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Kant: Die praktische Vernunft erfordert ein Jenseits und ein Gericht

Der große deutsche Philosoph Immanuel Kant aus Königsberg schrieb:

„Es ist eine logische Forderung der praktischen Vernunft, daß es eine Ewigkeit und ein Gericht geben muß. Denn meine praktische Vernunft fordert, daß all das Ungleiche und Ungelöste und Ungerechte dieser Welt einen Ausgleich finden muß.“

Der christliche Prediger und Bestsellerautor Wilhelm Busch ergänzt:

„Was Kant als philosophische Forderung empfindet, das bezeugt uns Gottes Wort.
Mag es tausendmal in der Welt aussehen, als ob Gott schweigen würde – in der Ewigkeit wird offenbar werden, daß ER gerecht ist und daß da jeder die Ernte finden wird, die seiner Aussaat entspricht.“

Kommentare

10 Antworten

  1. Ist mir vollkommen wurscht, wer das geschrieben hat, es reicht aus, es als vernünftigen Gedanken in die Debatte einzuführen.
    Leider ist er für Leute, die so genial denken wie Hoimar von Ditfurth und sein Buchtitel, „Der Geist fiel nicht vom Himmel“, verschlossen. Der Inhalt ist aber eine tolle Beschreibung der Natur.
    Herr Machinek sollte auf sein Büchlein mit der Quantenphysik aufmerksam machen. Da kann man innewerden, wie wenig wir wirklich wissen.

    1. Das sehen maßgebliche Quantenphysiker genauso. Die Naturwissenschaften sind immer noch der klassischen newtonschen Physik verhaftet, obwohl längst feststeht, dass deren Grundannahmen überholt sind und das auf ihnen beruhende Gedankengebäude in Trümmern liegt. „Alle Dinge, unabhängig von ihrer Größe, existieren in Quantenzuständen,“ sagt der international anerkannte Quantenchemiker Lothar Schäfer und beklagt das immer noch vorherrschende quantenphysikalische Analphabetentum in unseren Naturwissenschaften. Da lohnt sich in der Tat ein Blick in meine Veröffentlichung im GHV Verlag oder im Herder Verlag durch die Brüder Anselm und Michael Grün.

    1. Guten Tag,
      beide Zitate fand ich – getrennt voneinander – in einem Büchlein mit verschiedenen Aussprüchen und Gedichten, wobei unter dem ersten Zitat ausdrücklich Kant vermerkt war. Ich habe von ihm einiges gelesen, kann aber nicht erst sein gesamtes Werk durchackern, bevor ich einen Spruch veröffentliche, der ihm zugeschrieben wurde.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

      1. Das müssen sie nicht tun. Ich erwarte mir eine einfache Zitatprüfung. Das geht so, dass sie einige Worte unter Anführungszeichen in eine Suchmaschine, zum Beispiele Google eingeben, zum Beispiel: „Es ist eine logische Forderung“. Danach sehen Sie sich die Ergebnisse an. Kein Kant, nur Busch …
        Das ist nicht schwer und Mindestvoraussetzung – auch für andere Texte natürlich.

        1. Guten Tag,
          es kann aber auch sein, daß Busch Kant zitiert hat, womit es immer noch ein Kant-Ausspruch wäre. Zudem: Sind denn sämtliche Kant-Aussagen online gespeichert? Das wäre ja Voraussetzung für eine lückenlose Prüfung.
          Freundlichen Gruß
          Felizitas Küble

          1. Nein, es kann eben nicht sein, dass Busch Kant zitiert hat. Das ist ja das ärgerliche, dass er aber vorgibt, Kant zu zitieren. Das ist leider eine Unsitte, die sich fortpflanzt.

            Ja, alles, was Kant veröffentlicht hat, ist Online.

            Schön, dass Sie meinem Hinweis eine kleine Bühne geben. Die genannte Arbeitstechnik ermöglicht das Finden der Nadel im Heuhaufen Internet und sollte bei jedem vermeintlichen Zitat angewandt werden.

      2. Dieses Kant zugesprochene Zitat kann ich so auf die Schnelle nicht in meiner Ausgabe von Kants Schriften finden. Es liegt aber nahe, dass es zu Recht Kant zugeschrieben wird. Dazu bedenke man die berühmten vier Fragen von Immanuel Kant:

        Was kann ich wissen?
        Was soll ich tun?
        Was darf ich hoffen?
        Was ist der Mensch?

