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Was ich selber erlebte – und wie sich unser Pfarrer durch Medjugorje veränderte

Von Wolfgang Kasten

Zunächst ein persönliches Erlebnis: Nach einer Sitzung unseres Kirchenvorstands im Sommer dieses Jahres nahm ich unmittelbar beim Verlassen unseres Gemeindehauses den Mund-Nasen-Schutz ab. Ich habe es nicht weit bis zu meiner Wohnung. Dennoch war es bereits ziemlich dunkel, als ich zu Hause ankam.

Jetzt erst bemerkte ich, dass ich das Klappern meines Schlüsselbundes zwar in meinem linken Ohr hören konnte; das Hörgerät aus dem rechten Ohr hingegen hatte ich verloren!

Ich lief sofort zurück und fand vor dem Gemeindehaus noch zwei oder drei weitere Angehörige des Kirchenvorstands, denen ich meinen Verlust schilderte. Die anderen und ich machten uns sogleich auf die Suche, wobei wir den gepflasterten Boden vor dem Gebäude mit unseren Smartphone-Lampen beleuchteten. Vergebens!

Nach einer ziemlich schlechten Nacht wurde ich um 5:30 Uhr wach. Es war schon taghell und ich begab mich erneut zum Gemeindehaus, wo ich vielleicht gegen 5:45 Uhr eintraf. Von da an habe ich eine Fläche, die etwa 20 × 20 m groß war (in diesem Bereich musste ich meine Maske abgesetzt haben und nur hier konnte das kleine Gerät auch liegen!) intensiv abgesucht.

Nach meinem Eindruck hatte ich bis ca. 6:20 Uhr jeden Quadratdezimeter mindestens dreimal in Augenschein genommen – vergeblich!

Da erinnerte ich mich an meine vor Jahrzehnten verstorbene Mutter, die in ähnlichen Situationen ein Stoßgebet zum heiligen Antonius sandte. Mein Glaube an „Wunder“ ist  –  vorsichtig ausgedrückt  –  nicht sonderlich ausgeprägt. Das Gleiche gilt für die Anrufung eines Heiligen.

Ich habe es dennoch gemacht, allerdings in dem nicht sehr christlichen Bewusstsein: „Es kann ja nicht schaden, wenn…“.

Gleichzeitig habe ich entschieden, die Suche um 6:30 Uhr abzubrechen und auf dem Rückweg bei meinem Bäcker vorbei zu gehen, um meine Ehefrau mit frischen Brötchen zu überraschen.

Zwei oder drei Minuten vor diesem Endzeitpunkt fand ich auf einem Pflasterstein, den ich nach dem subjektiven Empfinden mindestens fünfmal betrachtet haben musste, das kleine Gerät, das „eigentlich“ bei der unkoordinierten abendlichen Suche am Tage zuvor hätte zertreten worden sein müssen; zudem war es in der Nacht recht windig, sodass das Teil mit den zahlreichen Lindenblüten, die am Boden lagen, längst hätte weggeweht sein müssen.

Ein Wunder? – Jedenfalls ein Sachverhalt, für den sich nicht ohne weiteres eine „vernünftige“ Erklärung finden lässt. Ich zermartere mir wegen dieser Frage nicht den Kopf, auch wenn ich als Dank für Antonius‘ Hilfe in der im Nachbarort gelegenen Kirche Sankt Antonius und Vitus eine Dankesmesse habe lesen lassen.

Wie steht es nun mit Medjugorje?

Aber kann es sein, das in einem kleinen Ort auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien in schöner Regelmäßigkeit (Wunder neigen doch dazu, eher selten aufzutreten!) ein Wunder geschieht, indem die Muttergottes einer ausgewählten Schar von Sehern erscheint, denen sie ebenfalls in schöner Regelmäßigkeit die immer gleichen Dinge zur Weitergabe an die Christenheit diktiert?

Man kann über Medjugorje  –  auch und gerade als bekennender Katholik  –  denken, wie man will. Und jeder, dem eine Wallfahrt dorthin für das persönliche Seelenheil gut tut, mag seinen Neigungen nachgehen.

Bedenklich wird es allerdings, wenn ein „Wallfahrer“ zurückkehrt und den Eindruck vermittelt, er habe sich einer vollständigen Gehirnwäsche unterziehen müssen.

