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Von Felizitas Küble

Bereits im Juni dieses Jahres begann der Vatikan eine „Apostolische Visitation“ im Stift Heiligenkreuz, das mitten im Wienerwald liegt, nur ca 15 km von der österrischen Bundeshauptstadt entfernt. Die Zisterzienser-Abtei kann über Nachwuchsmangel nicht klagen; es gibt zudem eine Reihe von Tochterklöstern (in Deutschland z.B. Bochum-Stiepel und seit einigen Jahren auch Neuzelle).

Mehrfach wurde ich in der Zwischenzeit von Lesern dieses CF und von Aussteigern aus der Charismatik gefragt, was eine solche Visitation genau bedeutet, wie lange sie dauert und weshalb sie erfolgt ist.

Zunächst handelt es sich in diesem Falle nicht um eine routinemäßige Visitation, wie sie etwa ein Bischof bei seinen Pfarreien vornimmt, oft kombiniert mit Firmspendungen in der Gemeinde.

Es geht hier um eine „anlaßbezogene“ Untersuchung im Rahmen der Aufsichtspflicht durch kirchliche Obere; sie erfolgt durch das Ordensdikasterium der Kurie, also durch jene Vatikan-Behörde, die für das „geweihte Leben“ (Orden, Kongregationen, geistliche Gemeinschaften etc) zuständig ist. – Der genaue Name lautet: Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens.

Das  bedeutet somit: Vorwürfe und „Problemanzeigen“, die intern über das Stift erhoben wurden, werden durch eine Visitation genauer untersucht, um sie abzuklären, etwa durch eine gründliche Befragung von Mönchen oder von Personen, die möglicherweise geistlich geschädigt worden sind. Ein solcher Vorgang kann mehrere Monate dauern, zumal darüber noch ein ausführlicher Abschlußbericht erstellt wird.

Soviel zum formal-kirchlichen Gang der Dinge.

Abdriften in schwärmerische Gefilde

Aus meiner Sicht ist es bedauerlich, daß die traditionsreiche Abtei mit einer lehramtstreuen und gediegenen Ausrichtung in den letzten Jahrzehnten immer stärker in ein schwarmgeistiges Fahrwasser geraten ist.Leider ist die charismatische Falle gerade für das „konservative Lager“ eine große Versuchung.

Diese Fehlentwicklung hängt nicht nur, aber auch mit Pater Bernhard Vosicky zusammen, der in den einschlägigen Kreisen als „Segenspriester von Heiligenkreuz“ bekannt ist und dessen angebliche „Herzensschau“ (eine Art „übernatürlicher“ Seelenschau“) dem direkten Wirken des Heiligen Geistes zugeschrieben wird.

Bemerkenswert ist zudem, daß nicht nur P. Vosicky, sondern das Stift Heiligenkreuz allgemein auf seinem Youtube-Kanal die deutsch-indische Nonne Sr. Margaritha Valappila samt ihrem charismatischen „Evangelisationszentrum“ in Bad Soden-Salmünster öffentlich lobt und sie gar als „Missionarin“ preist.

Darüber haben wir am 23. Mai letzten Jahres näher berichtet: https://christlichesforum.info/stift-heiligenkreuz-wirbt-fuer-die-missionarin-bzw-charismatikerin-sr-valappila/

Dabei hat sich das Bistum Fulda bereits vor Jahrzehnten von der Tätigkeit dieser Ordensfrau distanziert und ihrem Seminarhaus die Bezeichnung „katholisch“ untersagt; ihr Tagungszentrum wurde inzwischen von der Ordensleitung bzw. dem Mutterhaus aufgelöst und Sr. Valappila nach Indien zurückgeschickt. Pater Vosicky hielt in den Jahren davor mehrfach Exerzitien in ihrem Zentrum.

(Un-)Geistliche Übergriffe in der Seelsorge

Seit Jahrzehnten kenne ich Betroffene, darunter auch Geistliche, Priesteranwärter und Theologiestudenten, die mir verstörende und befremdliche Erfahrungen sowohl in puncto Heiligenkreuz wie hinsichtlich der „Seelsorge“ der erwähnten Ordensfrau geschildert haben. 

Das Problem des geistlichen Mißbrauchs sowie einer ungesunden, verstiegenen bzw. schwarmgeistigen „Frömmigkeit“ ist nicht neu in der Kirchengeschichte. Eine übergriffige „Seelsorge“ kommt besonders in der charismatischen Bewegung überdurchschnittlich häufig vor.

Das hat u. a. damit zu tun, daß führende Personen dieser Szene sich nicht selten als direktes „Sprachrohr des Heiligen Geistes“ wahrnehmen und gegenüber ihren Untergebenen in dieser Weise präsentieren.

