuchung aus der Perspektive prozessualer Beweiswürdigung.

    Stephan Rheder weist im aktuellen ALfA – Magazin auf das 2025 erschienene Buch von Rainer Beckmann, Medizinrechtsexperte aus Würzburg hin.

    Fazit: ‚Durch das ‚Hirntod‘ – Konzept wird verschleiert, dass ‚Hirntote‘ nicht tot sind.‘
    923 Seiten, 279 €

    Eine kurze Stellungnahme zum Thema:
    RB-Hirntod-LF_1-2012.pdf https://share.google/DjXPzT0qCEtoVW7mz

  2. Vielen Dank für diesen Artikel. Mir war gar nicht bewusst, dass in Japan (Shintoismus und Buddhismus) die Organspende so kritisch gesehen wird. Besonders, weil die Abtreibung dort wohl auch weit verbreitet ist. Interessant ist in dem Zusammenhang auch dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=QyHGQexE6m8 Bei Obon werden auch die abgetriebenen Kinder bedacht.

  3. Danke, liebe Zitta,
    nun bin ich so viel schlauer als vorher und mir sicher in der Entscheidung, meinen Ausweis anzupassen.
    Herzliche Grüße aus dem Schwabenland.

    1. Liebe Nicole,
      herzlichen Gruß zurück aus dem Münsterland nach Süden.
      Prima, wenn der Artikel von Inge Thürkauf Dir viele hilfreiche Infos vermitteln konnte.
      Alles Gute wünscht Dir
      Deine Felizitas (Zita)

  4. Die dunkle Seite der Organspende,

    Hoss und Hopf — eine kritische Auseinandersetzung
    https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=cr3KcriJXEI

    Ab Minute 25 Ablauf der Hirntoddiagnostik:
    Prüfung der Reflexe:
    – laute Ansprache
    – Pupillen auf Licht
    – Cornealreflex
    – Schmerz (Nadel in Nasenscheidewand, Kneifen ins Ohrläppchen)
    – Würge – und Hustenreflex (Schlauch bis zur Lunge)
    – Apnoe (erst Sauerstoff, dann Abschalten der maschinellen Beatmung für bis zu 10 Minuten)
    – EEG

    Prof. Coimbra, Sao Paulo, kritisiert, daß gerade durch das Aussetzen der Beatmung über so lange Zeit im Apnoe – Test Menschen erst getötet werden.
    (Prof. Coimbra ist gläubiger Katholik, m. M. n. ein wunderbarer Arzt und Wissenschaftler, der durch seine Behandlung auch vielen Patienten mit Multipler Sklerose helfen konnte. Das nach ihm benannte Protokoll praktizieren inzwischen auch etliche, zum Teil durch ihn ausgebildete Ärzte in Deutschland)

  5. Unvergessen eine Talk-Sendung in der ZDF-Reihe „Peter Hahne“ vor Jahren. Hahne hatte einen der bedeutendsten Herzchirurgen Europas im Studio. Ganz zum Schluß fragte er ihn überfallartig: „Sie haben doch sicher einen Organspende-Ausweis dabei…..“. Der Mann wurde feuerrot und sagte nichts….

  6. Bei dem geschilderten Fall des Geschäftsmannes Jan Kerkhoffs aus Melick in den Niederlanden, düfte die Situation folgendermaßen gewesen sein:
    Die Messung des „totalen“ Ausfall des Gehirns war zum Zeitpunkt der Messung, was immer die Apparate hergeben, korrekt,
    Das/dessen Gehirn allerdings hatte sich ab einer Untergrenze der Sauerstoffversorgung in eine Ruhestellung begeben – und wenn diese Grenze der Sauerstoffversorgung nicht weiter unterschritten wird, baut das Gehirn nicht ab, sondern bei längerem Angeschlossensein an den Apparaten verbessert sich die Sauerstoffversorgung und das Gehirn arbeitet wieder.

    Aus dem Organspendesumpf gibt es Reihe von Berichten über Patienten, die zur Organnetnahmen freigegeben worden waren, aber nicht gleich explantiert werden konnten, die dann aber durch eine bessere Sauerstoffversorgung wieder „zum Leben“ kamen.
    Nachbemerkung: Der das schreibt, ist nicht Arzt, war aber lange in Hospiz engagiert und ist immer noch interessiert.

