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Papst Franziskus und die Marktwirtschaft: wirklich ein Widerspruch?

Von Peter Helmes

Papst Franz gibt uns immer noch Rätsel auf. Ich gestehe, daß auch ich nicht so recht weiß, wohin er will – obwohl sein erstes Jahr im Amt durchaus beeindruckend war. untitled

Zweifel kommen mir immer dann auf, wenn ihm, dem Argentinier, ein bestimmtes Etikett aufgeklebt und er in eine Schablone oder Schublade gesteckt wird. Zuletzt deut(sch)lich erkennbar am Etikett „Papst der Armen“ oder „Anwalt der Armen“.
Aber: Der Papst darf (und sollte auch) durchaus eine eigene Meinung z. B. zum Wirtschaftsverständnis äußern  –  Irrungen inklusive.

Jeden, der ein wenig von der Universal-Kirche und vom Papsttum versteht, schüttelt es bei solchen Etikettierungen, wie sie gerade deutsche Journalisten der besonderen Klasse zu lieben scheinen. Sie sind irrwitzig.
Es gibt keinen „Papst der Armen“, wie es auch keinen „Papst der Reichen“ geben könnte. Der Papst ist universal. Und sollte die römisch-katholische Kirche weiterhin ihrem Anspruch gerecht werden wollen, Kirche für alle zu sein, dürfte sie nie zulassen, Reiche gegen Arme auszuspielen (et vice versa).

Ein Ritt allein gegen die Reichen macht keinen Reichen ärmer und keinen Armen reicher. Wer die, die über Reichtum verfügen, per se diskreditiert, nützt den Armen reichlich wenig. Armut zu predigen, hat noch niemanden reich gemacht.

Immer wieder das gleiche Mißverständnis: Wirtschaft funktioniert nur durch Wettbewerb! Das aber bedeutet systembedingt: Ungleichheit. 
In Klartext und zwingender Logik: Fortschritt und eine funktionierende Wirtschaft gibt es nur dann, wenn der Bessere sich durchsetzt. Die daraus entstehenden Ungleichgewichte werden jedoch gerne als Ungerechtigkeiten angeprangert, obwohl letztlich die gesamte Gesellschaft davon profitiert. IMG_1038
Mich wundert noch heute, wie es den SED-Sozialisten gelungen ist, der halben Welt zu erzählen, vierzig Jahre Marktwirtschaft in der „BRD“ hätten „vierzig Jahre Armut und Elend“ über das deutsche Volk gebracht, vierzig Jahre Sozialismus in der „DDR“ aber „Fortschritt und Gerechtigkeit“!

Der Wettbewerb reguliert den Markt

Der Wettbewerb um das Bessere findet auf dem Markt statt  –  und nicht in den Lehrbüchern des Sozialismus, schon gar nicht in dessen „real existierender“ Wunschwelt.
Anders ausgedrückt: Überall da, wo  –  auch aus gutgemeinten Gründen  –  der marktwirtschaftliche Hebel klemmt oder behindert wird, gibt es keinen Fortschritt. Es entstehen eben genau dort Mangel und Elend – was in gewissen Staaten (z. B. Nordkorea oder Kuba) auch heute noch besichtigt werden kann.

Um den „Sieg des Sozialismus“ über den Kapitalismus zu sichern, müssen die Marktgesetze ausgesetzt werden  –  was wiederum von der dafür notwendigen Nomenklatura umgesetzt wird. Ein solches System neigt natürlich  –  da vor allem die „einfachen“ Bürger, nicht aber die Kader betroffen sind  –  zu Instabilität.
Um die gewünschte Stabilität zu erreichen, werden nicht etwa Gesetze und Normen liberalisiert, sondern es müssen elementare Freiheitsrechte eingeschränkt, wenn nicht ganz abgeschafft werden. Es herrscht alleine die Funktionärsclique – über ein unterdrücktes Volk!
„Demokratie“ wird zu einer Scheinveranstaltung umgebogen, und ein Riesen-Überwachungsapparat ist nötig, um etwa aufsässige oder insubordinierende Werktätige in Schach und Proportionen zu halten.

