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‘S ist Feierabend

Die Sonne steigt hinterm Wald drüben nieder,
besäumt die Wolken rot,
ein jeder legt sein Werkzeug hin
und schwenkt zum Gruß seinen Hut.

’S ist Feierabend, ’s ist Feierabend,
das Tagwerk ist vollbracht,
’s geht alles seiner Heimat zu,
ganz sachte schleicht die Nacht.

2. Und überm Wald ein Vögelein
fliegt nach seinem Nestchen zu.
Vom Dörfchen drüben ein Glöcklein klingt,
das mahnt: Legt euch zur Ruh.

’S ist Feierabend, ’s ist Feierabend,
das Tagwerk ist vollbracht,
’s geht alles seiner Heimat zu,
ganz sachte schleicht die Nacht.

3. Da zieht’s wie Frieden durch die Brust,
es klingt so wie ein Lied,
aus längst vergangnen Zeiten rauscht’s
gar heimlich durch’s Gemüt.

’S ist Feierabend, ’s ist Feierabend,
das Tagwerk ist vollbracht,
’s geht alles seiner Heimat zu,
ganz sachte schleicht die Nacht.

4. Gar manches Herz hat ausgeschlagen,
vorbei ist Sorg und Müh,
und überm Wald ganz sachte zieht
ein Rauschen drüber hin.

’S ist Feierabend  ’s ist Feierabend,
das Tagwerk ist vollbracht,
’s geht alles seiner Heimat zu,
ganz sachte schleicht die Nacht.

 

HINWEISE dazu von unserem Leser Ernst Friedel:

„‘S ist Feierabend” gehört zu den bekanntesten Volksliedern des Erzgebirges. Es stammt aus der Feder des Volksdichters Anton Günther (1876 – 1937) und entstand 1903.

Feierabend? Was meint das Wort? Vor meinen Augen sehe ich ein Bild aus jener Zeit. Einen Bauernhof in einem Dorf. Die Menschen haben den ganzen Tag schwer gearbeitet. Nun geht die Sonne unter, sie legen Sense, Rechen und Hacke beiseite und machen sich auf den Heimweg. Die Tiere müssen noch betreut werden und das Abendessen wird zubereitet. Um den Tisch sitzen Bauer, Bäuerin, Dienstboten und Kinder. 

Nach dem Tischgebet greifen alle tüchtig zu. Dann beginnt der Feierabend. Man spricht über die Ereignisse des Tages und Geschichten aus der Vergangenheit werden erzählt. Manche davon sind ein bisschen gruselig. Gespannt lauschen die Kinder und machen sich dabei ihre Vorstellungen. Nein, Handys gab es damals nicht.

Während man erzählt, klopft es an der Tür. Es ist der Dorfschullehrer, der für ein paar Minuten reinkommen will, um Guten Abend zu sagen. Auch er hat einiges zu erzählen und gespannt hören alle zu. Meistens berichtet er über die Erlebnisse, die er auf seinen Reisen hatte.

Wieder klopft es. Nun ist es der Kirchendiener Johann, der nur für ein paar Minuten reinschauen wollte. Er kommt von der Dorfkirche, wo er alles für den morgigen Gottesdienst vorbereitet hat. Obwohl das, was erzählt wird, interessant ist, kommen nicht alle zu Wort.

Das merkt der junge Knecht. Er holt seine Gitarre und stimmt freudig ein bekanntes Volkslied an. Alle singen freudig mit. Gesang verbindet und jeder kommt zu Wort.

Der Lehrer und der Kirchendiener wollten nur für ein paar Minuten reinkommen, aber inzwischen sind zwei Stunden vergangen. Man hat viele schöne Lieder gesungen, meistens mehrstimmig. Es war ein schöner Abend und es ist Harmonie und Freude zu spüren. Das alles geschah, bevor es Radio und Fernseher gab.  Es ist spät geworden und zum Schluss singen sie gemeinsam das Lied „‘s ist Feierabend“.

Wir finden es hier: https://www.youtube.com/watch?v=vtyzhJDz7LI Es singt Eberhard Hertel.

Foto: Ulrich Macioszek

Kommentare

3 Kommentare

  1. „Aus längst vergangnen Zeiten rauscht’s / gar heimlich durch’s Gemüth…“
    Aber das Foto ist garantiert nicht aus dem Erzgebirge, eher wohl aus den Karpaten.

    1. Guten Tag,
      das Foto ist aus den Alpen,
      Gebirge ist Gebirge,
      zudem können Sie uns gerne ein Foto aus dem Erzgebirge übermitteln, wir freuen uns dann!
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

  2. Die Freiheit, als wir Kinder waren

    Vergangen sind seit vielen Jahren
    die Zeiten, als wir Kinder waren.
    Gingen mit einem Buch zu Bett,
    statt Computer und Internet,
    und morgens nach dem Frühaufstehen
    gab es als erstes nicht Fernsehen,
    denn so ein Ding war damals selten,
    wir lebten in ganz andren Welten.
    Die waren nicht von dem geprägt,
    was Gemüter heute bewegt.
    Weib war Weib und Mann war Mann,
    waren die rechten Teile dran.
    Schwule und Lesben gab es auch,
    doch war es nicht wie heute Brauch,
    das als Verdienst hervorzuheben,
    die hat es einfach so gegeben.
    In Schulen gab es echtes Wissen,
    statt wie heut‘ falsche Prämissen.
    Selbst, dort wo die Roten regierten,
    wie jetzt Kinder indoktrinierten,
    man Rechnen, Lesen, Schreiben lehrte
    und nicht ins Gegenteil verkehrte
    der Worte Sinn soweit wie möglich,
    wie es zurzeit ist unerträglich.
    Die Welt war noch Realität
    und nicht wie jetzt von früh bis spät
    geprägt von woken Heilsverkündern,
    die wie im Mittellalter Sündern
    lehren, wie wir zu leben haben,
    und uns nicht etwa daran laben
    was dereinst war deutsche Kultur.
    Wir hatten auch ganz viel Natur,
    nicht Handy und nicht Video
    vielleicht sogar noch auf dem Klo,
    das wir eher ganz schnell verließen,
    um unsre Freiheit zu genießen.
    Die war im Osten etwas schmal,
    sieht man das territorial.
    Sozialistischer Gesinnungsbrei
    ging uns doch am Gesäß vorbei.
    Erst als Erwachs’ne hatten wir
    wie jetzt des Niedergangs Gespür.
    Nicht ‚mal im kleinen Reich der Roten
    war Heimat wie jetzt fast verboten.
    Förderten sogar das Kinderkriegen,
    der Sozialismus sollte siegen
    und sich nicht zerstören lassen
    von fremden Handaufhaltermassen.
    Geht die Entwicklung immer weiter,
    sind Volk und Staat nicht bald gescheiter,
    werden heut‘ Kinder nie erfahren
    die Freiheit, als wir Kinder waren.

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