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Einspruch gegen die Nötigung zur Verwendung der „gendergerechten Sprache“

Offener Brief an die theologischen Ausbildungsstätten des deutschsprachigen Raums:

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
Kommilitoninnen und Kommilitonen
,

der hier vorliegende offene Brief betrifft ein inzwischen allfälliges Phänomen, das die Rede­freiheit von Dozenten gleichermaßen wie von Studenten gravierend einschränkt, an Universi­täten genauso wie an Fachhochschulen und kirchlichen Ausbildungsstätten.

Es geht um die Nötigung, statt des generischen Maskulinums eine als inklusiv deklarierte Sprache zu ver­wenden. Einer Nötigung darf man sich, so lange ein Gemeinwesen freiheitlich ist, in aller Regel auch ohne Gründe verweigern. Hier soll es aber darum gehen, ihr argumentativ zu begegnen, womit sich auch der Umfang dieses Gesprächsbeitrages erklärt:

Durch Verordnungen zu sog. „geschlechter-“ oder „gendergerechter“ Sprache ist der öffentli­che Bereich dem Zugriff einer großformatigen Sprachplanung ausgesetzt, die durch Eingriffe in die gewachsene Struktur des Deutschen einen künstlichen Sprachwandel herbeizuführen sucht, der mit üblichen Wandlungsprozessen, die von breiten Kreisen der Sprachgemeinschaft getragen und vorangebracht werden, nicht zu vergleichen ist.

In diesem Zusammenhang wird auch im Hochschulbereich eine zunehmende Nötigung spür­bar, sich gegenderter Sprache zu bedienen. Die Nötigung zu einem bestimmten Sprachge­brauch bedeutet grundsätzlich eine Beeinträchtigung der Wissenschaftsfreiheit von Dozenten wie Studenten. 

Im vorliegenden Fall gilt das noch in besonderem Maß, da die philosophi­schen und linguistischen Voraussetzungen des Konzepts „geschlechtergerechter“ Sprache kei­neswegs allgemein geteilt werden.

Manche erweisen sich sogar schon bei oberflächlicher Prüfung als fragwürdig. Von daher bedeutet jeder Druck, „gendergerechte“ Sprache zu ver­wenden, einen Missstand, gegen den die Unterzeichnenden, die mehrheitlich Mitglieder der Fachgruppe Theologie des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit sind, Einspruch erheben.

Dass sich Dozenten auch gegen ihre eigene Überzeugung zur Verwendung gegenderter Spra­che genötigt sehen, zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Demoskopischen Instituts Allensbach aus dem Jahre 2021:

Danach bekennen sich 80% [!] der befragten Hochschulleh­rer beiderlei Geschlechts dazu, dass es an der Universität erlaubt sein müsse, sich sog. „gen­dergerechter“ Sprache zu verweigern (84% der Männer; 67% der Frauen); zugleich gibt nahezu die Hälfte der Befragten (47%), an, dass mit erheblichem Widerstand von Seiten der Studenten oder der Universitätsleitung zu rechnen sei, wenn man sich der „gendergerechten“ Sprache tatsächlich verweigern wollte. Der zweite Wert ist in kurzer Zeit gestiegen: 2019/20 stimmten erst 40% der Befragten dieser Aussage zu.

Vor diesem Hintergrund sind Berichte glaubwürdig, nach denen Studenten beklagen, dass sich der Verzicht auf die Verwendung gegenderter Sprache negativ auf die Bewertung von Studienleistungen auswirke.

Laut einer vorläufigen Recherche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung waren „Studenten an mindestens fünfzehn deutschsprachigen Hochschulen zum Gendern verpflichtet“.  

Erstveröffentlichung in: Auftrag und Wahrheit. Ökumenische Quartalsschrift für Predigt, Liturgie und Theologie 2 (2022/2023), H. 5, S. 28 – 39.

Quelle und FORTSETZUNG des Einspruchs hier: https://bildung-und-ethik.com/2022/12/27/theologie-einspruch-gegen-die-notigung-zur-verwendung-sog-geschlechtergerechter-sprache/

 

Kommentare

4 Antworten

  1. Im Persischen gibt es z. B. kein grammatikalisches Geschlecht, nur einen Unterschied zwischen Personen und Sachen. Da müsste der Iran ja ein Hort der Gleichberechtigung sein, wenn geschlechtsneutrale Sprache zur Gleichberechtigung verhilft. Ich selbst fühle mich als Frau durch das immer weiter um sich greifende Gender-Neusprech vor den Kopf gestoßen und überall dort ausgegrenzt, wo ich es bisher nicht war. Ich mag schon keine Zeitungen mehr lesen, und die Sternch*innensprache in kirchlichen Aushängen und Publikationen verleidet mir den Kirchenbesuch und das Lesen der Kirchenzeitung. Zum Glück gendert die Pfarrerin meiner Gemeinde noch nicht bzw. nur minimal, so bleibt mir der Kirchenaustritt noch erspart. Eine Predigt, die mein Sprachgefühl beleidigt, möchte ich mir nicht antun.

  2. Die inhaltlich und sprachlich brillante Stellungnahme von Theologen wirkt wie eine erfrischende Oase in der modernen deutschen Sprachwüste.

  3. In diesem Zusammenhang frage ich mich immer, warum die Reihenfolge „Kolleginnen und Kollegen“ und „Kommilitoninnen und Kommilitonen“? Es gab einmal eine Zeit, da bestimmte eine RANGFOLGE die Reihenfolge, in der die Personen benannt wurden. Wenn es sich um gleichrangige Personen handelte, wurde die ALPHABETISCHE Reihenfolge gewählt. Meines Wissens kommt im Alphabet das „I“ NACH dem „e“. Wird also hier – und wie oft an anderer Stelle auch – den Frauen ein höherer Rang beigemessen? Warum? Haben wir inzwischen einen „Kampf der Geschlechter“?
    Machen also irgendwie ALLE den Gender*wahn mit?

  4. Es ist höchste Zeit, dass sich kompetente Kreise diesem Irrsinn mit überzeugenden Argumenten widersetzen. Dem Ziel einer Gleichberechtigung von Mann und Frau erweist dieser erzwungene Genderismus einen Bärendienst. Deren Vertreter sollten sich statt dessen dort engagieren, wo selbst Ansätze von Frauenrechten noch immer mit Füßen getreten werden. Und das gilt weltweit eben nicht nur für den Iran und Afghanistan.

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