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Steht der Florenzer Bürgermeister Giorgio La Pira vor der Seligsprechung?

Von Elmar Lübbers-Paal

Der einstige Bürgermeister von Florenz, Giorgio La Pira, lebte so vorbildlich, daß seine Seligsprechung bald bevorstehen könnte. Papst Franziskus bestätigte offiziell das tugendhafte Leben des italienischen Politikers und erklärte ihn am 5.7.2018 zum „ehrwürdigen Diener Gottes“, was eine Vorstufe für die Seligsprechung darstellt.

Als erstes von sechs Kindern des Ehepaares Gaetano La Pira (1870 – 1937) und seiner Frau Angela Occhipinti (1876 – 1943) kommt der vermeintliche Stammhalter am 9. Januar 1904 im sizilianischen Pozzallo zur Welt. Bereits am Folgetag wird der Junge von seinem priesterlichen Onkel getauft.

Sein Wissenshunger und sein bisweilen philosophisches Denken geht über den Schulalltag hinaus. Er zeigt gelehrsames Interesse an anspruchsvoller Literatur. Zu seinen Favoriten zählen hierbei Dante Aligheri, Platon und der heilige Thomas Morus.

Auch wenn er nach der allgemeinen Schulbildung (1909 – 1913) die Technische Handelsschule besucht (1914 – 1917), beginnt er sich intensiv mit der Botschaft und Lebensweise des heiligen Franz von Assisi auseinander zu setzen.

Gerade die politischen und philosophischen Ansichten des Ordensgründers reizen den Jungen zum weiteren Studiuren seines Lebens. 1922 legte er schließlich sein Abitur in Palermo ab. Drei Jahre später schließt er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität von Florenz ab.

Dort wird er 1933 Professor für Römisches Recht. Seine Studenten bescheinigen ihm eine hilfreiche und herzliche Art. Seit 1925 ist er Mitglied im Dritten Orden der Dominikaner. Später wird ihm auch genehmigt, zusätzlich Tertiar der Franziskaner werden zu dürfen.

Die Zeiten werden rauer. Der Nationalismus nimmt zu und es zeichnen sich drohende kriegerische Auseinandersetzungen ab.

Als friedlicher Kriegsgegner und Förderer der Menschenrechte gründet er noch am Vorabend des Zweiten Weltkriegs die Zeitschrift „Principi“ (Prinzipien). Als Faschismus-Kritiker im Italien seiner Zeit lebt er gefährlich. Bei der Verwüstung seines Pressebüros durch eine Polizeirazzia am 29.9.1943 gelingt ihm die Flucht.

In Rom angekommen, wendet er sich an den Vatikan, wo man ihm einen gefälschten Ausweis aushändigt, der ihn als Mitarbeiter der päpstlichen Zeitung „L`Osservatore Romano“ ausgibt.

Im September 1944 kehrt er schließlich wieder nach Florenz zurück. Am Ende des Krieges ist die einst so geschäftige Hauptstadt der Toskana vielerorts zerstört. Beherzt packt La Pira an und hilft dabei, die Metropole wieder herzurichten. Dabei übernimmt er vorbildliche Verantwortung, die nicht unbemerkt bleibt.

In der Folge wird La Pira zum Bürgermeister gewählt. Voll Engagement kümmert er sich nicht nur um den Wiederaufbau seines Stadtviertels, ihm ist es wichtig, daß die Bürger vereint auch die jeweiligen Nachbarviertel wieder in Ordnung bringen.

Aber nicht nur die notwendigen Straßen werden wieder befahrbar gemacht, auch Schulen und Kirchen sowie die öffentlichen Parks und Marktplätze sowie grüne Oasen in der Stadt werden benutzbar wiederhergestellt und teilweise neu geschaffen.

Die Menschen sollen auch in der Stadt die wunderbare Schöpfung Gottes wahrnehmen können. La Pira denkt dabei durchaus pragmatisch und läßt das öffentliche Verkehrsnetz ausweiten, das Abfallsystem reformieren und das Wasserwerk ausbauen.

Eines ist dem überzeugten Katholiken ein besonderer Dorn im Auge: Es gibt viele leerstehende Villen, zugleich auch sehr viele Obdachlose. So nutzt er geschickt Gesetzeslücken, um Wohnungslose in die Villen einquartieren zu lassen. Manche nennen ihn fortan auch den „Robin Hood von Florenz“. Um die Wohnungsnot zu lindern, entwirft er kostengünstige Wohnungen.

In Italien gehört er zu den Gründungsmitgliedern der Christdemokraten („Democrazia Cristiana“).

Legendär ist seine Intervention zugunsten des Friedens in Korea 1951 bei dem sowjetischen Diktator Stalin persönlich. In alle möglichen Länder – auch in die kommunistischen Staaten   – reist er, um eine möglichst weltweite Friedensmission in Gang zu setzen. Eine Konferenz zur Aussöhnung der Araber mit Israel veranstaltet er 1958 in Florenz.

Aber nicht nur in der großen Politik sieht man La Pira mitfühlend agieren. Als er bei strömenden Regen im Winter 1955/56 einen frierenden Bettler sieht, gibt er seinen Mantel dem Mittellosen und geht weiter zu seinem Büro, wo er völlig durchnäßt ankommt. Passanten, die diese und ähnliche Szenen mitbekommen, nennen den stets in der Stadt zu Fuß gehenden Politiker „den Sankt Martin unserer Zeit“. Fast sein ganzes Einkommen verschenkt er an Bedürftige.

Erst nach dem Tod des unverheirateten La Pira, der CHRISTUS den ersten Platz in seinem Leben gab, kommt heraus, wie anspruchslos und bescheiden, ja geradezu minimalistisch er gelebt hat.

Kurz vor seinem dreißigsten Todestag – im Oktober 2007 –  werden seine sterblichen Überreste in die florentinische Kirche San Marco übertragen.

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