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Wir trauern um den Theologen Philipp Küble

Von Felizitas Küble

Am 29. Januar dieses Jahres ist ein glaubensfester Mann aus meiner Verwandtschafrt, der katholische Theologe Dr. Philipp Küble (siehe Foto), in der oberschwäbischen Metropole Ravensburg vom Schöpfer allen Lebens in die Ewigkeit heimgerufen worden: R.I.P.

Er war bäuerlicher Herkunft, stammte wie ich aus einer kinderreichen Familie und war der Vetter meines Vaters Anton Küble, der am 23. Juni 2001 verstarb.

Der Onkel meines Vaters  – ein katholischer Priester – trug genau denselben Namen und Titel wie der jetzt verstorbene Laienapostel: Jener Jesuitenpater und Schriftsteller hieß Dr. Philipp Küble; zudem wirkte mein einstiger Großonkel ebenfalls in Ravensburg, wobei er leider schon bald nach dem Zweiten Krieg gestorben ist. Er war bei den NS-Herrschern verhaßt, aber im Kirchenvolk überaus beliebt, vor allem als Jugendseelsorger.

Nun zurück zum kürzlich heimgegangenen Philipp Küble:
Der 1933 geborene Chefredakteur und Vereinsleiter stand der
traditionsorientierten Richtung in der Kirche nahe, ohne sich von ihr vereinnahmen zu lassen. Stets behielt er seinen eigenständigen und teils auch kritischen Standpunkt bei.

Dr. Küble war ein einsatzfreudiger Pionier des katholischen Rundfunks und Kassetten-Apostolats bereits in den 70er Jahren. Zudem brachte er jahrzehntelang alle zwei Wochen die Zeitschrift „VOX FIDEI – Stimme des Glaubens“ heraus. Das Blatt erschien im handlichen DIN-A-5-Format und war geprägt von teils erbaulichen, teils katechetischen oder apologetischen (den Glauben verteidigenden) Beiträgen.

Ich habe Ende der 70er Jahren als Schülerin in den Ferien gerne bei ihm im Büro mitgeholfen und später bisweilen Artikel für seine Zeitschrift geschrieben. Damals befand sich seine Redaktion noch in Berg bei Ravensburg, später zog er mit seinem Verein in das frühere Bahnhofgebäude nach Durlesbach um.

Eine seiner leiblichen Schwestern wirkte als Franziskanerin und war als Vize-Oberin im schwäbischen Kloster Sießen tätig; ihr Ordensname lautete Dominica; sie verstarb im vorigen Jahr.

Der theologisch konservative Theologe war für einen vernünftigen Fortschritt durchaus aufgeschlossen, auch in puncto Computertechnik, die er schon in den 80er Jahren in seiner Redaktion einsetzte. Er wollte den Glauben und die Tradition mit den modernen Medienmöglichkeiten verbinden.

Er publizierte 1969 seine Dissertation (Doktorarbeit) mit dem Titel „Glaube als christliche Existenz“ (siehe Abbildung).

Der gläubige Katholik behandelt darin bereits das „heiße“ Streitthema der Sünden und Ärgernissen innerhalb von Christenheit und Kirche, er fragt nach Berechtigung und Grenzen des Gehorsams gegenüber der kirchlichen „Obrigkeit“ und erörtert die Gewissensfreiheit der Gläubigen.

Wir veröffentlichen hierzu einige gehaltvolle Auszüge aus seiner akademischen und gleichwohl verständlich geschriebenen Arbeit (S. 242 ff):

„Ohne Christus bedeutet die Kirche nichts“

Die Kirche ist die Fortführung des Lebens und Werkes Christi. Christus ist ihr Haupt und lenkt und belebt sie durch seinen Geist. Sie ist auf innigste mit ihm vereinigt, ohne ihn bedeutet sie nichts.

Ihr Anspruch und ihr Sendungsbewußtsein erregt bei dem außenstehenden Ungläubigen oft Ärgernis. Ihr missionarischer Eifer ist ihm verdächtig oder geht ihm auf die Nerven. Den Ärgernis-Charakter hat die Kirche nicht nur für jene, die draußen sind, sondern auch im Inneren für die Glieder der Kirche selber.

