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Gedankenaustausch: Der Papst besuchte Knastbrüder in Rom

Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch in einem römischen Gefängnis  am Sonntag, den 18.12.2011,  auf einige Fragen von „Knastis“  geantwortet.  Hier Ausschnitte aus dem Gespräch:

Alberto:
„Ich heiße Alberto. Heiligkeit, Kommt es Ihnen gerecht vor, dass ich nach und nach alle meine Familienangehörigen verloren habe und dass mir nun, da ich ein neuer Mensch bin, denn ich bin seit zwei Monaten Vater eines wundervollen Mädchens, Gaia heißt sie, dass mir nicht die Möglichkeit eingeräumt wird, nach Hause zu gehen, obwohl ich doch reichlich meine Schuld gegenüber der Gesellschaft bezahlt habe?“

Papst Benedikt XVI.:
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich, dass Sie Vater sind und dass Sie sich als einen neuen Menschen bezeichnen und dass sie eine wundervolle Tochter haben. Das ist ein Geschenk Gottes.
Ich kenne natürlich nicht die Einzelheiten ihres Falls. Aber ich hoffe mit Ihnen, dass sie so bald wie möglich zu Ihrer Familie zurückkehren können. Sie wissen, für die Lehre der Kirche ist die Familie fundamental. Es ist wichtig, dass der Vater seine Tochter in seinen Armen halten kann. Und so bete ich darum, dass Sie bald ihre Tochter umarmen und mit Ihrer Frau zusammen sein können, um eine schöne Familie aufzubauen und so an der Zukunft Italiens mitzuwirken.“

Federico:
„Heiligkeit, ich bin Federico, ich spreche für die Gefangene auf G14, der Krankenabteilung. Was können Häftlinge, Kranke und Aidsinfizierte vom Papst erbitten? Dass er für sie betet? … Wir sind gefallen und haben dem Nächsten Schlechtes getan, aber wird sind dabei wieder aufzustehen. Man spricht zu wenig von uns, manchmal in einer so abschätzigen Weise, als wolle man uns aus der Gesellschaft eliminieren. Wir kommen uns dabei als Unmenschen vor. Sie sind Papst für alle, unser Papst, und wir bitten Sie, dass uns neben der Freiheit nicht auch noch die Würde geraubt wird; damit wir nicht einfach nur weggesperrt werden. Ihre Präsenz hier ist für uns eine große Ehre. Allen unsere herzlichsten Glückwünsche für ein gesegnetes Weihnachtsfest.“

Benedikt XVI.:
„Ja, sie haben wirklich denkwürdige Worte gesprochen. Wir sind gefallen und wir sind hier, um wieder aufzustehen: das ist wichtig, Mut haben wieder aufzustehen und weiterzugehen mit der Hilfe des HERRN und mit Hilfe der Freunde.

Sie haben auch gesagt, dass abschätzig über sie gesprochen wird. Leider ist das wahr. Aber ich würde sagen, es gibt auch andere Stimmen, die gut von euch denken und sprechen. Ich denke an meine kleine päpstliche Familie. Ich bin umgegeben von vier Laienschwestern  – und wir sprechen oft über dieses Problem; sie haben Freunde in verschiedenen Gefängnissen und wir bekommen auch Geschenke von ihnen und wir senden ihnen auch Geschenke. Diese Realität ist in meiner Familie sehr präsent  –  und ich denke auch in vielen anderen.

Wir müssen ertragen, dass andere schlecht von uns sprechen, man spricht auch sehr abschätzig über den Papst und doch, wir gehen weiter…

Mir scheint es wichtig, dazu zu animieren, dass man gut über euch denkt, dass man ein Gespür für euer Leid bekommt, dass man in diesem Prozess des Wiederaufstehens hilft. Und sagen wir: Ich werde meinen Teil dazu beitragen, dass alle in rechter Weise und nicht abschätzig denken, eben menschlich! Denn jeder kann fallen, aber Gott will, dass wir zu ihm kommen. (…)

Wenn wir daran glauben, dass Gott immer bei uns ist, dann gewinnen auch dunkle Seiten unseres Lebens ihren Sinn, damit wir mehr zu uns selber kommen, also zu Kindern Gottes werden, die von Gott geschaffen sind. Und dass wir  – auch wenn es schwierig ist   –  darüber glücklich sind. Der HERR wird Euch dazu helfen  –  und wir stehen an eurer Seite!“

Zum Abschluß der etwa einstündigen Begegnung betete der Papst gemeinsam mit den Häftlingen das Vaterunser und segnete einen Zypressenbaum, der zur Erinnerung an seinen Besuch gepflanzt worden war.

Ein Häftling überreichte ihm einen selbstgebackenen Weihnachtskuchen aus der Gefängnisbäckerei.

Es war der zweite Gefängnisbesuch des Papstes nach dem Besuch eines römischen Jugendgefängnisses im März 2007.

Quelle: Radio Vatikan

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