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Ulm: Heldenhafter Pfarrer Weiß widerstand den Mächtigen seiner Zeit

Von Felizitas Küble

Unsere Leserin Jutta Schlittmeier aus Ulm hat uns jetzt dieses geschichtsträchtige Bild zukommen lassen.
Es geht um einen unbeugsamen Priester aus der NS-Zeit, der mit dieser Gedenktafel gewürdigt wird; sie hängt am Pfarrhaus in Söflingen, einem Stadtteil von Ulm.

Wir übersetzen hier die Inschrift im vollen Wortlaut:

„Pfarrer Franz Weiß lebte von 1932 bis 1939 in diesem Pfarrhaus.
Er war ein mutiger Prediger und aufrechter Kämpfer gegen die Diktatur des Dritten Reiches und die Unterdrückung der Religion.

Dafür wurde er 1939 eingekerkert und wie Bischof Sproll des Landes verwiesen. Er hielt aber die Verbindung zur Gemeinde St. Maria aufrecht.“

Dieser tapfere Priester saß wegen seiner bekenntnisklaren Predigten in Ulm im Gefängnis. Das erinnert mich an meinen eigenen Vater, der ebenfalls in dieser Stadt inhaftiert war, weil er sich 1944 beim RAD (Reichsarbeitsdienst) geweigert hatte, in die Waffen-SS einzutreten (so „freiwillig“ war das damals nämlich). Mein Vater Anton Küble war 17 Jahre alt und wurde einige Wochen später an die Front geschickt.

Auch dieser tapfere Geistliche Franz Weiß hatte einst beim Militär gedient, sogar freiwillig – allerdings natürlich vor der NS-Zeit.

Er war hochdekorierter Soldat im Ersten Weltkrieg, wurde schwer verwundet, kehrte dennoch an die Front zurück. Er wurde Leutnant und bekam das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse sowie den Bayerischen Militär-Verdienstorden.

Diese Würdigungen waren wohl auch der Grund, weshalb die NS-Diktatur den Geistlichen nicht ins KZ Dachau schickte, sondern „nur“ mit Berufsverbot, Haft und Verbannung bestrafte.

Der schwäbische Priester stand auch im engen Kontakt mit den Widerstands-Geschwistern Scholl, er hat sie menschlich-pastoral begleitet.

Er sammelte zudem Geistliche um sich, die wie er im 1 WK dienten und die NS-Ideologie entschieden ablehnten. Bei seinen Protesten gegen NS-Willkür trug er demonstrativ sein Eisernes Kreuz am Priesterkragen.

Seine katholische Gemeinde war – sehr im Unterschied zur Stadt Ulm im allgemeinen – ein fast Nazi-freier Bezirk, kein einziger Lehrer in Söflingen trat in die NSDAP ein.

Im Juni 1939 wurde er wegen seiner mutigen Predigten verurteilt. Die Haftzeit von zehn Monaten saß er am Ulmer Frauengraben ab, dann wurde er nach Meersburg verbannt. Er ignorierte sein Ausweisung und predigte sogar in Bayern und Tirol. Er überlebte die NS-Zeit, wurde Krankenhauspfarrer und starb 1985 in Ergenzingen als Hausgeistlicher der Schönstattschwestern auf der Liebfrauenhöhe.

Er hat einst als zweites von neun Kindern einer Försterfamilie im Jahre 1892 in Schnaithaim das Licht der Welt erblickt. Näheres zu seinem Lebenslauf hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Wei%C3%9F_(Pfarrer)

