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Zur Debatte um Waffen an die Ukraine: Einige Argumente mit PRO und CONTRA

Von Felizitas Küble

Seit Wochen wird in Deutschland im Volk wie unter Medien und „Kulturschaffenden“ – vor allem natürlich in der Politik  –  heftig über die Frage diskutiert, ob Deutschland schwere Waffen wie etwa Panzer an die Ukraine liefern soll, wie dies von der dortigen Regierung Selenskyi vehement verlangt wird.

Dabei ist die zu bedenken, daß unsere Bundeswehr seit der  – hier mehrfach scharf kritisierten  – Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht massiv heruntergerüstet wurde.

Betrachtet man die Debatte aufmerksam, schälen sich vor allem folgende Argumente mit PRO und CONTRA heraus:

  1. Ausweitung des Ukraine-Kriegs verhindern: Der Beweggrund ist ernst zu nehmen, allerdings kann sich der Krieg auch ohne Waffen aus dem Ausland lange hinziehen, vielleicht sogar noch länger, falls die Ukraine ihn mit mehr Panzern, Flugzeugen usw. schneller beendet.
  2. Gegen eine Atommacht kann kein Krieg gewonnen werden: Ein gewisses Risiko ist   – gerade bei einem Machthaber wie Putin  –  nicht ganz zu leugnen. Es gibt es allerdings zeitgeschichtliche Gegenbeispiele: Das kommunistische Nordvietnam hat die USA besiegt – und Afghanistan hat sich sogar gegen zwei Atommächte durchgesetzt: erst Moskau, dann Washington. 
  3. Es gibt keinen Bündnisfall: Das stimmt, denn die Ukraine gehört weder zur NATO noch zur EU, von daher bestehen schlicht keine Beistandsverpflichtungen, auch nicht von deutscher Seite. Dies umso mehr, als zudem seit jeher der Grundsatz galt, keine Waffen in eine Krisen- oder gar Kriegsregion zu liefern. Die Regierung Selenskyi kann zwar trotzdem „um Hilfe rufen“ bzw. um Waffen bitten, aber diese nicht fordern. Besonders unverschämt erweist sich diesbezüglich der ukrainische Botschafter in Berlin, der betont flegelhaft daherredende Herr Melnyik.
  4. Deutschland trägt eine historische Verantwortung: Der alt-neue Dauer-Hinweis führt in dieser Waffen-Debatte nicht weiter. In der Sowjetunion war während des Zweiten Weltkrieg der kommunistische Massenmörder und Tyrann Stalin an der Macht. In der Ukraine gab es damals den „Nationalhelden“ Stepan Bandera und seine Schergen, sie kollaborierten mit der NS-Diktatur und beteiligten sich massiv an der Judenvernichtung. Leider werden diese selbsternannten „Kämpfer für die Unabhängigkeit der Ukraine“ bis heute von der dortigen Staatsführung verherrlicht, auch durch Selenskyi und erst recht seinen Botschafter Melnyk. In diesen Dunstkreis gehören auch die Asow-Nationalisten, die sich überwiegend in der Ostukraine antirussisch austoben (und dies schon längst vor dem russischen Überfall).
  5. Verhandlungen statt Kriegsfortsetzung: Dazu gehören zwei Seiten und Putin müßte sich ebenfalls bereit zeigen. Die Contra-Seite befürchtet, durch Waffenlieferungen werde Rußland „provoziert“ und dadurch ein Verhandlungsfriede erschwert. Die Pro-Seite argumentiert, für eine diplomatische Lösung müsse auch eine „Verhandlungsmasse“ vorhanden sein, also Druckmittel von ukrainischer Seite, damit es kein „Diktatfrieden“ wird, in dem die Ukraine sich nur den Moskauer Forderungen zu unterwerfen hätte.

Wir sehen, es gibt ernste Überlegungen und Sachgründe auf beiden Seiten, bisweilen herrscht auch mehr unterschwellige Angst als rationale Argumentation vor (ebenfalls hüben wie drüben).

Eines sollte aber sowohl Befürwortern wie Gegnern von Waffenlieferungen klar sein: Die Ukraine hat grundsätzlich wie jeder andere Staat in dieser Lage ein Recht auf Selbstverteidigung gegen einen Angriffskrieg.

Daran ändert auch nichts, daß Putin den Einmarsch als „Spezialoperation“ bezeichnet bzw. vernebelt. Das hatte zwar zur Folge, da er eben deshalb keine amtliche Kriegserklärung abgab, daß er daher keine Wehrpflichtigen einzog, sondern sich auf die russische Berufsarmee beschränkte, doch ändert diese (fehlende) „Formalität“ nichts an der Sache selbst und am ukrainischen Recht auf Abwehr gegen einen ungerechten Aggressor.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitete den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Gemälde: Evita Gründler