„Diese Wirtschaft tötet“

Man darf aber doch die Frage stellen, wieviel die Kirche von Wirtschaft versteht, wenn Papst Franz folgender Satz zugeschrieben wird: „Diese Wirtschaft tötet“ (FAZ 24.12.13). Es ist auch nicht zu übersehen, daß solche Aussagen von „aufgeschlossenen, modernen“ Priestern Sonntag für Sonntag gepredigt werden (man schaue nur ´mal „Das Wort zum Sonntag“). Der Satz des Papstes klingt sehr radikal und absolut. „Diese Wirtschaft tötet!“

Ehe zu kurz gefolgert wird: Dieser Satz aus dem Lehrschreiben „Evangelii gaudium“ ist kein Bannstrahl – wie manche Linksgestrickten allzu schnell folgerten.
Aber er ist eine Kritik an den (allzu) Marktliberalen, die einen entfesselten Kapitalismus im Kopf haben. Das vernichtende Urteil des Papstes lautet: Dieser neue Markt ist der neue Gott. Und deshalb geißelt Papst Franz die Ökonomen, die diese Marktradikalität vertreten, als Begründer einer neuen Religion und verdammt ihren unchristlichen Glauben: Als „Tyrannei eines vergötterten Marktes“ beschreibt er diese kapitalistischen Auswüchse und analysiert folgerichtig: Diese Wirtschaft tötet! Dem ist nichts zu entgegnen. Womit eins ganz deutlich wird:

Marktradikalismus: ein Zerrbild der Marktwirtschaft

Der Papst hat nicht die Marktwirtschaft schlechthin verurteilt, sondern den Marktradikalismus. Und genau diesen will auch die Soziale Marktwirtschaft nicht!
Deshalb, folgert der Papst, sollten die kapitalistischen Strukturen (in Richtung von mehr sozialer Bindung) geändert werden – ohne den Kapitalismus insgesamt abzuschaffen.
In Wirklichkeit ist Kapitalismus in sozialer Verantwortung („Soziale Marktwirtschaft“) ein Grundbestandteil von echter Demokratie und damit Ausdruck von Freiheit: freies Wirken und Entfalten des Bürgers als autonomes Wirtschaftssubjekt – mit Privat-Eigentum – aber immer eingebunden in eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.

Konsumismus degradiert den Menschen

Der schiere Marktradikalismus degradiert den Menschen zum reinen homo oeconomicus, zum Objekt von Markt und Wirtschaftsmacht, und beraubt ihn seiner Seele. Folgerichtig verurteilt „Evangelii gaudium“ dies als „Degradierung der Person“: Der Mensch wird wie ein Konsumgut betrachtet und damit seiner von Gott gegebenen Würde beraubt.

Zurück zu Papst und Christentum: Die Frage darf erlaubt sein (und wurde auch oft schon gestellt), ob und wie Christentum und Marktwirtschaft miteinander vereinbar sein können. Meine Antwort ist klar „Ja!“ – wenn mit Marktwirtschaft die Form gemeint ist, die eine bedeutende soziale Komponente umfaßt.
Vermutlich (wir wissen es ja nicht so genau) ging es Papst Franz bei seinem oben zitierten Satz um die Auswüchse eines ungehemmten Kapitalismus. Da ist ihm zuzustimmen. Auch im Kampf gegen Elend und Hunger auf der Welt.

Hoffentlich läßt sich der Papst dadurch aber nicht von der Erkenntnis ablenken, daß Kapitalismus in der Form der Sozialen Marktwirtschaft kein Teufelswerk, sondern im christlichen Sinne geradezu geboten ist.
Die Frage heute also lautet eben nicht mehr: „Kapitalismus oder Sozialismus?“, sondern: „Welchen Kapitalismus wollen wir?“  –  Oder kennt der Papst vielleicht einen „sozialen Sozialismus“? (Wobei ein solcher in der Wirtschaftsgeschichte ohne Beispiel sein dürfte.)
Peter Helmes ist politischer Schriftsteller und betreibt die Webseite: www.conservo.wordpress.com

Kommentare

13 Antworten

  1. Zwischen fast und beinahe zu unterscheiden ist schwierig. Tatsächlich hat sich die katholische Kirche auf den Weg des Kommunismus begeben. Damit liegt sie natürlich auf der allgemeinen Wertewelle. Nur was bedeutet dieser Kommunismus tatsächich. Alle Werte Jesus müssen konsequent geleugnet werden. Freiheit ist nur noch im Rahmen von undemokratischen Herrschern erlaubt und selbst freiwilliges Leben in Armut wird zum Problem.

