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Warum der Liebesflammen-Rosenkranz theologisch irreführend ist

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten ist in erscheinungsbewegten Kreisen die Andacht zurLiebesflamme des Unbefleckten Herzens Mariens“ weltweit im Umlauf, die auf angebliche Visionen der ungarischen Seherin Elisabeth Kindelmann zurückgeht.

Über die damit verbundenen „Botschaften“ gibt es dutzende Bücher, Broschüren und Gebetshefte auch in deutscher Sprache.

Neben gewissen Grundgebeten, die Frau Kindelmann direkt vom Himmel erhalten haben will, ist vor allem der Liebesflammen-Rosenkranz im marianischen Spektrum recht weit verbreitet. 

Er gehört zu der großen Zahl von „Sonder-Rosenkränzen“, die auf bestimmte Privatoffenbarungen zurückgehen – also nicht zu verwechseln mit dem herkömmlichen kirchlichen Rosenkranz, der seit über 500 Jahren existiert.

Zur Basis der „mystisch“ erlangten Liebesflammen-Gebete der Seherin gehört auch folgende Anrufung zu Christus:

„Unsere Schritte mögen gemeinsam gehen. Unsere Hände mögen gemeinsam sammeln. Unsere Herzen mögen gemeinsam schlagen. Unser Innerstes empfinde gemeinsam. Die Gedanken unseres Geistes seien eins. Unsere Ohren mögen gemeinsam auf die Stille hören. Unsere Augen mögen ineinander schauen und sich verschmelzen. Unsere Lippen mögen gemeinsam zum Ewigen Vater um Erbarmen flehen!“

Diese „Verschmelzungs“-Andacht ist an sich schon grenzwertig genug, weil sie dazu neigt, den grundlegenden Unterschied zwischen dem Schöpfer und seinem Geschöpf, zwischen Gott und Mensch zu „überspringen“.

Theologisch völlig unsinnig ist aber der letzte Satz:

Wie kann denn ein Gläubiger „gemeinsam“ mit Christus (!) Gott-Vater um „Erbarmen“ anflehen?!  – Als ob unser göttlicher Erlöser beim „ewigen Vater“ um Gnade bitten müßte! – Zudem ist ER als Gott-Mensch  – ebenso wie der Vater und der Hl. Geist – selber die Quelle und der Spender aller Gnaden.

Nun zum sogenanntenLiebesflammen Rosenkranz“.

Auf den kleinen Perlen soll jeweils (also zehnmal) folgendes Stoßgebet gesprochen werden: „Mutter, rette uns durch die Liebesflamme deines Unbefleckten Herzens.“

Die Gottesmutter ist als größte Heilige aller Zeiten unsere wirkmächtige Fürsprecherin, aber keine Retterin –  „retten“ kann uns GOTT allein.

Nach jedem Gesätzchen soll man sodann beten: „Mutter Gottes, überflute die ganze Menschheit mit dem Gnadenwirken deiner Liebesflamme, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“

Dazu seien drei Kritikpunkte angemerkt:

1. Die Madonna kann keine göttlichen Gnaden „wirken“, sondern durch ihre Fürbitte lediglich vermitteln.

2. Was soll das „Überfluten der ganzen Menschheit“ genau beinhalten? Eine Art Gießkannenprinzip, mit dem Gläubige und Ungläubige, Bußfertige und verstockte Sünder zugleich ungefragt „überflutet“ werden?!

3. In dieser fragwürdigen Anrufung zeigt sich wieder einmal das problematische Verdrängungs-Prinzip als Grundmodell in der Pseudo-Mystik:

Bekennt sich der Beter im herkömmlichen Ave Maria  –   „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“  –  ausdrücklich als Sünder, so fehlt dieser wichtige „Punkt“ hier interessanterweise. Er wird ersetzt durch sentimentalen Kitsch („Liebesflamme“).

Somit wird etwas Wichtiges verdrängt durch etwas weniger Wichtiges, ja sogar Fragwürdiges. Da die neue Version aber sooo oberfromm daherkommt, fällt das raffiniert versteckte Problem dem Beter in der Regel wohl kaum auf.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 

Kommentare

3 Antworten

  1. Sehr geehrte Frau Küble, ich fürchte, es gibt Schlimmeres.
    Im Lichtreichen Rosenkranz von Johannes Paul II. fehlt ein wichtiger Halbsatz und eine bedauerliche Auslassung:
    Taufe „im Jordan“
    Eine Unterschlagung:
    Jesus, der das Reich Gottes verkündet „und zur Umkehr gerufen“ hat.
    Sie wissen sicher genau so wie ich, daß das Wort „Umkehr“ das Unwort der letzten 50 Jahre ist.
    Es scheint, daß die „Kirche“ mit dem rechten Glauben den Verstand verloren hat. Sie fällt auf jeden zeitgeistigen Blödsinn herein.

  2. Irgendwie erinnert mich das ganze Vokabular dieses „Liebesflammen-Rosenkranz“ an das „Plappern der Heiden“, vor denen uns Jesus selber warnt. Wenn Gott schon weiss, um was wir ihn bitten sollen, brauchen wir keine ausschweifenden oder sinnentstellten Worte, in denen man sich nur verzettelt und am Ende gar nicht mehr weiss, was man am Anfang gesagt hat.
    Es ist für einen „normal sterblichen“ Christen schon eine Herausforderung, regelmäßig zum „normalen“ Rosenkranz zu greifen, weil der Satan alles versucht, um uns von diesem Gebet fernzuhalten. Weniger ist in diesem Fall genug oder wie ein kluger Mensch mal sagte: Besser einen schlecht gebeteter als gar kein gebeteter Rosenkranz. Aber dann bitte so, wie es uns vom Lehramt vorgeschrieben ist.

  3. Ja, man sollte doch viel besser die Grundwahrheiten des Glaubens kennen. Den Katechismus immer wieder in die Hand nehmen und sich auch gegenseitig im Glauben stärken, was hier auf dieser Plattform geschieht.

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