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Von Felizitas Küble

Der katholische Jugendschriftsteller Günter Stiff (Gründer unseres Christoferuswerkes) und ich haben Dr. Werner Neuer bereits Mitte der 80er Jahre kennen- und schätzen gelernt. Am 21. Dezember 2025 hat der HERR ihn nach schwerer Krankheit zu sich gerufen.

Der evangelische Theologe, Dozent und biblisch geprägte Pfarrer engagierte sich schon damals gemeinsam mit kirchentreuen Katholiken für christliche Werte in der Politik, die Zehn Gebote und für das Lebensrecht aller Menschen. Zusammen mit unserem evangelikalen Mitstreiter organisierten wir in den 80er Jahren etliche Versammlungen, darunter eine Tagung führender katholischer und evangelischer Verantwortungsträger unter dem Titel „Christliches Forum“. 

Als der vielseitige Schriftsteller 1993 sein Buch „Mann und Frau in christlicher Sicht“ herausbrachte, haben wir es jahrelang bis zuletzt in unserem Jugendkalender KOMM-MIT empfohlen. In jener Zeit war Neuer wissenschaftlicher Assistent des bekannten ev. Missionstheologen Prof. Dr. Peter Beyerhaus, mit dem wir ebenfalls bis zu seinem Tod im guten Kontakt standen. 

Für den 1951 in Heidelberg geborenen Theologen und Familienvater (sieben Kinder) sowie für seine Frau Rut waren „Bibel und Bekenntnis“ die Basis für Denken, Glauben und Leben.

Der katholischen Kirche stand er vor allem in sittlichen Fragen und Herausforderungen sehr nahe, etwa im Einsatz gegen Abtreibung, Euthanasie, aber auch in puncto „Nein zur Frauenordination“ sowie im ethischen Verständnis von Ehe und Familie. Erst recht hielt er homosexuelle Partnerschaften im evangelischen Pfarrhaus für biblisch nicht akzeptabel.

Dr. Werner Neuer verteidigte sogar die päpstliche Enzyklika „Humanae vitae“ (= menschliches Leben) und lehnte somit „Pille“ und künstliche Verhütungsmethoden ab, was selbst für evangelikale Theologen ungewöhnlich erscheint.

In der wesentlich von ihm verfaßten „Salzburger Erklärung“, die wir damals vor zehn Jahren an über tausend Persönlichkeiten versandt haben, wird in diesen moraltheologischen Fragen ein klarer Standpunkt vertreten. Das fundierte Manifest, das als Broschüre erschienen ist (und nach wie vor bei uns bezogen werden kann), wurde von katholischen Amtsträgern (darunter Papst Benedikt), führenden Othodoxen und Protestanten unterzeichnet.

Werner Neuer, zugleich Gastautor in unserem CHRISTLICHEN FORUM, hat mir auch in persönlichen Gesprächen seine Wertschätzung für Benedikt XVI. mitgeteilt. Zuletzt traf ich ihn persönlich bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde für den evangelischen Theologen und Bestsellerautor Peter Hahne  vor drei Jahren, die durch die Universitäre Theol. Hochschule Basel erfolgte (unser Bericht dazu siehe HIER).

Neuer hat mit Hahne (siehe Foto) einst zusammen in Tübingen studiert. Zu meiner frohen Überraschung wurde ich bei dem Festakt per Sitzordnung neben Pfarrer Neuer platziert, so daß wir uns gut über Neuigkeiten aus Kirche und Politik austauschen konnten.

Peter Hahne würdigt seinen ehemaligen Kommilitonen: „Gemäß dem biblischen Motto „Suchet der Stadt Bestes“ war er ein Mann der ersten Stunde im Einsatz gegen Corona-Panik und Grundrechtseinschränkungen.“

Neuers konservativ-ökumenische Grundhaltung zeigte sich auch darin, daß er nicht allein an evangelischen Hochschule dozierte, sondern auch an der  katholischen Gustav-Sieverth-Akademie in Bierbronnen. Zudem war er als einziger Protestant ständiger Gast im sogenannten „Schülerkreis“ von Kardinal Joseph Ratzinger bzw. Papst Benedikt.

Zugleich war der lutherische Pfarrer 15 Jahre lang bis zu seinem Tod Vorsitzender der Theologischen Kommission der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG)  –  und er gehörte bereits seit 1990 zum Trägerkreis der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Dr. Werner Neuer war zudem ein großer Anhänger von Erzbischof Johannes Dyba, dem tapferen, zeitgeistkritischen Oberhirten von Fulda.