    1. @ allmächt
      Wo sehen Sie heute Freiheit für schwer arbeitende und ausgenützte Arbeitern in beiden wirtschaftlichen Systemen? Arbeiter, die trotz täglichem Arbeiten kaum ihre Familien selber ernähren können. Papst Franziskus möchte sicher nicht den Kommunismus haben. Das wäre eine groteske Behauptung, sondern er möchte eine durch die menschliche Vernunft kontrollierte Marktwirtschaft. Auch Papst Benedict hat immer wieder die Wirtschaft zur Vernunft gemahnt und von den falschen Auswüchsen gewarnt. Ohne Regeln geht es einfach nicht.
      Da stellen Katholiken zu Recht gerne Regeln im Zusammenleben auf wie z. B. Abtreibungsverbot, Verbot für Genmanipulation und Forschung mit Embryonen, Familienrecht für die Kinderaufklärung, Verbot von Sterbehilfe usw. und auf der anderen Seite meinen die gleichen Gruppen, dass die Wirtschaft keine Regeln um zu Funktionieren braucht. Trotzdem bräuchte es keine Regeln, wenn sie die überwiegende Mehrheit der Menschheit an die von Jesus vorgegebenen Werte halten würde. Doch genau das tut die überwiegende Mehrheit der Menschen nicht. Darum brauchen wir Regeln, die von den Benachteiligten oft mit ihrem Leben hart erkämpft werden mussten.
      Was sagt Papst Franziskus:
      „Autonomie der Märkte“ und die Bestreitung aller „Kontrollrechte der Staaten“ als Wurzel allen Übels brandmarkt: „In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Marktes, die zur absoluten Regel werden.“
      (Zitat aus Wikipedia)
      2010 kritisierte Bergoglio das Verlagern von Unternehmensgewinnen ins Ausland als Sünde. Sowohl Kapitalismus als auch Kommunismus bewirkten eine Herrschaft des Geldes, der Vetternwirtschaft und des Hedonismus. Hilfe für die Armen sollte nicht institutionalisiert, sondern durch persönliche Kontakte gegeben werden. Nächstenliebe werde oft instrumentalisiert. Am besten sei Hilfe von Armen für Arme.
      Der Papst wird das Wirtschaftssystem weder durch seine Worte noch seine Taten (vorbildlich einfaches Leben) ändern können und das weiss er selber. Ein Papst muss ermahnen und manchmal trifft es eben auch diejenigen, die bisher sich in bigotter Weise als schon Gerechtfertigt und intelligenten Worte von Papst Benedict. Da konnte man unbemerkt Gelder verstecken und geizig sein (Geiz ist geil usw.), obwohl auch Papst Benedict ermahnte (aber natürlich nett und intellektuell). Es ist bemerkenswert, wie nervös viele von uns gut Gestellten werden. Da haben doch auch gute Katholiken, die sonntäglich in die hl. Messe gehen und mit „reinem“ Herzen zur Kommunion gehen, gerne mal die Steuern „optimiert“. Man geht fleissig zur Beichte und möchte natürlich nicht wissentlich beichten, dass man, wenn auch zu Bruchteilen, zu den denjenigen gehört, die der Papst „Wirtschaft tötet“ bzw. Sünder (indirekt Mörder) genannt hat. Fertig ist nun die schöne Ruhe und man klammert sich mit Wehmut an einen Bischof Tebartz-van Elst und hofft, dass dieser wenigstens moralisch das Blatt nochmals wenden könnte. Doch vergebens, glauben Sie mir. Wir alle müssen mit diesem Schmerzen leben lernen.
      Ich bin sogar der Ansicht, dass die wirtschaftlichen und politischen Probleme wegen unseren verhärteten Herzen bis zur Unerträglichkeit schlimmer werden. Vielleicht verstehen wir dann die mahnenden Worte von Papst Franziskus besser.

      1. Korrekturen:
        (…) Auch Papst Benedict hat immer wieder die Wirtschaft zur Vernunft [ermahnt].
        (…) dass die Wirtschaft keine Regeln braucht [um zu Funktionieren].
        Trotzdem bräuchte es keine Regeln, wenn [sich] die überwiegende Mehrheit (…)
        (…) die bisher sich in bigotter Weise als schon Gerechtfertigt [sahen].

