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Zur sog. „Selbstverfluchung“ von Juden: Der Stadtpöbel ist nicht das „ganze Volk“

Von Felizitas Küble

Heute haben wir wieder die liturgische katholische Bibellesung des Tages veröffentlicht  – es handelt sich um einen Ausschnitt aus Psalm 68 mit dem Titel: „Über ISRAEL ragt die Hoheit des HERRN“.

Dazu schreibt nun Frau Gabriele L. in ihrem Leserkommentar  –  siehe dort  –  empört Folgendes:

„Lese ich richtig? Das ist eine offizielle Verlautbarung der katholischen Kirche? Was ist aber mit Matthäus 27,25: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“? Da kann wohl nicht die „römisch-katholische“ Kirche sein; es muss sich also wohl um die „deutsch-katholische“ Kirche handeln, die neuerdings überall von sich reden macht und von „Staatsraison“ schwafelt.“

Es geht nicht um eine „Verlautbarung“ der Kirche, sondern um einen alttestamentlichen Psalm, der am heutigen Tage wahlweise in den Meßfeiern bei den liturgischen Lesungen vorgetragen werden kann.

Die erwähnte Stelle aus dem Matthäus-Evangelium sorgt immer wieder für Mißverständnisse und Falschauslegungen unter den Gläubigen. 

Dazu ein weiteres Beispiel:

In einem Leserbrief „Christus im Heiligen Land“, der in der April-Ausgabe der kath. Zeitschrift „Der 13.“ erschien, ist von der bleibenden Fortsetzung des „Fluches“ die Rede, „den das jüdische Volk vor der Kreuzigung Jesu auf sich herabgezogen hat durch den Ruf: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.“ 

Aber diese Mißdeutung wird auch nach 2000 Jahren ständiger Wiederholung nicht richtiger.

Erstens war es nicht „das jüdische Volk“ in seiner Gesamtheit, sondern allein jene Volksmenge, die damals in Jerusalem vor Pilatus stand, man könnte auch sagen: Der Stadtpöbel, der keiner Arbeit nachging. – Dieser Mob ist genausowenig mit dem „jüdischen Volk“ identisch wie eine rasende Nazihorde mit dem deutschen Volk.

Zweitens ging es jenem Volkshaufen mit diesem Ruf konkret darum, den römischen Statthalter Pilatus von seinem Zögern abzubringen, indem man ihn signalisierte, man werde für das Todesurteil gegen Jesus die Verantwortung übernehmen.

Der katholische Theologe Otto Karrer schreibt in seiner 1959 veröffentlichten Übersetzung des Neuen Testaments über diese vermeintliche „Selbstverfluchung“: „Stehende Redensart vom Alten Testament her mit dem Sinn: ‚Die Verantwortung und die Folgen für sein Todesurteil werden wir selber tragen.'“

Drittens schreibt Paulus im Römerbrief 11,1 ff folgendes: „Hat Gott sein Volk verstoßen?  – Das sei ferne!…Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das ER zuvor erwählt hat.“

Natürlich ist die Messiasverkennung vieler Juden eine tragische Angelegenheit, doch haben wir als Christen hierüber nicht den Stab zu brechen, erst recht nicht eine Art „Kollektivschuld“ aus dieser vermeintlichen „Selbstverfluchung“ zu konstruieren.

Christus hat selber am Kreuz für die damals Schuldigen   – ob Juden oder Römer  –  gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Kommentare

10 Antworten

  1. [5. Mo. 28,64-68] Und der HERR wird dich unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde; und du wirst dort anderen Göttern dienen, die du nicht gekannt hast, du noch deine Väter, – Holz und Stein. Und unter jenen Nationen wirst du nicht rasten, und deine Fußsohle wird keine Ruhestätte finden; und der HERR wird dir dort ein zitterndes Herz geben, Erlöschen der Augen und Verschmachten der Seele. Und dein Leben wird schwebend vor dir hangen, und du wirst dich fürchten Nacht und Tag und deinem Leben nicht trauen. Am Morgen wirst du sagen: Wäre es doch Abend! Und am Abend wirst du sagen: Wäre es doch Morgen! Wegen der Furcht deines Herzens, womit du dich fürchten, und wegen des Anblicks deiner Augen, den du erblicken wirst. Und der HERR wird dich auf Schiffen nach Ägypten zurückführen, auf dem Weg, von dem ich dir gesagt habe: du sollst ihn nie mehr wiedersehen! Und ihr werdet dort euren Feinden zu Knechten und zu Mägden verkauft werden, aber niemand wird kaufen.

    Das ist es, was die Juden seit Jahrtausenden erleben. Bis heute.
    Wie vorhergesagt, sammelt Gott sein Volk aber wieder von allen Enden der Erde in das Land, das Er ihnen als Erbbesitz gab.
    Wer Sein Volk antastet, tastet Seinen Augapfel an!