Damit wird unser Glaube in Mißkredit gebracht, der Geist Gottes willkürlich vereinnahmt, einem fatalen Personenkult gehuldigt und einem gefährlichen Aberglauben Tür und Tor geöffnet, ganz zu schweigen von gewissen quasi-exorzistischen Praktiken, die in diesen Kreisen an der Tagesordnung sind (das geschieht freilich wohlklingend unter dem Zauberwort „Heilung und Befreiung“).

Bereits vor über fünf Jahren haben wir in unserem CF zwei kritische Artikel über das Wirken des „Segenspriesters“ Vosicky veröffentlicht:

P. Bernhard Vosicky und die Charismatik: Warum das Heil wichtiger als die Heilung ist

Außerdem erschien bei uns ein weiterer Beitrag, der sich u.a. mit dem Jubelbuch befaßt, das die Abtei Heiligenkreuz über ihren vielverehrten „Heilerpater“ herausgebracht hat: https://christlichesforum.info/pater-bernhard-vosicky-exorzist-und-heiler 

Natürlich wahre ich Diskretion hinsichtlich der persönlichen Erfahrungen, die Betroffene mit dem „Segenspriester von Heiligenkreuz“ gemacht haben. Eine noch ausgesprochen harmlose Anekdote mag aber aufzeigen, wie die Sachlage schon vor 25 Jahren aussah: 

Eine Kollegin von mir nahm dort im Kloster an einem Kurs teil. Es galt als Geheimtipp, dass jeder versuchen sollte, bei Pater Vosicky zu beichten. Da der Andrang so groß war, wurden Nummern ausgegeben. Einmal war es schon spät am Abend. Als die Katholikin bei ihm beichtete, schlief er plötzlich ein. Als er wieder aufgewacht ist, hat er ihr die Absolution erteilt. Als sie dies einigen anderen Besuchern erzählte, behaupteten sie alle, dass der Pater nicht eingeschlafen sei, sondern eine mystische Erfahrung gemacht habe…

Hoch im Kurs steht in Heiligenkreuz auch die „Erscheinungsstätte“ von Medjugorje in Bosnien-Herzegowina:

Pater Karl Wallner, ein auch in Deutschland weithin bekannter Mönch aus Heiligenkreuz, wirbt seit langem für diese angeblichen „Botschaften“ des Himmels: Bereits im Jahre 2012 haben wir ihm hierbei widersprochen: Pater Karl Wallner und die „Früchte“ von Medjugorje

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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Kommentare

7 Antworten

  1. Damian Stayne und die Cor ET Lumen Christi Gemeinschaft sind leider noch viel zu unbekannt im deutschsprachigen Raum.
    Die Cor et Lumen Christi Gemeinschaft bietet auch immer Mal wieder Konferenzen wie z.b. über Prophetie oder Wunderheilungsdienst im Internet (teilweise auch auf deutsch) oder vor Ort an.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_Lumen_Christi

    Buchhinweis: „Herr, erneuere deine Wunder!: Geistesgaben für heute“ von Damian Stayne (Autor) Taschenbuch

    „Herr, erneuere deine Wunder – Geistesgaben für heute” ist ein Buch voll Feuer und Leben. Es wurzelt tief in der Schrift, der Tradition der Kirche, der Weisheit der Kirchenväter und den Erfahrungen der Heiligen. Vor allem aber zeigt es, dass der Heilige Geist durch Menschen, die sich ihm öffnen, auch heute unglaubliche Dinge tut – und tun will. Durch zahlreiche lebendige Zeugnisse und Erzählungen aus eigener Erfahrung führt Damian Stayne in die Welt und Wirkungen der Charismen des Heiligen Geistes ein. Er erklärt ihr Wesen und lehrt ihre Anwendung, ermutigt zum Empfang und rüstet zum Dienst und Wachstum in den Gaben aus – zur Erneuerung der Kirche und der Ehre Gottes. „Herr, erneuere deine Wunder – Geistesgaben für heute” lässt staunen, inspiriert und fordert heraus. Es wird Menschen und die Kirche von heute verändern. Ein starkes, wundervolles und höchst empfehlenswertes Buch!

    https://www.kloster-maihingen.de/gemeinschaft-lumen-christi/

    „Es reicht nicht einfach zu glauben, dass es Wunder gibt!“

    „Christentum ist Feuer. Es ist nicht eine langweilige Angelegenheit, ein frommer Wortschwall, mit dem wir uns an jeden Wagen anhängen können, um auch noch dabei zu sein – BeneDicta am Freitag – Von Linda Noé

