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Die Verehrung des Prager Jesuskindes wird von Sievernich vereinnahmt

Die Heilige Schrift warnt vor irrgeistigen Phänomenen

Dem Menschen wohnt schon allein auf der Grundlage des Naturrechts ein gewisser innerer moralischer Kompass inne. In Bezug auf übernatürliche Phänomene haben wir diesen „Kompass“ allerdings nicht.

Die Heilige Schrift warnt uns daher eindringlich vor der Täuschung, der wir auf diesem Gebiet zum Opfer fallen können.

Der HERR selbst ermahnt uns, nicht auf die Irreführung durch selbsternannte Christusse und falsche Propheten hereinzufallen (vgl. Mt 24, 4-5 sowie 11) und der Apostel Paulus scheibt: „…auch der Satan tarnt sich als Engel des Lichtes“ (2 Kor 11,14).

Und wenn selbst ein großer Mystiker und Kirchenlehrer wie der heilige Johannes vom Kreuz höchste Vorsicht und Skepsis gegenüber vermeintlich übernatürlichen Erscheinungen anmahnt, auf welcher Basis sollen dann wir selbst unterscheiden können, aus welchem Geist ein bestimmtes Phänomen stammt?

Der Gehorsam gegenüber der kirchlichen Autorität hilft uns, auf dem sicheren Weg zu bleiben. Denn solche mutmaßlichen Phänomene können auf vielfältige Ursachen zurückgehen. Neben der Möglichkeit eines schnöden Betrugs können auch psychische und andere subjektive Elemente des jeweiligen Sehers, mögliche parapsychologische Phänomene oder im schlimmsten Fall dämonische Einflüsse eine Rolle spielen.

Es ist dabei natürlich ein Zirkelschluss, die vermeintliche Echtheit einer Erscheinung damit zu begründen, dass die „erschienene Gestalt“ selbst ihre Glaubwürdigkeit und ihre „himmlische Herkunft“ bestätigt habe. 

Und auch nicht alles, was nicht falsch ist, ist gleich übernatürlich.

Es ist befremdlich, dass gerade besonders „fromme“ Menschen in diesen Fällen plötzlich den der hl. Kirche geschuldeten Gehorsam über Bord werfen.

Es gilt jedenfalls, was der Theologe Joseph Schumacher schreibt: „Grundsätzlich darf man nicht von der übernatürlichen Verursachung ausgehen, diese ist vielmehr zu beweisen.“ [1]

Dies gilt auch für die „Erscheinungen“ von Sievernich.

Viele Gläubige sind vor allem nach den Beiträgen von Michael Hesemann über die angeblichen Erscheinungen des Prager Jesuskindes auf den „Sievernich-Zug“ aufgesprungen und haben die jahrhundertealte und tief in der Tradition des Karmelitenordens verwurzelte Verehrung des als König gekleideten Jesusknaben gewissermaßen für Sievernich „vereinnahmt“.

Die altehrwürdige Geschichte dieses weltbekannten, aus Spanien stammenden Gnadenbildes sowie die tiefe Verehrung, die große Heilige wie Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz oder Edith Stein für diese Darstellung der Menschwerdung des Göttlichen Wortes hegten, kann auf keinen Fall als Argument für die Wahrhaftigkeit der „Erscheinungen“ von Sievernich gelten, denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun!

Hier wird vor allem von Michael Hesemann [2] ein Zusammenhang hergestellt, der die Ereignisse von Sievernich legitimieren und mit einer hohen Autorität ausstatten soll.

Die mutmaßlichen „Erscheinungen“ partizipieren hier unberechtigterweise an oder profitieren von der Strahlkraft einer Kirchenlehrerin des Kalibers von Teresa von Avila, einer Heiligen wie Edith Stein sowie von der Tatsache, dass Benedikt XVI. im September 2009 bei seiner Reise nach Tschechien das Prager Jesuskind feierlich krönte.

Dieser Akt der Krönung durch den Heiligen Vater stellt in der Tat die höchste Ehre dar, die die Katholische Kirche einem Gnadenbild erweisen kann, ist aber mitnichten eine Legitimierung der Ereignisse von Sievernich oder macht auch nur die geringste Aussage darüber.

Hier werden Dinge in einen Kontext gestellt, die nichts miteinander zu tun haben. Das Gnadenbild von Prag hat mit Sievernich lediglich gemeinsam, dass die Seherin behauptet, den Herrn in eben dieser Gestalt gesehen zu haben.

