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Volker J. Jordan über das kritische Sachbuch „Medjugorje verstehen“ von D. Foley

Referat anläßlich der Buchvorstellung des Dominus-Verlags am 16. Juni 2011 in Augsburg

Von Volker Jordan (siehe Foto), dem Übersetzer des Buches

Liebe Gäste!    imm035_34A

Als ich 2008 zum römisch-katholischen Glauben konvertierte  –  ursprünglich aus evangelisch-lutherischem Hintergrund, durfte ich diesen sich über viele Jahre hinziehenden und nicht geplanten Heimweg zur Kirche über verschiedene Gemeinschaften aus dem im weiteren Sinne konservativ evangelikalen Bereich und schließlich die russische Orthodoxie beschreiten  –  hatte zwar nicht unser heutiges Thema, sehr wohl aber die der hl. Cathérine Labouré 1830 geoffenbarte Wundertätige Medaille eine wichtige Rolle gespielt.

Die angeblichen Visionen und Erscheinungen in jenem kleinen Ort in Bosnien-Herzegowina vermochten hingegen nicht nur um ihrer mangelnden kirchlichen Anerkennung, sondern vor allem um ihrer offenkundigen Verwicklungen mit der Charismatischen Bewegung willen bei mir keinerlei Begeisterungsstürme zu entfachen.

Dieser Eindruck hat sich durch die intensive Lektüre und Übersetzung des nun bald auf Deutsch vorliegenden Buches Medjugorje verstehen nur verfestigt und bestätigt.

Nachfolgend möchte ich einige Inhalte dieses im englischen Original insgesamt 25 Kapitel umfassenden Werkes kurz anreißen. Es behandelt zunächst den historischen Hintergrund zu Medjugorje, unter anderem den alten Konflikt zwischen der kirchlichen Hierarchie und den Franziskanern in Bosnien-Herzegowina, aber auch die einstige Prägung der Region durch die häretischen Bogomilen.

Sodann geht es auf den engen Zusammenhang zwischen der Charismatischen Bewegung und Medjugorje ein, der bereits seit den Anfängen des Phänomens am 24. Juni 1981 bestanden hat. Aufschlußreich und alarmierend ist der Vergleich, den der Verfasser zwischen dem Montanismus, einer seit Mitte des 2. Jahrhunderts aufgetretenen, von der Kirche schließlich als häretisch verurteilten schwarmgeistigen Bewegung, und dem „Medjugorjismus“ anstellt.

Eingehende Berücksichtigung finden in den nächsten Kapiteln die Tonbandprotokolle, die von den Befragungen der Seher in der ersten Woche der Visionen angefertigt wurden. Dabei treten einige erschreckende Details zutage. Anschließend fragt Foley, ob den Visionen möglicherweise eine dämonische Herkunft zugrunde liegen könnte. media-375643-2

Er stellt die These auf, daß die Seher in der ersten Woche der Erscheinungen offenbar wirklich eine Gestalt sahen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit als dämonisch zu identifizieren ist, in der Folgezeit aber aufgrund etlicher Faktoren weitere Erscheinungen quasi fabrizieren mußten, die im Rahmen dieses gigantischen „frommen Betruges“ bis auf den heutigen Tag andauern.

Insgesamt bewertet der Autor die Inhalte der Visionen und Botschaften als zumeist banal, macht aber auch etliche mit theologisch fragwürdigen und suspekten Inhalten ausfindig. Im Vergleich mit den bekannten, kirchlich approbierten Erscheinungen der Gottesmutter wie Lourdes und Fatima stechen zudem deren immense Häufigkeit, Zeitdauer und zuvor terminierbarer Zeitpunkt ins Auge.

Immer wieder wird hervorgehoben, daß die zuständigen Ortsbischöfe von Mostar-Duvno dem Phänomen keinerlei Übernatürlichkeit zubilligen konnten und keine einzige der Visionen und Botschaften offizielle kirchliche Anerkennung genießt.

Dies alles steht in markantem Gegensatz zu den Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima (1917) mit ihrer historischen Tragweite und klaren Botschaft an die Gesamtkirche.

Die von den portugiesischen Bischöfen vollzogene und mehrfach erneuerte Weihe des Landes an das Unbefleckte Herz Mariens hat Portugal nicht nur vor dem Sozialismus, dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Zweiten Weltkrieg bewahrt, sondern das Land in einer beispiellosen Weise verwandelt. Durch die Besuche mehrerer Päpste hat dieser Wallfahrtsort eine kirchliche Anerkennung auf allerhöchster Ebene erlangt.