        Die ersten drei finden sich bereits in seiner Kritik der reinen Vernunft. Es liegt nahe, das hier diskutierte Zitat im Zusammenhang mit der dritten Frage Kants zu vermuten.
        Mehr dazu hier: https://dajolens.de/blog/kants-vier-fragen

  2. Gott ist eben nicht nur der gerechte Richter, sondern auch der gnädige Gott, wie er uns durch den Mensch gewordenen Logos Jesus Christus hat wissen lassen. Zur Begnadungsfähigkeit gehört allerdings auch die Begnadungsbereitschaft des Geschöpfes Mensch. Mir scheint, dass dem modernen Menschen die nötige Demut für diese Bereitschaft abhanden gekommen ist. Ein afrikanisches Sprichwort lautet: Das Christentum lernt man auf den Knien, nicht auf den Akademien. Wie wahr und wie weise.

  3. Diesen für unser menschliches Zusammenleben sehr wesentlichen Aspekt hat auch Pastor Timothy Keller in seinem Buch „Warum Gott?“ dargestellt. Viele seiner Zuhörer meinten, ein richtender Gott könne kein Gott der Liebe sein.

    Ein kurzer Auszug aus diesem Buch:

    „Im Christentum ist Gott beides – ein liebender und ein gerechter Gott. Viele Menschen haben damit ihre Probleme. Sie glauben, dass ein Gott der Liebe kein richtender Gott sein kann. Ich bin, wie wohl die meisten anderen Pastoren in unserer Gesellschaft, buchstäblich schon Tausende von Malen gefragt worden: „Wie kann ein Gott der Liebe zugleich ein zorniger Gott sein? Wenn er wirklich liebt und vollkommen ist, warum nimmt er dann nicht einfach alle so an, wie sie sind?“

    Ich beginne meine Antwort immer mit dem Hinweis, dass alle Personen, die lieben, manchmal auch zornig werden, und das nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Liebe. Wenn Sie einen Menschen lieben und es miterleben, wie er von anderen zugrunde gerichtet wird (oder sich selber zugrunde richtet), werden Sie wütend. Oder, wie Becky Pippert es in ihrem Buch Hope Has Its Reasons ausdrückt: Was geht denn in uns vor, wenn wir miterleben müssen, wie das Leben eines Menschen, den wir lieben, durch falsche Handlungen oder falsche Beziehungen kaputtgeht? Zucken wir höflich die Achseln, wie wir das vielleicht bei einem Wildfremden täten? Natürlich nicht … Zorn ist nicht das Gegenteil von Liebe.

    Das Gegenteil von Liebe ist Hass, und die ultimative Form des Hasses ist die Gleichgültigkeit … Gottes Zorn bedeutet nicht, dass er seine Wut kriegt, sondern dass er entschlossen gegen den Krebs vorgeht … der in den Eingeweiden der Menschen wütet, die er mit allem, was er hat, liebt.

    Die Bibel sagt, dass Gottes Zorn ein Ausdruck seiner Liebe zu und Freude an seiner Schöpfung ist. Böses und Ungerechtigkeit erzürnen ihn, weil sie Unfrieden und Zerstörung in diese Schöpfung tragen. So heißt es in Psalm 145: „Gerecht ist der Herr in allem, was er tut, voll Huld in all seinen Werken … Alle, die ihn lieben, behütet der Herr, doch alle Frevler vernichtet er“ (Psalm 145,17-20118). An dieser Stelle wenden viele ein, dass jemand, der an einen richtenden Gott glaubt, doch wohl unmöglich seinen Feinden versöhnlich gegenübertreten kann. Wenn Sie an einen Gott glauben, der die Übeltäter peinigt, können Sie durchaus versucht sein, ihm dabei etwas zu helfen.

    Miroslav Volf, ein aus Kroatien stammender Theologe der Yale University, der die Gewalt auf dem Balkan miterlebt hat, sieht die Lehre vom Gericht Gottes anders: Ein Gott, der nicht über Ungerechtigkeit und Betrug zornig wäre und nicht eines Tages der Gewalt ein Ende bereiten würde, wäre es nicht wert, angebetet zu werden … Die einzige Möglichkeit, jeden Einsatz von Gewalt durch uns Menschen zu ächten, besteht darin, darauf zu bestehen, dass Gewalt nur dann legitim ist, wenn sie von Gott kommt. … Meine These, dass praktizierte Gewaltlosigkeit den Glauben an die Vergeltung durch Gott voraussetzt, wird vielen … im Westen … nicht schmecken.