    https://www.kath.net/news/79860

  2. Leider ist die angebliche, ach so gute Weisung von P. Vosicky schwierig einzuordnen.
    Ein mir bekanntes Ehepaar wollte sich vor vielen Jahren wegen Problemen in Ehe und Familie mehrmals Rat holen.
    Es ging hauptsächlich um die Frage, ob die Frau nochmal trotz etlicher Kinder studieren gehen sollte.
    Der Mann wollte es nicht. Vossicky antwortete zugunsten der Frau.
    Er behauptete, der Mann werde bald schwer erkranken und dann kann seine studierte Frau die Firma weiterführen. Bis heute ist der Mann kerngesund. P. Vossicky bekommt angeblich solche Eingaben von Jesus oder dem Hl. Geist.
    Ist schon erschreckend. Vossicky hat sich in solch einer „erleuchteten“ Form überhaupt nicht einzumischen.
    Pater Wallner redet auch immer so viel daher, daß man sich die Sendung: Stunde der Seelsorge auf K-Tv nicht mehr antun kann.
    Wie ein Wasserfall.
    Kloster Neuzelle kommt mir persönlich auch leicht charismatisch vor. Die Predigten auf k-tv muten so an.
    Die Schwestern dort wurden in einer Messe (ganz in den Anfängen) gelobt, die Gemeinschaft beherrsche das Zungenreden. Also unverständlich Rumlallen, und meinen, es sei der Hl. Geist am Werk.
    Bei einer weiteren Kritik per Mail meinerseits bekam ich eine hochmütige Antwort von dort.
    Ich hoffe, die Visitation ist gründlich und arbeitet, alles was im Argen liegt, in Heiligenkreuz auf. Damit wieder eine heilige Ordnung zustande kommen kann.

  3. Wissen plus Wahrheit gleich Weisheit für Sonnabend, den 13. Dezember 2025

    Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass die Stadt für den HERRN wieder gebaut werden wird.
    Jeremia 31,38

    Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem. Sie kam von Gott aus dem Himmel herab – für die Hochzeit bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen!
    Offenbarung 21,2-3
    ———————–
    Alles was zu Christus lenkt bringt den Heiligen Geist und das Lebendige – das Leben.

  4. Diese Visitation ist notwendig aber das hat sicher nichts mit Pater Bernhard zu tun der seit mehreren schweren Erkrankungen und 2 Nahtoderlebnissen kaum mehr wirken er ist heute ein gebrechlicher Alter Mann ich durfte ihn in meiner Jugend kennenlernen über eine liebe Bekannte und er weißt solche Gerüchte um Herzensschau immer zurück ich kenne ihn als einen freundlichen Herrn der am Küchentisch sitzt plaudert und zu Abend ißt sicher mit einer Tendenz zur Mystik

    1. Guten Tag,
      ob die Visitation „sicher nichts mit Pater Bernhard“ zu tun hat, wird sich beim Abschlußbericht noch herausstellen.
      In dem Jubelbuch des Stiftes Heiligenkreuz bzw. seines Verlags („Nur die Liebe heilt“) heißt es aus dem Munde von Pater Wallner: P. Bernhard sei „vor allem ein Heiler“.
      Und weiter: „Das ist seine Berufung. Er hat die Gabe des Lösens….Er lebt in einer Aura der Heilung“.
      Erklären Sie mir doch einmal diese „Aura“ und die spezielle „Gabe des Lösens“.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

  5. Ich habe Pater Bernhard als zugewandten Gesprächspartner und vernünftigen Priester erlebt und möchte ihn nicht „in eine Ecke sperren“. Die Visitation, wenn sie nicht voreingenommen erfolgt, kann man begrüßen. Leider gibt es in der letzten Zeit auch Entscheidungen, die sachfremd und zerstörerisch erfolgen.

    1. JESU WORTE über den verlorenen Sohn ‚Lk. 15,25‘: ‚Musik und Tanz‘. In den USA fiele Karoline Leavitt die Aufgabe zu, den Sinn des Ballsaals beim Weißen Haus zu erklären. Aber der vielleicht gar nicht so schwierige Zusammenhang mit dem Zisterzienserstift Heiligenkreuz: Beerdigung und der Vorwurf der SELBSTÖTUNG sind dort auch dieser Tage noch vielleicht fast jedem Gegenstand der Neugier wegen des K r o n p r i n z e n R u d ol f und seiner von ihm doch als Gemahlin angesehenen Geliebten. ’30. Jänner 1889′. Dabei fällt für den Zisterzienserorden die Geschichte – außer von Heiligenkreuz – auch von Lilienfeld, Neuberg an der Mürz und Rein {beide gebunden an ein Kirchenpatrozinium am ’15. August‘, auch für die Kräutersegnung von Bedeutung) auf. Aber wurde nicht die Verfolgung, der die Braut des M ä r t y r e r s C h a r l e s J a m e s K i r k ausgesetzt ist, auch deswegen immer unerbittlicher, weil man sie für gerechtfertigt hält, indem das Schußattentat doch auf sein Verhalten zurückgeführt wird, das eigentlich einer SELBSTTÖTUNG gleichkommen soll, https://www.youtube.com/watch?v=Z42TZ9-Aqak ? Dr. phil. Siegfried Paul Posch

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