Zudem führt die Sünde in der Kirche, die menschliche Unzulänglichkeit, die Umtriebe des Teufels in ihr zu manchen Fehlentscheidungen, nicht hinsichtlich der geoffenbarten Lehre, wohl aber in der praktischen Verwirklichung des innerkirchlichen Lebens und der konkreten Verwirklichung des Auftrags Christi.

Ungeheuere Prüfungen durch die Kirche

Dem einzelnen kann der ganze Lebensweg durch bestimmte kirchliche Entscheidungen verbaut werden. Das Leben in der Kirche bringt unter Umständen ungeheuere Prüfungen mit sich. Nun fragt  sich, kann ein in den wichtigsten Lebensfragen ungerecht Behandelter ehrlicherweise in der Kirche bleiben? Muß er an ihr zerbrechen und scheitern oder gibt es vielleicht eine positive Lösung?

Wenn ein Betroffener um die Sündhaftigkeit der Kirche weiß und sich darauf eingestellt hat, braucht es für ihn nicht zu einer Krise kommen.

Leider wird in der Verkündigung oft so getan, als ob es in der Kirche kein Unrecht, keine Skandale und dergleichen geben könnte, wenigstens nicht häufig und in unserer Nähe, vielleicht in früheren Zeiten; man bekennt sich zwar vor Gott öffentlich als Sünder, in seinem Amt hüllt man sich aber in das Gewand der Unfehlbarkeit und Selbstgerechtigkeit.

Dies sollte man nicht tun, sondern eher die Gläubigen auf das Sündhafte in der Kirche vorbereiten, darauf hinweisen, um das Verständnis dafür zu wecken, die aus dem Glauben kommende Deutung zu geben und die richtige Haltung in solchen Dingen zu vermitteln.

Nicht am Unrecht in der Kirche „irre werden“

Wer die Armseligkeit der Kirche als ein ihr anhaftendes, notwendiges Merkmal kennt, der regt sich nicht auf, wenn der kirchliche Vorgesetzte ihn nicht recht versteht, wenn ein Priester Ärgernis erregt, ein Bischof abfällt. 

Warum sollten für den Gläubigen in der Kirche die mit der christlichen Existenz notwendig verbundenen Prüfungen nicht auch von den Vorgesetzten kommen?

BILD: Die barocke Wallfahrtskirche in Bergatreute, die Philipp Küble gut gekannt hat

Wer also von seiten der Kirche „Unrecht“ leidet, braucht an ihr nicht irre werden, nicht an ihr zerbrechen oder sich gegen sie erheben.

Sinn und Grenzen des Gehorsams

Freilich darf man sich hier nicht in einen allzu abwegigen Infantilismus (kindliche Haltung) verirren, wie es nur zu häufig geschieht, wenn Vorgesetzte ihren Untergebenen weismachen wollen, die Untergebenen müßten nur gehorsam sein, dann würde für sie alles zu reichsten Quelle des Segens werden.

Über den Segen, die Würde und die Bedeutung des im Glauben geübten Gehorsams bedarf es keiner besonderen Erklärung; eher muß der Gefahr entgegengearbeitet werden, durch falsche Interpretation und Begründung den Verdacht zu erwecken, das Gewissen der Untergebenen manipulieren zu wollen, die fehlende persönliche Autorität und Fähigkeit zu verdecken und auszugleichen mit dem Appell an den Gehorsam, das übertragene oder erreichte Amt möglichst sorglos und ohne Schwierigkeiten innezuhaben.

Die logische Folge einer angemaßten göttlichen Autorität wäre dann die, daß keine Entscheidung einer Amtsperson sachlich gerechtfertigt sein müßte.

In dieser Logik könnte ein verantwortungsloser und unfähiger Amtsträger eine dauernde Quelle des Segens für seine Untergebenen sein. Die Unsinnigkeit einer solchen, mit der Würde der anvertrauten Untergebenen – gleichgültig, ob Kind oder Erwachsener – schamlos spielenden Auffassung ist nur allzu deutlich.

