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Als Geimpfter protestiere ich gegen den Ausschluss Ungeimpfter von hl. Messen

Von Thomas May

Während der Widerstand in der Bevölkerung gegen die immer rigideren Anti-Corona-Maßnahmen nicht nur in Deutschland wächst, sind ausgerechnet die Kirchen bei uns darauf verfallen, den Regierungsvorgaben ohne Notwendigkeit mit erstaunlichem Eifer nachzukommen, sie zum Teil sogar überzuerfüllen.

Im Fokus stehen dabei die Ungeimpften, regelmäßig als „Impfverweigerer“ abgewertet und als Sündenböcke der Coronakrise stigmatisiert, die vermehrt von der Teilhabe am gesellschaftlichen  –  und religiösen  –  Leben ausgeschlossen und bestraft werden sollen.

In dieser schwierigen Lage haben die Bischöfe mit verschiedenen Akzenten beschlossen, den Kirchengemeinden die Entscheidungen im Einzelfall zu überlassen, das heißt, sie selbst über die Zugangsbedingungen zu den Gottesdiensten befinden zu lassen; ihr Leitgedanke: Den „unterschiedlichen Sicherheitsbedürfnissen“ der Gläubigen gerecht zu werden – von Gottesdiensten ohne und mit Anmeldung, mit Sicherheitsabstand und Maskenpflicht, über 3G und 2G bis zu 2G+.

Als ich mich in der Münsteraner Kirchengemeinde St. Nikolaus, der ich formell zugehöre, zu einer heiligen Messe an Heiligabend anmelden wollte, musste ich jedoch feststellen, dass dort seit dem 6. Dezember für alle Gottesdienste die 2G-Regel (es sind vier Christmetten angesetzt) vorgeschrieben ist: Es besteht in dieser Gemeinde für Ungeimpfte also keine Möglichkeit mehr, an einer Eucharistiefeier teilzunehmen.

Obwohl ich selbst zweimal geimpft bin und demnächst geboostert werde, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich aus Solidarität mit meinen ungeimpften Geschwistern im Glauben an keiner 2G- oder sie anderweitig ausschließenden Messe teilnehmen werde.

Ich protestiere gegen die diktatorische Regelung in St. Nikolaus, die in ihrer Kompromisslosigkeit und Hartherzigkeit  –  wie ein Blick in umliegende Kirchen-gemeinden Münsters zeigt (in St. Aegidii zum Beispiel gibt es sogar weder Test- noch Maskenpflicht) – singulär ist und auch der auf Differenzierung bedachten Zielsetzung von Bischof Dr. Genn nicht entspricht.

Es ist mir unbegreiflich, wie in der Heiligen Nacht „anständige“ Geimpfte in pharisäisch regulierter Anmaßung die Feier der Geburt Jesu Christi, des Heilands aller Menschen, für sich vereinnahmen und ihre ungeimpften Mitchristen draußen vor der Tür stehen lassen können bzw. es billigend in Kauf nehmen.

Das wiegt umso schwerer, als mit faschistisch anmutender Ausgrenzungspastoral einem furchtbaren Ungeist Vorschub geleistet wird, wenn das Diktat „In unseren Gottesdiensten sind Ungeimpfte unerwünscht“ im Raum steht, wobei „unerwünscht“ in diesem Fall noch eine Untertreibung darstellt.

Die Kirche verrät den Kern des Evangeliums Jesu Christi, wenn sie die an den Rand Gedrängten und Ausgestoßenen, die Diffamierten und Kriminalisierten (die als „die Verlorenen“ gelten mögen) ausschließt. Besonders in der Nacht der Menschwerdung Gottes sind nicht zuletzt die Ungeimpften unsere geringsten Brüder und Schwestern.

Daher bitte ich alle Gläubigen, die guten Willens und um gerechten Ausgleich bemüht sind, sich unabhängig von ihrem Impfstatus dafür einzusetzen, dass auch Ungeimpfte ohne Herabsetzung ihrer Person weiterhin den Gottesdienst besuchen und die Eucharistie empfangen können.

Ich bitte sie, sich meinem Protest gegen die diktatorische 2G-Regelung in der Pfarrgemeinde St. Nikolaus anzuschließen bzw. die Öffnung einer angemessenen Zahl von Gottesdiensten für Nichtgeimpfte in ihrer Gemeinde zu verlangen.  (Adresse: https://st-nikolaus-muenster.de/ – unter „Seelsorge und Verwaltung“)

Unser Autor Thomas May ist Lehrer i. R. – Er unterrichtete die Fächer Deutsch und Katholische Religionslehre. Der in Sendenhorst (Münsterland) lebende Autor ist ein Neffe des bekannten Prälaten und Kirchenrechtlers Prof. Dr. Georg May (Mainz).

Kommentare

7 Antworten

  1. Eine Kirche, die ihre Gläubigen aussperrt? Das macht mich fassungslos. Ungeimpfte (so wie ich) stellen für niemanden eine Gefahr dar. Eher sind (ohne ihr Wissen) infizierte Geimpfte für alle anderen eine Gefahr, wobei für über 99,9% der Bevölkerung nie eine Gefahr bestand. (Siehe Afrika, die sind zu ihrem Glück zu arm, um so teuren ,,Impfstoff“ zu kaufen und behalten deshalb ihre natürlichen Abwehrkräfte, in Jahrhunderttausenden von der Natur gebildet). Also sollten Priester ihre Coronaphobie überwinden, und seelsorgerisch tätig sein, auch Kranke besuchen – Und wenn der Priester selbst krank werden sollte, dann ist das halt so (ich habe aus Achtung vor dem Priesteramt auf eine sehr zynische Bemerkung verzichtet).

  2. Vielen Dank für dieses Zeichen der Solidarität in einem verrückt gewordenen Land. Ich lebe im Ausland und bin fassungslos, was in Deutschland geschieht – das hat mit Gesundheitsschutz nichts mehr zu tun und ist gerade aus kirchlicher Sicht im hohen Maße verwerflich. Ich bin selbst geimpft und empört – wieder einmal versagt die Kirche da, wo Brücken bauen und Menschenfreund sein angesagt ist. Es gibt viele gute Gründe, sich sowohl für als auch gegen eine Impfung zu entscheiden.

    Wenn Geimpfte nun Angst vor Ungeimpften haben, dann frage ich mich wirklich, welche Massenhysterie hier ausgebrochen ist.

    In anderen Ländern schaut man schockiert auf Deutschland und erinnert sich an dunkelste Zeiten.

    Sie machen Hoffnung

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