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Die folgende Predigt hielt Prof. Dr. Cornelius Roth (siehe Foto) gestern Abend im Dom zu Fulda während eines Pontifikalamtes mit dem em. Bischof Heinz-Josef Algermissen zum Gedenken an Erzbischof Johannes Dyba, der am 23. Juli 2000 überraschend verstorben ist.
Wir danken  Monsignore Roth  – er ist der Neffe Dybas  – für seine freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung: 

Es war damals ein Schock für viele, als der plötzliche Tod von Erzbischof Dyba mitten in den Sommerferien wie ein Lauffeuer bekannt wurde. 17 Jahre lang war er Bischof von Fulda gewesen (1983 – 2000), dazu 10 Jahre Militärbischof (1990 – 2000).

Immer wieder wird gesagt, dass Johannes Dyba ein Mann war, der durchaus polarisieren konnte. Das ist richtig. Es gab Menschen, die ihn verehrten und hochschätzten, weil er einer der wenigen Bischöfe war, die den Mut hatten, sich auch gegen den Mainstream in der Gesellschaft (und z.T. in der Kirche) zu stellen – zu nennen ist hier vor allem sein Einsatz für das ungeborene Leben –, es gab aber auch andere, die sich durch seine pointierten Äußerungen und Meinungen verletzt fühlten.

Der 25. Todestag ist heute aber eher ein Anlass, auf das zu schauen, was von Erzbischof Dyba bleibt und was er Fulda gegeben hat. Drei Punkte möchte ich nennen:

Er steht für das Bewusstsein, das wir als Kirche immer in eine Weltkirche eingebunden sind.

Das ist gute fuldische Tradition, denn es war schon das Anliegen des hl. Bonifatius von Anfang an und ein Grundstein seines missionarischen Wirkens. Insofern hat er das bonifatianische Erbe weitergeführt.

In den Diskussionen unserer Zeit, wie Synodalität in der Kirche gelebt werden kann, würde Erzbischof Dyba – wie Papst Franziskus es tat – deutlich machen, dass der Weg in die Zukunft gemeinsam gegangen werden muss (nicht gegeneinander), gemeinsam mit Rom, aber auch gemeinsam in den verschiedenen Gruppen in Deutschland.

Ein synodaler Weg, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt, ist keiner. Außerdem muss er vom Gebet getragen sein.

Den Blick auf die Weltkirche hat Erzbischof Dyba aus seiner langen Zeit als Nuntius im diplomatischen Dienst des Vatikans mitgebracht, und es hat der Kirche in Deutschland wohl manchmal auch geholfen, das Wesentliche unseres Glaubens bei allen (auch notwendigen) Diskussionen im Blick zu behalten.

Übrigens erinnert der Eifer, mit dem er sich für eine Verbindung der Kirche mit dem Papst einsetzte, nicht nur an den hl. Bonifatius, sondern auch an die Heilige des heutigen Tages, die hl. Birgitta, die sich um die Rückkehr des Papstes aus dem Exil in Avignon bemühte.

Erzbischof Dyba steht aber auch – das wird viel zu wenig gesehen – für Erneuerung.

Diese sah er vor allem in einer geistlichen Erneuerung. Ihm ging es nicht um Macht oder Posten in der Kirche, sondern um die Hinführung der Menschen zu Gott, um die Erneuerung des Glaubens, wie er es bei seiner letzten großen Predigt beim Bonifatiusjubiläum 2000 auf dem Domplatz gesagt hat, die vielen noch in Erinnerung ist, vor allem das dreifache „Credo, Credo, Credo“!

Es ging ihm um einen wirklichen Aufbruch, der vielleicht etwas anders aussah, als ihn sich manche Reformer(innen) heute vorstellen. Aufbruch bedeutete für ihn nämlich immer auch Umkehr, Umkehr zu Gott, Neuanfang mit Christus, wie es Paulus in der heutigen Lesung schreibt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Mit der Glaubenserneuerung verband er die Leidenschaft für ein missionarisches Christentum. Die Zeit in Afrika hat ihm junge Kirchen vor Augen geführt, die ihren Glauben lebendig und voller Freude gelebt haben. Genau das fehlte ihm in Deutschland.

Schließlich steht Erzbischof Dyba für die Freude, die uns alle erwartet, wenn wir einmal bei Gott sind.

Wer ihn kennenlernte, war immer überrascht von seiner Natürlichkeit, Herzlichkeit und Unkompliziertheit. Er lebte wie ein „Kind Gottes“. Ein Bischof zum Anfassen und doch mit Tiefe.

Er hat die Dinge „sub specie aeternitatis“ – unter dem Blickwinkel der Ewigkeit – betrachtet, verstanden als Einladung, die Dinge dieser Welt nicht zum alleinigen Maßstab des Handelns zu machen.

Wir sollten – so sagte er einmal in einer seiner unnachahmlichen Wortschöpfungen – nicht „zeitgemäß“, sondern „ewigkeitsgemäß“ leben.

Der Grund seiner Freude kam besonders schön in seinem Wahlspruch zum Ausdruck, dass wir alle Kinder Gottes sind. Dieses Bewusstsein ist heute so aktuell wie notwendig, auch im Blick auf die vielen Auseinandersetzungen unserer Zeit.

Wenn sich das die Verantwortlichen und Regierenden unserer Tage öfter mal klar machen würden, dass wir alle Kinder Gottes sind, würde sich sicher das ein oder andere in der Welt ändern.

So hat Erzbischof Dyba einige Impulse gegeben, die auch heute noch wichtig sind und als Korrektiv zu manchen Entwicklungen in der Gesellschaft angesehen werden können. Man muss nicht mit allem, was er sagte, einverstanden sein, respektieren aber sollte man die Haltung eines Bischofs, der für seine Meinungen eintrat und sie ehrlich, offen und transparent kommunizierte.

Am Ende war es ihm wichtig, dass wir mit Gott in Verbindung bleiben, wie die Reben am Weinstock (Evangelium: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in Euch.“). Diese Einladung dürfen wir heute an seinem 25. Todestag mitnehmen.

Vielleicht würde er uns heute zurufen: „Bleibt miteinander und untereinander in Verbindung, gerade auch in den Herausforderungen unserer Zeit, aber bleibt vor allem mit Gott verbunden.“ – Bis in alle Ewigkeit. Amen.

Kommentare

2 Kommentare

  1. Rezension: Die Schrift allein? 21 Gründe gegen das protestantische Bibelverständnis

    https://www.thecathwalk.de/2021/09/30/rezension-die-schrift-allein-21-gruende-gegen-das-protestantische-bibelverstaendnis/

    Sola scriptura – Die Schrift allein? 21 Gründe gegen das protestantische Bibelverständnis – Katholisches

    https://katholisches.info/2021/04/17/sola-scriptura-die-schrift-allein-21-gruende-gegen-das-protestantische-bibelverstaendnis/

  2. Mir ist nicht klar, wie von „Gottes Segen“ zu „mehr noch“ übergegangen werden kann: <> Auch ist eine FRAGE, ob sich „Credo“ als Schlachtruf eignet – antwortet nicht bei der Heilung des furchtbar vom stummen und tauben Geist besessenen Knaben der Vater auf JESU WORTE „alles ist dem möglich, der glaubt“ mit „ich glaube; hilf meinem Unglauben“ {„Mk. 9,24“, unsere Reisebibeln, „Imprimatur“, „24. August 1965“}? Dr. phil. Siegfried Paul Posch

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