Von Prof. Dr. Hubert Gindert
Was in der Weltpolitik passiert, wirkt sich – in der verbundenen Welt (One Wide World) aus. Das geschieht auch mit den Informationen und gilt ebenso für den Markt der Nachrichten. 
Im amerikanischen Wahlkampf wird in unseren Medien deutlich Partei ergriffen, so als ginge es um eine politische Entscheidung in unserem Land. Natürlich wirkt sich das Ergebnis in den USA weltweit, für Europa und für Deutschland in Wirtschaft und Politik aus.
BILD: Hubert Gindert ist Gründer des FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN
Ärgerlich ist aber, dass einseitig informiert wird. Manche Medien verstehen sich als „Volkserzieher“ und wollen bestimmen, was die Menschen denken sollen.
Die Augsburger Allgemeine Zeitung vom 23. Juli kommentierte in drei Beiträgen „Das bedeutet Kamala Harris für Deutschland“, „Eine Kandidatin mit Chancen und Risiken“, „Kann sie es schaffen?“ die neue Situation. Im Text „Das bedeutet Kamala Harris für Deutschland“ steht:
„Für Deutschland wäre ein Sieg der 59jährigen der politisch wünschenswerte Wahlausgang. Denn Harris wird >den großen Linien Bidens< folgen“.
Der Autor Christian Grimm kennt ebenso wenig wie wir das Regierungsprogramm von Kamala Harris. Der Mitbewerber Trump um das Präsidentenamt wird niedergemacht, wie das schon vorher im Duell Biden-Trump der Fall war. Sowohl in der textlichen Argumentation wie in den Bildern.
Die Medien haben keinen Erziehungsauftrag
Die Medien haben in einem demokratischen Staat die Menschen wahrheitsgemäß und umfassend zu informieren, damit sie sich ein Urteil bilden können. Sie haben keinen Erziehungsauftrag, denn so gerieren sie sich.
Um einen ungeliebten Kandidaten als „unmöglich“ darzustellen, werden folgende Methoden praktiziert:
Man rückt ihn in eine radikal rechte, d.h. nationalistische Ebene. Dazu eignet sich der Ausspruch „America first“. Diese Politik lässt sich aber bei allen amerikanischen Präsidenten dingfest machen und es ist auch ihre Aufgabe, die Wohlfahrt des eigenen Landes im Auge zu haben. 
Das wird von Kennern der Situation auch von Kamala Harris erwartet, z.B. vom Journalisten und Moderator der Tagesthemen, Ingo Zamparoni. Er sagt: „Ein Kuschelkurs ist mit Kamala Harrison auch nicht zu erwarten. Sie fährt ebenfalls eine America-first Strategie“.
Zamparoni ist ganz unverdächtig. Er ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet, hat also intime Kenntnis der Situation und gibt sich als überzeugt, dass der „Rückzug (Bidens) für die Partei und das Land eine gute Entscheidung“ war. Der Wechsel habe in der Partei eine „unfassbare Energie und Euphorie freigesetzt“.
Das zweite Argument gegen einen Gegner gilt heute, wenn man einem Bewerber anhängen kann, er sei gegen die Frauenrechte, was konkret heißt, er sei gegen die Liberalisierung der Abtreibung. Hinzu kommt, wenn sich der Bewerber gegen die Gleichwertigkeit aller Formen der Sexualität ausspricht.
Man hat Trump nicht verziehen, dass er bei der Neubesetzung des höchsten amerikanischen Gerichtes eine Frau berufen hat, von der bekannt ist, dass sie für das Lebensrecht ungeborener Kinder eintritt. Damit lassen sich Emotionen hochkochen und am Köcheln halten. Biden praktiziert eine andere Linie.