Foley beschreibt sodann die Propagandaoffensive für Medjugorje, die von mehreren Mariologen, insbesondere René Laurentin, vorangetrieben wurde, äußert sich zu den Meinungen bekannter Theologen wie Hans Urs von Balthasar über die Manifestationen, schildert die an den Sehern durchgeführten medizinischen und wissenschaftlichen Experimente und widerlegt die These, daß diese als Beleg für die Echtheit oder gar kirchliche Anerkennung der Visionen und Offenbarungen angeführt werden könnten.

Er geht auf Medjugorje als Kultreligion, die Seher als Kultpersonen mit einem in markantem Kontrast zur Lebensführung der Visionäre kirchlich approbierter Erscheinungen stehenden Lebensstil, angebliche Sonnenwunder und Wunderheilungen ein und legt dar, daß dies alles eher für die Unechtheit der Phänomene spricht.

Weitere Kapitel behandeln die anfängliche Reaktion der Kirche auf Medjugorje, insbesondere des Vatikans und der Jugoslawischen Bischofskonferenz mit der Erklärung von Zadar, offenkundige Probleme hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Seher und des von ihnen angekündigten „großen Zeichens“, die unrühmliche Rolle des Ortes im Jugoslawienkrieg, die kroatisch-nationalistischen Anwandlungen und den kontinuierlichen Ungehorsam vieler lokaler Franziskaner.

Er beschreibt zudem, nach welchen Kriterien und mit welcher Vorgehensweise die Kirche angebliche Privatoffenbarungen beurteilt und hebt die  –  von Medjugorje-Apologeten heruntergespielte  –  ablehnende Haltung der zuständigen Ortsbischöfe hervor.

Selbstverständlich widmet der Verfasser auch den sogenannten guten Früchten ein Kapitel, die von den Befürwortern immer wieder als Beleg für die Echtheit der Phänomene angeführt werden, gelangt aber zu der Einschätzung, daß trotz mancher durchaus positiv zu nennender individueller Erlebnisse von Bekehrungen, Berufungen zum Priester- und Ordensleben und der Rückkehr zu den Sakramenten letztlich die schlechten oder gar faulen Früchte überwiegen. Dies belegt er auch durch Verweise auf andere falsche Visionen und Seher.

Abermals zeigt Foley weitere Probleme und Gefahren von Medjugorje auf und bettet die Manifestationen in den Gesamtzusammenhang der Kirchenkrise ein, in der viele Gläubige in ihren Kirchengemeinden nicht mehr jene spirituelle Nahrung finden, derer sie bedürfen.

Er schildert die neueren Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit, kommt auf einige weitere Bücher zu sprechen und behandelt dann die inoffiziellen Äußerungen des Vatikans (auch von Papst Benedikt XVI.) über das Phänomen, die Ereignisse um den Besuch von Kardinal Schönborn zur Jahreswende 2009/2010 in Medjugorje, aber auch die Einberufung der Internationalen Untersuchungskommission unter Kardinal Ruini im März 2010.

Ein weiteres kurzes Kapitel beschäftigt sich mit der hierzulande unbekannten Caritas of Birmingham, einer Medjugorje-Organisation aus Alabama, die mittlerweile sektenhafte Züge angenommen hat und sich um die Frage der kirchlichen Anerkennung der Erscheinungen gar keine Gedanken macht, um an ihrem Beispiel die schlimmstenfalls eintretende Gefahr der Bildung einer von Rom losgelösten Parallelkirche zu illustrieren.

Danach beschreibt er neuere Entwicklungen um Fatima, kontrastiert beide Erscheinungen abermals miteinander und legt dar, wie das Medjugorje-Phänomen die Aufmerksamkeit der Kirche und vieler Gläubiger von dieser Marienerscheinung und ihrer eminent wichtigen Botschaft ablenkt, die vollständige Umsetzung der Wünsche der Gottesmutter, u.a. die gesamtkirchliche Einführung der Andacht der fünf Herz-Mariä-Sühnesamstage, verhindert und letztlich auch das Ziel der Bekehrung Rußlands und den Triumph ihres Unbefleckten Herzens mit dessen weltweiten Auswirkungen hinauszögert.

Das Schlußkapitel „Medjugorje: Ein Dauerproblem für die Kirche“ hebt nochmals die Botschaft von Fatima als zentrale Antwort auf die Krise der Kirche hervor. Auch ich möchte mir an dieser Stelle gerne das Fazit des Verfassers zueigen machen:

„Während wir eindeutig bekräftigen können, daß Fatima himmlischen Ursprungs ist, so können wir in Bezug auf Medjugorje leider nur eine einzige vernünftige Schlußfolgerung ziehen: Alle Anzeichen sprechen dafür, daß wir es hier nicht mit ‚dreißig Jahren der Visionen‘ zu tun haben, sondern vielmehr mit einem religiösen Betrug gigantischen Ausmaßes.“

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