      2. „… sondern er möchte eine durch die menschliche Vernunft kontrollierte Marktwirtschaft…“:
        Ja, wo steckt sie denn nur, die „menschliche Vernunft“?
        Wenn der Papst und seine Berater WIRKLICH vernünftig wären, wüßten sie, daß (solche) Appelle letztlich nicht das Problem lösen; denn es handelt sich bei dem Mangel an „Vernunft“ um Mangel an LIEBE, WEISHEIT und um die Herrschaft der „Krankheit“, des „Übels“, der „Unreife / Unweisheit“, der „Sünde“, der „Abtrennung“ (im Bewußtsein), der „Kollektiven Neurose“, der „Krankheit der Gesellschaft“ – wie z.B. Dr. Wilhelm Kütemeyer sie Anfang der 60er Jahre genannt hat; die aber schon im Alten Testament ebenso wie im Neuen Testament – mehrfach – erwähnt und in ihren Symptomen deutlich beschrieben wird. Daraus läßt sich eindeutig erkennen, daß es sich bei der damaligen Krankheit um die selbe handelt, unter der die jetzige zivilisierte Gesellschaft noch immer leidet – obwohl allermeist unbewußt, denn ein wesentliches Symptom ist das „Nicht-erkennen-können/wollen“ der Erkrankung, die „Krankheitsuneinsichtigkeit“ bzw. „Non-Compliance“.
        Wenn man sich die zivilisierte Gesellschaft ohne die Scheuklappen der Neurose, ohne Angst, ansieht, erkennt man die Symptome der Krankheit überall. Ich habe in meinen fast 67 Lebensjahren die Welt aus überdurchschnittlich vielen Blickwinkeln gesehen und, seit ich den Weg der Heilung von der Neurose – ab 1991 – gegangen bin, die Vielfalt der Symptome entsprechend wahrgenommen. 1992 gründete ich eigens eine Initiative zur Aufklärung über die Neurose (als Ursache der „Globalen Krise“) und über die real gegebene Möglichkeit der grundlegenden Heilung – in jedem Einzelfall.
        Leider waren bisher die von mir angesprochenen Institutionen – vor allem die Politik, Kirchen, Universitäten, Verbände, usw. – nicht offen dafür. Obwohl die Symptomatik – „dramatisch“, wie die Insitutionen einräumen – WÄCHST und die zivilisierte Gesellschaft WIEDER auf eine Katastrophe zudriftet, auf eine „Kollektive PSYCHOSE“ (1933-1945 war so eine), die in Abständen von grob durchschnittlich 50 Jahren immer wieder ausbricht als „Akute Krise“, als „Schub“ / „Episode“ der darunter permanent wütenden „Kollektiven NEUROSE“.
        DAS zu erkennen ist die Aufgabe / Herausforderung, die sich uns, der zivilisierten Gesellschaft, stellt, UND, den Weg der grundlegenden Heilung zu erkennen, zu wählen und zu gehen.
        Wie gesagt, „Appelle“ helfen nicht bei Krankheit; es muß WAHRE HEILUNG sein; sonst gehen wir an und mit der Krankheit unter. Völlig – möglicherweise. Und das würde „Aussterben“ bedeuten.
        Es wird höchste Zeit, darüber OFFEN, OHNE ANGST, zu kommunizieren.
        „Die Liebe treibt die Furcht aus“.
        Herzlichen Gruß!

      3. Siehe auch die Mondragon Genossenschaft als weltgrößte erfolgreiche Jobmaschine und Jesuiten-Gründung im Baskenland in Spanien gemäßt der katholischen Soziallehre.