Von Kamala Harris sagt Margit Hufnagel, die Autorin des Artikels in „Die Frau, die sich was traut“ (AZ, 24.7.24):
„Der Kampf für Frauenrechte prägt seit Jahren ihre Arbeit und könnte auch in der anstehenden Wahl, vor allem jüngere Wählerinnen mobilisieren“. Hufnagel zitiert Thomas Jäger, den US-Experten von der Universität Köln mit den Worten: „Sie wird das Recht auf Abtreibung thematisieren.“
Es sind keinesfalls nur Fragen der NATO, der Wirtschaftspolitik und der Zölle mit China etc., die das Wohlwollen vieler Medien für Kamala Harris und die Gegenposition zu Donald Trump bestimmen, sondern auch die Fragen, die weltweit Sympathie und Antipathie hervorrufen.
Auch hier ist der Gegenspieler des Lebens mit dabei!




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9 Kommentare
Medien sollen uns (Wer ist uns? Mediennutzer wäre der bessere Ausdruck) bitte erziehen im Sinne ihrer Grundausrichtung!
Ich bin nicht katholisch, wahrlich nicht, aber habe nichts dagegen, wenn etwa katholisch-konservative Medien versuchen, ihre Leser im Sinne ihrer konfessionellen Prägung zu erziehen. Und: was dem einen als objektiv erscheint, ist dem anderen eine sehr subjektive Abkehr vom Objektiven! Ob ich etwa vom Schwangerschaftsgewebe spreche oder – wie ich – vom ungeborenen Kind…
Private Medien können gern ihre Ausrichtung haben, wobei sie bei der Wahrheit und Ausgewogenheit bleiben sollen.
Von öffentlich-rechtlichen Medien kann man aber verlangen, dass sie objektiv und – soweit irgend möglich – neutral sind. Und wenn sie eine Meinung wiedergeben, soll das in einem separaten Artikel und mit eindeutiger Kennzeichnung erfolgen.
Öffentlich-rechtliche Medien gehören abgeschafft, auch weil Objektivität und Neutralität kaum möglich sind…bzw. in verschiedenen Augen Verschiedenes sind…
Wir sollten als Deutsche unbedingt die geopolitischen Hintergründe kennen:
Der Dramatiker Rolf Hochhuth schrieb 2014 über Russland, Amerika, Deutschland und Polen:
https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/russland-und-deutschland-es-geht-nicht-um-die-krim-li.13303
Russland und Deutschland: Es geht nicht um die Krim
14.04.2014 15:59 Uhr
„ … Doch die USA können trotzdem ruhig schlafen: Sie wissen ja, was wir Europäer, mit denen sie seit dem Kalten Krieg Blinde Kuh spielen, erst vor zwei Jahren erfahren haben. Und was sie sogar dem allertreuesten ihrer Partner, Konrad Adenauer, stets verschwiegen haben: Dass Kreml und Weißes Haus seit 1952 ein Geheimabkommen haben, demzufolge, sollte doch der Kalte Krieg in einen heißen ausarten, garantiert in Russland und Amerika keine Fensterscheibe kaputtgeht, sondern „lediglich“ Polen und Germany weggemacht werden: Der ungeheuerlichste Verrat an einem Verbündeten, von dem je erfahren hat, wer noch Geschichte liest…
Doch verraten – man hüte sich vor jedem, der einem dankbar sein muß – haben vor allem wir Deutschen wieder einmal die Russen!
So musste Michail Gorbatschow gegenüber dem Bild-Chefredaktuer Kai Diekmann resümieren, und damit ist hier hoffentlich genug gesagt, was uns Deutsche endlich zur kritischen Selbstbefragung hinsichtlich unserer noch andauernden Betrugspolitik gegen Russland anregen sollte.
Gorbatschow sagte: „Kohl, US-Außenminister James Baker und andere sicherten mir zu, dass die Nato sich keinen Zentimeter nach Osten bewegen würde. Daran haben sich die Amerikaner nicht gehalten, und den Deutschen war es gleichgültig. Vielleicht haben sie sich sogar die Hände gerieben, wie toll man die Russen über den Tisch gezogen hat. Was hat es gebracht? Nur, dass die Russen westlichen Versprechungen nun nicht mehr trauen.“
Kanzler Kohl hatte sein Versprechen an Herrn Gorbatschow sogar unter Zeugen mit „Ehrenwort“ bekräftigt.“
Wer wirklich noch daran zweifelt, das die US-amerikanische Politik überlebensentscheidend für Deutschland ist, sollte sich die folgenden Aussagen des Politikers Klaus von Dohnanyi und des Dramaturgen Rolf Hochhuth ansehen.
