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Sorge um Einheit in der Katholischen Kirche: Schisma in Deutschland?

Vielen ist noch das Dubium an die Glaubenskongregation zur Frage nach der Erlaubtheit von Segnungen homosexueller Beziehungen in lebhafter Erinnerung. Der Vatikan verneinte diese Frage in einem Responsum und verbot solche Segnungen.

In ihrer Sorge um die Einheit der Kirche in Deutschland haben Katholiken aus dem Bistum Essen ein weiteres Dubium an die Glaubenskongregation gerichtet und darüber auch den Apostolischen Nuntius in Berlin sowie die Deutsche Bischofskonferenz informiert.

„Die aufkommenden Fragezeichen rund um viele Aspekte des katholischen Glaubens führen zunehmend zu einer Polarisierung in den Ortsgemeinden. Diese Unsicherheiten und Verwirrungen tragen das Potenzial einer Spaltung mit sich“, so die Begründung der Initiatoren für ihr Dubium an die Glaubenskongregation laut katholischem Internetportal Kath.net.

Eklatante Beispiele schismatischer Handlungen

Dieses hat heute den gesamten Worlaut des Dubium veröffentlicht, das Kathnews nachfolgend übernimmt. Die Frage, ob ein Schisma in Deutschland vorliegt, stützt sich auf fünf eklatante Akte des Ungehorsams und der Provokation gegenüber dem Papst – die Liste wäre noch um ein Vielfältiges zu ergänzen: die anhaltende Infragestellung der nur Männern vorbehaltenen Priesterweihe, die Anpassung der kirchlichen Sexualmoral an den modernen Zeitgeist, die Segnungen homosexueller Beziehungen, die verbotene Gottesdienstgemeinschaft und die Laienpredigt in der Eucharistiefeier.

Hier der Wortlaut des Dubium

Schisma ist die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst oder der Gemeinschaft mit den diesem untergebenen Gliedern der Kirche (can. 751).

D U B I U M

  • Wenn auf dem Synodalen Weges in Deutschland die Forderung nach der Priesterweihe für Frauen erhoben wird und die Diskussion darüber weitergeht, obwohl Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis von 1994 erklärt hat, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen zu Priestern zu weihen, diese Lehre mit der Offenbarung aufs Engste verbunden ist, zum Depositum fidei gehört und darum die endgültige Zustimmung der Gläubigen verlangt, weil die Lehre auf dem geschriebenen Wort gegründet ist und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt worden ist und vom ordentlichen und universalen Lehramt unfehlbar, definitiv und unveränderlich vorgetragen worden ist (vgl. Vatikanum II, Lumen gentium 25, 2);
  • auf dem Synodalen Weg in Deutschland des Weiteren die Veränderung und Anpassung der kirchlichen Sexualmoral vorangetrieben wird;
  • durch die Segnung homosexueller Paare gegen das ausdrückliche Verbot der Glaubenskongregation gehandelt und damit der Straftatbestand des can. 1371, 2° erfüllt worden ist;
  • wenn die auf dem Ökumenischen Kirchentag, der vom 13. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main stattgefunden hat, praktizierte Form der Interkommunion die Grenzen des can. 844 § 4 eindeutig überschritten hat und damit der Straftatbestand der verbotenen Gottesdienstgemeinschaft nach can. 1365 erfüllt worden ist;
  • Laien weiterhin demonstrativ das Predigtverbot in der Eucharistiefeier missachten, obwohl nach can. 767 § 1 die Homilie in der Eucharistiefeier den Priestern und Diakonen vorbehalten ist und nach einer authentischen Interpretation des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte vom 20.6.1987 (AAS 79 [1987] 1249) die Bischöfe von dieser Norm nicht dispensieren können, so dass kein Diözesanbischof einen Laien zur Homilie in der Eucharistiefeier beauftragen kann;

liegt dann ein Schisma im Sinne des can. 751 vor?

Bochum, 23.5.2021

Unterschriften der Initiatoren

Quelle: https://www.kathnews.de/sorge-um-die-einheit-in-der-katholischen-kirchen-in-deutschland

Kommentare

11 Antworten

  1. Wieso soll es schon ein Schisma sein, wenn jemand etwas fordert? Was Anderes wäre es, wenn die Bischofskonferenz z.B. die Frauenordination beschließen würde. De facto leben die meisten Katholiken in Deutschland schismatisch. Aber das scheint jetzt niemand problematisch zu finden.

  2. Nachtrag: Dass die Piusleute sich selbst nicht als Schismatiker sehen ist bekannt. Sie haben ihre eigene Argumentation. Kirchenrecht ist etwas für Spezialisten, das steht jedenfalls für mich fest. Auch Bischof Gaillot ist kein Schismatiker. Er blieb de jure ja auch Bischof, selbst wenn er de facto wortwörtlich in die Wüste geschickt wurde.