  2. Das Lebensprogramm des Hl. Franziskus waren die folgenden Bibelsätze zu Grunde gelegt:
    „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“(Mt 19,21 EU)
    „Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd.“(Lk 9,3 EU)
    „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“(Lk 9,23 EU)
    Ich denke, dass Papst Franziskus kein spezielles Wirtschaftssystem meint. Sondern viel mehr die Haltung der Menschen zu Gerechtigkeit, Besitztum und Geld. Das Wirtschaftssystem ist eine „Hilfskrücke“, die mehr oder weniger gut unterstützen kann, was das Evangelium vom Christen für den Nächsten (z.B. solidarisches Rentensystem, Krankenkassen usw.) erwartet. Wenn sehr Reiche und Privilegierte, die gleichzeitig noch gläubige Christen sind, nervös werden, wie und was wohl Papst Franziskus damit gemeint haben könnte, dann muss er seine Sache ja besonders gut gemacht haben.
    Wenn Papst Franziskus von „Die Wirtschaft tötet“ spricht, dann drückt er klar aus, was die Folgen solchen übermässigen Tuns sind. Damit warnt er offensichtlich die all zu freudigen Befürworter und heuchlerischen Profiteure eines ungerechten und masslosen Wirtschaftssystems, das nur wenige begünstigt und viele benachteiligt. Der Mörder geht, sofern er nicht vorher bereut und Busse tut, in die ewige Verdammnis, weil Mord nach der kath. Lehre zur Todessünde gehört. Denn für jeden Getöteten (dazu gehören auch diejenigen die unverschuldet an Hunger sterben) wird die Gerechtigkeit Gottes auch Rechenschaft verlangen. Also von uns allen und jedem nach dem gerechten Mass seiner Mitschuld. Ob wir da eine Kultur des Neides (das Argument der Armen) in die Waagschale werfen können, wage ich sehr zu bezweifeln.
    „Die Todsünde … zieht den Verlust des göttlichen Tugend der Liebe und der heiligmachenden Gnade, das heißt des Standes der Gnade, nach sich … Falls sie nicht bereut wird, zieht sie den ewigen Tod in der Hölle nach sich.“ (KKK Nr. 1861).
    Es nützt den Profiteuren nichts, wenn sie sich auf die Rechtsstaatlichkeit ihres Handels berufen (z.B. legale Steueroptimierung) oder gar glauben, dass den Arbeitenden einen gerechten, sprich lebensnotwenigen Lohn vorenthalten werden könnte, weil es das Wirtschaftssystem nicht anders erlaubt (wegen der Mitkonkurrenz usw.) und dann gleichzeitig schon fast in bigotter Weise gerade dieses System als das einzige Mögliche vergöttern. Da sind noch die Masslosen, welche die angebliche gottgegebene Steuerhinterziehung und andere illegale Geschäfte betreiben um ihr Wohlstand zu verbessern und diejenigen verhöhnen, welche nichts gleiches tun wollen oder können. Wo bleibt da der christliche Mut vom hl. Franziskus, der restlos überzeugt war, dass Gott alles lenken und fügen kann, was der Alltag verlangt? Es gibt Christen, die glauben allen ernstes, dass der Kapitalismus Gott gewollt sei und selbst Gott es nicht besser machen könnte für die Erdenmenschen.

    1. „Wenn…Reiche…nervös werden“, hat der Papst noch lange nicht „seine Sache…gut gemacht“. Offensichtlich hat Christus in Mt 19,21 einen ganz persönlichen, individuellen Rat gegeben, denn wenn alle Reichen (wer immer das sein mag) ihren Besitz verkaufen wollen, ist niemand da, ihn zu kaufen – der Besitz ist wertlos, und alle sind arm. Dummerhaftig war unser Herr nicht!
      Unser Wirtschaftssystem ist das einzige, das nachhaltig Wohlstand erzeugt, und das Gangstertum Einzelner (das vom Staat geförderte „Steuersparen“ gehört auch dazu!) ändert daran nichts. Noch hat uns Gott kein besseres System geoffenbart; auch das Konzil hat einen „gerechten Lohn“ nicht definieren können… Es ist das sündige Fehlverhalten (Egoismus, Unmenschlichkeit), das anzuprangern ist, nicht das System! Wer aber getraut sich noch, von Sünde zu sprechen?!
      Wer die Armut in der Welt auf unser Wirtschaftssystem zurückführt, zeigt weder ökonomische noch politische Kenntnisse und verschleiert Ursachen und Zusammenhänge. Einer solchen ideologischer Verblendung sei der Papst verfallen – wirklich?
      Aber wer sind wir denn, den Hl Vater zu interpretieren, über seine mutmaßliche Meinung zu spekulieren? Kann er als Erster Glaubenslehrer sich wirklich nicht unmissverständlich ausdrücken – oder will er das gar nicht?