Frieden und friedlicher Handel mit Russland ist im deutschen Interesse.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/dohnanyi-nationale-interessen-buchkritik-100.html
Klaus von Dohnanyi:
„Ich habe einmal eine Nato-Übung geleitet, im Auftrag von Bundeskanzler Helmut Schmidt, damals im Bunker noch in Bonn. Und ich habe erlebt, was da passiert: Sobald die Russen ein bisschen vorrücken, dann werfen die Amerikaner auf deutschem Boden taktische nukleare Waffen ab, damit die Russen nicht weitermarschieren können. Also ich weiss, was so etwas bedeutet.
Aber man muss natürlich heute beides machen. Man muss über Verteidigung nachdenken und sie verbessern, und man muss unbedingt auch reden. Und dass gegenwärtig nicht wirklich geredet wird, insbesondere von der US-Seite nicht mit Putin geredet wird darüber, was man denn tun kann, um dieses Unglück einzugrenzen, das halte ich wirklich für einen grossen Fehler. Das Nicht-Reden ist leider mit amerikanischen Interessen vereinbar. Mit deutschen Interessen ist es nicht vereinbar.
Der UN-General-Sekretär müsste in Moskau ausloten, wie die Sicherheit der Ukraine garantiert werden kann
Herr Selensky – der Präsident der Ukraine – hat selber gesagt, er sei bereit, eine Neutralisierung der Ukraine in Kauf zu nehmen, wenn es dafür zu einem Waffenstillstand käme. Es wird eine schwierige Operation, weil Putin inzwischen viel erobert hat, aber das ist eine Möglichkeit. Selensky fügte hinzu: «Aber dann muss natürlich für uns eine Sicherheit gegeben werden.»
Deutsche sollten also nur Parteien wählen, die sich wirklich voll für Frieden zwischen Russland und der EU einsetzen.
https://www.compact-online.de/afd-macht-druck-auf-ende-der-ukraine-unterstuetzung/
Ukraine-Krieg: AfD-Chef Chrupallla gibt USA die Schuld
Bombadiert die USA die Ukraine.
Und schlachtet die USA dort die Menschen ab.
Nein es ist der RUSSE.
Und der droht auch uns.
Ja, aber nach meiner bescheidenen Einschätzung haben „wir“ (ich meine vor allem die NATO) ihn auch immer weiter eingekreist und eingeengt.
Wenn Blinde Blinde führen wollen, geht es sicher schief. Herr Prof. Gindert macht doch genau dasselbe, was er anderen vorwirft. Beispiel: „Zamparoni ist ganz unverdächtig. Er ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet, hat also intime Kenntnis der Situation.“ Was ist denn das für ein Argument, um die genaue Kenntnis zu beweisen!
Geflissentlich wird verschwiegen, was Trump während und vor allem nach seiner Amtszeit getrieben hat – er ist ein verurteilter Krimineller! Dem stärkt man hier den Rücken.
Im Übrigen ist mehr als deutlich zu spüren, auf wessen Seite Prof. Gindert steht. Es ist eines jeden Menschen Recht, seine Meinung zu haben. Mit dem Finger auf andere zeigen, die einem nicht passen, dabei genau dasselbe tun, was beklagt wird, das ist scheinheilig.
An der Spitze der Journalisten, die uns erziehen wollen (oder sollen) stehen die des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Für mündige Bürger gibt es dagegen nur eins: ziviler Ungehorsam! Was mich betrifft habe ich seit mehr als einem Jahr die Zahlung der Gebühren eingestellt – mit immer neuen Tricks, um wenigstens etwas Sand ins Getriebe zu streuen :-). Das aber machen leider nur zu Wenige.