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Regensburger Oberhirte erinnert in der Causa Benedikt an rechtsstaatliche Grundsätze

Stellungnahme von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer:

Drei Beobachtungen
Es ist grotesk, dass sich über eine „Quaestio facti“, also eine Tatsachenfrage, die durch die Einsichtnahme der Quelle  –  sprich das Protokoll –  mit Leichtigkeit und eindeutig geklärt werden kann und  – wie die auf Quellenrecherchen beruhende Biographie von Peter Seewald belegt –  längst geklärt ist, eine lang anhaltende Diskussion entspinnt und dass sich in der Wahrnehmung vieler ein fast 2000-seitiger Text auf diese eine Frage reduziert.

Man sieht, wie verzerrt und ideologisiert der Rezeptionskontext ist, und dass es um alles mögliche andere geht als um Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung von Wunden.

Zweitens:
Der Professor für Strafrecht und „Spiegel“-Kolumnist, Thomas Fischer, hat im Zusammenhang mit dem WSW-Gutachten eine problematische Abkehr von der Rechtskultur beobachtet und kritisiert.

Sein Hauptpunkt: Dieses neue Gutachtenwesen, also die Beauftragung von Anwaltskanzleien zur Wahrheits- und Gerechtigkeitsfindung verletzt in erheblichem Maße rechtsstaatliche Prinzipien.

Ermittler, Ankläger und Richter – und ein Mitbruder in der DBK hat noch hinzugefügt: auch der Henker  –  alles in einer (vom Auftraggeber intransparent ausgewählten und teuer bezahlten) Hand, und dazu noch gleich das psychologisch-ekklesiologische Gutachten!

Mit welcher Kompetenz eigentlich?

Die Studie verdient  –  ebenso wie die MHG-Studie auch –  eine eingehende wissenschaftliche Analyse, und solange der Institutionenvergleich fehlt, sind alle Konsequenzen, die daraus zu ziehen gefordert werden, in der Gefahr, nur Projektionen zu sein.

An mehreren Punkten habe ich selbst begonnen, diese wissenschaftliche Analyse vorzunehmen. Einen Punkt greife ich heraus.

Und damit drittens:
WSW sind sehr bemüht, im Hinblick auf den Zeitindex zu belegen, dass man immer, gerade auch in den 1970er und 1980er Jahren, die Opferperspektive hätte einnehmen können und müssen, weil dies oft auch belegt sei, wie eine Analyse der Gerichtsurteile belege.

Kleingeredet wird dagegen der unbestreitbare Tatbestand, dass die Strafrechtsreform 1973 den Verbrechenscharakter des Kindesmissbrauchs aufgehoben hat (bis er im letzten Jahr wieder eingeführt wurde), auch nicht, dass dies geschah mit Berufung auf sexualwissenschaftliche Thesen, wonach die Vernehmungen den Kindern mehr Schaden zufügten als der Missbrauch selbst. Und in einer psychologischen Fachzeitschrift war im Blick auf den sexuellen Kindesmissbrauch und seine strafrechtliche Bewertung sogar vom „Verbrechen ohne Opfer“ die Rede.

Mir drängt sich die Einsicht auf: Das WSW-Gutachten ist ganz offenkundig von dem klaren Interesse geleitet, diese Entwicklung kleinzuschreiben, um damit die Schuld derer, die zu wenig sensibel waren und die Opferperspektive vernachlässigt haben, größer erscheinen zu lassen.

Ich wünsche mir eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Voraussetzungen und geheimen Agenden aller hier immer wieder angeführten Studien.

Und der Verdacht drängt sich auf, dass das wahre Problem der Amtsträger in den vergangenen Jahrzehnten darin bestand, sich zu sehr an den Zeitgeist angepasst zu haben und zu wenig ihr klares Profil, gespeist aus der kirchlichen Lehre von der Verortung der gottgegebenen Sexualität in der Ehe zwischen Mann und Frau aufrecht erhalten zu haben.

Die Reformen des Synodalen Weges sind aber offensichtlich auch in überwiegendem Maße Anpassungen an den Zeitgeist und Verwässerung unseres Profils.