  7. Danke für dieses hervorragende, wichtige Statement, und dass es hier veröffentlicht wird. Mir ist nur bei der Aussage von Papst Benedikt XVI. der bekannte Ratzingersche Doppelsprech aufgefallen: dass er nämlich der Ansicht ist, wenn ein Mensch wirklich tot sei, würde er im Falle des Ausgeschlachtetwerdens seine „Würde“ behalten. Und dass – wie großzügig von ihm! – diese ( doch dann wohl kaum mehr vorhandene) „Würde“ zu „respektieren“ sei. Wie soll das denn gehen? Wieder einmal das Beispiel einer Zusammenknüpfung von Widersprüchen, die traditionelle Denkweisen überwinden und in neue Denkgewohnheiten zum Zweck der Gefügigmachung für antichristliche Ziele überführen will (meine Meinung, wofür das genannte Beispiel spricht). Ich denke es hat in keinem Fall mit Würde zu tun, wenn man einen Menschen als Ersatzteillager behandelt, egal in welchem Stadium tot oder lebendig.

  8. Hier noch ergänzende Hinweise:

    Initiative Kritische Aufklärung über Organtransplantation in Hannover
    http://www.initiative-kao.de

    Karlheinz Muscheler, Das Recht des Todes, Duncker & Humblot, zitiert in FAZ vom 24.11.2024:
    „Ein Hirntoter, der noch eine Herzfrequenz hat, ist für Muscheler allerdings nur ein Sterbender. Er stirbt nicht vor einer Organentnahme, sondern durch sie. Als Jurist kann er das offenbar beurteilen. Wörtlich schreibt er: „Was man pathetisch als unabdingbare Voraussetzung der Organentnahme postuliert, führt man durch sie herbei, der zuvor mehr behauptete als erwiesene Tod wird durch sie erst Realität: Transplantation tötet …“.
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/karlheinz-muschelers-buch-das-recht-des-todes-110125240.html 

    Dr. med. Peter Beck: Organspende und der neue Tod, Jeremia Verlag.

  9. Ein wichtiges Thema, da Politiker immer wieder unter dem Vorwand, mehr Spenderorgane zu bekommen, auf eine Widerspruchslösung drängen. Vorstöße dazu gab es von den Gesundheitsministern Spahn und Lauterbach,
    Zustimmung quer durch alle Fraktionen, aber eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen.

    Gute Informationen auf der Seite:
    Kritische Aufklärung Organspende
    https://initiative-kao.de/

    “Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären,
    bekommen wir keine Organe mehr.”
    sagte der Transplantationsmediziner
    Prof. Rudolf Pichlmayr – 1987

    Hirntod, der neue Tod bei lebendigem Leib:
    „Seit der Harvard Definition 1968 wird uns im Zusammenhang mit Organtransplantation ein neuer Tod verordnet. Schon beim Versagen des Gehirns soll der Mensch tot sein, obwohl alle anderen Körperfunktionen noch erhalten sind. Die Transplantationsmediziner, die Bundesärztekammer, aber auch der Staat behaupten das.
    Können wir ihnen, die nicht mehr den sterbenden Menschen, sondern nur dessen lebensfrische Organe sehen, trauen?“

    Auf der Seite auch ein Textvorschlag für eine Widerspruchsregelung und Patientenverfügung

    ALfA berichtete im Heft Lebensforum IV /24 zur Organspende. Erschütternd das Interview über Organraub:

    „Der Chirurg Andreas Weber, ehemals Mitglied eines chirurgischen Einsatzteams zur Organexplantation der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), engagiert sich gegen Organraub, den es vor allem in China, aber auch an anderen Orten der Welt gibt. Mit Weber sprach für »LebensForum« Cornelia Kaminski.“

    https://www.alfa-ev.de/ein-unglaubliches-verbrechen/

    https://www.alfa-ev.de/themen/organspende/

    Statement Dr. Cornelia Kaminski zur Organspende :
    „Unabhängig davon, wie der Einzelne zum Hirntod als Entnahmekriterium steht, muss die Organspende immer eine freiwillige Angelegenheit bleiben.
    Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und anderen vorgelegte Widerspruchsregelung
    (Drucksache 19/11096) liefe auf eine Vergesellschaftung des Körpers hinaus und degradiert den menschlichen Leib zu einem Ersatzteillager. Dass Menschen einer Organentnahme erst ausdrücklich widersprechen müssen, um ihr im Falle eines diagnostizierten Ausfalls sämtlicher Hirnfunktionen auch entkommen zu können, macht aus der Organspende eine Organabgabepflicht.
    https://bunny-wp-pullzone-74bbphncmk.b-cdn.net/wp-content/uploads/2020/01/Statement-Organspende_200107-002.pdf

