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WEIHNACHT: Laute Welt liegt traumverloren…

DIESES wunderschöne, sehnsuchtsvolle Gedicht, das hiermit erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblickt, erhielten wir von unserer hochbetagten Freundin Marianne Junior aus Schmallenberg im Sauerland.
Diese wehmutsvollen und himmelwärts führenden Verse verfaßte zu Weihnachten 1944 ein tiefgläubiger Soldat, der ihr geistiger Gefährte war: Kurt Wagner
(siehe Foto).

Er schrieb das Gedicht in nur 3 mm großer Schrift mit Bleistift auf sehr kleinen Blättern. Leider starb der tiefsinnige Mann, der sich der damaligen katholischen Jugendbewegung und ihrem hohen Idealismus verbunden fühlte, schon kurze Zeit später in den Wirren des Krieges.

Weihnacht

Dichter Schnee auf weißen Feldern,
makellos und sternenrein,
heimlich raunt es in den Wäldern:
Bald muß wieder Weihnacht sein.

Im Schlafe träumt ein weißer Schleier,
eingemummt dein Elternhaus,
kristallen glänzt der kleine Weiher,
wie verzaubert sieht er aus.

Schäfchen gleich auf heiliger Weide
ziehen Wolken hoch in Blau.
Dir gedenkt im wehen Leide
eine ferne Frau.

Und wohl rinnen Tränen leise
übers wetterhart´ Gesicht.
Nach dem Herzen greift die Weise:
Heimat, dich vergeß ich nicht!

Und dann ists ein heller Schimmer,
der von dir nach Hause zieht
in ein festlich trautes Zimmer,
und du singst ein Weihnachtslied.

Laute Welt liegt traumverloren
in der Wintereinsamkeit.
Bald wird Christus uns geboren,
auch in dieser wirren Zeit.

Über Ewigkeiten droben
klingt ein Engelsingen fein –
und wir werden hoch erhoben
in ein immerwährend´ Sein.

Und von uns fällt ab das Kleid
einer fremden, grausigen Welt;
hellgeläutert unser Leid,
steigt zum nahen Sternenzelt.

Dort ist Stille, Ruh und Frieden,
nach dem unsere Herzen ringen.
Dort ist Weihnacht, die hinieden
niemals uns die Welt kann bringen.

Dort ist Fülle, Liebe, Leben.
Dort ist lichter Hoffnungsschein.
Dort ist alles, was gegeben.
Dort muß unsere Heimat sein.

Und erneut mit all den Deinen
sprich ein weihnachtlich Gebet,
und vergiß das wehe Weinen,
das in deinen Augen steht.

In Gedanken mit den Lieben
stehst Du dann am Lichterbaum,
dankst für das, was dir verblieben
in dem kurzen Zeitenraum.

Und ein Englein schwebt von hinnen
durch die Stub im Kerzenschein,
trägt dein demutsvolles Sinnen
in den ewigen Himmel ein.

Auf einmal tönt ein Glockenläuten
und heilig wird die arme Nacht.
Auf blütenweißen Engelsschwingen
wird das Christkind uns gebracht.

Nun ist Weihnacht auf der Erde.
GOTT gab selber uns die Hand.
Wir beten, daß es Friede werde,
weit liegt unser Heimatland.

Kurt Wagner

.

Kommentare

3 Antworten

  1. Was war der Glaube für diesen Soldaten 1944 für eine Gnade, für eine Rettung, für ein Weihnachtssegen. Danke für die Veröffentlichung! Ich habe das Gedicht sofort für mich abgespeichert. Weiß man mehr über den Verfasser?
    Wie wunderbar, dass es einen Himmel gibt, wo die Dame dann diesen Soldaten wiedersehen kann, wo er aufgenommen wurde. Erschütternd seine Schlusszeile auch: „weit liegt unser Heimatland“.
    Wieviele Menschen aber haben auch heute das „wehe Weinen“ in den Augen!
    Wieviele Mütter, Verlobte, Schwestern, Großmütter haben als „ferne Frau“ damals an ihre Lieben im Krieg gedacht! Und heute ist wieder Krieg, immer wieder angezettelt von Verbrechern. Durch so ein Gedicht kann die Jugend – eigentlich jeder – Empathie lernen.
    Gedichte kleiden Wahres in schöne Sprache. Daher sind die Inhalte leichter verständlich und gehen oft leichter ins Herz.

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