Quelle: https://bistum-regensburg.de/news/dritte-synodalversammlung-am-3-februar-2022

Fotos: Bistum Regensburg, Felizitas Küble

Kommentare

11 Antworten

  1. Gender-Theoretikerin Claudia Janssen (EKD) macht Front gegen Birgit Kelle und Gabriele Kuby

    Leiterin des Gender-Studienzentrums der EKD übt in evangelische Zeitung Zeitzeichen dürftige Kritik an Gender-Gegnern und rückt diese mit populistischem Eifer in die Nähe des Rechtsextremismus

    Ein Zwischenruf von Kurt J. Heinz

    MEDRUM) Birgit Kelle und Gabriele Kuby gehören zu den wichtigsten „Impulsgebern“ für die Ablehnung von „Gender“. Das schreibt die Leiterin des Gender-Studienzentrums der EKD, Claudia Janssen, in der evangelischen Zeitschrift Zeitzeichen (Printausgabe 4/2015) und rückt die Autorinnen Kelle und Kuby in die Nähe des rechten Extremismus – allerdings mit wenig überzeugenden Argumenten.

    https://medrum.de/content/gender-theoretikerin-claudia-janssen-ekd-macht-front-gegen-birgit-kelle-und-gabriele-kuby

  2. Professor Reinhard Lempp (gest. 2012) war jahrzehntelang hochangesehener Psychiater und Autor vieler Bücher; er hat sich jedoch in den haarsträubenden Aussagen zum kindlichen MIssbrauch und seiner angeblichen Harmlosigkeit abgrundtief geirrt! Dies lag aber ganz auf der Linie der damaligen Zeit und spielte auch Typen wie Kentler und den „Reformpädagogen“ der Odenwaldschule und den Pädo-Ideologen der Grünen in die Hände, die unterschwellig ja daran arbeiteten,“liebevollen“, „gewaltslosen“ , „einvernehmlichen“ pädokriminellen Sex als pädagogisch sinnvoll und nicht schädigend für die Kinder und Jugendlichen zu etablieren. Motto: Nicht unnötig darüber sprechen! Die negativen Reaktionen der Eltern sind es ja erst, die das Kind schädigen! Wie diabolisch und vekehrt! – Heute sieht man die offensichtlichen fast ermordeten Seelen der Betroffenen! Dass einzelne, zeitgeistige, oft besonders liberale Priester sich über die tradierte Lehre der Kirche (die eindeutig dieser „Reformpädagogik“ widersprach) hinweggesetzt haben und als Triebtäter immer mehr zu Verbrechern wurden – der entfesselte Trieb wird übermächtig und nicht mehr steuerbar – , Schweinerei nicht mehr so benannten, die permanente Lüge auf ihren Lippen trugen, dass personalverantwortliche Männer in den Ordinariaten den Blick nicht auch auf das Kind und den Jugendlichen richteten und dort nachfragten, das ist schweres Versagen – aber im Kontext der damaligen Zeit und auf dem Hintergrund solcher Psychiateraussagen zu beurteilen. Heute lehren uns die Berichte und Schädigungen der Betroffenen etwas Erschütterndes: Es gibt Untaten, deren Auswirkungen verfolgen die Menschen wie schwere Strafen bis ins 5. Glied, also über Generationen hinaus. So steht es im AT. Das sind Untaten, für welche Jesus das Mühlsteinbild wählte, um die wahnsinnige Schwere des Verbrechens anschaulich zu machen. Jesus sagt auch, dass schon Worte Mord sein können! Um wieviel mehr dann perverse Taten an Kindern! Das aber müssen sich ebenfalls die 99% der Missbrauchstäter in unserem Land hinter die Ohren schreiben, die nicht aus dem klerikalen Umfeld kommen sondern normale Onkel, Väter, Pflegeväter, Großväter und Lebensgefährten sind!

  3. Von der Sache her kann ich Bischof Voderholzer weitgehend zustimmen.

    Dennoch frage ich mich: Was soll in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass Kindesmissbrauch zur damaligen Zeit von einigen Kreisen nicht als Verbrechen angesehen wurde? Die Kirche – und gerade die konservativen Christen – erhebt doch den Anspruch, möglichst unbeeinflusst von der „Welt“ und dem „Zeitgeist“ zu sein. Und in den achtziger Jahren war das deutsche Episkopat tatsächlich noch konservativ. Die sahen Kindesmissbrauch sehr wohl als schwere Sünde. Aber nach Einschätzung vieler (und ich schließe mich dem zum Teil an) wollten Sie das Thema eben möglichst wenig hochkochen lassen, um der Institution Kirche nicht zu schaden.

