Von Dr. Axel Bernd Kunze
Was ist für gelingende Lernprozesse zu beachten? Wenn angehende Erzieher oder Lehrer sich während ihrer Ausbildung oder ihres Studiums mit dieser Frage beschäftigen, stoßen sie auf ein zentrales didaktisches Prinzip: Lernen nimmt seinen Ausgang vom Bekannten, vom Nahen, vom Eigenen und geht dann zum Unbekannten, Fernen und Fremden über. 
Dies gilt grundsätzlich auch für religiöse Lern- und Bildungsprozesse.
Allerdings bringen heute immer weniger Kinder oder Jugendliche eine gefestigte religiöse Sozialisation mit, auf der Schule und Ausbildung aufbauen könnten. Auch konfessionelle Schulen machen hier keine Ausnahme und müssen sich dieser Situation stellen.
Wo religiöse Vollzüge nicht an eigene Erfahrungen anzuknüpfen vermögen, können diese schnell unverständlich, lebensfern, exotisch oder sogar bedrohlich wirken.
Jede Gesellschaft, die handlungsfähig bleiben will, braucht „eine symbolische Vorstellung von sich selbst“ (Rolf Schieder, in: Handbuch Interreligiöses Lernen, Gütersloh 2005, S. 31).
Dies wird nicht zuletzt dann greifbar, wenn tragische Ereignisse den Schulalltag durchbrechen; Gedenkfeiern oder andere Rituale (z. B. das Entzünden von Lichtern oder das Schreiben von Erinnerungsbriefen) schließen – mehr oder weniger stark – an liturgische Vorbilder an. 
Nicht selten wird bei Schulgottesdiensten aber auch eine Unsicherheit im Umgang mit religiösen Ausdrucksformen deutlich, die nicht allein bei Schülern, sondern auch Lehrern beobachtet werden kann.
Wie sollte die Schule auf diese Entwicklung pädagogisch reagieren?
Pädagogisch kann eine religiös-konfessionelle Praxis nicht zwingend vorausgesetzt werden. Glauben ist ein Akt individueller Freiheit. Dies ist als pädagogischer Ausgangspunkt ernst zu nehmen.
Doch wird der Einzelne sich selbst, die anderen und die Welt um sich herum nur dann angemessen und differenziert wahrnehmen können, wenn er religiöse Fragen dabei nicht ausklammert – denn Religion ist Teil unserer Wirklichkeit und gehört zum menschlichen Leben dazu, gleich ob sich der Einzelne selbst als religiös empfindet oder nicht.
Religiöse Lernprozesse sind daher unverzichtbarer Bestandteil des allgemeinen Bildungsauftrags.
Schule muss den Einzelnen befähigen, über Religion sprechen und nachdenken zu können. Diese Aufgabe beschränkt sich nicht auf das Fach Religionspädagogik, sondern durchzieht den gesamten Unterricht und das ganze Schulleben. 
Je mehr Religion aus dem gelebten Alltag schwindet, desto weniger wird es der Schule möglich sein, an den religiösen Gehalt der Kultur anzuknüpfen, den die Lernenden in ihrem Lebensumfeld vorfinden.
Wo religiöse Erfahrungen fehlen oder auch eine religiös indifferente Lernumwelt die Begegnung mit gelebter Religion verhindert, müssen solche Grundlagen pädagogisch erst angebahnt werden.
Im Rahmen des allgemeinen Bildungsauftrags ist es dabei zunächst nicht das Ziel, „Heranwachsende in den Vollzug des Glaubens einzuführen und mit ihnen religiöse Praktiken einer konkreten Religion einzuüben“ (Dietrich Benner: Bildung und Religion. Nur einem bildsamen Wesen kann ein Gott sich offenbaren, Paderborn 2014, S. 91 f.).
Vielmehr geht es erst einmal darum, pädagogisch jene grundlegenden Vorstellungen und Kenntnisse zu legen, an die Unterricht dann anknüpfen kann.