Wie bereits oben angesprochen, ist die Verehrung des Prager Jesuskindes oder ähnlicher Darstellungen des Jesusknaben (z.B. des Jesuskindes von Beaune, bei dem es sich gleichfalls um eine Darstellung des Jesusknaben als König handelt und das ebenfalls ein anerkanntes Gnadenbild ist) zutiefst in der Spiritualität des Karmel verwurzelt und hat die Betrachtung des Mysteriums der Fleischwerdung, der Menschwerdung des Göttlichen Wortes zum Inhalt.  

FOTO: Titelbild eines Sievernich-Buches (die dortigen „Erscheinungen“ sind kirchlich nicht anerkannt)

Jahrzehntelang waren viele Gläubige gerade im deutschsprachigen Raum vollkommen gleichgültig gegenüber dieser altehrwürdigen Andachtsform, die selbst einer Edith Stein teuer und wichtig war, die als höchst intellektuelle jüdische Konvertitin sicherlich nicht verdächtigt werden kann, hier einer sentimentalen Erinnerung aus ihrer Kindheit gefrönt zu haben.

Nun plötzlich, da behauptet wird, es gebe irgendwo Erscheinungen, geraten viele Gläubige außer Rand und Band und scheinen nahezu zu glauben, etwas gefunden zu haben, was es noch nie gegeben habe.

Zwar ist eine Wiederbelebung und Wiederentdeckung der Verehrung der Menschwerdung des Göttlichen Wortes im Gnadenbild des Jesuskindes von Prag durchaus wünschenswert und erfreulich, jedoch ist es fraglich, ob diese „Renaissance“ durch eine kirchlich nicht anerkannte und in manchen Punkten zweifelhafte „Privatoffenbarung“, die im Wesentlichen aus Elementen besteht, die aus allen möglichen anderen Quellen zusammengelesen zu sein scheinen, fruchtbar werden kann.

Aufgefallen ist mir unter anderem, dass das „Prager Jesuskind“ in Sievernich am 28. Dezember 2021 erstmalig die Segnung von „Häusern, Gemeinden und Ländern“ mit „Statuen Meiner heiligen Kindheit“ [3] forderte, und zwar unter der Verheißung: „So wird euch nicht nur die Wissenschaft helfen, sondern das Erbarmen des Ewigen Vaters wird auf euch kommen und alle Plagen rasch beseitigen.“ 

Diese Botschaft erschien zu einem Zeitpunkt, als drei oder vier Wochen zuvor das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ in der Weihnachtsausgabe seiner kleinen Zeitschrift „Echo der Liebe“ das Zeugnis eines pakistanischen Priesters veröffentlicht hatte, der zu Hoch-Zeiten der Pandemie seine Pfarrei mit einer Nachbildung des berühmten Gnadenbildes gesegnet hatte, was seinen Angaben zufolge dazu führte, dass die Infektionen und Todesfälle unter der bitterarmen Bevölkerung aufhörten.

Dies hatte bereits im Sommer des Vorjahres stattgefunden, war aber erst im Advent 2021 veröffentlicht worden.

Sollte das Jesuskind in Deutschland erst Ende 2021, nach zwei Jahren der Coronakrise, auf diese heilsame Idee gekommen sein, die woanders schon eineinhalb Jahre zuvor praktiziert wurden war?  

BILD: Dieses Infoblatt über das Prager Jesuskind kann bei „Kirche in Not“ kostenlos angefordert werden: https://www.kirche-in-not.de/shop/glaubenskompass-prager-jesuskind/

In der darauffolgenden „Erscheinung“ vom 6. Januar 2022 wurde dieser Wunsch der Segenspendung mit den Jesuskind-Statuen noch einmal wiederholt. [4]

Dass dieser Segen mit Sicherheit nicht schaden kann und auch in anderen Heiligtümern oder Kirchengemeinden so gespendet wird oder wurde, vor allem zu Zeiten des Lockdowns (so beispielsweise im Heiligtum des Prager Jesuskindes von Arenzano/Italien jeweils während des jährlichen Festes und einmal während des Lockdowns, als die Kirchen geschlossen waren, vom Dach der Wallfahrtsstätte, wobei der Segen im Fernsehen übertragen wurde), ist das eine. Es ist aber eine andere „Hausnummer“, diese Forderung einer angeblich übernatürlichen Erscheinung in den Mund zu legen.

Verehrer des Prager Jesuskindes brauchen Sievernich nicht. Das Gnadenbild, das seit bald vierhundert Jahren in der Kirche „Maria vom Sieg“ (Kostel Panny Marie Vítězné) auf der Prager Kleinseite zur Verehrung ausgestellt wird, hat nie aufgehört, Gnaden zu verströmen und Gebete zu erhören.

