Von Thomas Dapper
Wir alle kennen das Spiel mit den Dominosteinen, die in einer Reihe aufgebaut werden und bei dem der erste Stein eine Kettenreaktion auslöst. Danach stößt ein Stein den nächsten um.
Dieses Bild ist aktuell übertragbar auf die Initiative des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, der zufolge jede Landsmannschaft deutscher Vertriebener (also der Schlesier, der Pommern, der Preußen, der Donauschwaben, der Sudetendeutschen, der Banater Schwaben, der Bessararabien- und Dobrudschadeutschen, der Siebenbürger Sachsen, der Ostbrandenburger, der Russlanddeutschen und natürlich auch der Oberschlesier) ein eigenes Landesmuseum erhalten und dauerhaft auch in eigener Verantwortung betrieben werden sollen. 
Nun soll aber das Oberschlesische Landesmuseum geschlossen werden. So fällt der erste Dominostein und damit ist einer Relativierung der vielfältigen deutschen Kulturen aus dem osteuropäischen Raum nicht allein Tür und Tor geöffnet, sondern es steht buchstäblich die Büchse der Pandorra vor der Öffnung.
Fällt das Oberschlesische Landesmuseum kann als nächstes das Haus der Heimat in Baden-Württemberg oder das Westpreußische Landesmuseum in Warendorf oder das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm oder irgendein anderes Landesmuseum, ein Haus der Heimat von einer Umwidmung dem Zeitgeist folgend oder gleich von der Schließung bedroht sein. 
Es ist interessant, dass auf Helmut Kohls Initiative als erster Herbert Czaja (siehe Foto) einging und so die Gründung des Oberschlesischen Landesmuseums als eines der Ersten vor allen anderen erfolgte.
Aus dieser erstgenannten Perspektive haben alle Vertriebenenverbände, Landsmannschaften, Häuser der Heimat und sämtliche Einrichtungen der nach § 96 des Bundesvertriebenengesetzes geförderten Einrichtungen ein natürliches Interesse am Fortbestand des Oberschlesischen Landesmuseums am jetzigen Standort und unter den bisherigen Bedingungen.
Insofern dürfen die Befürworter des Bestehens und die Angestellten im Oberschlesischen Landesmuseum auf die Hilfe, die Solidarität und die tätige Unterstützung aller anderen Landsmannschaften und der Landesmuseen zählen. Denn „fällt das Oberschlesische Landesmuseum, fallen alle anderen hinterher!“
Der Leuchtturm ist eine europäische Drehscheibe
Bei der Feier zum 25. Bestehen des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm wurden die anwesenden Bundesvorsitzenden der Donauschwaben, Jürgen Harich, der Ungarndeutschen, Joschi Ament und der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber gebeten, in kurzen Worten zu benennen, wofür aus ihrer Sicht das Donauschwäbische Zentralmuseum steht.
Es war der ungarndeutsche Joschi Ament, der den Begriff der Drehscheibe ins Gespräch brachte. Er und seine Gesprächspartner stimmten darin überein, dass diese Drehscheibe in Ulm einerseits die hiesigen Vertriebenenverbände mit den Heimatverbliebenen in Ungarn, Rumänien, Serbien und Kroatien, aber auch in Sathmar, der Slowakei und anderen Donauanrheinerstaaten bis zur Ukraine in Verbindung bringt und in Verbindung hält.
Diese Drehscheibenfunktion hat auch das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen-Hösel. Alle Beschriftungen sind zweisprachig, also auf Deutsch und Polnisch zu lesen. Wer die eine Sprache beherrscht, wird die Begriffe der anderen Sprache bei Interesse spielerisch erlernen.
Damit sind wir beim Begriff des Leuchtturms: 
Das Oberschlesische Landesmuseum ist ein absoluter Wegweiser im Bereich der modernen Museumspädagogik, der Völkerverständigung mit Polen und Tschechien, der multimedialen Postmoderne, sowie des Erkenntnisgewinns sämtlicher Besucher.