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Kommentare

8 Antworten

  1. Dem unerschrockenen, widerständischen Pfarrer Weiß hat der 1922 in Ulm geborene Bildhauer und Graphiker OTL AICHER, der später als Entwickler eines Systems von Piktogrammen für die Olympischen Spiele 1972 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, ein literarisches Andenken gesetzt.
    Aicher stand in engem Kontakt mit den Scholl-Geschwistern: Mit Hans‘ jüngerem Bruder Werner besuchte er die gleiche Schulklasse, mit Sophie traf er sich regelmäßig zu ausgedehnten Gesprächen. Nach dem Krieg heiratete er Inge Scholl.
    So lernte er auch Pfarrer Weiß kennen.
    In seinem Buch „innenseiten des krieges“ (Frankfurt a. M. 1985), einem im Tagebuchstil gehaltenen Zeugen- und Rechenschaftsbericht, der neben Eintragungen persönlicher Alltagserlebnisse von 1939 bis 1945 umfangreiche Reflexionen über Politik, Philosophie, Theologie, Kirche, Geschichte, Kunst enthält und ein wertvolles Zeitdokument darstellt, schildert Aicher eine Begebenheit mit Pfarrer Weiß beim Aufbau der Geheimorganisation „acies ordinata“:

    „der pfarrer, der gelegentlich in das haus meiner eltern kommt, wo er sich offenbaren kann, sagt mir, er müsse morgen nach paderborn fahren, ob ich ihn begleiten wolle, gerne, es sind ferien. er kommt mit einem kleinen zweitaktauto, holt mich ab, und wir fahren in einen schönen sommertag. nach knapp zwanzig kilometern hält er mitten in einem wald, nimmt ein kleines köfferchen und verschwindet, kehrt wieder, gekleidet als fröhlicher zivilist. er erklärt mir, daß wir gemeinsam eine reise machen, wo polizei und gestapo nicht ihre nase reinstecken sollten. so fahren wir den ganzen tag.
    kurz vor paderborn das gleiche, nur umgekehrt. der zivilist wird zum pfarrer, wir werden in einen saal geleitet, der dann geschlossen wird. an die tausend schwarze soutanen. mein pfarrer wird vorgestellt, und er entwickelt innerhalb von zwei stunden folgende thesen:

    1. ich habe alle pfarrer der diözese eingeladen, die am ersten weltkrieg als offizier teilgenommen haben. ich brauche frontkämpfer…
    2. wir pfarrer können schon aufgrund des zölibats mehr auf uns nehmen als damals an der front.
    3. wir müssen im kampf der nationalsozialisten gegen unsere religion aufs ganze gehen, nicht blindlings, aber ohne persönliche einschränkung.
    4. wir müssen gemeinsam agieren. wenn ein einzelner pfarrer auf der kanzel gegen den neuen weltanschauungsunterricht wettert, wird er abgeholt. Wenn wir tausend an ein- und demselben sonntag es tun, sind die kerle machtlos.

    ich saß als einziger, der keine soutane trug, in einer hinteren ecke. es gab einen frenetischen beifall. mitten in der flut der braunen weltanschauungen standen wir auf einem felsen.
    dieses erlebnis erwies sich als unsinkbares floß. ich konnte, wenn es kritisch wurde, immer wieder darauf zurückspringen. in der erinnerung blieb es eine realität“ (S. 17f).

    1. Guten Tag,
      Sie finden also das berühmte Haar in der Suppe, einen NS-freundlichen Kirchenrechtler aus dem Rheinland haben Sie aufgegabelt.
      Sowas aber auch!
      Und das nennen Sie dann „Spiegelbild der Gesellschaft“, indem Sie Weiß und Barion vergleichen – lächerlich!
      Nehmen Sie zur Kenntnis: Allein im KZ Dachau gab es ca. 3000 katholische Priester, andere KZS sowieso Verhaftete wie dieser Pfarrer Weiß nicht mitgerechnet. Sie finden aber gewiß keine tausende „Barion“ (nichtmal hundert), das ist der Unterschied.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

  2. Warum erfährt man über solche Menschen so wenig?
    Ich habe von diesem Manne noch nie gehört.
    Da werden wir freilich mit Heilig-und Seligsprechungen (Päpste sprechen Päpste selig und heilig) überschwemmt. Und dabei haben wir solche aussergewöhnlichen Glaubensvorbilder vor unserer eigenen Haustüre.
    Aber wo kein Wunder ist, ist auch keine Heiligsprechung.
    Solche Vorbilder im Glauben brauchen wir- auch ohne Wunder von oben und welches noch von der Kirche erst bestätigt werden muss.
    Vielleicht kann man es ähnlich angehen, wie Luther es sah, als er schrieb, warum uns die Heiligen gegeben sind.
    Er sagte so ungefähr, die Heiligen seien uns gegeben, dass wir sehen können, wie ihnen göttliche Gnade widerfahren ist, wie ihnen im Glauben ist geholfen worden etc, und uns jeder in seinem Stand daran ein Beispiel nehmen könne.