  3. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit im Sande verlaufen wird. Irgendwie hat es mich jetzt aber doch interessiert, wie das ist, das ist mit einem Schisma, ich habe mich weiter informiert. Die Schismen der Vergangenheit betrafen eigentlich Streitereien unter, bzw. mit Bischöfen, Schismen nach dem Konzil von Chalkedon, großes Morgenländisches Schisma, drei Päpste vor dem Konstanzer Konzil. Nach Wortlaut des can. 751 können wohl auch einfache Priester und Laien Schismatiker sein, aber das hatte noch nie praktische Bedeutung. Anderer Meinung zu sein als der Papst ist kein Schisma, auch nicht von Bischöfen, solange man sich an die Vorgaben hält. Zu einem Schisma kommt es de facto, wenn der jeweilige Papst abgelehnt wird wie von den Sedisvakantisten oder wenn Parallelstrukturen aufgebaut werden wie seinerzeit von den Altkatholiken oder der Piusbruderschaft. Dies ist derzeit nicht der Fall und steht auch nicht bevor. Ich bin keine Kirchenrechtlerin, Angaben ohne Gewähr, es interessiert mich, wie gesagt, einfach nur mal so. Und es wird ohnehin nichts passieren. Was denn auch?

    1. Genau der Gedanke betreffs der Piusbruderschaft ist mir auch gekommen. Hin und wieder äußern Katholiken, die mit der ganzen Situation unzufrieden sind, dass sie zu den Gottesdiensten der Piusbruderschaft wechseln möchten. Habe mich dabei auch gefragt, ob es für diese Menschen keine Rolle spielt, dass diese Bruderschaft doch eigentlich schismatisch ist.

      1. Guten Tag,
        unter Papst Benedikt wurde die Exkommunikation der vier Piusbruderschafts-Bischöfe aufgehoben, also abgeschafft. Dadurch ist die Gemeinschaft zwar noch nicht voll kirchlich integriert, aber auch der jetzige Papst ist ihr erneut entgegengekommen, indem er den Priestern der Bruderschaft ausdrücklich die Beichtvollmacht erteilte (die sakramentale haben sie sowieso gehabt aufgrund ihrer Priesterweihe, es fehlte aber die kirchenrechtliche Erlaubnis).
        Die Sachlage ist also in der Grauzone und keineswegs im klaren Schisma.
        Freundlichen Gruß
        Felizitas Küble

      2. Ja, der Vatikan kommt der Piusbruderschaft entgegen. Wie sieht es von deren Seite aus aus? Mir scheint, da tut sich (noch) nicht sonderlich viel.

      3. Ich gehöre auch zu jenen, die die Hl. Messe der Piusbruderschaft besucht, zwar nicht ausschließlich, aber regelmäßig.
        Gehe ich zur Eucharistiefeier in unsere Dorfkirche, geleitet von Priester N.N., der auch Leiter der SE ist, wird mir der Unterschied immer mehr bewusst.
        Bei der FSSPX erlebe ich Sammlung, würdige Feiern, gehaltvolle Predigten – und eine zusätzliche Freude: ich sehe relativ viele junge Leute.
        .
        In unserer Dorfkirche jedoch, die mir stets ein Ort der Heimat war, fühle ich mich längst nicht mehr so geborgen.
        Besagter Priester befürwortete vor kurzem die Homopaar-Segnung.
        Am Dreikönigs-Feiertag vor einigen Jahren hielt er nicht die passende Predigt dazu, sondern sprach über Homosexualität.
        Er ist auch ein Befürworter der Maria 2.0-Bewegung und sprach vor einigen Wochen davon, dass er sich freuen würde, eine Priesterin neben sich begrüßen zu dürfen.
        Manchmal sind seine Predigten recht gut, aber insgesamt wirkt er auf mich wie jemand, der die Kirchenbesucher unterhalten will.
        Das bestätigten auch meine beiden Söhne, die (leider!) kaum eine Beziehung zur Kirche haben. Sie meinten, Pfarrer N.N. wirke auf sie wie ein Showmaster.

        Das ist alles so weit entfernt von der Feier der hl. Messe bei der Piusbruderschaft – und genau dieser Unterschied ist es, der mich gerne , ein paar Kilometer weiter fahren lässt, um daran teilnehmen zu können.

      4. Wie Frau Küble ausführte, die Situation bei den Piusbrüdern ist in einer Grauzone seit der Aufhebung der Exkommunikation. Dies zeigt, dass die Feststellung eines Schismas an sehr harte Fakten gebunden ist und nicht leichthin erfolgen darf. Bei Laien werden ohnehin mildere Maßstäbe angelegt als bei Bischöfen. Ich gehe davon aus, dass die „besorgten Katholiken“ nicht nur interessehalber fragen, sondern dass sie sich etwas davon versprechen. Die Antwort „kein Schisma“ dürfte für sie eher kontraproduktiv sein. Ein Beispiel auf „progressiver“ Seite wären die „Donaupriesterinnen“. Jedes historische Schisma hatte seinen eigenen Charakter, manchmal ging es wirklich nur um Macht, wie im Großen Abendländischen Schisma.

      5. Es gibt doch auch die Priesterbruderschaft St. Petrus. Welche Unterschiede gibt es hinsichtlich der Liturgie in Bezug zur Piusbruderschaft? Die Petrusbruderschaft steht doch, anders als die FSSPX, in voller Einheit mit dem Papst, oder?

        1. Guten Tag,
          es gibt liturgisch überhaupt keine nennenswerten Unterschiede.
          Ein Teil der Petrusbruderschaft nimmt vielleicht etwas mehr deutscher Lieder in der Messe.
          Freundlichen Gruß
          Felizitas Küble

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