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Volkslied: Wo´s Dörflein dort zu Ende geht

1. Wo´s Dörflein dort zu Ende geht,
wo´s Mühlenrad am Bach sich dreht,
da steht im duft´gen Blütenstrauß
ein Hüttlein, s´ist mein Vaterhaus.

2. Da schlagen mir zwei Herzen drin,
voll Liebe und voll treuem Sinn,
der Vater und die Mutter mein,
das sind die Herzen fromm und rein.

3. Darin auch meine Wiege steht,
darin lernt´ ich mein erst´ Gebet,
darin fand Spiel und Lust stets Raum,
darin träumt ich den ersten Traum.

4. Drum tausch ich für das schönste Schloß,
wär´s felsenfest und riesengroß,
mein liebes Hüttlein doch nicht aus,
denn´s gibt ja nur ein Vaterhaus.

 

Hinweise dazu von unserem Leser Ernst Friedel aus Kanada:

Jeder von uns hat eine Heimat. Einige sind in vornehmen Häusern geboren und aufgewachsen, andere in ärmlichen Gebäuden. Wieder andere, und dazu gehöre ich, in Gebäuden, die nur ein oder zwei Schlafzimmer und ein Wohnzimmer hatten, das auch als Küche diente.

Durch den verlorenen 1. Weltkrieg, die totale Geldentwertung der 1920iger Jahre und durch den weltweiten wirtschaftlichen Zusammenbruch Anfang der 1930iger Jahre hatten meine Eltern fast alles verloren. Gern hätte ich eine höhere Schule besucht, aber das war aus finanziellen und geografischen Gründen nicht möglich.

Wir lebten in einem kleinen Dörflein, das im Winter ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten war. Im Alter von zwanzig Jahren habe ich meine Heimat verlassen, aber nie vergessen, denn ich habe sie im Herzen mitgenommen. Auch das ärmliche Häuschen, in dem wir lebten, ist immer noch mein Vaterhaus. Nein, eine höhere Schule habe ich nicht besucht, aber doch viel gelernt. Das Leben war mein Schulmeister.

Wenn ich das Lied „Wo´s Dörflein dort zu Ende geht“ höre, dann finden meine Erinnerungen zurück zum Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, zu meinem Vaterhaus, an die schönen Blumen im Garten, an zwei Herzen, die mich liebten, an Vater und Mutter, die mich erzogen haben, die mir Werte beibrachten, die mich durch mein Leben begleiteten.

In dem Häuschen stand auch eine Wiege, wo ich das erste kurze Gebet gelernt habe, so heißt es im dritten Vers. Dort träumte ich von der großen weiten Welt und manche dieser Träume sind wahr geworden.

Sollte mich jemand fragen, ob ich lieber in einem Schloss aufgewachsen wäre, dann will ich mit dem Liederdichter singen: „Drum tausch ich für das schönste Schloss, wär´s felsenfest und riesengroß, mein liebes Hüttlein doch nicht aus, denn es gibt ja nur ein Vaterhaus“.

Sie finden das Lied hier: https://www.youtube.com/watch?v=0ReJfjr8Z-w. Der Text stammt von Franz Wiedemann (1821–1882). Er war Pädagoge und Lehrer an der Bürgerschule in Dresden. Das Lied wird nach mehreren Melodien gesungen und wird Wilhelm Köhler zugeschrieben. Es singt der Montanara-Chor.

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