    1. Diese Lutherzitate kenne ich gar nicht!? Aber interessant, doch werden sie wohl aus dem Mund des jungen Martin kommen, als der noch Luder hieß und katholisch dachte, sogar Marienverehrer und Verfechter der Beichte war, nicht wahr?
      Denn der hinter Klostermauern geflüchtete Student und spätere Magister und Doktor Luther entwickelte ja dann die häretische Theorie von der „Freiheit eines Christenmenschen“, wonach es gar keine Schuld des Menschen geben kann, weil 1.) der nur „sog. FreieWille“ gar nicht exixtiere und 2.) durch den „Sühnetod Jesu am Kreuz“ alle vergangenen und zukünftigen „Sünden der Menschheit“ getilgt seien. Deshalb empfahl er ja auch sich als Vorbild: „Ich liebe Gott nicht!“ weil „..Gott den am meisten liebt, der Ihn am meisten haßt!“ oder „Nicht der arme Mensch ist schuldig, sondern der ungerechte Gott! .. Gott hat doch lassen Adam fallen, … Judas zum Verräter vorherbestimmt!.. Ich muß doch Unzucht treiben und es ist sinnlos, dagegen zu wehren. ..Und will das Weibe nicht, so komme eben die Magd! … Der Mensch ist nur das arme Lasttier, auf dem Gott mal als der gute Gott und mal als Teufel reitet. Das arme Lasttier muß dahin, wohin es der jeweilige Reiter lenkt! .. Darum kann es keinen Freien Willen geben!“
      Luthers Vulgär-„Theologie“, nach welcher es de facto gar keine menschliche Schuld geben kann, weil ALLES, was geschieht, TÄTIGKEIT GOTTES IST, denn sonst wäre Gott nicht ALLmächtig, ist der Ausgangspunkt für alle ideologischen Paradigmen der Neuzeit, welche über Hegel („.. ich bin Lutheraner, und will das auch bleiben! Das kann ich aber nur, wenn es mir gelingt, das größte Verdienst Martin Luthers, nämlich in Gott selber das Böse zu sehen, auf den Begriff zu bringen in einem konsequenten logischen System ..“) und daraus Marxens und Darwins kryptopantheistischen Evolutionismus und Nietzsches „Machiavellismus“ (Nietzsche: „Ohne Hegel kein Darwin!“) , welche direkt mittels des Postulates von „Survival of the fittest“ in den neuzeitliches Malthusianismus, Heideggerismus, Stalinismus und Nationalsozialismus und Turbokapitalismus u.ä.m. geführt haben und natürlich auch Grundlage für die „ethische Rechtfertigung“ von Abtreibung, Eugenik und Euthanasie sind. …
      Solange die absolut kontradiktorische Wurzel protestantischer Denke im Verhältnis zur „Katholischen Lehre über die Gesamtwirklichkeit“ nicht aufgearbeitet und allgemein durchschaubar geworden ist kann es auch keine vernunftbasierte „Ökumenische Theologie“ oder „Einheit in Verschiedenheit“ geben und bleibt Gutmenschentraumtänzerei auch von Päpsten und Kardinälen.

      1. Ok, ja, es kommt dann bei Luthers Äusserung über die Heiligen noch der Zusatz, daß uns die Schrift aber nicht lehre diese Heiligen anzurufen (als Mittler) etc…..denn als alleinigen Mittler zwischen sich und dem Menschen habe Gott nur seinen einzigen Sohn gesetzt.
        Den Beitrag von Odysioss65 der sich jetzt nur auf mein ungefähres Lutherzitat bezieht und allerheit Ausflüge in alle Richtungen macht, kann ich jetzt aber schwer auf den Hauptartikel in diesem Blog zurückführen. Dieser Beitrag würde sich vielleicht als eigener Artikel eigenen. Lesenswert ist er.

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