  10. Liebe Frau Küble,
    sehr froh bin ich über diesen Beitrag! Bei den verschiedenartigsten Definitionen des Todes wird man sich niemals einigen können. Das macht der Artikel mehr als deutlich. Es ist der Sache dienlicher, sich um die Definitionen des Lebens zu bemühen. Dabei hilft die Enzyklika Evangelium Vitae von Johannes Paul II..
    Auch Papst Benedikt XVI hat, wie erwähnt wird, der Organentnahme „ex cadavere“ zugestimmt wohl schlecht beraten bzw. irrtumsbefangen in einem ihm nicht bekannten Fachgebiet. Definieren können wir auch das Leben nicht; es bleibt Gottes geheimnisvolle Leihgabe, die wir deswegen schützen und verteidigen müssen, weil es Gottes Eigentum ist. Nicht deswegen, weil wankelmütige und interpretationsabhängige menschliche Begriffe und Gesetze solange menschliches Leben schützen, wie es opportun und nützlich erscheint; und dann aber nicht mehr, wenn die Preisgabe nützlicher erscheint.
    Ohne den Glauben an Gott, den Spender allen Lebens, werden wir den Weg in die Barbarei weiter gehen. Deswegen muß die Kirche endlich Farbe bekennen und dem Irrtum, unter dem vorigen Pontifex aufgeblüht, abschwören.

    1. Zu Benedikt XVI. :
      Es wurde seinerzeit „verschiedentlich“ bedauert, auch von mir, dass Benedikt XVI. nicht noch deutlicher in seiner Ablehnung formuliert hat, Doch Wenn man „ex cadavere“ voll ernst nimmt, so reicht das voll zu einer Ablehnung. Benedikt XVI. brauchte in einem Fach, das nicht sein Fach gewesen war, nicht genauer zu werden, um sich nicht in einer Falle der ganzen Bagage zu verfangen.

      Was Franziskus dazu gesagt hatte, passte natürlich zu vielem in seiner sonstigen Amtsführung. – Fragwürdig !

  11. Liebe Redaktion,

    herzlichen Dank für diesen Artikel, der so viele Facetten einer so wichtigen – und zugleich stark umstrittenen – Thematik beleuchtet. Die Fülle an Informationen, verbunden mit der klaren geistlichen Ausrichtung, hat mich tief bewegt.

    Besonders ins Staunen versetzt hat mich die Entscheidung von Marc Julen. Es ist beeindruckend, wie ein so junger Mann in einer derart gewichtigen Frage eine reife, gottesfürchtige und tiefgründige Entscheidung treffen konnte. Diese geistliche Klarheit fehlt oft selbst Menschen in höherem Alter. Sein Zeugnis ist ein helles Licht, das Mut macht und noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    Gleichzeitig darf die andere Seite nicht verschwiegen werden: Hinter dem ansprechend klingenden Begriff „Organspende“ verbirgt sich auch ein knallhartes, brutales Geschäftsmodell. Hier geht es nicht nur um Hilfe und Leben retten, sondern auch um Macht, Geld und Strukturen, die schwer durchschaubar sind. Vielen ist nicht bewusst, dass auch die Krankenhäuser finanziell profitieren, wenn Transplantationen durchgeführt werden – bis hin zu Abrechnungen bei Krankenkassen für den „Spender“, dessen Körper buchstäblich ausgeschlachtet wird. Und die Pharmaindustrie gewinnt mit jedem Organempfänger einen lebenslangen Dauerkunden für extrem teure Immunsuppressiva.

    Gerade in diesem Spannungsfeld zeigt sich, wie wertvoll es ist, wenn Menschen nicht einfach dem Zeitgeist folgen, sondern aus festem Glauben heraus prüfen und entscheiden.

    Für diese Ehrlichkeit und geistliche Weitsicht möchte ich Ihnen sehr danken. Wie toll wäre es, wenn dieser Artikel viele Leser nicht nur ins Nachdenken führen, sondern auch zu sehr guten Entscheidungen, die in Gottes Augen bestehen können.

    Mit herzlichen Grüßen von der Nordseeküste
    Henning Schneider

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