      1. „Unser Wirtschaftssystem ist das einzige, das nachhaltig Wohlstand erzeugt, „:
        Das würde noch nicht einmal zutreffen, wenn man das von Ihnen falsch verwendete Wort „WohlSTAND“ durch „WohlHABENheit“ ersetzte – denn wohlHABEND ist nur eine begrenzte Zahl von Menschen und viele sind es nicht.
        WohlSTAND ist ein „ganzheitlicher“ Begriff und schließt alle Aspekte ein, zum Beispiel auch Gesundheit und Freude am Leben – davon ist aber ein großer (und wachsender!) Teil der Bevölkerungen weit entfernt.
        Ich bin Betriebswirt und habe mich auch außerhalb des Studiums (2. Bildungsweg) viel mit den Grundlagen und Alternativen befaßt. Schon mein Großvater, Sproß einer alten Hanseatenfamilie Hamburgs, Jahrgang 1902, hat sich schon früh politisch interessiert und engagiert und war sich über die Hohlheit des Systems im Klaren.
        Ich habe die „Krankheit der (zivilisierten) Gesellschaft“, die „Kollektive Neurose“, „emotionale Pest“ / „Biopathie“ (W. Reich), die „Pathologie der Normalität“ (Fromm) usw. 1990 erkannt und den Zusammenhang mit der „Globalen Krise“.
        Wir brauchen kein ANDERES „Wirtschafts-System“ und wir brauchen das JETZIGE ebensowenig – denn es ist untauglich bzw. entstanden unter dem Einfluß der o.g. Krankheit.
        Was wir brauchen, ist die grundlegende Heilung dieser Krankheit – und die Rückkehr zur Harmonie mit dem EINEN „System“, dem „natürlichen System“, dem von Gott bzw. dem höchsten universellen Prinzip vorgegebenen „System“.
        Die allermeisten Menschen der zivilisierten Gesellschaft ignorieren / leugnen / verdrängen oder verharmlosen die „Kollektive Neurose“ bzw. erkennen die wahre Tiefe / Tragweite und Zusammen hänge nicht. Selbst die Wissenschaftler, die vom Fach her damit zu tun haben, die Soziologen. Weil sie selbst betroffen / beeinträchtigt sind und den Grad der Beeinträchtigung nicht erkennen (können), sondern allenfalls die „Spitze des Eisbergs“.
        DAS ist das Problem, das es zu lösen gilt.

      2. Ich bin der Meinung, dass Papst Franziskus nicht ein spezielles Wirtschaftssystem meint, sondern in erster Linie das Verhalten der Menschen in diesen Systemen. Denn weder der Kapitalismus, noch der Kommunismus zeigen eine Gerechtigkeit gegenüber den Benachteiligten, die den Namen christlich oder auch nur menschlich human verdienen. Zu allen Zeiten und in allen Systemen fanden Menschen Möglichkeiten in ungerechter und verderblicher Weise (auch zu ihrem persönlichen seelischen Schaden) sich zu privilegieren. Im Bösen sind sich alle politischen und wirtschaftlichen Systemen erstaunlich ähnlich.
        Übrigens könnte jedes System auch zum Segen für die Menschheit werden, wenn die christliche Gerechtigkeit und Nächstenliebe die oberste Maxime der Menschheit wäre. Kein wahrer Christ würde je behaupten, dass Gott die Geschicke in einem solchen Fall nicht zum Besten lenken könnte. Im Gegenteil, die Menschheit wäre reich mit Gnade und Hl. Geist ausgestattet, um selbst für den menschlichen Verstand fast unlösbare Schwierigkeiten überwinden zu können. Doch die Welt gehört nun mal dem Widersacher und gerade dieser bedient sich jedem menschlichen Systems (insbesondere auch dem Wirtschaftssystem jeglicher Art) um auf jede erdenkliche Weise den Armen und Reichen zu schaden. Demzufolge sind die negativen Auswirkungen in jedem System anzumahnen und nicht in höfischer Freundlichkeit anhänglich zu werden.
        Der Papst Franziskus meint diesen ungerechten Menschen und lässt sich nicht auf die Frage ein, ob ein System besser als das andere sei. Ich möchte das auch nicht tun. Jedes System hat seine eigenen Mechanismen, die boshaftes Handeln ermöglicht und teilweise sogar legalisiert. Der Papst weist darauf hin, dass gewissenloses Handeln nicht gerechtfertigt ist, nur weil es sogar legales Mittel des jeweiligen Systems ist, sondern er weist auf die göttliche Erwartung an die Gerechtigkeit hin, der wir uns alle ausnahmslos stellen müssen. Wenn wir also meinen, dass wir uns nicht bemühen müssen, weil es nicht so klar sein soll oder das jeweilige System allzu verführerisch ist oder ein anderes Handeln nicht zu lässt (das machen ja nur die Dummen, die nichts davon verstehen!), dann werden wir uns der Tatsache nach dem Tode stellen müssen, dass Gott es ganz bestimmt ganz genau weiss. Nach dem Tode werden wir wahrscheinlich beschämt und mit diesseitig nicht vorstellbarer Genauigkeit uns selbst anklagen und auch das Gute, das wir nicht getan haben, genau kennen. Ein intellektuelles Gejammer über die angebliche Unmöglichkeit im jeweiligen System wird den Privilegieren kaum möglich sein; die Benachteiligten werden in dieser Frage gerechtfertigt sein. Folgendes Bibelzitat zeigt uns das deutlich genug (und es ist nicht das einzige!):
        Folgendes wird in Bibel berichtet:
        Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Lukas 14, 7-11
        Es ist geradezu Pflicht, das der Papst auf die Missstände mutig hinweist und den Schuldigen die Folgen ihres ruchlosen Handels benennt. Er ist äusserst mutig und spricht indirekt von Mördern. Im zitierten Bibelzitat sind diejenigen nicht genannt, die sich in verlogener Bescheidenheit auf den hintersten Platz setzen und dann im besten Fall und zu ihrer eigenen Überraschung dort bleiben oder sogar von der Hochzeit ausgeladen werden. Das sollten wir nie vergessen.

