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Vor 110 Jahren sank die Titanic: Drei Priester an Deck setzten sich heldenhaft ein

Von Elmar Lübbers-Paal

Es war etwa 23:40 Uhr in der Nacht des 14. April 1912, als der Späher im „Krähennest“ drei mal die Glocke schlug mit dem darauffolgenden Ruf Richtung Brücke: „Eisberg direkt voraus!“

Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch kein Passagier, dass diese unheilvolle Meldung der Anfang vom Ende dieses als unsinkbar geltenden Schiffes war.

Selbst das sofortige Drehen des Ruders und das Rückwärtslaufenlassens der Maschinen konnte nicht mehr verhindern, dass der unter Wasser liegende Teil des Eisbergs fünf Schotten des Schiffes wie eine Konservendose aufschlitzte. Wenn nur eine Schotte weniger zerstört worden wäre, hätte die Titanic weiterfahren können.

Doch mit diesem Schaden war bald klar, dass es keine 90 Minuten mehr dauern würde, bis das Protzschiff sinken und für mehr als tausend Menschen ein kühles Grab werden würde.

Der englische Pater Roussel Davids Byles, der täglich die Heilige Messen für Passagiere in der zweiten und dritten Klasse mit Predigten in Englisch und Französisch hielt, befand sich beim Zusammenstoß an Deck.

Er informierte umgehend den deutschen Benediktiner Joseph Peruschitz aus dem Kloster Scheyern. Pater Joseph war für die Predigten in Deutsch und Ungarisch verantwortlich. Die Geistlichen gingen sofort wieder an Deck.

Bald darauf wurden die ersten Rettungsboote, oft weniger als halb besetzt, zu Wasser gelassen. Die Mannschaft bat die Priester um Unterstützung, damit möglichst viele Frauen und Kinder sich in die Rettungsboote begeben mögen.

Augenzeugen berichteten später: „Der Benediktinerpater Joseph Peruschitz aus Scheyern und Pater Byles aus England waren, als die Katastrophe eintrat und Frauen und Kinder in die Boote geschafft wurden, sofort zur Hand, um allen, soweit es möglich war, zu helfen.“

Ein weiterer Zeuge erinnerte sich: „Seine Gebete fortsetzend begleitete er (einer der Priester) uns dorthin, wo die Rettungsboote hinabgelassen wurden. Als er den Frauen hinein half, flüsterte er ihnen Worte des Trostes und der Zuversicht zu.“

Die Priester Byles und Peruschitz gingen noch in die Räume der zweiten Klasse, um auch hier die Menschen vor dem nahenden Unglück in Kenntnis zu setzen und dafür zu sorgen, dass alle an Deck kamen. 

Wieder an Deck, lehnten diese beiden Priester –  und ein weiterer mit dem Namen Juozas Montvila aus Litauen –  den ihnen angebotenen Sitzplatz in einem der letzten Rettungsboote zu Gunsten anderer Passagiere ab.

Sie wollten lieber in den letzten Minuten ihres Lebens den todgeweihten Menschen auf der Titanic geistig beistehen. Sie sprachen Worte der Absolution und beteten mit ihnen.

Ein Zeuge berichtet: „Als das letzte Boot hinabgelassen war, sahen die Insassen dieses Bootes ganz deutlich, wie die beiden Priester den Rosenkranz vorbeteten, und hörten, wie eine große Anzahl kniender Passagiere in inbrünstigen Gebeten antworteten. Dann erloschen die Lichter der Titanic, so dass man nichts mehr sehen konnte; aber man hörte weder Jammergeschrei noch Schreckrufe.“

1496 Menschen riss die Titanic um 2:20 Uhr des 15. Aprils 1912 mit auf den Meeresgrund, carunter auch die drei katholischen Priester Byles, Peruschitz und  Montvila. Letzterer gilt in Litauen als Held und man bemüht sich um ein Seligsprechungsverfahren für ihn.

An Pater Peruschitz erinnert sein Toten-Gedenkstein im Kloster Scheyern: „Qui in nave ista Titanica pie se devovit“  – „Der auf dem Schiff Titanic gottesfürchtig sein Leben hingegeben hat.“ –  Erinnerungsstücke an ihn gibt es auch in seiner Heimatpfarrei in Dorfen.

Quelle für das Titelbild: https://www.kath.net/news/36189

 

 

Kommentare

2 Antworten

  1. Es gibt so viele Nachkommen, die aus der Linie der Familien kommen, die das Unglück auf der Titanic überlebt haben und es vielleicht sogar diesen Priestern zu verdanken haben. Für alle jene, die es nicht in die Rettungsboote geschafft haben, ist die Hoffnung, dass sie den offenen Himmel schon sahen, bevor sie auch das nasse Grab zu spüren bekommen haben. Bei Stephanus war das so, dass er, noch während er noch im Körper steckte , den offenen Himmel sah.

  2. Echte Geistliche.
    In der Katastrophe bei den Menschen geblieben.
    In der Corona-Krise haben hierzulande die meisten Priester ihren Dienst gar nicht gemacht . Obwohl gerade in der Ungewissheit, in der die Menschen lebten , der Halt durch die Priester dringend gebraucht wurde.
    Ich denke, die meisten von den heutigen Priestern würden bei einem Schiffbruch zuerst an sich und Ihre Rettung denken.

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