  4. Bischof Voderholzer hat heute bei der Synodalversammlung die „Berufung auf sexualwissenschaftliche Thesen, wonach die Vernehmungen den Kindern mehr Schaden zufügten als der Missbrauch selbst“ eigens thematisiert, woraufhin er sofort von Missbrauchsopfern verbal angegriffen wurde, die prompt bei Bischof Bätzing empörte Unterstützung fanden (https://www.tagesschau.de/sendung/tagesschau/; ab 5:28).
    An diesem Vorfall kann man exemplarisch das ganze Elend der synodalen Debatten ablesen, wo Teilnehmer geistig überfordert und nicht mehr in der Lage sind, zwischen einem Zitat aus einer bestimmten Zeit (im Dienst der hermeneutischen Aufhellung) und persönlicher Bewertung des Zitierenden in der Jetztzeit zu unterscheiden, sondern diesen in böswilliger Absicht missverstehen.
    Der Passus des Tübinger Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie Reinhard Lempp (damals eine Koryphäe auf seinem Gebiet), auf den Bischof Voderholzer Bezug nimmt, erschien im Rahmen eines Interviews zwischen dem „Spiegel“ und dem Staatssekretär im Bundesjustizministerium Alfons Bayerl am 23. August 1970.
    Er lautet:
    „Die selbstverständliche Annahme einer seelischen Schädigung der Kinder durch sexuelle Delikte geht in Wirklichkeit auf eine tradierte besondere Tabuierung des Sexuellen überhaupt zurück und auf die bemerkenswerte Überbewertung der Verwerflichkeit sexueller Handlungen außerhalb ehelicher Beziehungen … Allein über solche sexuellen Dinge vor einem Kreis erwachsener Menschen reden zu müssen belastet solche Kinder mehr als die Tat selbst, ja, es belastet die Kinder oft ganz allein“ (https://www.spiegel.de/politik/kein-mensch-kann-im-schlaf-so-was-machen-a-a89bea4d-0002-0001-0000-000044904790?context=issue).

  5. Ja, es gibt hier einen Pater, der Gerechtigkeit einfordert.

    Und bitte anhören. Pater Wallner ist ein Mann der klaren und klarsten Worte PRO Katholische Kirche und PRO Papst Benedikt XVI. em.

    Eine Verteidigung von Papst Benedikt XVI em. … die sich gewaschen hat.
    Anfangs geht es um Stellungnahmen, aber man landet einfach bei Benedikt XVI,
    Und er bringt das mit Verve und Emotion.

    http://kathtv.org/nc/kategorien/detail/video/bischoefe-aeussern-sich-zu-missbrauchsgutachten-stunde-der-seelsorge-erstausstrahlung-01022022/

    und:
    http://kathtv.org/nc/kategorien/detail/video/eine-lanze-fuer-benedikt-xvi-stunde-der-seelsorge-erstausstrahlung-02022022/

      1. Hallo, Herr Loose,
        das tut mir leid.
        Ich weiss nicht, woran das liegen kann, ich kann sie problemlos aufrufen.
        Vielleicht Über Kath.tv direkt aufrufen.
        „Stunde der Seelsorge“ Sowieso zu empfehlen.
        Freundlicher Gruß, Jutta

        1. Guten Tag,
          ich habe gestern Abend selber beide Links geklickt und es klappte n i c h t .
          Heute versuchte ich es nochmal, nun geht es, also lag eine technische Blockade vor, wahrscheinlich dort.
          Den ersten Link hatte ich übrigens gestern sofort korrigiert, dort fehlte das „http://“.
          Freundlichen Gruß
          Felizitas Küble

          1. Oh, dankeschön.. Ja ich bin irgendwie manchmal ein bisschen verschusselt und meine Augen tun manchmal nicht richtig mit …
            Bitte um Nachsicht.
            Lieber Gruß, Jutta

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