Auseinandersetzung als Wesenselement der Kirche

Zwei Dinge seien noch hervorgehoben:

Niemals hat ein Vorgesetzter das Recht, Unrecht zu tun. Wie Pilatus muß er auf jeden Fall sein Tun voll verantworten. Die Untergebenen können  nicht alle Heilige sein – und auch die Heiligen sind nicht jederzeit jeder Prüfung gewachsen. Ein Befehl muß also die Situation des einzelnen berücksichtigen und sachlich begründet und gerechtfertigt sein.

Unbeschadet des Gehorsams hat der Untergebene bei unüberwindlichen Schwierigkeiten das Recht, auf falsche Voraussetzungen einer Entscheidung hinzuweisen, Mißstände anzuprangern, wenn Aussicht auf Beseitigung derselben gegeben ist. Kampf und Auseinandersetzung sind Wesenselemente der Kirche, Zeichen ihres Lebens, sie dienen der Besserung kirchlicher Verhältnisse (vgl. Paulus – Petrus: Gal 2,11).

Die unbequemen Kritiker haben in der Kirche durchaus ihren Platz und eine wichtige Funktion, sie zu hören ist nicht nur Klugheit, sondern Pflicht.

Wer in echter Sorge um die Kirche im Glauben an Christus und in Liebe zu ihm bestimmte Dinge bessern will, verdient ebenfalls höchstes Lob.

HINWEIS: Das Buch „Glaube als christliche Existenz“ von Dr. Philipp Küble umfaßt 272 Seiten und kann preiswert für 8 Euro bei uns bestellt werden: felizitas.kueble@web.de / Tel. 0251-616768

Kommentare

8 Antworten

  1. Herzliches Beileid. Da gibt es die Verwandten, die einem nahe sind und andere Verwandte, wo man Fremde bleibt. Wenn auch noch die Heiligenschein putzende Kirche Moralapostel spielt, ohne Ahnung von dem Leid, das sie in grenzenloser Dummheit veranlasst, das hat viele Ex Christen auch verbittert, die ihrem Sauhaufen den Rücken gekehrt haben.
    Man lebt aber auch die Würde, die einem konfessionslosen Menschen durch nicht bestellte Pfarrer entgegen gebracht werden kann und das Ave Maria ist eine der schönsten Liebeserklärungen an Gott. Dazu muss man nicht katholisch sein.
    Wenn arrogante Pfarrer streiten, ob ein „Vater unser“ zu viel ist für eine Christin, die ihren Hals riskiert hat, dann ist es eine Kränkung für das christliche Schöpfungskind und die Familie, die eigentlich in der christlichen Herde behütet sein sollte. Von daher wünsche ich Ihnen, dass die Familie in der christlichen Herde geborgen ist.

  2. Ich habe Herrn Dr. Küble persönlich kennengelernt und
    wir haben viel über biblische Themen geredet.
    Er war mir immer ein Vorbild und freue mich, dass er
    am Ziel ist und wir uns wiedersehen werden.
    DANKE Magdalena Ritter

  3. Mein Beileid, Frau Kueble, zum Heimgang Ihres Verwandten Philipp Kueble. Er hat in der Gnade Gottes sehr viel Gutes getan!
    Auch Sie, liebe Frau Kueble, wirken theologisch – um Menschen zu helfen, auf verschiedene Mißstände hinzuweisen. Danke dafür.
    Ja, wir Laien sind gerufen, auch den Priestern manchmal zu sagen, wenn es an etwas mangelt, auch wenn wir dafür von ihnen nicht gerade gern gesehen sind. Aber da muss man wieder darüberspringen, der Kirche treu bleiben. Dies kann man nur durch die Kraft Gottes.

  4. R.i.P Dr.Philipp Küble

    Ich schlage vor den Bischöfe von Deutschland wird dieser Artikel samt Buchempfehlung zugesendet.
    Gute Orientierung.

  5. HERR, schenke ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm.
    Mein Beileid für Fr. Küble, aber auch die Hoffnung der Auferstehung.

    Und dies Thema ist sehr wichtig für „neue“ Katholiken….grade das Abfallen vom Glauben der Priester und Pfarrer und Bischöfe, in dieser Menge, schockiert.
    Wo kann man noch echte Seelsorger finden, die einem helfen, das eigene Versagen christgerecht aufzuarbeiten….um nicht entweder auf der einen wie auch auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen…oder beichten gehen…

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