    [Aber] es braucht die Idylle eines Häuschens am Stadtrand, um auf die Idee zu kommen, dass menschliche Gewaltlosigkeit [aus dem Glauben entsteht], Gott würde auf sein Gerichtsurteil verzichten. In einem Land der verbrannten Erde, dessen Boden vom Blut der Unschuldigen getränkt ist, wird dieser Glaube komplett untergehen … zusammen mit einigen anderen lieb gewordenen Überzeugungen, in denen unser liberales Denken gefangen ist.“

    Miroslav Volf: „Die einzige Möglichkeit, jeden Einsatz von Gewalt durch uns Menschen zu ächten, besteht darin, darauf zu bestehen, dass Gewalt nur dann legitim ist, wenn sie von Gott kommt.“ In diesem faszinierenden Abschnitt seines Buches argumentiert Volf, dass der Nichtglaube an einen Gott der Vergeltung „der geheime Nährboden für Gewalt“ ist.

    Die Vorstellung, dass der Gewalttäter für seine Verbrechen zahlen muss, ist zutiefst im menschlichen Denken eingewurzelt. Man kann sie nicht mit Plattitüden wie „Sie müssen doch sehen, dass Gewalt keine Probleme löst“ zum Schweigen bringen. Wenn Sie erlebt haben, wie Ihr Haus niedergebrannt wurde und Ihre Lieben umgebracht oder vergewaltigt, sind solche Sätze ein lächerliches Geschwätz und zeugen von keinem wirklichen Gerechtigkeitssinn.

    Doch die andere Seite ist die, dass die Opfer von Gewalt immer wieder verleitet sind, über Recht und Gerechtigkeit hinauszugehen zu jenem Rachedenken, das sagt: „Du hast mir ein Auge ausgestochen, also steche ich dir beide aus“, und schon beginnt sie sich zu drehen, die unheilvolle, endlose Spirale der Vergeltung und Gegenvergeltung, angetrieben und gerechtfertigt durch die Erinnerung an das Böse, das uns getan wurde.

    Ist es möglich, unseren Hunger nach Gerechtigkeit auf eine Art zu stillen, die nicht unseren Hunger nach blutiger Vergeltung nährt? Ja, sagt Volf, und zwar am besten dadurch, dass wir an Gottes Gerechtigkeit glauben. Wenn ich nicht glaube, dass es einen Gott gibt, der einmal vollkommen Recht schaffen wird, dann werde ich das Schwert nehmen – und lande im endlosen Strudel der Vergeltung. Die Kraft, das Schwert in der Scheide zu lassen, habe ich nur, wenn ich gewiss bin, dass Gott selber für vollkommene Gerechtigkeit sorgen wird.

    Der polnische Dichter und Nobelpreisträger Czeslaw Milosz hat einen bemerkenswerten Essay mit dem Titel „Der dezente Zauber des Nihilismus“ geschrieben, in welchem er daran erinnert, wie Marx die Religion „Opium des Volkes“ nannte, weil die Vertröstung auf das Jenseits die Armen und die Arbeiter dazu brachte, sich mit den ungerechten Verhältnissen in der Gesellschaft abzufinden.

    Milosz kommentiert: Heute erleben wir eine bemerkenswerte Transformation: Ein echtes Opium für das Volk ist der Glaube, dass nach dem Tod nichts mehr kommt – der gigantische Trost, der darin besteht, sich einzureden, dass unsere Gier, Verrat, Feigheit und Morde keinen Richter finden werden … [Aber] alle Religionen wissen, dass unsere Taten unvergänglich sind.

    Viele Menschen glauben, dass der Glaube an einen richtenden Gott zu einer brutaleren Gesellschaft führt. Unter dem Nationalsozialismus wie dem Kommunismus hat Milosz persönlich erfahren, zu welcher Grausamkeit es führen kann, wenn man an keinen Gott mehr glaubt. In der Vorstellung, dass wir unseren Lebenswandel und unsere Moral frei wählen können, ohne einem ewigen Richter verantwortlich zu sein, liegt ein enormes Gewaltpotenzial. Volf und Milosz argumentieren, dass der Glaube an Gottes Gericht geradezu eine notwendige Vorbedingung für ein Leben der Liebe und des Friedens ist.

    Keller, Timothy. Warum Gott?: Vernünftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit? (German Edition) (S.82-85). Brunnen Verlag Gießen. Kindle-Version.“

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