FORTSETZUNG des Beitrags auf dem Blog BILDUNGSETHIK von Dr. Kunze: https://bildung-und-ethik.com/2026/02/01/zwischenruf-zur-religionspropadeutischen-bedeutung-von-ritualen/
Titelfoto: Lukas-Schule in München





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6 Kommentare
Menschliche Stimmen und Gesichter bewahren
Botschaft seiner Heiligkeit Papst Leo XIV. zum 60. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel
| Aus dem Vatikan, am 24. Januar 2026, dem Gedenktag des heiligen Franz von Sales
https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2026/nr-3-3-februar-2026/menschliche-stimmen-und-gesichter-bewahren
Wissen Sie, verehrter Herr Dr. Kunze, ob Ihr Vorwurf gegen Bekenntnisschulen auch auf die immerhin über 350 evangelikalen Bekenntnisschulen mit insgesamt über 50.000 Kindern und Jugendlichen zutrifft? Ich war vor Monaten bei der Schule in Bergkamen (bei Unna /Dortmund) und hatte von der Schule und den Schülern den besten Eindruck, einen so guten, daß ich spontan sagte: Die Kinder und die Schule können nicht in Deutschland sein. Ein Lehrer dort war vor seiner Pensionierung Schulrektor an der evangelikalen Schule Neuwied (bei Koblenz) : Er sagte mir, der staatliche Kreisschulzahnarzt habe ihm gesagt: Die erste Schule im Kreis, an der ich erlebe, kein Kind schlechte Zähne hat… ein Indiz? Sicherlich gibt es Sünden und Fehler und Irrlehren überall und evangelikale Schulen weisen oft Unterschiede aus: aber…
Evangelikale Gottesdienste zählen in der BRD fast jeden Sonntag deutlich mehr Besucher auf als landeskirchliche und wohl fast ähnlich viele wie katholische. Sollte das bei Informationen über die geistliche Situation in der BRD gelegentlich einmal angesprochen werden? Schulen nennen der VEBS (Karlsruhe, auch im Internet viele) und auch ich.
Guten Tag,
welchen „Vorwurf gegen Bekenntnisschulen“ meinen Sie?
Es geht in dem Artikel allgemein um den Bildungsauftrag der Schule(n).
Freundlichen Gruß
Felizitas Küble
Danke für Hinweis, verehrte Frau Küble! Gerne streiche ich das Wort „Vorwurf“ durch ein besseres, etwa „Voraussetzung“. Es geht oben um die religiöse Prägung von Kindern an Konfessionsschulen, für die meines Wissens die rechtliche Vorgabe gilt, daß die weitestgehend (sog. konfessionelle Homogenität) auch bei den Kindern vor der Aufnahme vorhanden sein muß, die Schule, das (über die Eltern sichern) muß… Der VEBS weist mich ständig daraufhin, wenn ich die Missionschancen gegenüber nichtgläubig erzogenen Kindern betone. Von mir aus, sollte diese Pflicht, soweit sie – leider- überhaupt besteht, gerne abgeschafft werden… Die erwähnten Schulen in Espelkamp und Bergkamen etwa erfüllen sie zu 100 Prozent Ein Blick auf die Lehrerinnen, Schüler, die Schulleiter, die Schulgebäude zeigt eine homogen bibelkonservative Alternativwelt (von Sündern, versteht sich, wie gesagt)
Her Jahndel: Lesen Sie dazu etwa James McCarthy „Das Evangelium nach Rom“ oder Wolfgang Bühne oder Hans Werner Deppe oder Roland Sckerl oder RC Sproul oder, oder …
Rezension: Die Schrift allein? 21 Gründe gegen das protestantische Bibelverständnis
https://www.thecathwalk.de/2021/09/30/rezension-die-schrift-allein-21-gruende-gegen-das-protestantische-bibelverstaendnis/
Sola scriptura – Die Schrift allein? 21 Gründe gegen das protestantische Bibelverständnis – Katholisches
https://katholisches.info/2021/04/17/sola-scriptura-die-schrift-allein-21-gruende-gegen-das-protestantische-bibelverstaendnis/