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Der Tod als ERNSTFALL des Osterglaubens

SELK-Bischof Voigt zur Hoffnung über den Tod hinaus

„Die Anfrage, diesen Artikel zu schreiben, erreichte mich auf der Fahrt zur Beerdigung meiner Mutter“, berichtet Bischof Hans-Jörg Voigt (Hannover), leitender Geistlicher der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), über eine Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA: „Nach kurzem Zögern sagte ich zu, schließlich ist der Tod der Ernstfall des Auferstehungsglaubens.“

Vor dem Trauergottesdienst sei Zeit gewesen für den Abschied am offenen Sarg, und er habe seine Mutter ein letztes Mal gesehen. „Beim Anblick der Toten wird mir deutlich: Das ist sie nicht mehr! Ihr Wesen, ihr Altershumor, der die zunehmende Vergesslichkeit so wunderbar überspielt hat, ihr Leben ist nicht mehr da.“

Wenn es stimme, dass nach dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik in einem geschlossenen System keine Energie verloren gehen könne: „Wo ist dann ihre ,Energie‘, ihr energisches Wesen? Auch wenn es hier nicht um Physik geht, wird im Angesicht des Todes das Wunder des Lebens erkennbar. Ich frage mich: Was ist das für eine Kraft, die mich am Leben erhält, die mich atmen, lieben, leben, denken lässt?“

Voigt weiter: „Mein Glaube meldet sich zu Wort: Wenn der erste Satz stimmt, dass Gott das Leben geschaffen hat, dann stimmt auch der zweite Satz, dass Gott imstande ist, das Leben neu zu schaffen.“

Gott habe die Neuschöpfung begonnen, als ER seinen Sohn Jesus Christus nach seiner Kreuzigung aus dem Tod herausgerufen hat.

Es sei doch klar, dass allein die Verfallsprozesse im Gehirn eines Menschen schon wenige Minuten nach seinem Tod unumkehrbar sind. Das hätten die Menschen zu Jesu Zeiten auch gewusst:

„Allein die Tatsache, dass Gott das Wunder der Auferweckung Jesu vollbracht hat, erklärt die ungeheure Wucht, die diese Botschaft entfaltet hat. Die Frauen und Männer hatten den Toten lebendig gesehen, und seither gab es kein anderes Thema in ihrem Leben als die leibliche Auferstehung ihres Herrn. Ein Auferstehungsglaube, der nur das Geistliche umfasst, ignoriert die Tatsache, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist.“

Der SELK-Bischof erklärt weiter:

„Es gibt in der neutestamentlichen Forschung die Annahme, dass die wichtigsten Grundbestandteile des christlichen Gottesdienstes und der Grundbestand der Auferstehungsverkündigung schon nach sehr kurzer Zeit, also nach wenigen Monaten, feststanden. Dies begründet sich aus der Augenzeugenschaft der Menschen, die den Auferstandenen gesehen haben.“

Und dann erläutert der Bischof sehr persönlich: „Ich sehe, wie meine Tochter mit unserem zweijährigen Enkel auf dem Arm an den Sarg tritt. Ich kann nicht hören, was sie zu ihm sagt, sehe aber, wie der Kleine anfängt zu winken. Dieses Winken lässt mich weinen und lachen zugleich. Der Kleine sagt mir damit: ,Mach’s gut, Uroma! Wir sehen uns bei Jesus Christus wieder!'“

 

Kommentare

5 Antworten

  1. „Der Tod als ERNSTFALL des Osterglaubens“?

    So?,
    Wenn Sie damit meinen, dass der biblische Osterglaube in unseren Breiten abgestorben ist, dann stimme ich Ihnen zu.

    Suche heute mal eine Ostergruß-Karte mit einem spezifischen Motiv des christlichen Ostergeschehens. Auch ein besseres Schreibwarengeschäft kann es sich nicht leisten, so etwas auf Lager zu nehmen. Es wird nicht gekauft und nicht verschickt. Ein Frühlingsblumenmotiv, ja. Igendein Ulk-Motiv mit Hasen, Hennen und Eiern? Warum nicht?! –

    Genauso muss es schon zur Goethezeit gewesen sein. „Vom Eise befreit … „ ist die Natur!, schildert der große Dichter poetisch, als jährlich wiederkehrendes Naturereinis, im „Osterspaziergang“ seines Hauptwerks. „Eine neue Schöpfung“ als Geschichts-Ereignis nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in den besten Jahren in Jerusalem, in den Schriften des Neuen Testaments bezeugt … Waaas? Unbekannt. Oder nicht relevant.

    Wieso sollte es auch anders sein, wenn es die Personen aus dem Volk Gottes kaum mehr gibt, die aus Erfahrung – wie die Frauen am Morgen nach dem Einhalten der gesetzlichen Arbeitsruhe an einem Großen Sabbat (vgl. Evangelium nach Johannes) – nach tiefer Trauer um den gewaltsam beseitigten Verkünder der „Herrschaft Gottes“ (noch in diesem Zeitalter auf Erden) bezeugen können, dass es ihnen aufgegangen ist, dass mit diesem Ereignis eine neue Lebensmöglichkeit angebrochen ist?! Nicht nur, dass man einen Einzelnen „nicht bei den Toten suchen“ darf (vgl. die Osterbotschaft im Evangelium nach Lukas), sondern dass ein Leben im Gottesvolk – unter der Herrschaft Gottes, seinen Geboten – möglich geworden ist! –

    Die Gemeinschaft der KIRCHE aus Juden und Heiden als Vollendung des langen Suchweges des aus Ägypten befreiten Volkes gab es, als Realität! So schildert es Lukas in seiner Apostelgeschichte, die er als geschichtliche Fortsetzung des irdischen Lebensweges des Jesus v. Nazareth konzipiert hat.

    Und das soll nur eine tröstliche Geschichte für ein Leben auf Wolke 7 oder sonstwo oder sonstwann sein?

    Ja, dann, liebe Autoren dieses Artikels, haltet euch an die Kinder. Trost muss sein.

    „Mach’s gut, Uroma! Wir sehen uns bei Jesus Christus wieder!’“

      1. Noch einmal lesen und versuchen zu glauben, dass es dem Gott der Offenbarung um das Leben in dieser Welt geht und so bei ihm zu sein – im Leben und im Tod.

        Unwillkürlich musste ich beim Schreiben dieser Zeilen an das schlichte Kirchenlied denken: Jesus, dir leb ich …

        Nur weiß ich ich nicht, aus welchem Impetus es entstanden, verstanden und gelebt wurde und wird.
        Es könnte zu einem hilfreichen Stoß-Gebet (pardon: Lied) werden.
        Frohe Ostern!

  2. Das sind anrührende und zugleich tiefgehende Ausführungen eines ranghohen Geistlichen, die auch für einen einfachen Christgläubigen starke tröstliche Wirkung haben.

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