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Riehle will seine Bücher auch künftig nicht „gendergerecht“ schreiben

Stellungnahme des Journalisten Dennis Riehle:

In diesen Zeiten ist nicht nur in den Medien vielfach die Rede davon, dass es der Diversität unserer Gesellschaft zuträglich wäre, wenn wir unsere Sprache „gendern“ würden.
Auch wenn wir über Jahrhunderte das generische Maskulinum verwendet haben, ohne dass sich daran jemand*innen störte, sei es sogar laut Forschern angebracht, im Schreiben und Reden auf die Vielfältigkeit des Menschseins zu achten und die Mannigfaltigkeit des Lebens durch Sternchen, Doppelpunkte und „Binnen-I“ zum Ausdruck zu bringen.

Immerhin habe man nachgewiesen, dass die Anwendung einer angepassten Sprache Lernprozesse im Gehirn in Gang setze, die uns langfristig toleranter machen sollen. Durch die tägliche Nutzung einer geschlechtsneutralen Sprache würde bereits Schülern der Reichtum an Identifizierungsmöglichkeiten klargemacht.  

Gerade Anhänger des Feminismus und der Emanzipation beklagen immer wieder ein Stimmungsbild, in dem die Stigmatisierung von Geschlechterpluralismus an der Tagesordnung sei. Noch immer bliebe die Männerdomäne vorherrschend, die Verschiedenheiten des Genus fänden im Alltag zu wenig Niederschlag, was beispielsweise an einer vielfach fehlenden Frauenquote oder einer Benachteiligung beim Lohn deutlich werde.

Zugleich müsse man dem Umstand Rechnung tragen, dass wir heute nun einmal darum wüssten, dass der Sexus die unterschiedlichsten Ausprägungen annehmen könne. Selbstverständnis und Orientierung seien nicht mehr auf ein oder zwei Ausrichtungen begrenzt, sondern in ihrer Bandbreite als unbegrenzt anzusehen.

Akzeptanz kennzeichne sich durch die Offenheit gegenüber einem polymorphen Miteinander.

Dass das öffentliche Klima in der Auseinandersetzung mittlerweile aber derart vergiftet ist, dass sich auch diejenigen rechtfertigen müssen, die sich einer sprachlichen Adaption verweigern, musste beispielsweise der Konstanzer Autor Dennis Riehle aktuell sehr plastisch erfahren:

„Ich habe in den letzten Monaten mehrere Bücher veröffentlicht. Allein in den vergangenen vier Wochen erreichten mich dazu 26 Rückmeldungen, die sich allesamt auf das gleiche Thema bezogen: Genderismus“.

Dabei reichten die Zuschriften von bloßen Empfehlungen („Ich würde Ihnen in Ihrem eigenen Interesse anraten, künftig nur noch in gendergerechter Sprache zu veröffentlichen!“) über Wertungen („Sie sind ein zurückgewandter, konservativer und verbissener alter S***!“) bis hin zu handfesten Beleidigungen („Sie Frauenverächter! Ihnen sollte man die H**** abschneiden!“), wie Riehle berichtet.

Der 37-Jährige, der sich selbst zu seiner Homosexualität bekennt, stellt klar:
„Ich bin sicherlich der Letzte, der die Einzigartigkeit jedes Menschen nicht würdigen würde. Die freie Entfaltung jedweder Persönlichkeit obliegt dem Einzelnen von uns in seiner vollkommenen Privatheit und kann durch nichts tangiert werden!“.

Und er ergänzt: „Letztlich spielt es für mich auch eine untergeordnete Rolle, ob eine bunt gestaltete Zivilisation nun der Schöpfung entspricht oder nicht“.
Riehle betont aber: „Aus meiner ureigenen Erfahrung ist es für jedes Individuum heilsam, früher oder später zu einer Identität zu finden, die zu einer innerlichen und äußerlichen Konvergenz beiträgt. Daher halte ich es für insgesamt fragwürdig, ob eine geschlechterlose Gemeinschaft tatsächlich hilfreich ist und das evolutionäre Ziel sein soll“.

Und in Bezug auf die Sprache merkt Riehle in Richtung seiner Kritiker an:
„Ich werde meine Bücher auch künftig nicht gendergerecht schreiben! Wer mich kennt, der weiß um meine anerkennende Haltung gegenüber jedem Individuum, völlig unvoreingenommen in Bezug auf dessen sexuelle Prägung. Diese biete ich auch dar, wenn ich mit meiner Wortwahl – wie bisher – zwar männliche Substantive und Pronomen verwende, damit aber ausdrücklich jede Persönlichkeit einschließe – ohne aber alle Eventualitäten dabei aufzählen zu müssen“, formuliert der freie Journalist, der sich politisch links verortet, in gesellschaftlichen Fragen aber wertkonservative Ansichten einnimmt  –  und abschließend sagt:

„Ich bin überzeugt, dass wir uns ein wertschätzendes Verhalten und Handeln gegenüber jedem Menschen auch anderweitig aneignen können als durch eine aberwitzige Verkorksung unserer Sprache. Es hilft niemandem, wenn wir unnötige Hürden beim Lesen einbauen oder das Schriftbild derart entstellen, dass eine flüssige Lektüre unmöglich wird. Langfristig stiftet solch ein Zeitgeist Unfriede, statt Verständigung zu schaffen“.

Kommentare

2 Antworten

  1. Herr Riehle schildert, wie sehr er durch Krankheiten gepeinigt wird. Dafür von Herzen beste Wünsche! Er schildert auch seine Abkehr vom Christentum, nennt als Ursache dafür schlechte Erfahrungen mit Christen und Gemeinden und das Theodizeeproblem ( mit dem ich gar kein intellektuelles Problem habe, sowenig schlechte Erfahrungen mit Christen mir ein Glaubensproblem sind ) .

  2. Mich erinnert das so genannte „Gendern“ sehr an den „Neusprech“ von 1984 und deshalb sage ich mit Walter Jens ganz einfach nur „Nein“.
    Wenn in einem Buch oder Text „Neusprech“ auftaucht, lese ich nicht weiter – und kaufen werde ich so etwas ganz bestimmt auch nicht.

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