Allein der virtuelle Rundgang durch ein Weltkulturerbe, dem Bergwerk in Tarnowitz (Anm. des Autors: Mein Urgroßvater Jakob Schröter war in diesem Bergwerk sein Berufsleben lang tätig und trug eine Staublunge davon), die 360°-Aufnahmen von Ronald Urbanczyk, die in kinogroßem Raum auf gebogener Leinwand präsentiert, den Eindruck von Science Fiction vermittelt, sind es Wert auch in 50 oder 100 Jahren in diesem beeindruckenden Museum in Ratingen-Hösel präsentiert zu werden.
Wer zudem die beiden Escape-Rooms im Keller des Museums erlebt hat, der weiß, dass diese Innovation noch längst nicht alle Landesmuseen der deutschen Vertriebenen erreicht hat. Eine Milchbar in Oberschlesien ist keine Milchbar, wie wir sie aus den USA oder in Westeuropa kennen. Es werden darin keine Milkshakes angeboten, sondern die oberschlesischen Milchbars gehen auf die gemeinsame Geschichte der Oberschlesier, bei denen die Grenzen zwischen Polen und Deutschen überdimensionierte Schnittmengen bedeuten, zurück. 
In meiner Familiengeschichte war mein Opa das vierzehnte Kind seiner Eltern und im Zweiten Weltkrieg teilten sich die Brüder auf: Die eine Hälfte kämpfte auf polnischer Seite, während die andere Hälfte auf deutscher Seite kämpfte. Diese Mentalität erklärt sich unter anderem auf der Gedenktafel einer Bergbauschule, die Namen der gefallenen Schüler im Ersten Weltkrieg ausweist.
Da mischen sich deutsche und polnische Familiennamen. Das Oberschlesische Landesmuseum hatte sich die Mühe gemacht, die Lebensgeschichten der Gefallenen Deutschen und Polen herauszufinden und so ist es heute möglich auf dem Monitor / Touchscreen die Lebensgeschichten beim Klick auf einzelne Namen des abfotografierten Gedenksteins nachzuvollziehen.
Allein die genannten Beispiele, die durch viele andere – auch interaktive – Bereiche des Oberschlesischen Landesmuseums erweitert und ergänzt werden, lassen es zu einem weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus strahlenden Leuchtturms für sämtliche Museen, die sich mit der Geschichte Deutschlands und Europas, von Natur und Technik und vielen anderen kulturellen und wissenschaftlichen Themen und Epochen publikumswirksam beschäftigen, werden.
Das Oberschlesische Landesmuseum inspiriert Museen in Polen, in Deutschland und in Tschechien, es zieht Besucher aus ganz Europa und Übersee an.
Begegnungen, Kulinarik und Bücher
Ja, es stimmt, Bücher verkaufen sich heute längst nicht mehr so gut, wie vor 20 oder 30 Jahren. Auch Fachbuchhandlungen, die lange existierten, mussten schon vor einiger Zeit schließen. Umso wichtiger ist, dass „special interest“ – Bibliotheken am Leben erhalten werden. Damit sei der Hinweis erlaubt, dass nicht jeder Verband in der Lage ist, Arbeitsplätze in Bibliotheken weiter zu finanzieren. 
Wenn sich vor fast zehn Jahren im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen etwa 15 Menschen als Studenten oder aus dem journalistischen Bereich pro Jahr in dieser großen und gut geführten Bibliothek für ihre wissenschaftlichen Studien oder Publikationsvorhaben, eingefunden haben, dann mag das zunächst unwirtschaftlich erscheinen und doch ist es absolut notwendig, dass diese Bibliotheken erhalten und weitergeführt werden.