  3. Keiner der letzten zehn Päpste hat so viele Kommentatoren verbraucht, die zu erklären suchen, was er nun eigentlich gemeint haben möchte und was nun aber wieder nicht – keiner hat so widersprüchliche Verständnisse hervorgerufen: „Wes das Herz voll, des Maul läuft über“.
    Beten wir, dass er aus dem Habitus des Dorfpfarrers rechtzeitig herauswächst und seine Verkündigungen die notwendige Präzision erreichen!

      1. Das ist richtig, und ich wollte keinem Pfarrer zunahetreten, zumal es in meiner Pfarrei sonntags die „Christenlehre“ gab – vor einem halben Jahrhundert. Derzeit aber scheint sich ein Gegensatz zu bilden zwischen „Glaubensleben“ und „Glaubenslehre“, und der Hl Vater erweckt den Anschein, die Glaubenslehre überwinden zu wollen, sie für nebensächlich zu erachten. Das Schlimme ist, dass er so – wie die vielen selbsternannten Konzilsinterpreten – zur Verwirrung beiträgt – ja, sie erzeugt.
        Mögen die Freiräume, die sich durch die Betonung des „Pastoralen“ (was immer das sein mag) öffnen könnten, vom Hl Geist erfüllt werden und nicht vom Widersacher!

  4. An Herrn Peter Helmes,
    bei der Frage: „Welchen Kapitalismus wollen wir ?“ würden ich eher mit `Soziale Marktwirtschaft‘ antworten als mit „Sozialer Kapitalismus`, denn den gibt es nur sehr lückenhaft. Grund: Das sozial verpflichtete (Groß- Eigentum) ist spärlich gesät Die edle Idee scheitert schon an dem ach so menschlichen Aspekt der Besitzstandswahrung. Damit gerät auch bei so wohlwollenden Kapitalisten, wie etwa Linde, jede soziale Regung in den Bereich der Mitleidsgabe, die am akkkumulierten Vermögen nichts mindert.
    Soziale Marktwirtschaft geht von einer gerechteren Einkommensverteilung aus, als es der Wirtschaftsradikalismus je zulassen würde. Ferner inkorporiert sie sich die Mitbestimmung der Arbeitsnehmer als neues soziales Phänomen, auch ein in der Welt nach 1949 ziemlich einmaliges Element. Die Soziale Marktwirtschaft schließt aber immer noch eine spürbare, breitgestreute Vermögensverteilung aus. Die wiederum kann in Rechtssystemen nur über Freiwilligkeit oder über die Steuergesetzgebung erreicht werden,da hierbei revolutionäre Verteilungsakte unmöglich sind.
    Papst Franziskus wäre also gut beraten, radikale Wirtschaftsformen zugunsten einer sozialen Marktwirtschaft auszuschließen. Er scheint mir lernfähig, aber eben als Südamerikaner (italienischen Ursprungs) zu aufgeschlossen für linkstendierendes Ideengut, etwa eines Illich, Freire oder auch Boff zu sein. Religiös/ innerkirchlich ist er reformbedacht und eckt bei den Konservativen in seiner Kirche häufig an.
    Wir kennen uns, und von daher hoffe ich auf Ihre Verständnis für die leichten Divergenzen in unserem Einschätzungen.
    Ihr
    W. Keweloh
    Sprecher / Akademiekreis
    I

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