Aus aller Welt kommen die Pilger, und auch an zahlreichen weiteren Orten dieser Welt wird das Prager Jesuskind verehrt. Ihm wurde im 17. Jahrhundert unter anderem die Bewahrung der Stadt Prag vor der Pest und vor feindlichen Angriffen zugeschrieben – ebenso wie bis heute unzählige weitere Gnaden und Gebetserhörungen vermeldet werden, die Gläubige erfahren haben, nachdem sie ihre Anliegen vertrauensvoll dem Jesuskind vorgebracht haben.

Das Prager Jesuskind „gehört“ nicht Sievernich, und wer es verehren möchte, kann dies jederzeit in der Prager Wallfahrtskirche oder in anderen Ihm geweihten Heiligtümern an vielen Orten der Welt tun.

Anmerkungen:

[1] https://christlichesforum.info/wp-content/uploads/2014/03/privatoffenbarungen1-1.pdf
[2] Vgl. z.B.  https://www.kath.net/news/77218
[3] https://maria-die-makellose.de/botschaften/2021/2021-12-28.html
[4] https://maria-die-makellose.de/botschaften/2022/2022_01_06.html

HINWEIS: Die Autorin dieses Beitrags ist unserer Redaktion mit Namen und voller Anschrift bekannt

 

Kommentare

5 Antworten

  1. Es graust einem, wenn man so etwas auf der Sievernich-Seite liest:

    „Der Herr erscheint lebendig am Kreuz im Haus Jerusalem am 12.09.2022

    Der Herr spricht:

    „Vom Kreuz aus schaue Ich auf Meine Schafe, auf Meine Beter. Vom Kreuz aus rufe Ich Meine Beter: Bleibt Mir treu! Ihr werdet Hindernisse überwinden müssen. Ihr werdet in Mir stark sein. Ich bleibe bei euch! Ich lasse euch nicht alleine. Der Mensch macht und geht in den Abgrund. Alles, was vom Ewigen Vater ist und von Mir, dem Sohn, hat Bestand, hat Bestand in Ewigkeit.““

    Bizarr besonders die dt. Formulierung: „Der Mensch macht [und geht] in den Abgrund.“

    1. Guten Tag,
      ja, mehr als kurios – und zudem ist auch der nächste Satz merkwürdig, weil hier bei dem, was „Bestand hat in Ewigkeit“, der Heilige Geist „vergessen“ wird.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

      1. Liebe Frau Küble, es ist in der Tat merkwürdig, dass auch hier der Heilige Geist sozusagen „vergessen“ wurde. Mir ist beim Lesen Ihrer Beiträge über verschiedene nicht anerkannte Privatoffenbarungen der jüngeren Vergangenheit bereits aufgefallen, dass in den „Botschaften“ immer wieder die Heiligste Dreifaltigkeit unvollständig genannt wird (Vater, Sohn, aber nicht der Heilige Geist) oder dass Maria nahezu als dritte Person der Dreifaltigkeit zumindest missverstanden werden kann. Worauf würden Sie das zurückführen? Ist das „Schlamperei“, die jeweils von anderen wieder unkritisch übernommen wird, oder erkennen Sie eine Systematik dahinter?

        1. Guten Tag,
          solche aufschlußreichen theologischen Fehler und Versäumnisse sind in derartigen „Botschaften“ an der Tagesordnung.
          Viele „überlesen“ solche Schnitzer, weil ja alles so schön fromm klingt….
          In Heroldsbach wird Maria geradezu in eine Vierfaltigkeit hineinfantasiert (das haben wir ausführlich hier dargelegt).
          Solche scheinbaren „Schlampereien“ und Fehlleistungen können verschiedene Gründe haben, teils bei selbstgestrickten „Offenbarungen“ die mangelnde Bildung der Seher, teils ist es bei von „unten“ herbeigeführten Phänomenen eine Art „Pferdefuß“ bzw. indirekte Visitenkarte des Widersachers, in jedem Fall ein Zeichen für Falschmystik, denn der wahre Himmel irrt sich nicht, schon gar nicht hinsichtlich himmlischer Glaubenswahrheiten…
          Freundlichen Gruß
          Felizitas Küble

          1. Vielen Dank für die Erklärung, liebe Frau Küble! Es ist wirklich erschreckend, dass Gläubige auf solche „Botschaften“ hereinfallen, die ganz offensichtlich falsch sein müssen. Ihnen ebenfalls viele Grüße!

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