Für ihn war es selbstverständlich, sich als Co-Autor an unserem Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ zu beteiligen. 

Wir dokumentieren hier Neuers Beitrag aus diesem Sammelband vollständig, zumal in dieser Würdigung des katholischen Gottesmannes zugleich seine tiefe Wertschätzung für katholische Gläubige erkennbar wird:

Pfarrer Dr. Werner Neuer

Ein Verlust auch für Protestanten

Die Nachricht vom plötzlichen Tod des Fuldaer Erzbischofs Johannes Dyba hat auch bei vielen evangelischen Christen Betroffenheit und Trauer ausgelöst. Denn sein Tod bedeutet nicht nur für die römisch-katholische Kirche, sondern auch für die evangelische Christenheit einen schweren Verlust.

Kein Kirchenführer in Deutschland hat so eindringlich, beharrlich und mutig den Skandal der hunderttausendfachen Tötung ungeborener Kinder angeprangert und das unantastbare Lebensrecht des Menschen von der Empfängnis an verteidigt.

Kein Kirchenführer hat die Lebensrechtsbewegung in unserem Land so nachdrücklich unterstützt und inspiriert wie er. Durch seinen leidenschaftlichen und schließlich erfolgreichen Kampf gegen die Verwendung kirchlicher Beratungsscheine als „Tötungslizenzen“ hat er bei Christen aller Konfessionen Unterstützung gefunden.

Überhaupt haben zahlreiche Protestanten sein nicht nur in der Abtreibungsfrage deutlich werdendes Engagement für eine Orientierung der Rechtsordnung an den Geboten Gottes und gegen eine ethische Aushöhlung des Rechts mit Sympathie verfolgt. Schon seit Jahren stammte gar die Hälfte der an ihn gerichteten ermutigenden Briefe von Protestanten!

Wenn Johannes Dyba gelegentlich vor scharfer Polemik nicht zurückschreckte, dann stellte er sich damit in die biblische Tradition prophetischer Verkündigung, zu der stets auch ein provozierendes und schroffes Geltendmachen der göttlichen Wahrheit gehört hat.

Er wäre freilich ein Zerrbild, wollte man in dem streitbaren Bischof nur einen Eiferer für die Gebote Gottes sehen. Der Grundton seines bischöflichen Wirkens war vielmehr die Freude am Evangelium von der dem Glaubenden geschenkten Gotteskindschaft als einem „endlosen Glück des Menschen“.

In dieser Grundhaltung wurzelte sein nicht minder leidenschaftliches Interesse daran, die „riesige Botschaft“ vom Heil in Christus unserer nachchristlichen Gesellschaft nahezubringen und für eine Neuevangelisierung einzutreten.

Dyba war nie jener romhörige reaktionäre Kirchenfürst, als den ihn manche Medien hinstellten. Wer ihn persönlich kennenlernte, erlebte ihn als humorvollen und zutiefst brüderlichen Mitchristen. Er sah sich ausdrücklich nicht als „Lakai“ des Vatikans, sondern als ein unbestechlicher Hirte, der seinem Gewissen auch dann folgte, wenn es Konflikte mit sich brachte.

So engagiert Dyba die Anliegen der irdische Kirche wahrnahm, so entschieden richtete er seinen Blick auf die ewige Welt Gottes: Auf die Begegnung mit Gott dem Richter, vor dem allein er als Bischof letztlich Rechenschaft abzulegen hat, vor allem aber (wie er es in einer seiner letzten Predigten formulierte) auf das uns verheißene „himmlische Jerusalem, die Tochter Zions, die da laut jubelt in der Gegenwart ihres Gottes.“

Mit Johannes Dyba ist ein Zeuge Gottes von uns gegangen, dessen Stimme wir schmerzlich vermissen werden.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 

 

Kommentare

6 Antworten

  1. Zur aktuell sehr preiswerten Beschaffungsmöglichkeit der großen, wissenschaftlichen Schlatter-Biographie von Werner Neuer (Stuttgart 1996, 937 Seiten, Calwer Verlag – derzeit für gerade mal 26 Euro erhältlich!):
    https://www.calwer.com/adolf-schlatter-ein-leben-fuer-theologie-und-kirche.3211.94.htm
    (Rezension: https://swbplus.bsz-bw.de/cgi-bin/result_katan.pl?item=bsz050925695rez.htm;
    Inh.Verz.: https://d-nb.info/944422527/04)
    – – – – – – – – – –
    Link zu einer Rezension von Werner Neuers kleiner Schlatter-Biographie (Wuppertal 1988, 187 Seiten, Brockhaus Verlag):
    https://swbplus.bsz-bw.de/cgi-bin/result_katan.pl?item=bsz016351509rez.htm