Unser ehemaliger Pfarrer, Jahrgang 1960 (mittlerweile versetzt, aber immer noch im aktiven Kirchendienst), trat im Jahre 1992 bei uns seine erste Stelle als Leiter einer Pfarrei mit ca. 3000 (oder auch ein paar mehr) Seelen an. Wir alle einschließlich der damals bei uns noch sehr aktiven Verbände (KAB, KFD, Kolping) haben uns sehr gefreut, nach einer längeren Vakanz mit „Aushilfspriestern“ endlich einen jungen, liberalkonservativen Geistlichen anzutreffen, der tolle Ideen mitbrachte, die er mehrere Jahre lang mit großer Unterstützung der Gemeinde umsetzte und so das Gemeindeleben richtig in Schwung brachte.

Ich fand es sehr schade, dass er wenige Monate zu spät hier eintraf, um meine Tochter taufen zu können; das hatte schon ein Aushilfsgeistlicher erledigt.

Doch dann meldete sich dieser tolle Kerl für „Exerzitien“ ab, die zwei oder drei Wochen in Anspruch nahmen. Die Gremien der Gemeinde und auch die Verbände erfuhren nicht, wie er seine Abwesenheit im einzelnen gestalten wollte. Als er allerdings zurückkam, hatten wir einen komplett anderen Menschen vor uns! 

Seine Aufgaben als Präses von Kolping, KAB und KFD und als Leiter der Pfarrei übte er erkennbar nur noch als „lästige Pflicht“. Aber er konfrontierte uns regelmäßig mit neuen Ideen aus Medjugorje, legte die kleinen gelben Zettel mit den immer gleichen Äußerungen der „Muttergottes“ in das Schriftenfach (dort blieben sie auch zum größten Teil liegen!) und brachte in unregelmäßigen Abständen „Missionare“ in den sonntäglichen Hauptgottesdienst.

Ich weiß nicht mehr, um welche Leute es sich seinerzeit handelteund aus welcher geistlichen Provenienz sie stammten.

Ich erinnere mich allerdings an ein junges Paar, das an einem Sonntag um 11 Uhr (Hochamt) – ohne vorherige Ankündigung im Schaukasten vor der Kirche oder in den Vermeldungen am vorangegangenen Sonntag  –  eine „getanzte Predigt“ vorführte. Die beiden Leute, deren Kleidung ein wenig an die frühe Kelly-Family erinnerte, machten im Chorraum rund um den Altar seltsame Bewegungen, die mich an die Beschwörung einer Naturgottheit im Afrika des 19. Jahrhunderts erinnerten.

Ich habe die Angelegenheit nicht weiter verfolgt; vielmehr habe ich  –  was in meinen 69 Lebensjahren wirklich selten vorgekommen ist  –  den Gottesdienst während der „Predigt“ verlassen. Ich habe seinerzeit nur einer einzelnen Messe den Rücken zugekehrt. Viele andere Mitglieder unserer Gemeinde haben in der Folgezeit die Kirchen in den umliegenden Orten besucht; manche haben allerdings ihre „Sonntagspflicht“ komplett eingestellt.

Wir haben es eigentlich bedauert, dass das Erzbistum Paderborn seit Jahren damit befasst ist, die „kleinen“ und im jeweiligen Wohnort festverwurzelten Gemeinden aufzulösen, um sie zu größeren Einheiten zusammenzulegen.

Für uns war diese Entwicklung allerdings ein Glücksfall: Unsere Pfarrei hat seit einiger Zeit einen jungen Pfarrer aus dem „tiefsten Sauerland“ , der seinen Beruf wirklich als „ Berufung“ begreift und trotz des „Kirchturmdenkens“ in den ehemaligen Gemeinden von allen Angehörigen der neuen Großgemeinde anerkannt ist.

Herzliche Grüße aus Arnsberg im Sauerland

Kommentare

Eine Antwort

  1. Ich sehe in der „Medjugorje-Bewegung“ eine schwarmgeistige Abirrung und Umkehrung der biblischen Aussage von Maria, die gesagt hat: „WAS ER EUCH SAGT, DAS TUT“! – Man legt dort die Worte Jesu in den Mund von Maria! Das ist klar Irrlehre!

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