  2. Beten wir für unsere jüdischen älteren Brüder und Schwestern im biblischen Glauben.
    Wie Christus es am Kreuz getan hat.
    Das auserwählte Volk wird von Gott nicht aufgekündigt. Der ewige Bund steht mit Israel.

  3. Die Juden zählen das Jahr 5 7 8 4, also beinahe 6000 Jahre.
    Wir haben erst 2024, die Juden haben uns viele, sehr viele Jahre Gott voraus. Sie waren die ersten, die Gott hatten.

    Also sie sind praktisch unsere Elternreligion.

    Und wie das mit Kindern oft so ist, besonders in neuer Zeit.
    Sie erheben sich gegen ihre Eltern, wollen alles besser wissen.
    Manche erheben sich gegen ihre Eltern, oder trennen sich von ihnen. Es fehlt an Respekt und Ehre für die Eltern.
    So ergeht es den Juden mit denen, die nach ihnen kamen.

    Die Juden haben mit denen, die nach ihnen kamen, schon sehr viel Nachsicht und Verständnis aufgebracht. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

    Wer Juden hasst oder ihnen Böses will, kann Gott nicht lieben.

  4. Shalom, Jesus sagt :..“ICH BIN gekommen, damit sie Leben haben. Jesus hat nicht nur eine Teilerlösung gemacht, sondern „es ist vollbracht“ schließt alle Menschen mit ein und wie bereits erwähnt , bittet Jesus um Vergebung: Vater vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.
    Sie wissen nicht, dass sie den Ast absägen, auf dem sie sitzen.
    Gott ist die Liebe und die Liebe trägt nicht nach. Die Liebe hat nur eine Quelle und das ist Gott, der Ewig-Vater. Es steht uns nicht zu, zu richten und anderen ihre Fehler vorzuwerfen. Wir müssen an unserem Balken im Auge arbeiten.
    Gott wünscht sich Diener im Weinberg und keine Richter. Wenn Menschen richten, so ist es Gesetz, wenn Gott richtet, dann ist es Barmherzigkeit.
    Dennoch bin ich davon überzeugt,
    Philipper 2:10-11 SCH2000
    damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

    Nur mit Jesus Christus kommen wir ins Vaterhaus.

  5. Und ich möchte hierzu noch bemerken, dass nicht Juden, sondern
    römische Soldaten Jesus misshandelt und ans Kreuz genagelt
    haben! Nicht ein Jude hat die Hand gegen ihn erhoben.

    Weiter muss man auch sagen, alle, die Jesus nachfolgten, waren Juden. Also alle seine Jünger. Alle um ihn herum waren Juden.

    Dazu kann auch noch erwähhnt werden, die Christen nannten sich erst
    mehr als 300 Jahre nach Christus Christen. Bis dahin waren sie
    eine jüdische Sekte.

    1. @Brigitte B.:

      Die Christen sind laut Bibel das „neue Israel“, das neue Gottesvolk. Unter dem neuen Bund nach Jesus Christus, dem Messias, der an die Stelle des alten mosaischen Bund nach Moses trat.

  6. Einige Exegeten behaupten, das NT sei einer „zarten, aber signifikanten“ pro-römischen und anti-jüdischen Zensur unterworfen worden.

  7. Völker“ sind immer mehrere Individuen, und entscheiden wohl nur in extrem seltenen Fällen „mit einer Stimme“. Auch wenn schon Schiller forderte, man solle „…. die Stimmen wägen und nicht zählen) weil sonst „der Staat untergehn muss, früh oder spät, wenn Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet“ so hat sich doch inzwischen das „Zählen“ durchgesetzt. Oder wollen Sie etwa Zweifel an ihrer Verfassungstreue provozieren ? 🙂 Straßenpöbel, Mob und Horden sind uns doch über die Jahrtausende geblieben. Sind uns das der „gesunde Menschenverstand“, das Denkvermögen und die Intelligenz auch???

  8. es ist erschreckend, wie der christliche Antijudaismus sich plötzlich in traditionellen Kreisen zeigt; ein in traditionellen Kreisen sehr bekannter Prälat Dr. Erwin Hesse (nicht zu verwechseln mit seinem Neffen Gregor) schmiss persönlich Gläubige, die diese Thesen von der Selbstverfluchung und der Gottesmörder vertraten, aus seinen Messen und Vorträgen.
    Es ist zum Weinen und das meine ich wörtlich, was da wieder hochkommt von Kreisen, die sich immer als besonders katholisch sehen.
    Ich habe seit 8 Jahren intensiven privaten Kontakt zu orthodoxen Juden hier in Wien und ich habe nie in meinem Leben eine liebevollere Aufnahme erfahren als in diesen Kreisen.

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