Kommentare

7 Antworten

  1. Weshalb wird bei der Diskussion über diesen Krieg wenig darüber gesprochen, wie die geschichtliche Entwicklung dazu aussieht? Wie war das mit den sog. friedlichen Demonstranten, welche 2014 den legal gewählten Präsidenten weggeputscht haben, mit welcher Unterstützung? Wie war das, als diese Demonstranten die Abgeordneten im Parlament eingeschlossen haben mit der Forderung, ganz bestimmte Gesetze zu erlassen? Ist es in Ordnung, wenn die neue Regierung per Gesetz in ukrainischen Schulen und Behörden die russische Sprache verbietet, welche auf der Krim und im Donbas für eine deutliche Mehrheit der dort lebenden Menschen die Muttersprache ist. Ist es in Ordnung, wenn diese russisch sprechenden Menschen mit einer Vielzahl von Maßnahmen unterdrückt und gedemütigt werden. Ist es in Ordnung, wenn diese Menschen daher nach einer gewissen Autonomie streben. Ist es in Ordnung, wenn diese Bestrebungen mit Bomben und Artilleriebeschuss über acht Jahre hinweg beantwortet werden. Ist es in Ordnung, wenn dabei 14.000 Meschen ihr Leben verlieren, getötet werden.
    Ist es in Ordnung, wenn der russische Präsident vielfach den Westen darum bittet, bei der Klärung dieser Probleme kooperativ zu sein? Ist es in Ordnung, wenn der amerikanische Präsident auf eine diesbezügliche schriftliche Anfrage im vergangenen Dezember die Antwort bekommt: Über die Ukraine werden wir uns nicht unterhalten? Ist diese Verhaltensweise als Friedensangebot zu sehen? …… Fragen über Fragen, welche aber selten gestellt werden. Dazu passen die Aussagen vom französischen Bischof Philipp Tournyol Clos, welcher 2012 im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien sagte:
    „Der Frieden in Syrien wäre möglich, wenn alle die Wahrheit sagen würden. Ein Jahr nach Beginn des Konflikts ist die tatsächliche Lage im Land weit von dem entfernt, was die westlichen Medien darzustellen versuchen“, so der französische Bischof Philip Tournyol Clos nach seiner Rückkehr aus Syrien, wo er Damaskus, Aleppo und Homs besuchte.
    Der gesamte Text ist lesenswert, da hier noch weitere Unglaublichkeiten zu finden sind.
    http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Syrien/fides.html

    Auf folgender Seite ist der Originaltext der agenzia fides (Fidesdienst) zu finden:

    http://www.fides.org/de/index/page:1122

    Frieden wäre möglich, wenn alle die Wahrheit sagen würden.

  2. Johannes 8:44 NBH

    Euer Vater ist nämlich der Teufel, und ihr wollt das tun, was euer Vater will. Er war von Anfang an ein Mörder und hat die Wahrheit immer gehasst, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er lügt, entspricht das seinem ureigensten Wesen. Er ist der Lügner schlechthin und der Vater jeder Lüge.
    Jeder Krieg wird mit Lügen gestartet und mit Lügen begründet.
    Deswegen ist der Ausspruch, dass die Wahrheit im Krieg zuerst stirbt, auch schon eine Lüge.
    Die Wahrheit ist unsterblich. Jesus sagt: ich BIN der Weg und die Wahrheit.
    Wahrheit hat nichts mit Krieg zu tun.
    Ich möchte die Spiritualität und die Folgen auch zu bedenken geben, die ein Krieg mit sich bringt.
    Ein Waffenhändler hatte ein Nahtoderlebnis und hat alles durchlebt, was seine verkauften Waffen angerichtet haben . Nicht nur den Schmerz der Getöteten, sondern auch die Trauer der Angehörigen. Ob unsere Politiker sich das überlegen, wenn sie schwere Kriegsgeräte mal so befürworten und Menschen beauftragen, damit zu töten.
    Vergeben und einfach aufhören mit dem Töten.Auf beiden Seiten . Ja zum Frieden, den nur der Herr Jesus Christus geben kann .

  3. Weil es möglich ist, wie die Geschichte bereits zeigte, kann die Ukuraine es schaffen, den Aggessor zu bezwingen. Abwehr ist die beste Verteidigung, so ein Sprichwort. Putin hatte mehr erwartet, als bislang geschafft wurde.

    Wie aus vielen Kreisen zu hören ist, ist die russische Armee demotiviert.
    Die jungen Leute in Russland sind mehrheitlich gegen diesen Angriffskrieg.
    Putin wurde schonmal von einer Aktion „Mütter von Soldaten“ herausgefordert. Diese Mütteraktion gibt es immer noch und diese Soldatenmütter protestieren.
    Wenn auch nur leise.
    Die innere Opposition ist nur mal ein Ansatz, diesen Aggressor vielleicht zum Waffenstillstand zu bringen.

    1. Es wäre gut, wenn auch die Mütter in der Ukraine ihre Söhne beschützen würden. „Nein, ich gebe meine Söhne und Töchter nicht.“
      Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

      1. Guten Tag,
        das ist nicht so einfach, es handelt sich außerdem nicht um Wehrpflichtige, sondern um Berufssoldaten, wie bereits im Artikel erwähnt.
        Freundlichen Gruß
        Felizitas Küble

      2. – Dann kommt der Krieg zu Dir!
        Und die zweite Ergänzung aus der Koloman-Wallisch-Kantate benannt nach dem Kommandanten des republikanischen Schutzbunds Koloman Wallisch (1889 – 1934) in der Obersteiermark:

        „Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt
        Und lässt andere kämpfen für seine Sache
        Der muss sich vorsehen: denn
        Wer den Kampf nicht geteilt hat
        Der wird teilen die Niederlage.

        Nicht einmal den Kampf vermeidet
        Wer den Kampf vermeiden will: denn
        Es wird kämpfen für die Sache des Feinds
        Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.“

  4. Waffen töten – aber immer nur die Falschen. Die Richtigen halten sich immer außer Schussweite. Und niemandem fällt das auf – ist das nicht merkwürdig?

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