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Wir nehmen Abschied von Dr. Ursula Stiff

Von Felizitas Küble

Am 31. Mai 2023 verstarb die Realschullehrerin Dr. Ursula Stiff im gesegneten Alter von 100 Jahren in ihrem Elternhaus am Eupener Weg in Münster. Am 27. Juli, also acht Wochen später, wäre sie 101 Jahre alt geworden.

Die Beisetzung der Verstorbenen erfolgt am Donnerstag, dem 15. Juni, um 11,30 Uhr auf dem Zentralfriedhof in Münster. Zuvor wird um 10 Uhr in der Theresienkirche unweit der Universitätsklinik ein Requiem bzw. Seelenamt für sie gefeiert.

Ich kenne Ursula bereits seit 1979, als ich mit knapp 18 Jahren von Oberschwaben nach Münster zog, um christliche Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Ich arbeite seitdem mit großer und bleibender Begeisterung im KOMM-MIT-Verlag und Christoferuswerk in Münster, beides gegründet von dem bekannten katholischen Jugendschriftsteller Günter Stiff (siehe Foto rechts), dem älteren Bruder Ursulas, die von den drei Kindern des Landrats Dr. Max Stiff und seiner Frau Cäte das jüngste „Küken“ war.

Der älteste Sohn der Familie hieß Heinz Stiff und erreichte ebenfalls ein hohes Alter von 96 Jahren (er verstarb genau am Weihnachtsfest 2008). Günter Stiff wurde als erster der drei Geschwister am 9. September 2002 in seinem 86. Lebensjahr von Gott heimgerufen.

Ich habe Ursula in den letzten zwei Jahrzehnten gerne und regelmäßig besucht, zuletzt gemeinsam mit ihrer langjährigen und vertrauten Freundin Gabi Pohl noch wenige Tage vor ihrem Tod, als bereits absehbar war, daß wir uns innerlich wohl auf ein Abschiednehmen von ihr vorbereiten müssen. (Das TITELFOTO oben zeigt mich mit Ursula vor fünf Jahren bei einer unserer Begegnungen in ihrer Wohnung.)

Wenn ich Ursula besuchte, lud sie mich  – als es ihr gesundheitlich noch gut ging –  gerne auf die Terrasse ein, die sich zwischen ihrem Elternhaus, in dem sie bis zuletzt wohnte, und ihrem wohlgepflegten Garten befindet.

Meist gab es Kaffee und Erdbeerkuchen, zudem frohgemute und inhaltsreiche Gespräche, denn die promovierte Kunstgeschichtlerin war sehr belesen und auch bildungshungrig viel herumgereist. So ging uns der Gesprächsstoff nie aus und wir verstanden uns prima.

Gerne wanderten wir noch bis vor wenigen Jahren in einem Spaziergang durch einige Straßen ihres Bezirks. Bisweilen führte uns der Weg auch in die Klinikenkirche, die nur einige hundert Meter von ihrer Wohnung entfernt liegt. Dabei erläuterte sie mir gerne die Kunstwerke, wobei vor allem die westfälisch-bodenständige Krippe sie sehr beeindruckt hat. Auch für die Schönheit der Natur hatte die gläubige Katholikin ein wachsames Auge und erfreute sich herzlich an Gottes vielseitiger Schöpfung.

Nicht selten erzählte sie mir auch ihre Erlebnisse und Eindrücke aus früheren Zeiten, wobei sie die übermütigen Streiche nicht vergaß, die Günter sich in Kindheit und Jugend geleistet habe, weshalb ihre Mutter wohl mehrfach zum Schuldirektor gerufen worden sei, weil Günter wieder einmal schelmischen Schabernack getrieben hatte.

An Günter schätzte sie seine Kontaktfreude, Kreativität, Hilfsbereitschaft und außergewöhnlichen Ideenreichtum, an seinem älteren Bruder Heinz, der ein viel stilleres Naturell besaß, dessen Bescheidenheit, Rücksichtnahme und sein Bedürfnis nach familiärer Harmonie. Sie meinte, Günter habe das lebensfrohe, spontane Temperament der Mutter „geerbt“, Heinz hingegen eher die ernste Natur des Vaters.

BILD: Günter Stiff mit Stofftier und einer ehrenamtlichen Verlagshelferin

Dieser Familienvater hieß Dr. Max Stiff und war eine charakterstarke Persönlichkeit, der sich der NS-Diktatur tapfer widersetzt hat.

Im Mai 1933  –  also vor 90 Jahren  –  wurde der bekennende Katholik und ZENTRUMs-Mann von den neuen NS-Machthabern als Landrat des Landkreises Münster kurzerhand abgesetzt; im Mai 1945 (der „braune Spuk“ war ja mittlerweile beendet) kehrte Stiff wieder in sein Amt zurück.

Seine Heimat war das damals deutsch geprägte Elsaß-Lothringen: Am 5. Januar 1890 erblickte er in Busendorf bei Eupen (Lothringen) das Licht der Welt. Der Verwaltungsjurist heiratete „Cäte“ bzw. Katharina Olligs, die aus einem Landgut im Rheinland stammte.

Als einer der jüngsten Landräte Preußens wurde Dr. Stiff 1922 an die Spitze des Landkreises Hildesheim berufen. Dort stand er im guten Kontakt mit dem bekannten Zentrumspolitiker und späteren Reichskanzler Heinrich Brüning, der auf dem Zentralfriedhof in Münster beerdigt wurde.

Im April 1930 wurde Max Stiff nach Münster versetzt und dort einstimmig zum Landrat gewählt. So beliebt er  im damals kernkatholischen Münsterland war, so verhaßt bei den Nationalsozialisten, weshalb sie ihn schon bald aus dem Amte jagten.

BILD: Max Stiff mit seiner Tochter Ursula

Ursula hat mir aus jenen schweren Jahren viel erzählt, auch von Freunden berichtet, die weiter zu dem abservierten Zentrumsmann hielten und die Familie besuchten, um ihr den Rücken zu stärken.

Dazu zählten auch einige katholische Priester aus den Kreisen der Jugendbewegung, denn Günter und Heinz gehörten zum katholischen Schülerbund „Neudeutschland“, der von jugendbewegten Jesuitenpatres geleitete wurde.

Die Familie wird vermutlich auch den Märtyrerpriester August Benninghaus SJ in Münster gekannt haben. Der bekennermutige Jesuit starb 1942 im KZ Dachau (Infos hier: https://christlichesforum.info/munster-pater-benninghaus-sj-wurde-vor-80-jahren-von-der-gestapo-verhaftet/).

Diese konfliktreiche Zeit in ihrer Jugend hat Ursulas Persönlichkeit sicherlich mitgeprägt, hat sie tiefsinnig reifen lassen, ohne ihr die Lebensfreude und natürlich-übernatürliche Geborgenheit im Glauben zu nehmen. Vielmehr hat sie dadurch erfahren, wie wichtig Geradlinigkeit, Gottvertrauen und Charakterstärke für unser Leben sind und sein sollten. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 

Kommentare

6 Antworten

  1. BILD: Max Stiff mit seiner Tochter Ursula

    Mich bewegen solche Bilder immer zutiefst. Ursula war auch einmal klein und in Vertrautheit mit ihrem Vater, den sie jetzt wiedersehen wird.

    R.I.P.

  2. Der KOMM-MIT-Kalender von Günter Stiff lag in meiner Jugendzeit als Messdiener zu jedem Weihnachtsfest in unserer Sakristei aus. Hat mich in einigen Punkten bis heute begleitet. Möge Frau Stiff in Frieden ruhen.

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