  2. Die Trauerfeier für Werner Neuer am 30.12.2025 in der überfüllten Kirche in Schallbach (bei Lörrach), gleich neben dem Pfarrhaus wo er wohnte, war die eindrucksvollste, die ich bisher erlebt habe! Vor allem deshalb:
    Dass eines der Kinder in eindrucksvoller Weise Einblick gab in das persönliche Leben mit dem Vater, ist schon mal selten genug. Dass dann die Kinder auch noch gemeinsam musizieren und singen für den Angehörigen, dürfte vermutlich noch größeren Seltenheitswert besitzen. Und dann war am kräftigen Gemeindegesang sehr deutlich zu vernehmen, dass da vor allem Menschen zum Abschiednehmen gekommen waren, die vom Wissen getragen sind: Christen seh’n sich nie zum letzten Mal!

    In einem Gedenkband für Werner Neuer, der voraussichtlich bis Ende Februar vorliegen kann, wird neben der feinen Ansprache von Pfr. Jonathan Schneeweiß ebenso das erwähnte Zeugnis von Sohn Simon Neuer enthalten sein wie Beiträge aus dem Kreis von Freunden (u.a. Peter Hahne), Mitchristen, Dozentenkollegen, Schülern und auch katholischen Würdenträgern; der Band wird von Stefan Felber vom Gemeindehilfsbund herausgegeben, ich selber kümmere mich um Herstellung und Vertrieb.
    Da die Rückmeldungen der angeschriebenen Beiträger zu diesem frühen Zeitpunkt verständlicherweise noch nicht vorliegen, kann ich nur eine sehr grobe Schätzung abgeben: ca. 80-120 Seiten (zum Selbstkostenpreis von unter 3 Euro; da es aber wahrscheinlich (?) ein Farbband wird, läuft es wohl auf ca. 5 bis 5,50 Euro hinaus).
    Eine Internetseite dazu wird diese Woche aktuell eingerichtet: http://www.zweitblick.eu;
    eine Bestelladresse existiert jedoch bereits und die ersten Bestellungen treffen seit der Trauerfeier bereits ein: bestellung@zweitblick.eu (Bestellung erbeten bis ca. 9.2.2026.)
    Voraussichtlich wird bis dahin (auf http://www.zweitblick.eu) auch bekannt gegeben werden können, zu welch ebenfalls niedrigen Preisen kleinere Werke von Werner Neuer nachgedruckt werden können: wie z.B. seine kleine Schlatter-Biographie oder auch die dann 6. Auflage seines verbreitetsten Buches „Mann und Frau in christlicher Sicht“ – einst sehr gelobt von Christa Meves).
    Heinrich Ottinger
    (Freund, Mitchrist, Schüler, Mitarbeiter)

  3. „Es gibt eine Ökologie des Menschen
    Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann“

    https://www.ikbg.net/pdf/Salzburger-Erklaerung-Original.pdf

    https://www.ikbg.net/pdf/Salzburger-Erklaerung-Kurzfassung.pdf

    https://www.benedictusxvi.org/ansprachen/ansprache-vor-dem-deutschen-bundestag-die-berliner-rede-von-papst-benedikt-ueber-die-oekologie-des-menschen?

    DANKE für diesen Nachruf!
    In einer stillen Stunde werde ich mich mit den o.a. Gedanken befassen.

    Dazu die Frage, wie es inzwischen um das Seligsprechungsverfahren von Bischof Dyba steht ?

  4. Gerade komme ich von idea.de, wo ich über Werner Neuer gelesen habe, seinen Tod. Da ich ihn auch schätzte, wollte ich fragen, ob Sie ihn gekannt haben. Nun überfliege ich gerade Ihren Artikel, den ich mir jetzt sofort zu Gemüte führe. Was für eine Gedankenübertragung!

  5. Danke danke danke, liebe Frau Küble für diesen Nachruf!
    Zu ergänzen ist, dass Werner Neuer auf der ersten großen Ballweg-Demonstration am Brandenburger Tor gegen das Corona-Unrecht in der ersten Reihe dabei war.
    Bis zum Schluss kämpfte er an der Seite von Ex-Allianz-Chef Hartmut Steeb und den Pfarrern Scheffbuch, Elser und Dietz oder auch Peter Hahne gegen die toxische Anbiederung der EKD an die impf- und Masken-Ideologen. Das hat ihn Freunde gekostet, aber hohe Anerkennung gebracht. Er hat Leben gerettet! Vergelts Gott!

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