Beim Sommerfest des Oberschlesischen Landesmuseums konnten faszinierende Bücher und Graphik Novels käuflich erworben werden. Sämtliche Besucher konnten sich an original oberschlesischen Gerichten erfreuen. Es gab eine Gulaschsuppe, die sehr lecker war und doch keineswegs mit einem Ungarischen Kesselgulasch vergleichbar gewesen wäre, dazu Bratwürste, Schmalzbrot mit Gurken.
Der schlesische Mohnstreuselkuchen war schnell ausverkauft und das Bier war noch in den Abendstunden hervorragend gekühlt. Das Sommerfest war beeindruckend gut besucht, es waren auch Nachbarn aus Hösel und Ratingen mit ihren Familien, darunter erstaunlich viele Kinder unter den feiernden Gästen.
Wenn von einer Ausstellungsfläche von 1.600 qm die Rede ist, kann der einzigartige und beeindruckende Außenbereich des Museums der eigentlichen Wahrnehmung entgleiten. Zwei Fahrzeuge aus Neisse, eine landwirtschaftliche Maschine aus Holz, ein Schienenfahrzeug, sowie das zum Symbol gewordene Förderrad aus dem Bergbau, stellen dabei mehr als nur „Deko“ dar. 
Es sind Fahrzeuge und Maschinen, deren Geschichten und deren Sinn auf Tafeln erklärt werden. Vermutlich kann nur in diesem Museum der Unterschied zwischen Oberschlesien und Niederschlesien verstanden, aufgearbeitet und eines Tages vielleicht sogar überwunden werden.
Wenn ein junger Mann sagt, er sei ein Aussiedler aus Schlesien, dessen Identität ein polnisches „Übergewicht“ vermuten lässt, dann fühlt er sich im Oberschlesischen Landesmuseum „zuhause“, verstanden und „anerkannt“.
Von Schließung bedroht ohne Not
Nein, Museen in Deutschland sind keine Publikumsmagnete. Nein, Museen der Vertriebenen sind erst recht keine Publikumsmagnete. Wenn aber im ersten Halbjahr 2025 bereits etwa so viele Menschen den Weg ins Oberschlesische Landesmuseum gesucht und gefunden haben, wie im gesamten Jahr 2024, dann erwarten die Menschen im Team in Ratingen-Hösel zurecht in diesem Jahr 10.000 Besucher.
Das mag aus betriebswirtschaftlichen Gründen noch nicht reichen, um sämtliche Kosten zu decken, aber es zeigt, dass das hypermoderne Konzept des Museums inzwischen doch zu einer öffentlichen Relevanz aus eigener Kraft, Motivation und der modernen Innovationen geworden ist.
Die Auflösung der umfangreichen Bestände droht beim Verlust des etablierten Standorts in Hösel, sowie beim Verlust der Ausstellungsfläche um 1.300 Quadratmeter im Innenraum und dem Verlust der Grünflächen mit ihren technischen Exponaten. Zudem kann der Standort im „Offenen Depot“ des Ruhrmuseums in Essen dem interessierten Publikum nicht im Ansatz bieten, was das Team um Dr. David Skrabania und seinem Vorgänger Dr. Stephan Kaiser seit Jahren in Ratingen-Hösel leistet.
Wer dazu noch weiß, dass das Land Niedersachsen auf der Suche nach Standort und Konzept ist, um ein wie auch immer geartetes Museum auf die Beine zu stellen, kann die Idee der Schließung und der Verkleinerung von 1.600qm auf 300qm in einem Museumsdepot an einem nicht seit über vier Jahrzehnten etablierten Standort nur für das halten, was es ist: Ein absurder Wahnsinn!
Stattdessen haben die Mitarbeiter um Dr. Skrabania für ihre beispielhafte und innovative Arbeit, aber auch Engagement der Altvorderen, die viel gerühmte Wertschätzung verdient, die eine Schließung durch massiver Verkleinerung und Verlegung konterkariert.
Fotos: Thomas Dapper





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Ein Kommentar
Die dort herrschende CDU hat andere Prioritäten — am besten ein Luxusasyl für ukrainische Deserteure